Adventskalender Weinforum, Türchen 7, 4.12.2010
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![]() Mitglied seit 25.01.2005 |
Wir springen 33 Jahre weiter und sind wieder im gelobten Land. Die übliche Nachmittagsbeschäftigung ist Propheten zuhören oder an Steinigungen teilnehmen. Ersteres ist öffentlich zugänglich, letztes nur für Weibsvolk. Immer wieder meinen zwar Männer, mit verstellter Stimme auch teilnehmen zu können, aber dann haben sie doch lieber den Fußball für den Samstag nachmittag erfunden. Eine weitere Beschäftigung für Samstagnachmittage ist der Besuch in einem Koloseum mit seinen Gladiatorenkämpfen. Mit dem Verkauf von Köstlichkeiten wie gefülltem Schnittlauch oder gebackenen Käsefüßen bessert Barbara ihr Taschengeld auf. Außerdem hat sie noch eine große Flasche Wein dabei, aus der sie die Becher der Zuschauer füllt. Ein paar Männer und Frauen sitzen in einer Gruppe zusammen und diskutieren über das Recht, im gelobten Land Eiswein anzubauen. "Jeder Winzer hat das Recht darauf, Eiswein zu keltern" meint der eine, der andere wirft ein, dass bei Temperaturen, die immer über dem Gefrierpunkt liegen, keine gefrorenen Trauben für Eiswein geernet werden können. Der Konsens der Gruppe lautet, dass alle Winzer das Recht haben, Eiswein anzubauen, egal ob es möglich ist oder nicht. Barbara kommt näher: "Gefüllter Schnittlauch, gebackene Käsefüße! Darf es etwas für die Herrschaften sein? Wundererbarer Rotwein!". "Ist der auch spontanvergoren?" fragt der Wortführer der Gruppe. "Nein, unsere Winzer arbeiten nur mit den besten Reinzuchthefen!" antwortet Barbara. "Ja, hast Du denn nicht einmal einen guten Wein? Immer diese amerikanischen Sitten!". Barbara wird bei diesen deutlichen Worten hellhörig, vorsichtig fragt sie nach: "Seid Ihr von der Partei der Sponti-Vergärer?" Ein entsetzter Blick trifft sie. "NEIN! Quatsch! Wir sind die Partei der Spontanvergärer! Die Partei der Sponti-Vergärer sitzt dort drüben." Der Anführer zeigt auf einen einsamen Mann und ruft abschätzig "Spalter!". Barbara wirkt wie elektrisiert, "darf ich bei Euch mitmachen? Ich verkaufe den Wein nur, weil ich arm bin und das Geld brauche!". "Wenn Du bei uns mitmachen willst, dann muss Du die Reinzuchthefenverwender so sehr hassen, wie..." "Ich hasse sie, ich hasse sie" "O.K. Du bist aufgenommen." Und so kam Barbara in die Partei der Spontanvergärer. Der erste Einsatz von Barbara mit ihren Genossen der Spontanvergärer führt sie in ein Lager der Reinhefezüchter. Zusammen wollen sie den Hefestamm stehen und nur wieder freigeben, wenn alle Reinzuchthefewinzer sich zurückziehen und das gelobte Land verlassen. Leider geht der Einsatz gründlich schief, sie werden entdeckt und nach einem heftigen Schlag auf den Kopf findet sich Barbara in einem Nebenraum eines Weinkellers wieder. Doch schon kurze Zeit später wird sie von Wächtern abgeholt und zum heftigesten Befürworter der Reinzuchthefen, Prian, geführt. "Wie heißt Du, pöses Weip?" fragt er. "Wie bitte?" Barbara ist zu überrascht. "Teinen Namen will ich wissen, Weip!" "Barbara" - "Ah - Parpara!" "Nein - Barbara!". Aber da bekommt sie schon eine Ohrfeige vom Wächter, "Prian widerspricht man nicht - merk Dir das!". "Wirf das Weip zu Poden! Sie ist von den Spontanen!" Barbara protestiert "Mein Vater war auch ein Reinzuchthefeverwender! Ich bin eine