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5 Flüge durch das Burgund

Vom 14.11.2008 22:55 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

nardil Smutje


Mitglied seit 21.04.2007
238 Beiträge (ø0,13/Tag)
Ein paar Eindrücke von einer Burgunderprobe bei meinem Lieblingsweinhändler heute Abend.

Das Ganze war in fünf Flights aufgeteilt, um jeweils unterschiedliche Aspekte des Themas Burgund zu erarbeiten. Letzteres ist auch Programm gewesen, er begrüßte uns schon mit "wir sind ja nicht zum Vergnügen hier". Und so ging es dann munter 3h lang durch 17 verschiedene Weine.

WEIß

1. "Terroir oder Vinifizierung"
2006 Viré-Clessé "Vieilles Vignes", Christophe Cordier: saftig, gelbe Früchte, Holz, weich, buttrig. Gefällig gemacht.
2006 Chassagne-Montrachet, F&L Pillot: viel deutlicherer Stallgeruch, herb, eher wenig Frucht, etwas Zitrone. Dafür deutlich Mineral, Rauch, Speck, Kräuter. Insgesamt viel zurückhaltender als der von Cordier, kräftige Säure. Deutlich längerer Nachhall als der erste.
2005 Puligy-Montrachet, Benoît Ente: Stein, Stein und... Stein. Zitronenmelisse. Säure schön eingebunden, wenig Holz. In der Nase noch zurückhaltender, aber ewiger Nachhall. Der aristokratischste (das erscheint mir hier das erste mal passend für einen Wein).
Interessanterweise haben beim Riechen alle den ersten als am schönsten empfunden, weil er halt am dicksten aufträgt. Nach einer Weile im Glas und v.a. im Mund kristallisierte sich dann aber deutlich heraus, wer hier der nobelste Wein war.

2. "Die Typizität des Terroirs" (alle Weine von Deux Montille)
2006 Rully 1er Cru "Le Clous": etwas Butter, Zigarre?, Kräuter, fülligere Frucht, sehr schmelzig, mittlerer Abgang.
2006 Meursault "Casse Tête": zurückhaltend, eher getrocknetes (Früchte, Gräser,...), nussig, mineralig.
2006 Meursault 1er Cru "Les Charmes": dicht, straffe Säure, sehr viel Mineral, etwas Honig, ewiger Abgang. Etwas undifferenzierter als der letzte.
2006 Meursault 1er Cru "Les Porusots": Man schmeckt dass die Lage praktisch nur aus Steinen besteht. Sehr differenziert, dicht, noch längerer Abgang als der vorherige, herb und doch fruchtig, voll, schmelzig. MEHR! (Leider nur 1 Barrique produziert...). Bei gleichem Preis wie der vorherige mein Favorit.

ROT

3. "Die Typizität des Terroirs" (alle Weine von F&L Pillot)
2006 Volnay: Lakritz, (Piemont) Kirschen, zurückhaltend, schöne Säure, kalkige Bitternoten.
2006 Pommard "Tavannes": weicher, deutlich mehr Tannin, fruchtiger, Gewürze, etwas Rauch. Anfangs mein Favorit.
2006 Beaune 1er Cru "Boucherottes": Kirsche, weich, rund, sehr langer Nachhall. Erst nicht so überzeugend, hat sich dann aber noch schön entwickelt. Schwierige Entscheidung zwischen den letzten beiden.

4. "Vergleich Deutschland / Frankreich"
2004 Spätburgunder "Kirschgarten", Philipp Kuhn: viel dunkler alles alle anderen, fruchtig, rauchig, süß. Recht kurzer Abgang. Deutlich auf Frucht eingestellt.
2006 Chambolle-Musigy "Babilléres", Montille: Mineral, filigran, ewiger Abgang, Lakritz, beerig. Ein etwas gemeiner Vergleich, der burgundische Burgunder gewinnt.

5. "Jahrgänge und Reifeentwicklungen" oder auch "nach der Arbeit das Vergnügen"
Ähem. Hier sind meine Notizen etwas... spärlich. *ups ... *rotwerd*
2006 Pommard 1er Cru "Rugiens", F&L Pillot: was für eine Nase. Johannisbeeren, Lakritz,....
2005 Morey Saint Denis 1er Cru "Aux Chesaux", Arlaud: Faule Eier, Sherry. Der Schwefel spielt dem Wein leider noch übel mit, soll sich aber wohl noch geben.
2004 Clos de la Roche Grand Cru, Arlaud: Waldboden, Pilze, schon deutliche orange-Töne in der Farbe. Unfiltriert, ungeschminkt, ein Traum!
2003 Gevrey-Chambertin 1er Cru "Les Champeaux", Guyot: Wenig Mineral, umso mehr Frucht, Blüten. Sehr ausgeglichen, langer Nachhall.
2002 Gevrey-Chambertin 1er Cru "Cherbaudes", Fourrier: KORK...
Deswegen als Abschluss hervor gezaubert:
2005 Clos Saint Denis Grand Cru, Guyot: Ziemlich verschlossen, für mich nur sehr schwer zu erahnen, dass da mal eine "rote Fruchtgranate" daraus wird, wie der Chef meinte, die ihren über 100 Euro gerecht wird.

