Spanische Feldfrüchte (Achtung Superlanger Text)

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Zottel

Mitglied seit 17.01.2002
4.181 Beiträge (ø0,73/Tag)

Ich nehme mal nicht an, dass ihr das Universitätsgelände der granadinischen Universität kennt. Also es ist so, dass die Universität auf die ganz Stadt verteilt ist, es aber 2 Campen, ein dritter ist gerade in Arbeit, gibt, die jeweils an entgegenliegenden Stadträndern liegen. Der Campus Cartuja, nach einem Kartäuserkloster benannt, liegt am Berg über der Stadt (Granada ist eine Stadt, die sich von den Bergen in die vega, eine fruchtbare Ebene erstreckt, sich aber parallel des “Gebirges” entlang zieht) auf ehemaligen Mandelplantagen. Überall dort, wo keine Universitätsgebäude stehen, Straßen geführt oder Parks angelegt sind, ist noch die alte Mandelplantage zu erkennen, in der ab und zu auch mal ein verirrter Olivenbaum steht, oder ein Eukalyptus.

Ich weiß jetzt nicht, ob ihr alle mit der Beschaffenheit einer Mandel, die nicht aus der Tüte kommt vertraut seid, deshalb nehmt es mir nicht übel, dass ich mir die Zeit nehme, die Mandel eingehender zu beschreiben. Die Mandel hat außen eine filzige Schale, die im frischen Zustand grün ist, im Herbst gräulich wird. Darunter kommt dann eine harte Schale, die die meisten von Euch ganz bestimmt kennen, wenn man die Mandeln “lose” kauft. Als nächstes kommt dann das Häutchen, das alle von uns kennen, dass als letztes den Kern umschließt.

Im November sah ich, dass die schon gräulichen Filzschalen der Mandeln aufplatzten und teilweise abfielen, was für mich das Zeichen der Mandeln war: “Wir sind reif und wollen geerntet werden.!” Ich pflückte mir also einige und probierte sie. Ich muss leider sagen, dass sie extrem bitter, trotzdem aber soweit genießbar waren, aber halt auch nicht in rauen Mengen. Als dann zwischen Ende Januar und Mitte Februar die Mandeln blühten (in Granada blühen die Mandeln aufgrund der Höhe später, als am Meer) dachte ich an eine bekannte Orangensaftwerbung mit einem pädophilen “Onkel”, übertrug dies voller Forscherdrang auf Mandeln und pflückte mir zum wiederholten Male mehrere Exemplare. Doch immer noch war der der bittere Blausäuregeschmack dominierend, der i. Ü. trotz seiner Bitterkeit eine sehr starke Ähnlichkeit mit Marzipan hat, aber wen wundert’s? Ich begann zu vermuten, dass es sich um Bittermandeln handelte.
Heute (da ich das in der XP Works-Textverarbeitung auf einem nicht “ge-online-ten” Rechner schreibe eigentlich gestern) war es mal wieder so weit. Seit Wochen sieht man keine der weissen Mandelblüten, auch auf keinem noch sehr verspäteten Nachzügler mehr, und ich sah zwischen dem hellen und frischen Blattgrün diese grauen abgestorbenen Filzschalen hängen, was mir extrem gegen jedes Ästhetikgefühl ging. Also wiederholte ich meinen zuvor gescheiterten Versuch und pflückte mir mehrere Mandeln, die ich dann, zuhause angekommen, in der Küche knackte. Und siehe da, obwohl von den gleichen Bäumen gepflückt, ist der Bittergeschmack völlig verschwunden.
Und eine weitere Beobachtung konnte ich machen: an einigen der Mandeln war die Filzschale nicht aufgesprungen und fest mit der harten Schale verbunden. Diese Mandeln waren alle in der Schale vertrocknet, während die Exemplare mit der nur noch locker oder gar nicht mehr an der Mandel hängenden Schale alle ob waren. Okay, diese Nachricht wird sicherlich keinen mediterranen Mandelbauern überraschen, mich aber schon.

