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Was in der Küche alles so passiert

Veggie werden ist nicht schwer, Veggie sein dagegen sehr!

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Angeregt durch einen anderen Blog möchte ich einige Gedanken zum Vegetariertum beisteuern. Bis ins letzte Jahrhundert hinein wurden Menschen die auf den Genuss tierischer Nahrung verzichteten Pythagoraer genannt, weil der gute alte Pythagoras (a2+b2=c2) und seine Schüler dies ebenfalls taten. Auch die Katharer und andere biblische Völker verzichten auf Nahrung von toten Tieren. Ja, selbst in der Genesis steht sinngemäß, dass der Mensch von Pflanzen leben darf, aber das, was kreucht und fleucht verschonen soll. Aber die wenigsten werden aus Glaubensgründen Vegetarier. Dieser eigentlich abwertende Begriff löste den des Pythagoraers irgendwann ab.

Der Vegetarier an sich wird aber heute gesellschaftlich akzeptiert, wenn nicht gar bewundert. ("Was?!?! Du isst kein Fleisch!!! Das könnte ich nicht.") Meistens schließt sich die Ursachensuche an: "Und wieso nicht?" Heute sind es gesundheitliche, moralische oder soziale Gründe, die zur vegetarischen Lebensweise führen. Aber da beginnt dann schon die Krux: Was ist mit Fisch? Oder mit Produkten von lebenden Tieren? Müsste man aus Gründen des Klimaschutzes und der Arthaltung nicht konsequenterweise nur Produkte aus ökologisch korrektem Anbau konsumieren? Hieße das nicht, auch nur saisonale und regionale Produkte zu kaufen? Ist man dann (als Vegetarier) nicht fürchterlich eingeschränkt? Wenn man diese offensichtlichen Fragen für sich ge- und anderen erklärt hat, tauchen erstmal Probleme praktischer Natur auf.

Der berühmte Punkt, bei dem man mal wieder Lust auf ein schönes Stück Tier hat, ist mit etwas Willenstärke leicht überwunden. Aber man sollte sich nicht täuschen: Der kommt immer mal wieder, der Zeitraum dazwischen wird nur länger. Aber irgendwann geschieht das Wunder und das Fleisch schmeckt einfach nicht mehr. Man wird zwar immer noch denken, dass die Currywurst auf der Chefkoch-Startseite verlockend lecker aussieht, aber man wird wissen, dass sie einem nicht schmecken wird.

Nachdem das nähere Umfeld (Partner, Freunde, Großeltern) sich von dem Schock erholt und auch etwas angepasst hat, ist man selbst gelangweilt vom regelmäßigen Besuch im konventionellen Supermarkt und dem eigenen Speiseplan. Diese Phase kann so nach 6 - 26 Monaten eintreten. Man probiert auch mal "Fleischersatzprodukte" aus Soja oder Weizen, die heute erheblich besser sind, als noch vor einigen Jahren. Da begann man dann, abgeschreckt von Geschmack und Konsistenz der o.g. Produkte, selbst Bratlinge herzustellen und auch mal andere Stärkebeilagen als Kartoffeln, Nudeln, Reis auszuprobieren; auch Hülsenfrüchte werden plötzlich zu einem Quell unendlicher Freude. Ähnliches ist auch über Brotaufstriche anzumerken. Die Vielfalt vegetarischer Brotaufstriche in den großen Supermarktketten gibt es erst seit wenigen Jahren. Also ging man irgendwann ins Reformhaus und war überrascht, was es alles so an vegetarischen Brotaufstrichen gibt und was die für Geld dafür haben wollen! Der Preisvorteil durch Verzicht auf Fleisch ist so schon bald dahin. Insbesondere weil man verstärkt zu Bio-Produkten und weniger Tüten greift, denn man registriert, dass so ein (sehr guter) Geschmack gewährleistet ist, den flämische Gewächshäuser und bunte Tüten einfach nicht bieten können.

Mit den Tütenprodukten ist es auch so eine Sache: Ein Blick auf die Inhaltstoffe verrät sehr bald, dass irgendwann irgendwo ein Tier dafür gestorben ist. Und dann die Sache mit der Gelatine und dem Lab. Das hat man erst nicht so auf dem Schirm, aber dann erwischt einen umso härter! An die versteckten Tierprodukte hatte man erstmal nicht gedacht. Wie soll man sich verhalten? Zum Glück gibt es mittlerweile auch hiervon befreite Produkte für unbeschwerten vegetarischen Genuss.

Und dann sind da noch die einfleischten Fleischesser mit ihren dummen Sprüchen (Du isst meinem Essen das Essen weg!) und uneinsichtigen Verhaltensweisen (Dir reicht ja auch auch nur der Kartoffelsalat beim Grillen, oder?; Der Speck im Spinat ist ja kein Fleisch, der ist nur für den Geschmack!; Die Soße isst du aber, gell?). Erschwert wird das Ganze durch Aversionen des Vegetariers gegenüber bestimmten pflanzlichen Produkten, wie Zwiebeln, Pilzen, Heidelbeeren, Zitronen, etc. Ja, auch Vegetarier haben das Recht etwas einfach geschmacklich nicht zu mögen! Da braucht ihr gar nicht so die Augen verdrehen. Wieso glauben eigentlich alle Nicht-Vegetarier, man könne ein Stück Fleisch prima durch Pilze, bevorzugt Champignons, ersetzen? Wieso? Weil beide nach dem anbraten braun und gummirig sind? Vielleicht fehlt ihnen auch einfach die Phantasie...

All diese Erfahrungen bleiben bei einem vierwöchigen Experiment aus, aber es zeigt Einiges davon schon ansatzweise und bestimmt ist es ein Zeichen der Verständigung und Einfühlsamkeit. Herzlichen Dank dafür! :-)

Fazit: Veggie werden ist nicht schwer, Veggie sein dagegen sehr!

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