Gruß,
nardil
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Vom 14.11.2008 23:02 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

frankophil Chefkoch


Mitglied seit 25.03.2006
2.669 Beiträge (ø1,18/Tag)
Au weia , nardil,

allein mir das in Ruhe zu Gemüte zu führen, bin ich heute Abend schon nicht mehr in der Lage. Die Entscheidung, das nicht "live" mitzumachen, war insofern genau die richtige im Moment, auch wenn's mir sehr Leid getan hat.

Das sieht nach echter Arbeit aus, Danke für den Bericht - und morgen "arbeite" ich daran Na! !

Ich habe mir "zum Trost" aber trotzdem einen Spätburgunder aufgemacht, siehe Wein des Tages...

Grüße von frankophil

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Wer mich nicht liebt, darf mich nicht beurteilen. - Goethe
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Vom 16.11.2008 19:01 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

frankophil Chefkoch


Mitglied seit 25.03.2006
2.669 Beiträge (ø1,18/Tag)
Hallo nardil,

endlich habe ich deine ausführlichen "mit Verstand" gelesen. Vielen Dank für die ganze Arbeit. Die Beschreibungen - sind die von den Teilnehmern, von dir oder von Ehret selber? Wieviele Leute wart Ihr denn?

Den einen oder anderen Wein habe ich schon mal probiert (und auch gekauft, liegen aber weitgehend noch ungeöffnet im Keller), aber meistens hatte ich bei den Burgunderproben ähnliches Pech wie diesmal traurig . Die weißen Burgunder sind mir noch am geläufigsten. Schade, dass ich diese Gelegenheit wieder verpasst habe.

Um welche Vinifizierung oder welches Terroir es sich jeweils gehandelt hat, ist mir jetzt nicht so ganz aufgegangen, war das denn deutlich bei der Verkostung bzw. gab es da Erklärungen dazu?

Nächstes Wochenende geht es dann ja weiter mit dem Verkostungsstress Na! !

Grüße von frankophil
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Wer mich nicht liebt, darf mich nicht beurteilen. - Goethe
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Vom 16.11.2008 19:39 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

nardil Smutje


Mitglied seit 21.04.2007
238 Beiträge (ø0,13/Tag)
Hallo frankophil,

die Notizen sind hauptsächlich meine Eindrücke. Die anderen Teilnehmer haben nicht viel öffentlich kund getan (mal von dem immer vorhandenen Profilneurotiker abgesehen), und Ehret ist mehr auf die Geschichte hinter dem Wein, die Beschaffenheit des Terroirs und Burgund im Allgemeinen als auf genaue Geschmackseindrücke einzelner Weine eingegangen.
Insgesamt waren alle Plätze belegt, also 14? Es kreuzte spontan noch jemand auf und wollte unbedingt untergebracht werden, hat also dann deinen Platz eingenommen.

Zu noch weitgehend ungeöffnet im Keller: Nach allem was er so erzählt hat und wie die Weine sich gegeben haben, ist das eine recht gute Idee glaube ich. Na! Er hat bis auf den allerersten eigentlich jedem Wein eine Genussreife ab frühestens Herbst/Winter 09 bescheinigt.

Zu Terroir vs. Vinifizierung: Der Viré-Clessé hätte auch aus einem Übersee-Gut kommen können, das traditionell produziert. Also wenig Terroir-Einfluss, viel Frucht, recht austauschbar (keinesfalls schlecht! Aber halt "im Burgund zahlt man nicht für die Frucht, sondern für das Terroir" wie er sagte). Der Chassagne war deutlich weniger "gemacht", man konnte schön erkennen, dass er auf dem Kalkstein wächst - aber mit etwas "roter" Erde oben drüber, denn der Puligy zeigte dann, wie es schmeckt, wenn der Wein quasi nur auf Steinen wächst.

Bei den "Typizität des Terroirs" Flights hat er jeweils erzählt, was für die jeweilige Lage charakteristisch ist, also wo sie ist, wie sie ausgerichtet ist, was für Böden, etc. Man konnte auch deutliche Unterschiede in der Stärke der Mineralik schmecken, genauso ob die Gärten eher mehr oder weniger Sonne kriegen. Gerade z.B. Charmes gegen Porusots, sonniger Hang etwas tiefer gelegen, gegen "karge Steinwüste" ganz oben auf dem Berg.