Aber der Thread ist ja nicht mit “Mandeln”, sondern mit “Spanische Feldfrüchte” überschrieben. Deshalb wende ich mich hiermit den Oliven zu, mit denen ich ähnliche Versuche gemacht habe, zu. Aber ich muss selbst Olivenliebhabern davon aufs dringlichste abraten, diesen Versuch zu wiederholen. Ich habe ihn 3x gemacht; einmal im November, ein 2. Mal im Dezember, und ein drittes Mal im Januar, als überall auf den Feldern die Pflücker auftauchten. Aber auch dieses 3. Mal spuckte ich angeekelt vor diesem absolut unolivenhaften Geschmack den Olivenbrei wieder aus. Ein Freund von mir, so ein holländischer Kaaskop (ist nicht böse gemeint), hat daraufhin die Theorie aufgestellt, dass Oliven erst in Öl eingelegt werden müssen, damit sie ihren Geschmack, wegen dem sie von einigen Menschen geschätzt werden, erst bekommen. Ich habe das natürlich als Unfug abgetan, schließlich sind Oliven im Mittelmeerraum Hauptpflanzenöllieferant. Er blieb aber dabei, dass sie wenigstens in irgend etwas eingelegt werden müssten, was ich mich weiterhin zu glauben weigere, aber ich habe nun mal kein brauchbares Gegenargument. Dann versuchte er sich mit semantischen oder genauer lexematischen Argumenten. Er meinte nämlich: wozu gibt es im Spanischen 2 Wörter für Oliven (nämlich oliva und aceituna) wenn damit nicht signifikante Unterschiede zwischen ihnen, z.B. behandelt und genießbar bzw. unbehandelt und ungenießbar angedeutet werden sollten. Hier konnte ich ihn zwar sprachhistorisch widerlegen, nämlich in dem ich ihm erklärte, dass oliva ein lateinischer Begriff sei und aceituna von Az-Zait (Olive) aus dem Arabischen käme, worauf meine These der Synonymie basiert, welche er mir aber nicht als Argument gegen seine These anerkennen wollte, dass der eine Begriff eingelegte und der andere frische Oliven beschreibt, er gibt zwar die unterschiedlichen Ursprünge der beiden Lexeme zu, meint aber, dass sie aufgrund entsprechender sprachhistorischer Entwicklungen nicht synonym sind. Allerdings fehlt auch ihm die entsprechende weiterführende Argumentation und wie und warum es zu entsprechenden sprachhistorischen Entwicklungen gekommen sein soll.
Die Frage nach dem Geschmack der Olive ist also nach wie vor ungeklärt. So, jetzt seid ihr dran!

Viele Grüße,
Zottel

P.S.: Damit die Liste der ungelesenen e-mails morgen nicht so lang ist, wie dieser Thread, habe ich selbstverständlich längst sämtliche Haken und Ösen entfernt.
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Zottel

Mitglied seit 17.01.2002
4.181 Beiträge (ø0,73/Tag)

Falls es Euch nicht aufgefallen sein sollte: ICh habe mit dem Text auch eine Frage verbundenAchtung / Wichtig Andreas
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mausel

Mitglied seit 05.05.2002
1.519 Beiträge (ø0,27/Tag)

Hallo Zottel!

Ich denke, dass der kaaskopp recht hat. 1. ist es doch schon sehr auffällig, dass Oliven ausschliesslich eingelegt verkauft werden und 2. möchte ich gerne mein "Italian Basics"-Kochbuch zitieren:

"Wer kam eigentlich auf die Idee, dass man Oliven essen kann? Es muss ein Optimist gewesen sein. Roh schmecken sie nämlich so bitter, dass jeder Gedanke ans einlegen Unsinn erscheint. Kann sein, dass die Natur selbst dran dachte. Danach sind irgendwann ein paar reife Oliven in Mittelmeerwassertümpel gefallen, in denen dann unter der Sonne geschah, was bis heute beim "Pökeln" von Oliven in Salzlake passiert: Sie wurden lecker statt bitter. Das schmeckte nun den Menschen, die bald darauf auch unreife grüne Oliven einlegten, füllten, würzten. Für den reinen Genuss sind aber Oliven samt Stein zum Ablutschen am besten."

So, jetzt haste auch noch eine historische Erklärung Na! Ich hoffe ich habe Dir jetzt weitergeholfen und nicht völlig an der Frage vorbeigeantwortet, denn dein Text war wirklich lang....

LG,
Mausel, die eigentlich lerne sollte zum Heulen
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Zottel

Mitglied seit 17.01.2002
4.181 Beiträge (ø0,73/Tag)

Ach Mausel weisst Du.... auch so haben wir beide etwas gelernt! Ich lerne auch immer die Sachen, die ich gerade nicht brauche. Aber die behalte ich dann wenigstens. Lachen Welt zusammengebrochen Was denn nun?
Und vielen Dank für die Erklärung.

