Wein des Tages 03.10.09
|
|||||
![]() Mitglied seit 17.01.2002 |
Ja es ist schon eine deutsche Eigenart, erst mal ein wenig zu nölen, die eigenen Verdienste klein zu reden und alles im eigenen Land erstmal minder gut zu befinden. Dabei lebe ich gerne in Deutschland und so gerne ich in Frankreich ausgedehnte Urlaube mache, in Belgien und Holland einkaufen fahre, ich möchte nirgendwo anders wohnen als hier. Auch wenn der herbstliche Niederrhein einen manchmal melancholisch-depressiv macht und wenn mir die nachbarschaftliche Nähe mit Heckenschnittkontrolle manchmal zu eng wird, ich liebe den Herbst am Rhein, wenn das bunter Herbstlaub in der Sonne strahlt, die Frachtkähne fast majestätisch über den Strom gleiten und die Väter und Söhne einmütig Drachen steigen lassen. Oder das Frühjahr, wenn die Kopfweiden in unseren Auwiesen austreiben, die Schwalben zurück kommen und die Luft so seidig ist, dass man sie riechen, fühlen und schmecken möchte. Wir haben genauso viel Hot Spots der Schönen und Reichen, wir haben beeindruckende Landschaften, Spezialitäten und wir haben inzwischen eine ganze Menge Weine, die keinerlei internationale Konkurrenz zu scheuen brauchen. Auch die deutsche Küche, die lange Zeit den abwertenden Beigeschmack von ländlich, ärmlich, unkreativ, zu fett hatte, hat sich mit Meilenstiefeln weiter entwickelt, gerade im Bereich der 1*-Betriebe findet man wesentlich mehr überraschende Kreationen als in Frankreich. Ja, inzwischen haben wir auch das Genießen gelernt und seit 2006 auch das gemeinschaftliche Freuen. Natürlich gibt es immer einen, der in jeder noch so feinen Suppe ein Haar findet, aber das tun die anderen wahrscheinlich auch. Also: Dem inzwischen wieder vereinigten Deutschland möchte ich aus vollem Herzen gratulieren, wir haben viele Probleme gemeinsam gelöst oder wenigstens ausgesessen und können mit Fug und Recht stolz auf unser Land sein. Also begehen wir heute mal ganz entspannt unseren Nationalfeiertag und natürlich wäre es schon sehr gemein, wenn ich dazu einen ausländischen Wein rauskramen würde (auch wenn es bei uns heute abend - wie bereits erwähnt - eher französisch zugeht). Ich muss mich aus aktuellem Anlass mal dem Thema Dessertwein widmen und das ist eine Domäne, da sind die deutschen Erzeuger seit jeher mit all den anderen bekannten Erzeugerländern auf Augenhöhe. Dass der Süßwein mal eine Zeitlang in Verruf geraten war, haben wir einigen vor nichts zurückschreckenden Gestalten zu verdanken, die fragwürdige Weine mit noch fragwürdigeren Mittelchen versetzt haben. Und in der Folge galt es mal als schick, nur trockenen Wein zu trinken. Tapfer schluckte man Weine, die eher an pure Zitronensäure erinnerten, süß war uncool, trocken war schick. Gottseidank sind die Zeiten vorbei. Ich suche immer wieder begleitende Weine für cremige Desserts, Vanillepudding, Bayerische Creme, verschiedene helle Fruchtcremes (ich vermeide heute mal bewusst die französischen Bezeichnungen), Sauternes sind da oft zu pompös, die Südfranzosen nehme ich lieber zu schokoladig-fruchtigen Desserts, Elsass ginge da natürlich auch. Aber da bieten die deutschen Süßweine ungeahnte Vielfalt von den leicht restsüßen Kabinetten über die komplexen Auslesen, die Trockenbeerenauslesen oder Eisweinen und dabei nicht nur Riesling, auch Gewürztraminer und eher unbekannte Rebsorten wie Huxelrebe, die fast nur noch in Deutschland angebaut wird und auch hier überwiegend in Rheinhessen und überwiegend für Süßweine. 2007 Huxelrebe Beerenauslese Bechtheimer Heiligkreuz Weingut Ökonomierat Geil Erben, Rheinhessen der Wein duftet zart nach Äpfeln, Birnen und Pfirsichen, am Gaumen straff und kräftige Süße, zurückhaltende Säure, Karamellnoten, Trockenfrüchte, ein mineralischer Abgang und mit nur 8.5 vol% angenehm leicht Das passt prima zu süßen cremigen Desserts, der Wein hat genug Biss um sich nicht der cremigen Masse zu verlieren und auch die Karamellaromen finden ihre Entsprechung, wir haben ihn allerdings etwas kühler genossen und ihn erst am Gaumen langsam seine Aromen entfalten lassen, so war er am besten. Prost! ________________________________________________________________________ It seemed the world was divided into good and bad people. The good ones slept better... while the bad ones seemed to enjoy the waking hours much more. (Woody Allen) |
