Adventskalender Weinforum, Türchen 9, 6.12.2010
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![]() Mitglied seit 04.12.2008 |
heute ist der Tag, wo wir alle so nett miteinander umgehen und kleine Schokoladenmänner an den Straßen, in den Büros oder vor Geschäften verteilen. Von dieser freundlichen Geste zur Gastfreundschaft ist der Sprung nicht weit und vielleicht steht auch bei den heutigen Weihnachtsfeiern an jedem Kuvert ein kleiner Nikolaus als Punkt der Gläserreihe. Die Ausübung der Gastfreundschaft und meine Mutter sind festgeschnürte Größen, und weil sie heute Geburtstag hat - und dazu noch einen schönen runden - widme ich diese Tür meiner Mutter. Es ist in meinem dänischen Elternhaus Gang und Gäbe, dass nach dem Türklingelton die Einladung zum „etwas trinken“ folgt. In meinen sehr jungen Jahren wurden die Besucher mit Tee bewirtschaftet, der sich dann in Wein umwandelte, als Børge auftauchte – darüber später mehr. Familie und Freundeskreis, alle genießen wir ihre freundliche Aufforderung, und zahlreich waren die Anlässe, wo aus diesem kleinen Glas sich ein spontanes Fest entwickelt hat. Es gab aber auch die sorgfältig geplanten Feiern im engsten Familienkreis, wo die Geschehnisse sich für Mutter so Nachteilhaft entwickelten, dass jeder Verständnis zeigen würde, hätte sie ihre Begabung niedergelegt: Die Familie war in Hochform. Großeltern vom weiten angereist und die Eltern gerade fertig mit der Hausverschönerung. Versammelt um den runden Tisch, wo die Kerzen eine warme gemütliche Atmosphäre entsendeten, warteten wir auf das Festessen. Frisch gestrichene weiße Wände ließen das Licht noch glanzvoller auftreten. Oma, Opa und 2 Enkel; Alle Augen waren erwartungsvoll auf die Küchentür gerichtet, wo zarte verlockende Düfte entschlüpften und an unseren Nasen vorbeizogen. Hinter der Tür setzten Mutter und Vater die letzten Pinselstriche auf das Meisterwerk, das in genüsslicher Freude bald unseren Gaumen verwöhnen würde. Das Mahl habe ich nicht länger in Erinnerung, dafür war ich zu jung. Es war aber in der Periode Anfang der 70er, wo die Dänen angeregt von ein paar aktiven genussbewussten Gastronomen sich in Richtung französischer Esskultur begaben um den eigenen faden, mehlgebundenen und qualitätsentzogenen Speisegewohnheiten zu entfliehen. Auch der Wein wurde zu dieser Zeit in den breiten Kreisen ein fast alltägliches Erlebnis und nicht nur ein harter Kern Connaisseurs überlassen. Schuld daran war Børge. „Bier macht eine Nation rülpsend“ begründete er sein Feldzug. Als Geschäftsführer eines expandierenden Supermarktkonzerns hatte er sein Steckenpferd entdeckt: Den Dänen die Weinwelt zu vergrößern. Also weg von der 3-Liter molligen, bastumwickelten Flasche mit der dünnen säuerlichen Brühe namens Chianti Classico. Diese Version, einem biertrinkenden Marktsegment gewidmet, war in jedem Tabak- und Zeitschriftengeschäft zu kaufen, und bescherte den Inhabern die Ehre sich Weinhändler zu nennen. Und weg von der klebrigen ausgeleiterten Version einer deutschen Liebfraumilch, die die Einwohner dieses steuergestressten Landes auf den Spritrouten Richtung Deutschland erlangten. Børges Wochenblättchen flatterte jeden Samstag in den Briefkasten, voller neuer Weinerlebnissen. Und das geniale daran: Nicht nur der Wein wurde angeboten, sondern auch eine ausführliche Beschreibung der Traubensorte, Winzer, Anbaugebiet usw. Erläuterungen auf hohem Niveau, die die Stammkunden des Supermarkts zu einer Gemeinschaft der Weinbewussten machte. So. Und jetzt kehren wir zum runden Tisch zurück. Eine Bewegung im Raum unterbrach das freudige Gespräch zweier Generationen. Eine für die vorweihnachtliche Jahreszeit zu spät geschlüpften Mücken zeiste durch die Luft, umkreiste die Kerzen zweimal und landete auf Opas feinbeharrten Kopf. Diese Anziehung! Egal ob Kinder, Haustiere oder Insekten, alle wurden in seinen Bann gezogen - und - blieben hartnäckig hängen. Unmut bringt eine störende Mücke als Beilage eines Festschmauses - und Opa ging, schwerstens unterstützt von unserem Afghanischen Windhund, zum Angriff über. Opa trieb die Mücke in Richtung Hund – die Mücke entwischte um einen Haar dem klappenden Kiefer, und zog sich in eine Ecke am Deckenrand zurück. Wütend war er jetzt, der Opa. Holte kurzentschlossen ein Stuhl, stieg drauf mit seinem Feuerzeug bewaffnet, und kohlte die Mücke ab. Oh Schreck!! Nicht nur die Mücke wurde getroffen, auch ein kleines Stück Tapete, die der Klebepinsel verschont hatte, fackelte auf und schwärzte die ganze obere Ecke. Zwei Paar erschreckte Kinderaugen suchten nach Omas Blick, die ihrerseits Opas Name hinter verschlossenen Zähnen wieselte. Und. Gerade dann….Ging die Küchentür auf. Wir versuchten es wirklich gelassen auf unseren Stühlen zu sitzen und uns über das Essen zu freuen. Aber immer wieder suchten unsere Augen diese schwarze Ecke auf. Oma war es schließlich, die alles auffliegen ließ. Sie konnte es nicht mehr aushalten, und fing an zu Kichern. Mutter verzog sich in die Ferne und schloss die Tür zur Küche hinter sich. Ich stellte mir vor, wie ein Gläschen vom Kochwein ihre Nerven wieder beruhigten. Vater besserte in aller Ruhe ein bisschen aus - die Kreativität seines Schwiegervaters gewöhnt. Ein paar Jahre später wurde Mutters Gastfreundschaft wieder auf die Probe gestellt. Heilig Abend näherte sich, und alle Vorbereitungen waren zur spätabendlichen Stunde über die letzten Wochen abgearbeitet: Essen für 3 Festtage im Kühlschrank und -truhe. Geschenke gefunden und zu ästhetischer Vollkommenheit eingepackt. Haus hochglanzstrahlend geputzt, weihnachtlich dekoriert, und der Baum: Ein Traum! In Nachtarbeit am Vorabend geschmückt. Was passiert dann wenn die alltägliche Familienroutine und die Vollzeitstelle auch zu betreuen sind? Die Migräne kommt. Am Tag des größten Lichtfestes im Jahr suchte Mutter das stille, kühle, verdunkelte Schlafzimmer auf, und verzichtete damit auf ihre perfekte Weihnachtswelt. Erste Schadenbilanz konnten wir am Nachmittag ziehen. Einige Weihnachtsbesucher weilten bei einem Gläschen Wein am Baum. Im Rausch des baldigen Geschenküberschwalls sprang Schwester angeregt Oma an, und beide landeten im Objekt der Bewunderung. Aufrichten konnten wir alle drei. Trotzdem sieht ein Weihnachtbaum ohne Glaskugelvielfalt dafür mit leicht abgeknickten Kerzen irgendwie anders aus. Als Mutter spät abends - wieder erholt – die Richtung ihrer Familie und Küche einschlug, war die Ente nach Fräulein Jensen zwar mit Genuss verzehrt, dafür aber der dänische Schweinebraten - abgesehen von der Kruste - für sie in Alu sorgfältig eingepackt. Und alles was wir sahen, war: Eine Mutter, die voller Vorwürfe die Schwelle der Küchentür überschritt, und dass der Hund sich verzog. Ach ja – Afghanische Windhunde sind Diebe die mit feinmotorischen Fähigkeiten arbeiten, und in der Lage sind feine Fleischstücke zu verzehren ohne den von menschlicher Hand angebrachten Schutz zu verletzen. Und jetzt zum Wein. So begeistert ich auch bin für Børges Weinerziehung in den 70er Jahren, so sehr bedauere ich, dass er nicht ein Zwischenstopp in Deutschland einplante. Die großartigen trockenen Rieslinge habe ich erst kennengelernt als Deutschland meine Wahlheimat wurde. Solcher muss es sein. Weingut Daniel Rheingau Riesling Maxximum 2009 trocken Ja das ist Riesling! Frucht, Gewürze und ein Hauch von Rauch in der Nase; Saftig und fruchtig im Mund; Feine Säure – und verlangt nach mehr! Ich wünsche Euch alle ein rieslingreiches Weihnachten! |
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![]() Mitglied seit 11.06.2003 |
Ich denk, die Geschichte hätt Herrn Busch gefallen:
Ganz stille flackern heut die Kerzen Stechmücken gilt es auszumerzen. Jetzt kreist die Mück um Opas Kopf ... (Die Mutter holt den Bratentopf.) ... und verkohlt jetzt Mück und Decken. Der Kochwein hilft nach dem Erschrecken. Natürlich hätt er das auch gezeichnet und geendet mit: Der Windhund schnappt den Bratenrest. Das war mein schönstes Weihnachtsfest. LG Ole |
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![]() Mitglied seit 17.01.2002 |
Die dänische Pünktlichkeit steht der deutschen ja in nichts nach.
Liebe Vivi, ganz herzlichen Dank für dieses Türchen und den kleinen Einblick ins dänische (Vor)weihnachten, das dem deutschen ja gar nicht so unähnlich ist; vor allem das mit den kleinen und großen häuslichen Katastrophen, da kann wohl jeder von uns so seine Schnurren erzählen. Und endlich mal ein Riesling! Unbekannterweise Deiner Mutter ganz herzliche Geburtstagsglückwünsche, ich wünsche ihr was man Damen ihres Alters so wünscht, Glück, Gesundheit, heitere Gelassenheit, ein schönes Fest mit der Familie möglichst ohne Katastrophen, ohne Mücken oder Zimmerbrände aber mit feinem Essen, gutem Wein und ganz vielen "Weißt Du noch ...."! Skål! ________________________________________________________________________ Moi, je n’ai pas de message. (Zinedine Zidane) |
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![]() Mitglied seit 16.09.2004 |
Hallo,
auch von hier einen herzlichen Glückwunsch an Deine Mutter, damit wissen wir jetzt auch, wer das Gastfreundschafts-Gen an Dich weitergegeben hat. Ich stelle mir vor, dass auf der Basis solcher Familiengeschichten früher die Familienwappen enstanden sind. Bei Euch wäre das dann wohl ein Afghane mit einem Stück Schweinebraten, ein brennender Drache (Mücken werden ja gern zu was größerem) und naturlich eine große Schlegelflasche! Viele Grüße Matthias _____________________________________________________________ I can certainly see that you know your wine. Most of the guests who stay here wouldn't know the difference between Bordeaux and Claret. Basil Fawlty |
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![]() Mitglied seit 06.06.2002 |
Ein zauberhaftes Türchen!
Und unbekannterweise die besten Wünsche an Deine Mutter, liebe Vivi, feiert schön da oben im hohen Norden! Tin ______________________________________________________________________________ Wein aus vielen Rebsorten ... Dornfelder, Chardonnay, Riesling, Bordeaux ... |
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![]() Mitglied seit 10.06.2006 |
Hallo,
also so schön wie der Ole kann ich meine Begeisterung für dieses Türchen zwar nicht ausdrücken, was aber nichts dran ändert, dass ich es bin. Obwohl mir durchaus klar ist, dass ich sowohl fürs Tapete ankogeln wie auch fürs überschwängliche Schwester an- und Baumumspringen taugen würde. Und den Grüßen an die Mutter schließe ich mich an! LG Gottfried _____________________________________________________________ "Denken ist die Arbeit des Intellekts, träumen sein Vergnügen.“ (Victor Hugo) |
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![]() Mitglied seit 12.09.2004 |
Moin!
Diese Geschichte und mein Kopfkino dazu werden mich bestimmt noch eine Weile begleiten. Danke für Dein schönes Türchen zum Nikolaustag, Gruß, nick67 ![]()
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![]() Mitglied seit 19.09.2007 |
sorry, wenn ich zum oben erwähnten Wein nix beitragen kann, aber Susa meinte ja, in diesen Tagen sollten die WdT in die Türchen mit rein....