Zottel
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Zottel

Mitglied seit 17.01.2002
4.181 Beiträge (ø0,73/Tag)

P.S.: bleibt jetzt aber noch die Huhn-und-Eier-Frage oder die Wieviele-Engel-passen-auf-eine-Olive-Frage: welcher Depp ist denn auf die Idee gekommen Oliven, die doch sowieso schon ekelig schmecken, dann auch noch aus einem Salzwassertümpel zu fischen? Das muss mal jemand verstehen. Zottel
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Gelöschter Benutzer

Mitglied seit 07.04.2002
31.635 Beiträge (ø5,6/Tag)

Zottel, vielleicht ein Robinson?????????????????????? Lächeln

Außerdem sind Menschen immer neugierig, habe eben von einem gelesen, der sein Leben riskiert hat, indem er Mandeln in allen möglichen Reifeformen gegessen hat Lachen .

Und wenn ich so lese, was in manchen Ländern, früher und heute, als Delikatesse gilt - ja, warum halt nicht auch Oliven?????????????????????

Es soll sogar Leute geben, die KNOBLAUCH essen HAR HAR HAR .

Es grüßt Kyri, die Vampirdame
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Zottel

Mitglied seit 17.01.2002
4.181 Beiträge (ø0,73/Tag)

Hallo Kyri,

das mit den Reifestadien kann ich sogar noch toppen: als wir letztes Jahr in Syrien waren, wurden im Suq unreife Mandeln verkauft. die innere Schale war auch noch ganz weich, und wir haben es den Syrern nachgemacht und die unreifen Mandeln gegessen.

Zottel
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Gelöschter Benutzer

Mitglied seit 07.04.2002
31.635 Beiträge (ø5,6/Tag)

Also Zottel, langsam fürchte ich echt um Dein Leben Lachen .

Besorgte Kyri-Grüße
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Zottel

Mitglied seit 17.01.2002
4.181 Beiträge (ø0,73/Tag)

Danke Kyri, aber ich weiss nicht wieviele Kio unreife Mandeln man zu sich nehmen muss, bis man von der Blausäure (ausser natúrlich geschmacklich) überhaupt etwas mitbekommt. War heute im übrigen auf Mandelpflücktour, bis alle Taschen voll waren. Demnächst gibts dann Tajin auf Mandelbasis. Da ich aber schon einen Tajin-Thread in Planung habe, das erste Rezept habe ich schon fertig, wird das erst veröffentlicht, wenn ich sagen wir mal eine Fleischtajin (fertig), eine Gemüsetajin (in Planung) und eine Mandel-Nuss-Dattel-Tajin (ob vegetarisch oder carnivor, weiss ich noch nicht), fertig habe. Mein Al-Qaeda-Mitglieds-Mitbewohner wir mir auch bei der Zusammenstellung helfen, damit es echt marrokanisch wird. (Er ist natürlich kein Al-Qaeda-Mitglied, ist aber der Meinung das Al-Qaeda sich nur gegen die USA wehrt. Ich habe diesbezüglich schon mehrere fruchtlose Diskussionen hinter mir... sonst ist er aber ganz nett, wenn auch ein bisschen dumm Lächeln.
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Gelöschter Benutzer

Mitglied seit 07.04.2002
31.635 Beiträge (ø5,6/Tag)

Zottel, ich weiß leider auch nicht, wie das mit dem Blausäuregehalt ist. Aber wenn es womöglich Bittermandeln sind??????? Also - ehe Du das im Selbstversuch herausfindest, wäre es vielleicht doch ganz gut, sich mal zu erkundigen. (Aber offensichtlich planst Du ja die Verwendung Deines Mitbewohners als Versuchskaninchen HAR HAR HAR ).

Jedenfalls wäre es ganz gut, wenn Du in regelmäßigen Abständen ein Lebenszeichen von Dir gäbest Lachen .

Und wenn Du dann bitte noch einem absolut ahnungslosen Menschen erzählst, was ein Tajin ist, dann hast Du fürs Erste genug für die Fortbildung der Menschheit getan. ...

Liebe Grüße aus dem Norden
von der Kyri
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mausel

Mitglied seit 05.05.2002
1.519 Beiträge (ø0,27/Tag)

Hallo Zottel!

Tajin interessiert mich auch- hat das irgendwas mit dieser Sesampaste zu tun?