von Euch!". Prian zögert etwas. "Wie soll er denn geheißen haben?". Stolz sagt sie "Papierus Chipsus!". Der Wächter prustet los. Prian fragt irritiert nach, was denn sei. Der Wächter meint, dass es sich bei diesem Namen nur um einen Scherz gehandelt haben kann, wie auch zum Beispielt Vino lokkus oder Aldi Vinus. Prian ist noch mehr irritiert. "Was ist denn an dem Namen Aldi Vinus so lustig? Mein bester Freund in Rom hieß Aldi vinus!". Ein anderer Wächter kann sich ebenfalls kaum noch beherrschen und muss losprusten. "Ich kann es nicht ertragen, tass der Name meines Freundes Aldi vinus so mit den Füßen getreten wird! Tu gehst für das nächste Jahr in ten Weinberg!". Die allgemeine Verwirrung nutzt Barbara um zu fliehen. Doch bald sind ihr die Wächter wieder auf den Fersen. Nach einer wilden Jagd mitten durch die Innenstadt der Hauptstadt des gelobten Landes gelingt es Barbara, etwas Vorsprung vor ihren Häschern zu bekommen. An einem Stand auf dem Markt will sie eine Tarnung erstehen. "Wie viel kostet diese Weinmanschette?" "20 Schekel - und dafür ist er noch geschenkt!" "O.K, hier sind zwanzig Schekel. Auf Wiedersehn!" Der Verkäufer ist entsetzt. "Nein - so geht das nicht, wir müssen feilschen!" "O.K, 19!" "Nein - so geht das erst recht nicht! Sie müssen 5 sagen." "Dann eben 5." "FÜNF Schekel - seht her, sie will mir nur fünf Schekel geben!". Der Verkäufer ruft mit lauter Stimme, am anderen Ende der Straße stehen bereits die Reinzuchthefewächter. Nach zähen Verhandlungen darf Barbara die Manschette für 17 Schekel kaufen. Zum Glück sind die Wächter noch nicht auf sie aufmerksam geworden. Schnell läuft sie zum Unterschlupf der Spontanvergärer. Mittlerweile ist doch die öffentliche Wache auf den Vorfall aufmerksam geworden und folgt Barbara. Kaum ist sie durch die Tür im Versammlungsraum, klopft es auch schon an der Tür. Alle Mitglieder verstecken sich, nur der älteste öffnet die Tür. "Stimmt es, dass Barbara bei Dir Einlass gefunden hat?" "Nein, Herr, ich keine keine Barbara!" "Durchsuchen!" Aber die Durchsuchung bringt keinen Erfolg - die Verstecke waren zu gut. Als die Wache weg ist, kommen alle wieder hervor. Barbara entschuldigt sich. "Hört, hört, es tut ihr leid!" zitiert der Anführer, "es tut ihr leid, dass sie die Wache und die Reinzuchthefezüchter zu unserem Versammlungsraum geführt hat. Kein Problem, Barbara. Setz Dich, nimm dir ein Glas Wein, machs Dir schön bequem! - DU IDIOT! DU..." Weiter kommt er nicht, denn es klopft schon wieder an der Tür. Die Wache will die Wohnung nochmals durchsuchen. Barbara ist auf den Balkon geflüchtet, der aber so alt ist, dass er sofort zusammenbricht. Barbara stürzt und fällt auf den Platz unter dem Balkon, die Rednerbühne am Marktplatz. Dort stand gerade noch ein Prediger, der eine kleine Menge Menschen um sich geschart hatte. Seinen Platz nimmt jetzt Barbara ein. Erwartungsfroh schaut sie das Häuflein Menschen an. Auch die ersten Wachen werden aufmerksam. Um nicht aufzufallen, muss sie also auch zu den Menschen sprechen. "Trinkt jeden Tag ein Glas Wein, damit es Euch gut geht" ist das erste, was Ihr einfällt. Da marschiert die Wache wieder über den Platz. Barbara redet in höchster Not weiter um nicht aufzufallen. "Und wenn ihr jeden Tag das Glas Wein trinkt, dann werdet ihr... - dann werdet ihr Euch..." Puh - die Wache ist