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Wein des Tages 26.10.09

Vom 26.10.2009 09:42 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

susa_  Sternekoch


Mitglied seit 17.01.2002
45.635 Beiträge (ø12,4/Tag)
Zu Beginn der neuen Wochen mal ein wenig Rebsortenkunde, auch Ampelographie genannt, denn eine Wissenschaft ist kein rechte solche, wenn sie nicht zumindest mit einem lateinischen, griechischen oder wenigstens bei neueren Wissenschaften, einem englischen Namen aufwarten kann.

Der Name Ampelographie kommt aus dem griechischen von ampelos - Weinstock - und das geht auf eine Göttersage zurück: Ampelos war ein Satyr, das waren diese reizenden sehr lebenslustigen wenn nicht sogar lüsternen Herren mit dem Bocksfüßchen und dem Pferdeschwanz; d.h. eigentlich war Ampelos nur ein Halbsatyr, sein Vater war ein Satyr und seine Mutter eine Nymphe. Er war ein Geliebter des Weingottes Dionysos. Bei den Griechen ging es ja schon immer sehr demokratisch zu, was die Liebschaften quer durch alle Götter-, Helden- und Menschenklassen anging. Ampelos nun verunglückte bei der Jagd und aus seinem Körper wuchs die erste Weinrebe. Diese pflanzte Dionysos zunächst in einen Vogelknochen, als dieser zu klein wurde, in einen Löwenknochen und zuletzt in den eines Esels. So führte er sie immer bei sich und verbreitete diese Pflanze in der ganzen Welt zu Nutz und Frommen .... und wenn sie nicht gestorben ist, dann lebet sie noch heute. Ob der Untergrundabfolge Vogel - Löwe - Esel eine besondere Symbolk zugrunde liegt, überlasse ich der Phantasie des geneigten Lesers.

Sie lebt heute nicht nur, sie hat sich auf unzählbare Varianten verteilt, die alle der Art Vitis vinifera angehören und botanisch zu den Strauchgehölzen zählen; ihre Subspezies Vitis vinifera vinifera wird zur Herstellung von Wein genutzt.

So weit so wissenschaftlich.

Dann wird es sehr unübersichtlich, wenn man eintaucht in die spannende Welt der unterschiedlichen Rebsorten, ihrer Erzegung, Kreuzung, Verbreitung etc. Ich glaube zusammen mit den Rosen (mit denen sie auch um ein paar Ecken verwandt sind), sind Reben die am meisten untersuchten und gekreuzten Nutzpflanzen.

Und so trug es sich zu, dass im Jahre des Herrn 1924 Professor Abraham Isak Perold der Universität Stellenbosch die Rebsorten Pinot Noir und Cinsault kreuzte und diesem seinem Baby den etwas sperrigen Namen "Perold´s Hermitage x Pinot" gab. Dass daraus dann schnell durch Zusammenziehen der beiden Worte Pinotage wurde, erklärt sich von selbst. Mit ersterem Namen hätte die Rebsorte wohl keine Chance gehabt, so aber ist sie, was ihren Erfolg angeht, für die Weinbauregion am Kap so etwas wie der Dornfelder für Rheinhessen. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass ein Pinotage schon immer als eigenständiger Wein ausgebaut wurde und seine Karriere nicht wie der Dornfelder als Deckwein begonnen hat.

Am Wochenende hatte ich endlich die Gelegenheit, den

2002 Pinotage unfiltered
Laibach, Stellenbosch


zu öffnen, denn der ungefilterte Pinotage wurde nur in der Magnum abgefüllt. Das zumindest hat mir der Weinhändler, bei dem ich den Wein gekauft habe, erzählt. Jedenfalls bin ich nicht Sir Anthony Barton, für den eine Magnum genau die richtige Größe hat, wenn er vorher eine Flasche Champagner hatte und anschließend noch eine Flasche Sauternes trinkt. Ich freue mich, wenn es eine etwas größere Tischgesellschaft ist und man zum Hauptgericht eine Magnum öffnen kann. Dann kann ich bei der Gelegenheit auch meinen mal günstig erstandenen Magnumdekanter in Betrieb nehmen, meistens steht der nur rum und staubt ein, genau wie der Trüffelhobel. Deswegen kam der auch gleich zum Einsatz Na!.

Das Warten auf die gute Gelegenheit hatte sich gelohnt, der Wein dicht und dunkelpurpurrot präsentierte sich auf dem Höhepunkt, Aromen von reifen roten Beeren, Pflaumenkompott, Gewürzen und am Gaumen weich und samtig, Aromen von reifen Früchten, Schokolade, Lakritz, ein wenig an einen gut gereiften eleganten Merlot erinnernd, mit einem langen komplexen Abgang. Dass sich ein sehr ordentliches Depot zeigte, lag in der Natur der Sache.

Trotz Verwandschaft mit Pinot und Cinsault haben wir den Wein aus dem Bordeauxglas getrunken, was wie ich fand die richtige Glaswahl war, ein Pinotglas hätte die Aromen vielleicht ein wenig zu breit auslaufen lassen, so blieb der Wein straff und geschmeidig.

Weine aus der Magnum oder größeren Formaten (wobei das Größte, was ich bisher hatte, eine Doppelmagnum war) sind für mich immer etwas Besonderes. Ich finde, sie zeigen einen Wein noch besser, sie sind eigentlich die idealeren Gefäße, die Aromen reifen langsamer in der Flasche und präsentieren sich klarer. Und so eine Flasche sieht auch viel edler aus. Jedenfalls hab ich es noch nicht übers Herz gebracht, sie zum Altglas zu versammeln.

Und was die Bartonsche Weisheit angeht, der Sauternes danach kam dann später auch noch. Na!

Prost!





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It seemed the world was divided into good and bad people. The good ones slept better... while the bad ones seemed to enjoy the waking hours much more. (Woody Allen)
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Vom 26.10.2009 18:24 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

gerwolf Chefkoch


Mitglied seit 11.10.2006
4.255 Beiträge (ø2,18/Tag)
Vielen Dank Susa für die ausgezeichnete Lektion. Ich dachte Pinotage sei eine autochtone Rebsorte. Aber weiter war ich nicht vorgedrungen. Und gute Übung: normal-Magnum-normal. Ey man, bin ich blau!
Viele Grüße
Gerwolf
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