Ansonsten Vinifizierung: Bis auf den allerersten waren alles recht puristisch ausgebaute Weine, ohne Schminke, viele ganz ohne Bâtonnage. Die Stärke des Barrique-Einsatzes und Toastings konnte man recht gut heraus schmecken.

Alles in Allem gilt denke ich, was er am Anfang noch sagte: "Das Ziel des Ganzen ist nicht, dass Sie hinterher mehr davon verstehen, nur dass Sie noch mehr verwirrt sind". Na!

Gruß,
nardil
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Vom 16.11.2008 21:13 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

frankophil Chefkoch


Mitglied seit 25.03.2006
2.669 Beiträge (ø1,18/Tag)
Der "Profilneurotiker" - zufällig türkisch-italienisches Aussehen, bei jeder Verkostung dabei und der große Wortführer Sich auf dem Boden wälzen vor Lachen - Oder der Christian, eigentlich ganz nett und kennt sich gut aus, hat schon Burgund-Fahrten mit dem Ehret gemacht??

Wenn das oben alles deine eigenen Eindrücke sind, Hut ab BOOOIINNNGG.... !!

Den Viré-Clessé habe ich von allen Weinen am deutlichsten in Erinnerung, das zeigt halt, dass er schon ein bisschen "mainstreamig" ist - aber ich mochte ihn bisher *ups ... *rotwerd*....Die B. Ente-Weine haben mir auch gefallen. Müsste mal wieder meine Notizen hervorholen. Denn mehr als die Namen und "gefällt mir ... nicht" kann ich im Moment nicht ins Spiel bringen...

Der "Porusot" ist mir noch gar nicht über den Weg gelaufen - und, ehrlich gesagt, der Begriff "bâtonnage" auch noch nicht. Für Erklärungen bin ich dankbar...

Zu Ehrets Schlusswort: So eine leicht zynische Ader meine ich ja schon manchmal an ihm wahrgenommen zu haben YES MAN. Und so ganz am Ende noch ein ganz besonderes Fläschchen mit stolzem Preis stolz zu präsentieren, das hat auch System Na! und zeigt, wie sehr der leidenschaftliche Weintrinker im Geschäftmann lebendig ist...

Mein Neid, dass du diese Veranstaltung mitbekommen hast - besser gesagt, meine Mitfreude Na! - ist dir sicher!

Viele Grüße von frankophil


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Vom 16.11.2008 21:35 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

nardil Smutje


Mitglied seit 21.04.2007
238 Beiträge (ø0,13/Tag)
Ja, das mit dem südländischen Typ könnte schon hin kommen. Gut gebräunt und Haare gut gegeelt jedenfalls. Nach jeder zweiten Weinvorstellung "ich hätte da noch eine Frage". Na!

Der Viré hat mir auch gut gefallen, ich bin ja bekennender Extrakt-Freund und der Wein darf ruhig auch etwas dicker auftragen als so manch aristokratisch zurückhaltendes Gewächs. Das mag sich ja noch ändern, wenn ich mal 20 Jahre Weinerfahrung hinter mir habe. Na!

Beim Porusot gibt's wie gesagt genau 1 Barrique pro Jahr, also 300 Flaschen. Insofern nicht verwunderlich, wenn der dir noch nicht begegnet ist...

Bâtonnage ist das Durchrühren der Hefe im Fass. Dadurch nimmt der Wein mehr Aromen an, aber es ist natürlich ein deutlicher Eingriff im Keller. Ist im Burgund seit den 80ern (?) recht beliebt, inzwischen gibt es eben wieder mehr Winzer, die es sein lassen.

Zynische Ader? Ich weiß gar nicht wie du darauf kommst... "Burgund? Das ist wie Steine lutschen! Ich hoffe Sie lutschen gerne an Steinen rum, das machen wir nämlich heute abend!" *g*

Gruß,
nardil
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Vom 16.11.2008 21:46 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

frankophil Chefkoch


Mitglied seit 25.03.2006
2.669 Beiträge (ø1,18/Tag)
Sich auf dem Boden wälzen vor Lachen Sich auf dem Boden wälzen vor Lachen Sich auf dem Boden wälzen vor Lachen - köstlich!

Und nächste Woche dann - hoffentlich mit meiner eigenen Beteiligung - das Kontrastprogramm bei Kössler Lachen - gar nicht zynisch, aber nicht weniger leidenschaftlich (außerdem steht der Chef da ja gerne im Schatten seiner eingeladenen Winzer!)

Und der "Gegeelte" ist schon der gleiche, den wir da meinen YES MAN .

Grüße von frankophil

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