neues Thema  Thema drucken  Thema als PDF  Als Favorit speichern  Benachrichtigung aktivieren

Weinkenner, amerikanischer

Vom 16.02.2002 17:17 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

susa_  Sternekoch


Mitglied seit 17.01.2002
45.635 Beiträge (ø12,07/Tag)
Das muss ich Euch mal erzählen und wenn es mir nicht beide Kollegen, die bei dieser Geschichte dabei gewesen sind, unabhängig voneinander erzählt hätten, dann hätte ich es nicht geglaubt, aber so ist diese Geschichte leider wahr:

Ich arbeite für einen grossen amerikanischen Konzern und natürlich bleibt es da nicht aus, dass man schonmal über den grossen Teich muss und mit den lieben Kollegen aus der company zu tun hat. Die Niederlassungen sind über das ganze Land verteilt. Ich war bisher Gottseidank nur in der L.A. Filiale, die Umgebung ist zumindest spannend (leben wollte ich da aber nicht), aber die besagten Kollegen mussten zu einer Fertigungsstätte mitten im tiefsten Pennsylvania 200 Meilen von Harrisburg entfernt, was auch keine Sau kennen würde, wenn da nicht vor ungefähr 20 Jahren mal dieser Atommeiler den grossen Unfall gehabt hätte.

Nun, die beiden hatten dort technische Fragen zu klären und wurden am Abend von Chef des Ladens zum Essen eingeladen. Der Chef, ich kenne ihn, der protzt gerne und der hat auch Knete ohne Ende und er hat ihnen versprochen, sie bekämen einen Wahnsinnswein zum Essen, er liesse ihn extra von seinem Weinhändler aus New York einfliegen (ist – glaube ich – so ungefähr 3 Stunden Flugzeit), der käme just heute extra an. Das Essen wurde im einzigen Restaurant dieses Kaffs gegeben, das sich wohl schon auf die Marotten dieses Herrn und seines Geschäftsbesuches eingerichtet hatte und als sie abends dort ankamen standen dann zwei Holzkisten französischen Weins auf dem Tisch. Der Chef machte sich grossspurig drüber her und befand: "too warm, much too warm...", also wurde der Wein in das Kühlhaus getragen (wo die Fleischvorräte lagerten). Es muss ungefähr eine Stunde gedauert haben, man hielt sich mit Bier, Aperitifs und ein paar Appetithäppchen beim small talk über Wasser und dann gings' an echte Essen. Der Wein wurde geordert. Der Gastgeber legte wiederum Hand an und befand mit Kennermiene. "too cold, bring it to the microwave oven – for 20 seconds exactly...", er kannte sich – scheint's – aus.

Meine Kollegen wunderten sich schon lange über gar nichts mehr. Der Wein wurde also in die Mikrowelle gestellt (4 Flaschen genau) und dann abermals rangebracht und der Herr legte letztmalig Hand an die Flasche und ward es endlich zufrieden: "You may serve the wine now...". Nun dachten sie, würden sicher Weingläser eingedeckt, aber nein, es wurde für jeden eine Flasche Wein aufgemacht und der gute Mann prostete ihnen zu und sie mussten mit den Flaschen aneinanderstossen und aus der Flasche trinken als ob es Bier sei!!!!

Meine Kollegen bezeichnen sind beide nicht als grosse Weinkeller, aber das hat selbst ihnen die Schuhe ausgezogen. Und weil sie wissen, dass ich mich ein wenig mit der Materie auskenne haben sie Namen und Jahrgang notiert und hätten wenigstens hämische Freude gehabt, wenn ich gesagt hätte, das ist sowieso ein Scheisswein, nicht schade drum. Aber leider nicht, der New Yorker Weinhändler wusste wohl was gut ist, es war ein 1995er Tertre Rotboeuf einer der besten St. Emilions die es gibt und ich möchte nicht wissen, was die in New York kosten und was der Lufttransport dazu gekostet hat.

Auf meine Frage, wie der Wein denn geschmeckt hätte, konnten die beiden nichts rechtes sagen. Aber ich glaube, kein Wein der Welt hält eine solche Behandlung aus und aus der Flasche schmeckt er schonmal gar nicht.

Ich gehe jetzt einen Bordeaux aus dem ihm zustehenden Glas trinken, er lüftet schon seit einigen Stunden und steht genau bei 18°, wie es sich gehört.