weitergegangen. Barbara steigt von dem kleinen Podest, auf dem sich noch gestanden hatte. "Was?" "Was wolltest Du uns sagen?" fragen die Leute. "Nichts, nichts,..." will Barbara sie beschwichtigen. "Nein, Du hattest eine Botschaft für uns! Sag sie uns! Rede zu uns!" Dass Barbara nichts mehr sagen möchte, stachelt die Menge um so mehr auf. "Du hast das Geheimnis vom ewigen Leben! Sag es uns!". Wie ein Lauffeuer spricht sich diese Kunde auf dem Markt herum, immer mehr Menschen drängen sich um Barbara. Ein Mann zupft an der Weinmanschette, die Barbara noch in der Hand hält. Sie lässt sie los. Überglücklich hält der Mann sie in der Hand. "Ich habe ihre Manschette!". Die Menge, die mittlerweile aus über hundert Menschen besteht, ruft "Ihre Manschette!" Doch Barbara versucht, dem Trubel zu entkommen. Es gelingt ihr nicht. Die Menge hat ihren neuen Messias gefunden, sie folgt ihr aus der Stadt hinaus ins Gebirge. "Rede zu uns! Wir sind Dir bis hin die Berge gefolgt! Was sollen wir jetzt tun?" Barbara ist verzweifelt. "Geht einfach wieder heim!" Der Wunsch wird ihr nicht so schnell erfüllt. "So geht doch heim, öffnet eine Flasche Wein und trinkt ein Glas!" Endlich macht die Menge kehrt und Barbara bleibt allein zurück. Am nächsten Morgen steht eine Menge von mehreren tausend Menschen vor Barbaras Haus. "Sprich zu uns!" skandieren die Menschen. Barbara weiß nicht wirklich, was sie sagen soll. "Jeder von Euch ist ein eigener Mensch. Jeder muss selbst herausfinden, was das beste für ihn ist. Keiner soll Euch vorschreiben, was ihr wollt. Jeder hat seinen eigenen Weg, der für ihn am besten ist. Jeder muss seinen Wein finden." Die Menschen jubeln. Kurz darauf wird Barbara auf dem Weg zum Versammlungsraum der Spontanvergärer von der Wache aufgegriffen und wieder vor Prian geführt. Diese hat die letzte Schmach und die Flucht noch nicht vergessen und schickt Barbara sofort zur Kreuzigung. Alle Gelegenheiten, Barbara zu davor zu retten gehen gründlich schief, selbst die Freunde von den Spontangärern sehen diese Kreuzigung als aufopfernde Aktion zur Bestätigung und danken Barbara dafür. Ein Mitgekreuzigter stimmt ein Lied an um Barbara aufzumuntern: "always look on the wine in your glass, di dumm, didumm didumm didumm...." Ich kann Euch nicht sagen, welchen Wein er damit meinte, aber ich kann Euch sagen, welchen Wein ich im Glas hatte, als ich das geschrieben habe. Es ist passenderweise ein israelischer Wein. 2006 Cabernet Franc Margalit Winery Dunkle Beeren, Waldbeeren, kräftige Tannine, leichte grüne Anklänge. Der Wein braucht sehr lange, bis er sich richtig öffnet und alle seine Aromen präsentiert. Genau richtig für einen gemütlichen Abend mit einer guten Freunden oder auch einer DVD. So, wie man sie sich in der staaden Zeit einfach mal nehmen sollte. Raus aus dem Stress mit Plätzchen hier, Feier da. Und der ständig präsenten Frage - für wen brauch ich noch ein Geschenk? Euch eine schöne Vorweihnachtszeit! Sefferl |
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![]() Mitglied seit 28.10.2004 |
Eine filmreife Geschichte, die sich hinter Deinem Türchen verbirgt! Wenn es an die Rollenverteilung geht, übernehme ich gerne die Mutter aus der ersten Szene. Die Frau, ein zartes Wesen, sitzt erschöpft neben der Krippe mit dem kleinen Kindlein....sowas kann ich total gut darstellen!