LG,
Mausel
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maddalena

Mitglied seit 19.03.2003
24 Beiträge (ø0/Tag)

Sorry, dass ich zu der Oliven- und Mandeldiskussion nichts Fruchtbares beitragen konnte, freue mich aber schon auf die Tajin-Rezepte.

Ja, ja, wissen wir: die armen armen arabischen Moslems sehen keine andere Möglichkeit, sich gegen die übermächtige Fast-Kolonialmacht USA zur Wehr zu setzen, als Flugzeuge ins WTC zu steuern. Muss hart sein, mit einem solchen Menschen leben zu müssen.

Liebe Grüße von einer Maddalena, die sich mit einer Türkin über die Kurdenfrage unterhalten hat. Böser Fehler. Ergebnis war dasselbe wie bei Deiner Diskussion.
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maddalena

Mitglied seit 19.03.2003
24 Beiträge (ø0/Tag)

Jetzt hätte ich doch fast vergessen, mich für den Beitrag, zu bedanken.
Sticht wohltuend von den recht häufigen "Wo gibt´s den Tchibo-Brotbackautomaten noch billiger"-Beiträgen ab. Und, wie man oft sieht: nicht jede(r) ist ohne Word-Rechtschreibhilfe in der Lage, einigermaßen korrekt zu schreiben.

So: Just wanted to thank you.
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nata0807

Mitglied seit 29.03.2003
2.860 Beiträge (ø0,54/Tag)

Hey Zottel,
schreib doch mal *was* und *wo* du in Granado so isst. Ich war im Herbst zwei Wochen dort auf einer Sprachschule. Seitdem liebe ich das Essen in Granada. Tapas, Schinken, Sardinen, dunkelgrünes Olivenöl...

Ist es möglich, jemals alle guten Tapas-Bars besucht zu haben???

nata
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Zottel

Mitglied seit 17.01.2002
4.181 Beiträge (ø0,73/Tag)

Hallo... jetzt muss ich erstmal versuchen, alle Fragen und Kommentare, die sich heir schon wieder angesammelt haben zu benatworten. Ich geh mal von unten nach oben, um möglichst wenige zu übersehen:

@nata, eine tapas-Bar, die Du bestimmt kennst in einer seitenstrasse der Plaza Nueva ist der Minotauro, wo man wirklich von Anfang an gute Tapas bekommt. Das ist aber gleichzeitig das Problem hier. die Bar ist Wochenends überfüllt und ab und zu werden die tapas vergessen. Mein absoluter Favorit ist aber das Omka, eine arabische tapasbar, wo man zwischen etwa 20 vegetarischen und 10 fleischhaltigen tapas wählen kann. befindet sich in der calle jardines, nahe bei der Plaza de Gracia, bei den Juristen ist auch eine nette Bar, sehr modern, wechselnde tapas. Sonst gibt es noch das LAX, eine skandinavische tapas-Bar, wo ich nicht hingehe, weil es da nur ¿was wohl? gibt. Eine weitere interessante tapas-Bar ist ein Argentinier der in einer Nebenstrasse von der Gran Vía zu finden ist, deren Namen ich aber nicht weiss, auch hier gibt es täglich wechselnde tapas. Naja... das waren so die interessanten und dann gibt es ja noch die vielen hundert anderen Bars, wo selbstverständlcih ebenfalls tapas gereicht werden, viele nette in den Nebenstrassen der calle Elvira oder in der Nähe der Plaza Bibrambla oder der Plaza Trinidad, von denen einige mehr, andere weniger edel sind. Andere Essmöglichkeiten sind die "Dönerbuden" hier Schawarma genannt (nicht die Döner, sondern die Buden!) etc. Aber meistens koche ich doch selbst.

Thema Tajin
Nö, ist keine Sesampaste (das ist Tahina), sondern ein marrokanisches Pfannengericht, es gibt eine extra Tajinpfanne (gab hier vor kurzem auch einen Thread dazu), die braucht man aber nicht unbedingt, ist natürlich toller (Thread hiess glaube ich Arabischer Römertopf, oder marrokanischer...) Die Tajin kann mit den unterschiedlichsten Zutaten gemacht werden, es kommt hauptsächlich auf die Grundzutaten, die Gewürze und die Zubereitung selbst an. Aber genaueres werdet ihr in einigen Wochen, wenn mein Tajinthread fertig ist, erfahren.

ich hoffe, alle Fragen beantwortet zu haben, wenn nicht, dan schickt mir doch mal eine KM. Zottel
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