Schönes Wochenende
susa
  Diesen Beitrag / einen Verstoß melden

Vom 16.02.2002 18:41 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

sarumcatch Smutje


Mitglied seit 17.01.2002
211 Beiträge (ø0,06/Tag)
Ich möchte auch mal ein großer Weinkeller werden. Lachen Lachen Lachen
Ich habe mal in einem amerikanischen Reisebuch tips gelesen wie man den Schaum vom Bier bekommt(Finger rein stecken). Ich habe auch Amis gesehen die sowohl Rot als auch Weiswein mit Eiswürfeln getrunken haben. zum Heulen

sarumcatch
  Diesen Beitrag / einen Verstoß melden

Vom 17.02.2002 12:05 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

grappola Chefkoch


Mitglied seit 17.01.2002
7.562 Beiträge (ø2/Tag)
Hallo Sarumcatch,
wie wird man ein großer Weinkeller und was hat man davon Lachen Lachen ?
Habe verstanden es soll wohl Weinkenner heißen. Lächeln
Habe auch schon meine Erfahrung mit Amerikanern und Essen und Trinken, aber es gibt auch andere.
Gruß grappola
  Diesen Beitrag / einen Verstoß melden

Vom 17.02.2002 17:00 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

Xilef Tellerwäscher


Mitglied seit 17.01.2002
145 Beiträge (ø0,04/Tag)
Na ja, Geld allein macht eben keinen Weinkenner.

Leserbrief in einer alten Weinzeitschrift.

Der Unterschied zwischen einem Weinkenner und einem Weinsnob scheint an einem seidenen Faden zu hängen. Können Sie ihn mir bitte erlaütern?

Antwort der Zeitschrift.

Ein Weinkenner weiss, dass 1970 ein grossartiges Jahr für einen Château Latour war.
Ein Weinsnob kennt den Namen des Kellermeisters. Lachen

einen guten Wochenanfang wünsch
Xileft
  Diesen Beitrag / einen Verstoß melden

Vom 17.02.2002 17:03 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

Xilef Tellerwäscher


Mitglied seit 17.01.2002
145 Beiträge (ø0,04/Tag)
Hab wohl noch immer Tränen in den Augen von Susa`s Geschichte, üa wärs.
Xilef
  Diesen Beitrag / einen Verstoß melden

Vom 18.02.2002 08:54 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

frankb Kartoffelschäler


Mitglied seit 17.01.2002
21 Beiträge (ø0,01/Tag)
Nun, die Story kann ich mir genau so vorstellen. Es gibt auch genug Amerikaner die Eiswürfel in die Wine schmeissen.

Aber ich habe genauso erlebt das Wein und gutes Essen von Amerikaner geschätzt wird.
Das dies natuerlich nicht in einer Sports Bar zu finden ist sollte jedem klar sein. Und Geld hat damit überhaupt nichts zu tun.

Frank
  Diesen Beitrag / einen Verstoß melden

Vom 19.02.2002 11:23 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

Vanilla Suppenkoch


Mitglied seit 11.03.2001
1.593 Beiträge (ø0,39/Tag)
Und was lernen wir daraus (wenn die Lach/Weintränen getrocknet sind)? Mit Geld kann man viel kaufen, aber man hat weder automatisch Geschmack, noch gutes Benehmen ... traurig, traurig ....
Ich mach mir jetzt ne Pulle auf ... Wein natürlich Lachen Cheers!
Liebe Grüße
Vanilla
  Diesen Beitrag / einen Verstoß melden

Vom 19.02.2002 12:03 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

Zottel Hendlgriller


Mitglied seit 17.01.2002
4.165 Beiträge (ø1,1/Tag)
Mein Vater hat in den US of A einmal warmes Bier bekommen. Daraufhin hat er seitdem immer (seine Sprachkenntnisse sind nicht hervorragend) "icecold beer" bestellt. Als er irgendwann dann sein "icecold beer" mit Eiswürfeln bekam begann er sein Bier etwa so zu bestellen: "icecold beer, without ice please", worauf er von den meisten Kellnern doch etwas dumm angeschaut wurde...

Was den Wein angeht: ohne Frage ist es ein Sakrileg, wenn man einen guten, teuren Wein irgendwie manipuliert (vor allem wie in Deiner Geschichte). Aber mit preiswerten Weinen, die u.U. auch recht gut schmecken können, darf man gewisse Dinge machen, finde ich wenigstens. Was täten Millionen von Malle-Urlaubern denn ohne ihre geliebte Sangría aus Eimern? Lachen
Aber mal im Ernst, Sangria ist wirklich nicht schlecht. Und im Süden trinkt man gerne "tinto de verano", das ist Rotwein gemischt mit Casera (so etwas ähnliches wie Sprite), und Eiswürfeln. Schmeckt sehr lecker und ist sehr erfrischend.

