Letztens ist es passiert: Mein erster Hefekuchen! Herrje, war das aufregend. Dazu muss gesagt werden, dass ich von Kindesbeinen an darauf getrimmt bin, dass Hefekuchen ganz fürchterlich kompliziert seien und meistens nix werden. Und der Blick auf Heferezepte hat mir das meistens bestätigt. Soll man den Teig doch mindestens 2-3mal gehen lassen. (Ja wohin geht er denn?) Dabei vergären die Hefepilze den zugesetzten Zucker /Stärke zu Alkohol und Kohlensäure. Ersterer verflüchtigt sich beim Backen, Zweitere lässt den Teig schön luftig werden. Es ist völlig einsichtig für mich, dass das seine Zeit und auch ein warmes Plätzchen benötigt. Trotzdem: einem Schnell-Kocher und Spontan-Bäcker wie mir dauert das natürlich viel zu lange. Auch bestand immer eine gewisse Skepsis, ob der Teig tatsächlich aufgehen würde. Nach einem recht passablen Vorversuch in unserer Kochrunde habe ich den Alleingang gewagt. Notgedrungen sozusagen.
Die Zutaten: Der Schwager mitsamt Familie hatte sich angekündigt. Die kleinen Neffen waren sofort von unserer Mühle begeistert („Oh, ihr habt aber ein große Kaffeemühle!") und natürlich musste das Teil fachmännisch zerlegt, begutachtet und einmal Mehl gemahlen werden. Das führte zu der Idee des Brotbackens. Mein Schwager und ebenso die kleinen Söhne können das hervorragend und daher fiel mir der Kauf eines Hefewürfels nicht schwer. Der Plan kam nicht zur Durchführung und ich bin auf einem Hefewürfel und einem Häufchen Dinkelmehl sitzengeblieben. Außerdem war von einem vorherigen Kuchen noch Mascarpone übrig und eigens für den Besuch eingekaufte Milch. Was tut die verzweifelte, aber experimentierfreudige Person? Mal bei Chefkoch nachschauen. Und tatsächlich: Mascarpone-Rosenkuchen
Die Vorbereitung: Völlig mutig machte ich mich ans Werk. Nun ja, gemahlener Dinkel stellt bekanntlich ein Vollkornmehl dar. Irgendwo hatte ich mal vernommen, dass Vollkornhefeteig nicht so leicht herzustellen ist. Egal. Im Rezept war von „Mehl sieben" die Rede, das würde schon helfen. Habs auch vorsichtshalber berücksichtigt. Bloß kein Risiko eingehen. Erstmal musste jedoch die benötigte Menge Mehl hergestellt werden. Das Mehl beschloss jedoch beim zweiten Mahldurchgang einfach mal die Mühle zu verstopfen. Zum Glück wusste ich noch, wie man das Teil auseinander baut. Das hat geholfen. Das Sieben und noch weitere viermal die Reste vermahlen brachten von den knapp 400g Ausgangsgewicht nur etwas über die Hälfte in die Schüssel. Meine Geduld war am Ende bevor es richtig losging. Zum Glück ist auch immer ne Tüte Mehl im Haus, für die kleinen Dinge wie Arbeitsfläche mehlen oder Soßen binden. Davon hab ich nochmal 200g (Weizenmehl) dazugegeben. Kritischer Schritt: die Hefe! Laut Rezept sollte man 1 Päckchen Trockenhefe verwenden. Recherche ergab, dass das Verhältnis von Trockenhefe zu Frischhefe 1:3 ist. Tja, und wieviel ist in so einer Tüte drin? Weiter recherchiert: 6g, die für 500g Mehl reichen. Das entsprach dann so etwa der Hälfte meines 42g Hefewürfels und den 400g eingesetztem Mehl. Sicherheitshalber hab ich etwas über die Hälfte genommen. In Milch aufgelöst und zu Mehl und Zucker gegeben. Durchgeknetet und 1h(!) abgedeckt gehen lassen.
In der Zwischenzeit hab ich die Füllung hergestellt. Walnüsse knacken, getrocknete Feigen (5 Stk) aus dem Keller holen, zusammen mit einem Marzipanrest (20 g) und getrockneten Aprikosen (4 Stk) klein hacken und alles mit Macarpone, Honig und mit Hilfe des ESG-Stabes verrühren. Danach blieb immer noch Zeit zum Abwaschen! Nach Ablauf der unendlichen Stunde war der Teig tatsächlich aufgegangen und zeigte auch den typischen Geruch. Es wurde wie im Rezept angegeben weiterverfahren.
Und es war ein wunderbares Ergebnis! Gut, der Ofen war extrem heiß und 20min Backzeit hätten völlig gereicht, zeigte die Oberfläche des Kuchens doch schon schwärzliche Ansätze. Aber das stört keinen großen Geist und der Geschmack war hervorragend!
Fazit: Das Warten auf Hefeteig lohnt sich und die Küche ist hinterher auch schön sauber!

Henglein
Rama Cremefine