||||
Diesen Beitrag / einen Verstoß melden
|
|||||
|
|||||
![]() Mitglied seit 29.11.2006 |
Hallo Susa,
diese Ansprache zum Festtag wäre einer Bundespräsidentin würdig! Hier in der Hauptstadt wird ja ordentlich auf den Putz gehauen. Und was auch für den recht lässigen Umgang der Deutschen mit nationalen Feiertagen spricht, ist das Engagement einer französischen Puppenspielertruppe, die zwei Riesen durch die Stadt fährt. Der Kinder wegen habe ich mir das - neben einer Quadrillion weiterer Zuschauer, kuschelig wars - angetan, und ich muss zugeben, dass ich ziemlich beeindruckt war. Mal was nicht so bierernstes.... Den Wein für den heutigen Tag habe ich noch nicht ausgewählt, aber das es ein klassisches deutsches Gericht gibt (Nudeln mit Hackfleischsoße) werde ich wohl doch bei den Italienern bleiben. Viele Grüße Markus |
||||
Diesen Beitrag / einen Verstoß melden
|
|||||
|
|||||
![]() Mitglied seit 19.02.2006 |
Heute werde ich mich mal am 1997 Cos d´Estournel probieren.
Ein erster Probeschluck zeigt schonmal, dass eine weitere Lagerung nicht unbedingt vonnöten ist. Deutliche Reifenoten, sowohl was die Farbe, als auch was Duft und Geschmacksbild anbelangt. Vornehmlich geprägt von Waldboden, Tabak und (leider etwas dominierend) Rumtopf/eingelegte Kirschen. Ich gebe der Sache mal noch etwas Zeit und Luft. Dabei vergnüge ich mich mit einem grandiosen 2008 Winterhalt von Rings, der mir mit seiner betörenden Frucht und Frische geradezu aus dem Glas entgegenspringt, um am Gaumen den nötigen Ernst zum heutigen Feiertag in Form von fester Mineralität nicht vermissen zu lassen Prost! Monti |
||||
Diesen Beitrag / einen Verstoß melden
|
|||||
|
|||||
![]() Mitglied seit 17.01.2002 |
Gut, dass ich liebe Freunde in der Pfalz habe, die mich so zweimal im Jahr zu sich einladen, da muss ich doch mal zu Rings, Du machst mich so neugierig.
Und auf den 97er Cos bin ich sehr gespannt, manche 97er waren ausnehmend schön und viel besser als die "Papierform" (las Cases zum Beispiel). ________________________________________________________________________ It seemed the world was divided into good and bad people. The good ones slept better... while the bad ones seemed to enjoy the waking hours much more. (Woody Allen) |
||||
Diesen Beitrag / einen Verstoß melden
|
|||||
|
|||||
![]() Mitglied seit 10.06.2006 |
Hallo Ihr Lieben,
nicht nur die heutige Ansprache ist durchaus präsidial, sondern der WdT ist allermeist mehr vergnüglich, informativ und geistreich als das Gros der Beiträge im Plenum! Ein guter Grund also, der heutigen Devise (man trinkt deutsch) Folge zu leisten. Wenn auch nicht auf dem Niveau des gestrigen Austausches unter der Ägide von Madame Cuvelier; sehr launiger Beitrag übrigens. Essensbegleiter jedenfalls war ein „Riesling Estate 2006“ aus dem Hause Dr. Bürklin Wolf; Ein Produkt aus der Zeit als dieses Haus noch nicht vollständig vom Trockedogma durchdrungen war. Goldgelbe Farbe und eine ausgesprochen verhaltende Nase mit einer Nuance von exotischen Früchten. Die sind dann zusammen mit etwas kandierter Annanas im Mund ganz ausgeprägt und nach einem nicht ganz kurzem Abgang kommt noch eine überraschende Limonennote dazu. Hat Spaß gemacht und ziemlich gut gepasst. Zum Nachtisch gab es keinen Sauternes, sondern Susa_ folgend, eine TBA vom Müller-Thurgau, 2003; von den Hangnauer Hanns-Jacob-Genossen. Farbe noch relativ gelb und eine leicht sprittige Nase; allerlei Früchte, auch kandierte, im Mund , und glücklicherweise noch eine Nussnote die das brachte, was ich mir erhoffte. Was leider etwas zu warm; morgen (heute) gibt einen neuerlichen Einsatz. Dann gab es endlich auch was zu trinken: nämlich einen Spätburgunder 2006 Mandelberg, von Phillip Kuhn; leider einer der letzten seiner Art (in meinem Keller)! Schön eingebundenes Holz, feine Kirscharomen und eine ganz leichter, durchaus angenehmer Vanilleton. Foto von der TBA:
LG Gottfried _____________________________________________________________ "Ich hätte mir mehr ein deutsches Gemüse gewünscht; zum Beispiel Ratatouille…" (Gast, vermutlich gecastet) |
||||
Diesen Beitrag / einen Verstoß melden
|
|||||
|
|||||
![]() Mitglied seit 19.02.2006 |
Tach!