Wein-nend über seine bevorstehende Steinigung,

Zottel
  Diesen Beitrag / einen Verstoß melden

Vom 19.02.2002 12:30 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

fine Chefkoch-Moderator Sternekoch


Mitglied seit 17.02.2001
19.069 Beiträge (ø4,63/Tag)
User hat eigene Rezeptsammlungen veröffentlicht
Du liebe Güte, wenn ich Susas Geschichte lese, hauts mich echt um. Abgesehen davon, daß der gute Wein nach den Strapazen des Fluges und weiteren Transports ohnehin wahrscheinlich nur noch ein Schatten seiner selbst war, ist er durch die Kühlung / Erwärmung sicherlich gänzlich ruiniert worden zum Heulen zum Heulen
Man sollte dem guten Mann die Tetra-Packs vom Aldi anbieten, die können auch nicht schrecklicher schmecken...außerdem könnte man da zur Sicherheit noch einen Strohhalm reinhängen Lachen

Da habe ich mit meiner lieben amerikanischen Freundin ja richtig Glück gehabt. Sie wohnt südlich von San Francisco, und ist eine große Weinliebhaberin und auch -kennerin der amerikanischen Produkte. Wenn wir dort sind verbringen wir stets einige Zeit im Napa Valley, und ich habe schon etliche feine Tröpfchen von dort mitgebracht...

lg,
fine
  Diesen Beitrag / einen Verstoß melden

Vom 10.06.2002 19:23 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

tapas Kaltmamsell


Mitglied seit 03.05.2002
432 Beiträge (ø0,12/Tag)
Ehrlich gestanden bin ich immer noch baff... so unglaublich erscheint mir die Geschichte, muss man doch letztendlich aber zugeben dass drüben alles möglich ist...

Allerdings muss ich zugeben, das ich oft genau das Gegenteil erlebt habe..

Auf einem Flug von MUC nach New York hatte ich das Glück neben einer Frau zu sitzen die in München für Robert Mondavi eine Repräsentanz eröffnet hatte, und zum Weihnachtsurlaub zurück flog.
Ihr habe ich sehr viele gute Restauranttips zu verdanken und somit erlebniss- genussreiche Stunden in Big Apple.
Und die Erkenntnis wie gepflegt die Amerikaner zu geniessen verstehen..Ausnahmen vielleicht, aber immerhin..
Später ging ich sehr gern ins Nappa oder Sonomavalley, und war überrascht wie viele Amerikaner sich ernsthaft mit europäischen Weinen auseinandersetzten.

Nappa und Sonoma Valley sicher immer wieder eine Reise wert...

Und in Pennsylvenia ist ein Besuch bei den Amish People sicherlich immer wieder ein herrlicher Gegnsatz zum sonst so üblichen American Way of live.

Ehrlich gestanden spuckt mir diese Geschichte immer noch im Kopf umeinander, und so werden Erinnerungen wach..
Aber wie gesagt alles ist halt doch irgendwie möglich...
Danke für die Anekdote
vom Tapas
  Diesen Beitrag / einen Verstoß melden

Vom 22.06.2002 12:47 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

tappie  Kaltmamsell


Mitglied seit 04.05.2002
589 Beiträge (ø0,16/Tag)
Hallo,

als ich vor ein paar Jahren in den Staaten war, genauer gesagt in Ohio und Freunde besuchte, hatte ich ein paar fränkische Bocksbeutel dabei die allerdings nicht so toll an kamen, mir wurde daraufhin eine Flasche Liebfrauenmilch präsentiert die im Laden, dort über 15 US-Dollar kostete als toller deutscher Wein angeboten, schmeckte einfach scheußlich, getraute mich aber nicht zu sagen das er bei uns im Supermarkt für 3,00 DM zu haben ist. Soviel zum Weinverstand von Amerikaner, wobei es bestimmt ein paar kleine Ausnahmen gibt.

Gruß tappie
  Diesen Beitrag / einen Verstoß melden

Vom 24.06.2002 21:14 Diesen Beitrag drucken PDF Auf diesen Beitrag antworten zum Anfang der Seite scrollen zum Ende der Seite springen Einen Beitrag nach oben springen Einen Beitrag nach unten springen

susa_  Sternekoch


Mitglied seit 17.01.2002
45.635 Beiträge (ø12,07/Tag)
Es hoffentlich nur die grosse Ausnahme, ich denke auch an besagten Parkers Robert, was immer man von ihm halten mag, wenn ich nur ungefähr 1% von dem getrunken hätte was der so schon trinken durfte und wahrscheinlich noch nicht mal dafür bezahlen musste *sehnsüchtigseufz*, aber manchmal glaube ich echt, seine ganzen Ambitionen sind auf ca. 98% seiner Leser verschwendet.
Wein ist grade in USA und Japan ein Statussymbol und die sagen auch ganz offen, ne Flasche Wein für 3.500 Dollar ist immer noch wesentlich preiswerter als ein Ferrari und hat die gleiche Wirkung - so gesehen zum Heulen

lg
susa
  Diesen Beitrag / einen Verstoß melden


Antwort schreiben

Um selbst an den Diskussionen teilnehmen zu können müssen Sie sich bei Chefkoch.de registrieren. Wenn Sie schon registriert sind, so müssen Sie sich mit Ihrem Benutzernamen und Passwort anmelden.

Weitere interessante Informationen auf den Chefkoch.de Partnerseiten: