Alte Reben-Hildegard von Bingen
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![]() Mitglied seit 11.10.2006 |
Die vermutlich ältesten Rebstöcke Deutschlands wachsen im ehemaligen Kloster-Weinberg der Volksheiligen Hildegard von Bingen an der Nahe. Die schätzungsweise 500 bis 900 Jahre alten Uralt-Reben sind ein Zufallsfund der Weingut-Familie von Racknitz vom Disibodenberger Hof. Ein Test ergab, dass drei der verwilderten Pflanzen zur seltenen Sorte Weißer Orléans gehören. Sie haben am Steilhang von Odernheim am Glan in der Nähe von Bad Kreuznach die Jahrhunderte überdauert. . Das unzugängliche Stück einer uralten Weinberg-Terrasse barg die Überraschung. Die Rebsorte war in Deutschland nahezu ausgestorben, denn die Trauben reifen nur in warmen Spitzenlagen gut. Nach der klimatischen Warmphase im Hochmittelalter sei es für den Orléans schlichtweg zu kalt am Glan gewesen, sagt Rebsorten-Experte Andreas Jung. Er betreibt ein Büro für Rebsortenkunde und Klonzüchtung in Lustadt bei Speyer. Für Jung krönt der Fund im ehemaligen Klosterweinberg eine dreijährige Studie. Im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums fahndete er in alten Weinbergen nach vergessenen und übersehenden Sorten. "Nur 26 Traditionssorten sind in Deutschland regulär für die Weinherstellung zugelassen", Jung hält den Weißen Orléans vom Disibodenberg nun für die ältesten Rebstöcke Deutschlands. Allerdings fällt der Fund mickrig aus: Kaum mehr als eine Hand voll Wurzeln und ein paar Triebe haben die Jahrhunderte überdauert. Noch führt das Guinness-Buch der Rekorde einen beindicken Hausstock im slowenischen Maribor als ältesten der Welt. Dieser "Blaue Kölner" soll rund 450 Jahre überdauert haben. das heißt um 1550, der hat ja einiges an Geschichte(n) miterlebt LG Gerwolf |
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![]() Mitglied seit 29.11.2006 |
Das ist ja interessant. Schade, dass daraus vermutlich kein Wein mehr zu machen ist, wobei ich den Racknitzen einiges zutraue, nachdem ich ein paar Rieslinge entdeckt habe...Und der Lagenname ist ja auch herzallerliebst!
Viele Grüße Markus |
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![]() Mitglied seit 13.02.2008 |
Ein paar Wurzeln und eine handvoll Triebe ist doch mehr als reichlich um neue Klnone zu ziehen. Und die mittelalterliche Warmphase wiederholt sich ja gerade (puh, ist das kalt hier
Viele Grüße Manfred Ich koche gern mit Wein, manchmal gebe ich sogar welchen ins Essen.
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![]() Mitglied seit 17.05.2009 |
Hallo Gerwolf,
die "Volksheilige" (sie ist nie heilig gesprochen worden) ist immer wieder für faszinierende Geschichten gut. Und jetzt noch der Fund ausgerechnet am Disibodenberg und aus einer Epoche vor der kleinen Eiszeit! Es dürfte was dran sein, mehr als an vielen Geschichten, die um diese bemerkenswerte Frau ranken (ich wohne gerade mal drei Kilometer von ihrem Geburtsort entfernt und bekomme daher den Hype auch aus Bingen und ihrem Kloster Eibingen nahezu hautnah mit). Glaubt man Winzern, so finden sich immer mal wieder Relikte autochthoner Sorten, die gelegentlich auch außerhalb des offiziell-legalen Weinbaus einige Liter Most ergeben und bei Eingeweihten als mythischer Zaubertrank kursieren. Aus Genussgründen sind sie wohl vernachlässigbar. Apropos Lustadt (Loriot hat diesen Ort in einem köstlichen Sketch verarbeitet) bei Speyer. In Speyer befindet sich die älteste bekannte, noch gefüllte Weinflasche Deutschlands aus der Römerzeit, 20 km entfernt der wohl älteste Weinberg im Ertrag, ein Traminer in Rhodt unter Rietburg mit gut 440 Jahren. Vor über dreißig Jahren durfte ich mal kosten. Die Erinnerung ist verblasst - aus guten Gründen: dreißig Jahre sind eine lange Zeit, der Wein war aber auch nicht gerade berauschend. Grüße von Faber |
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![]() Mitglied seit 11.10.2006 |
Vielen Dank für die altehrwürdigen Geschichten. Finde ich klasse, Faber.
LG Gerwolf dazu noch die Dinkel-Geschichte, uvm. |
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![]() Mitglied seit 19.11.2009 |
Ein schöner Falls für den Ethnologen: Volksglaube verwoben mit Wissenschaft und Technik
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![]() Mitglied seit 06.10.2008 |
@14faber06:
Anscheinend ist man sich darüber, was den Geburtsort von Hildegard angeht, nicht wirklich einig. Spontan hätte ich behauptet das ist Bermersheim v.d.H. (Verbandsgemeinde Alzey, LK Alzey-Worms). U.a. deswegen, weil dort einerseits ihre Taufkirche steht und weil Unterhalb Orteingangschildes ein Hinweisschild "Geburtsort der hl. Hildgard" hängt. Du meinst sicherlich Niederhosenbach, oder? Dieser wird, wenn man Hildegard von Bingen bei Wiki eingibt, ebenfalls genannt. Hier mal ein Auszug aus Wikipedia bzgl. ihrer Herkunft: "Hildegard von Bingen wurde als Tochter der Edelfreien Hildebert und Mechtild geboren. Weder der genaue Geburtstag noch der Geburtsort werden von ihr oder zeitgenössischen Biografen genannt. Da ausgedehnter Besitz der Familie Hildegards aus Bermersheim vor der Höhe in ihre spätere Klostergründung einging und in einem Dokument ein Hiltebertus von Vermersheim und sein Sohn Drutwin (als Name von Hildegards Bruder bekannt) erwähnt werden, ist eine Geburt oder zumindest Kindheit dort wahrscheinlich" freitägliche Grüße SG |
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![]() Mitglied seit 17.05.2009 |
Hallo SG,
den Eintrag bei Wikipedia kannte ich nicht. Aber er verweist auf die Unsicherheit, die auch an anderen Stellen in der Literatur zu finden ist. Stammsitz war wohl Bermersheim. Natürlich kann die geburt auch sozusagen im "Ferienhaus" in Niederhosenbach gewesen sein. Gruß Faber |
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