Um nochmal auf den 1997er Cos zurückzukommen... Ich bin ja nun bekennender Bordeaux-Laie, insofern kriege ich den Cos auch nicht irgendwelche objektiv und sachkundig in den BDX-Medoc-oder-sonstwie-Kontext eingednordet. Meine Eindrücke: Man sieht schon ein wenig sein Alter; klares Dunkelrot, etwas in Bräunliche tendierend, heller Rand. Schöne Schlierenbildung. Erster Eindruck beim Probeschluck: In der Nase (zunächst) nicht allzu intensiv; rote Beeren, Cassis, Kirsche, etwas Rumtopf, auch Tabak und Waldboden. Deutet eine schöne Reife an! Am Gaumen mittlerer Körper, etwas schwachbrüstig in der Mitte. Die Frucht (Kirsche, Cassis) wird etwas überlagert vom Alkohol (Rumtopf), die Tannine sind kaum noch wahrzunehmen. Im doch recht langen Abgang dominieren feine Reifenoten (Unterholz/Waldboden, Tabak) und eingelegte Kirschen (Rumtopf). Hhm. Mal schauen, was der Abend (und die Luft) bringt. Nach ein paar Stunden zarter Belüftung wird der Wein deutlich offener, fruchtiger: Die Nase zeigt mehr rote Beerenfrucht, Kirsche und etwas Trockenobst, Süßholz, karamellige und toastige Noten, daneben Tee und Tabak. Am Gaumen sehr rund; im 'Antrunk' etwas dünn, kleines Wasserloch in der Mitte. Braucht eine Weile im Mund, um mit Rumtopfaromen etwas 'zu kommen', bleibt dann in einem wirklich langen - etwas zu austrocknenden - Nachhall wiederum von Rumtopf und getrockneten Früchten (und etwas vom Alkohol), Tee/Tabak/Waldboden dominiert. Durchaus elegant und nobel das ganze; erkennbar 'adlige' Herkunft. Aber irgendwie kommt da zu wenig. Absolut guter Duft, etwas dezent zwar, aber schön - dann ein Wasserloch und (im zugegeben langen Abgang) austrocknend und durstig machend. "Zu dünne Arme um ans Reck zu kommen" passt Der Monti und Bordeaux - irgendwie eine komplizierte Geschichte Viele Grüße Monti |
||||
Diesen Beitrag / einen Verstoß melden
|
|||||
|
|||||
![]() Mitglied seit 02.03.2007 |
Monti,
wenn du bei einem Cos "Wasserlöcher" entdeckst, bist du vielleicht durch zu viele Montsants auf härteren Stoff konditioniert? susa, gibt es einen deutscheren Wein als "Huxelrebe" von einem "Ökonomierrat"? - herrlich! Pastinake |
||||
Diesen Beitrag / einen Verstoß melden
|
|||||
|
|||||
![]() Mitglied seit 17.01.2002 |
pöööh
________________________________________________________________________ It seemed the world was divided into good and bad people. The good ones slept better... while the bad ones seemed to enjoy the waking hours much more. (Woody Allen) |
||||
Diesen Beitrag / einen Verstoß melden
|
|||||
|
|||||
![]() Mitglied seit 19.02.2006 |
Nee, Pasti,
das hat mit 'Konditionierung' auf 'härteren Stoff' nix zu tun. Das war irgendwie ´n bissl wenig. Wahrscheinlich echt ein Jahrgangsding. LG Monti |
||||
Diesen Beitrag / einen Verstoß melden
|
|||||
Um selbst an den Diskussionen teilnehmen zu können müssen Sie sich bei Chefkoch.de registrieren. Wenn Sie schon registriert sind, so müssen Sie sich mit Ihrem Benutzernamen und Passwort anmelden.






