Wobei- am Ende hat die Arme bis heute keinen Wein bekommen? Nääää, dann lieber eine der Statistenrollen aus dem Kolosseum. Wer spielt Barbara? Freiwillige mögen vortreten! Danke für das schöne Türchen, das mich am frühen morgen schon schmunzeln ließ! lg girlfriend ___________________________________________________________ Das Alter hat auch gesundheitliche Vorteile: zum Beispiel verschüttet man ziemlich viel von dem Alkohol, den man trinken möchte. André Gide |
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![]() Mitglied seit 13.02.2008 |
Eine Weinnachtsgeschichte, wie schön! Danke Sefferl!
Viele Grüße Manfred Ich koche gern mit Wein, manchmal gebe ich sogar welchen ins Essen.
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![]() Mitglied seit 12.09.2004 |
Moin!
Jemand Interesse an Wolfszitzenchips? Ne nette Adaption eines Klassikers. Danke für dies Türchen. Gruß, Nick ![]()
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![]() Mitglied seit 17.01.2002 |
Ich gebe es zu, ich liebe sefferls Geschichten. Mit "nett" sind sie nur unzureichend beschrieben, schelmisch, klug und immer für eine überraschende Wendung gut. Eine wunderbare Einleitung des zweiten Adventswochenendes.
Danke dafür susa ________________________________________________________________________ Moi, je n’ai pas de message. (Zinedine Zidane) |
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![]() Mitglied seit 19.09.2007 |
wie wunderbar! Und wieder beginnt ein Forums-Adventskalendertag mit einem herzlichen Lachen, danke dafür! (Verbindung zum Wein: ein Weingut ein paar Dörfer weiter macht am Heiligabend eine Party für Familien-Weihnachtsfeier-Verweigerer, Programm: *Life of Brian* auf Großbildschirm. Nur mal so angemerkt Schönes zweites Adventswochenend! lg Cantate |
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![]() Mitglied seit 23.11.2007 |
...habe es zweimal gelesen, weil es so schön war...
..ja, das waren noch Zeiten, als Lidulos Discountus und Aldi Nordus reinen Wein einschenkten, leider muß ich auf Teil II wohl ein Jahr warten... ..und den Film in der veränderten Adaption werde ich mir auch mal wieder zu Gemüte führen... ..vielen Dank - ein wunderbares Türchen... Gruß pp |
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![]() Mitglied seit 24.01.2006 |
Die DVD ist bei uns auch Tradition, allerdings am Karfreitag. Aber klar, die Geschichte hat ja auch einen Anfang, vielleicht sollte man sich das zwei mal im Jahr gönnen. Mit israelischem Wein.
Besten Dank, K. |
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![]() Mitglied seit 10.06.2006 |
Yeah
Gottfried _____________________________________________________________ "Denken ist die Arbeit des Intellekts, träumen sein Vergnügen.“ (Victor Hugo) |
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![]() Mitglied seit 09.08.2005 |
Moin,
ein herzerfrischendes Türchen - kanz fielen Tank, Prian ääh Sefferl LG theater ___________________________________________ Wer abnehmen will, muß Kalorien streichen. Am besten auf ein Croissant |
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![]() Mitglied seit 16.09.2004 |
Hey, das erste von Weibsvolk geschriebene Türchen dieses Jahr. Sehr schön! Ich hoffe Sefferl, Du hattest beim Schreiben den obligatorischen falschen Bart angelegt!
Vielen Dank! Matthias _____________________________________________________________ I can certainly see that you know your wine. Most of the guests who stay here wouldn't know the difference between Bordeaux and Claret. Basil Fawlty |
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![]() Mitglied seit 28.10.2004 |
sie hat sicher auch mit sehr tiefer Stimme geschrieben!
lg girlfriend ___________________________________________________________ Das Alter hat auch gesundheitliche Vorteile: zum Beispiel verschüttet man ziemlich viel von dem Alkohol, den man trinken möchte. André Gide |
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![]() Mitglied seit 11.10.2006 |
Sefferl, Super
und vielen Dank für den Tausch Bei uns gab es einen Avi 2004 Ein wunderbarer Sangiovese. Amarenakirsche, Ätherische Noten. Langer langer Nachhall. Whow LG Gerwolf |
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Henglein
Rama Cremefine