Also. gestern unser *Großes* Adventskonzert, unsre Anfänger durften zu ersten Mal mitspielen. Unsre größte Sorge war allerdings nicht, ob sie auch alle Töne treffen (darauf waren sie gut vorbereitet!),sondern: *Wie kriegen wir die sehr quirligen Jungs dazu, über eine Stunde ruhig sitzen zu bleiben?* Vor dem Konzert also eine Stunde Schneeballschlacht auf der Wiese hinter der Kirche. Die waschenden Mütter mussten sich damit abfinden, dass die feinen Konzertklamotten zum Auftritt nicht mehr nicht so ganz blütenrein waren... Aber es hat geholfen! Beim Orgelstück döste der Kleinste (knappe 11 Jahre) deutlich weg, erst fielen ihm die Augen zu, dann sackte der Kopf nach hinten. (Zum Glück hatte er die Trompete vorher abgelegt, wär nicht so gut gekommen, wenn ihm die aus den Händen gerutscht wär Er wurde aber pünktlich zum nächsten Stück von seinem Bruder geweckt. Hinterher (ich glaub, auf modern-deutsch heißt das *After-show-party*) gabs für die Erwachsenen natürlich Wein, natürlich Riesling für mich! Herr C. hatte Rotwein und nachdem ich davon einen Schluck probiert hatte, schüttete ich den Restriesling weg und gab mich für den Rest des Abends auch dem Rotwein hin. einfacher Spätburgunder QbA, von 2005, Weingut zum jungen Oettinger, Erbach Rheingau. Schmeckte irgendwie ganz fein nach Weihnachtsgewürzen, ein Hauch Zimt in der Nase, ganz wunderbarer Wein! Die *Catering-Abteilung* meinte, sie hätten dafür 6 € die Flasche im Weingut hingelegt - da ist er deutlich mehr wert! Und noch ne kleine Anmerkung zu*waschende Mütter* : Junior kleckerte sich von dem Wein aufs blütenweiße Hemd. Der Fleck ging ohne Sonderbehandlung (Salz oder was der Hausmittel da noch so seien) ganz einfach in der WaMa raus - is ja auch ganz nett zu wissen. lg Cantate |
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![]() Mitglied seit 09.08.2005 |
Moin,
auch von mir besten Dank für's Nikolaustürchen. Das Thema "umgefallener Weihnachtsbaum" kenne ich auch - am eigenen Leibe erfahren. Der war dann so hinüber daß ich ihn am 1. Wéihnachtstag in unsere braune Tonne geschnibbelt habe. LG theater ___________________________________________ Wer abnehmen will, muß Kalorien streichen. Am besten auf ein Croissant |
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![]() Mitglied seit 16.10.2008 |
Hallo,
welch wunderbare Geschichte, so was lese ich einfach zu gern. Die Tücken des Festtags und Hunde, die sich über den Braten hermachen, es gibt's überall. Unser Dackel verbrachte unverdrossen Stunden vor der Tür zur Loggia, in der die Gans geparkt war. Zum Thema Christbaum: wir haben mal so nachmittags die Kerzen angezündet, weil wir es gar so schön fanden, wenn sie brannten. Das Ausblasen lief nicht so problemlos, das davor stehende Sofa hat es hinten erwischt Gruss von Rinquinquin |
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![]() Mitglied seit 06.02.2004 |
Umgefallen ist unser Christbaum zwar noch nicht, aber dafür haben letztes Jahr die Wunderkerzen,
das Papier entfacht, was daruntergelegen hat. Der Baum hat sich dann munter hinzugesellt. Baum zwar nicht echt, aber brennen tut er echt. Kommt jetzt zum elektr. Licht noch elektr. Wunderkerzen ??? ---------------------------------- Beste Grüße Gerhard aus Wien |
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![]() Mitglied seit 23.11.2007 |
..und wieso fiel mir bloß 'Familie Heinz Becker' ein...
..muß mal überlegen... ..danke für das Türchen am Nikolaus. Gruß pp |
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![]() Mitglied seit 11.10.2006 |
Sehr schönes Nikolausitürchen.
Komme gerade vom Nicki-Näggy im Hof bei Freunden. Der Glühwein von Frau G. war wunderbar, wirkte aber sofort. Käsefondue im Stehen und Würste am Stock über dem Feuer und Weihnachtslieder. Kinderpusch für die Jugend. Herrlich wars.Die Gastgeberin und Frau G. sonst immer diszipliniert, heute so breit wie hoch LG Gerwolf PS. den gabs noch, wunderbar. Can Blau |
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![]() Mitglied seit 11.10.2006 |
Die Säulen der Erde schwankten ein wenig.
Can Blau 2008, Carinena, Syrah, Garnacha, 14vol%, 16,90€ Aprikose, Pflaume, ätherische Noten. schöner langer runder Nachhall. LG Gerwolf |
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Henglein
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