CLAFOUTI (S) - Kirsch-Auflauf
Betrachtungen zu einem Klassiker der Welschen Dessert-Küche
Meine Frau ist Französin. Ich erwähne das als Faktum, einfach
nur so, als Tatsache. Die Leute bekommen das immer sehr schnell
mit, weil wir - erstens - untereinander französisch sprechen -
aber auch weil sie - zweitens (oder besser: aller-erstens) - diesen
süßen Akzent hat, den die Deutschen so lieben. Der hat ihr bislang
aber leider noch keinen einzigen Werbe-Vertrag eingebracht, - nicht
einmal für Bauchnabel-Bier.
Heute, der 25. Juni 2010 ist übrigens ein ganz besonderer Tag für
uns: Hochzeitstag, - Schnapszahl, - 33, - soll ja Glück bringen...
Wir werden oft gefragt, was denn der Unterschied wäre zwischen
Deutschland und Frankreich, zwischen Deutschen und Franzosen.
Eine blöde Frage, wie ich finde. Je nach Stärke des Vergrößerungs-
glases das man verwendet oder nach Optik und Standpunkt, sind die
Unterschiede riesengroß oder verschwindend klein. Fragt doch mal
nach dem Unterschied zwischen einem Ostfriesen und einem Bayern...
Damit die Leute eine Ruhe geben, erwähnen wir dann, dass die
französischen Hausfrauen normalerweise sehr viel mehr Ahnung
von Küchentechnik und Warenkunde haben und auch sehr großen
Wert darauf legen, dass ihre Kinder das frühzeitig lernen. Dann sind
wir auch immer gleich bei einem unserer Lieblings-Themen. Bekanntlich
haben ja die Gastronomie und die Kulinaristik in Frankreich einen sehr
hohen Stellenwert. Aber die Deutschen holen hier rasant auf, und das ist
auch gut so.
Als Beispiel nehmen wir dann gerne die Kirsche, bzw. die Kirschsorten. Fragt mal eine normale deutsche Hausfrau, welche Sorten sie kennt. Dann zählt sie auf: Süßkirschen und Sauerkirschen, vielleicht auch noch die Herzkirsche und die Wild- oder Vogelkirsche. Dann ist sie aber mit ihrem Latein am Ende. Selbst die Frauen der Obstbauern aus der Fränkischen Schweiz ( das ist, grob umrissen, das Hügelland zwischen Nürnberg und Bayreuth) die am Straßenrand ihre Kirschen feilbieten, wissen nicht welche von den -zig Sorten, die in Deutschland angebaut werden, da in ihren Körben liegen: "Mei Moo dahd des wissa", - na toll, der ist aber gerade nicht greifbar und "I daht des etzad gern wissa".
Auf die gleiche Frage zählt die französische Hausfrau vermutlich
folgende Sorten auf, ungefähr in der Reihenfolge ihres Erscheinens
auf den Märkten: Griotte, Bigarreaux, Burlat, Reverchon, Coeur de
Pigeon und Marmotte, Napoléon, Van, Starking, "edellfing". Die letzten
3 Sorten stammen interessanterweise ursprünglich aus Deutschland.
Von der Hedelfinger Kirsche (meiner Top-Favoritin) weiß ich zufällig,
dass sie keine Züchtung ist, sondern ein Zufalls-Fund aus der Nähe der
Ortschaft Hedelfingen. Was wieder einmal beweist, dass Mutter Natur
auch ohne uns Schlaumeier ganz gut zurecht kommt. Außerordentlich
beliebt ist auch die Merise, also die Wild- oder Vogelkirsche, dem
Baum des Jahres 2010. Sie wächst auch - wild und reichlich - im sonnigen
Frankenland und wir verarbeiten sie gerne zu Confitüre.
Jetzt ist KIRSCHEN-ZEIT!
Der beliebte Kirsch-Auflauf:
CLAFOUTI (S)
stammt aus dem Limousin. Beide Schreibweisen, mit oder ohne "s" sind
korrekt. Das burgundische Paray-Le-Monial mit seiner vielbesuchten
Basilika ist berühmt für seine Variante mit der Kirschsorte Marmotte.
Spötter meinen, dass man sich dort ja BESTENS auskennen würde mit
"étouffe-chrétien". Damit bezeichnet man Gebäck, welches man schwer
hinunter bekommt, weil es entweder sehr trocken oder sehr fest oder
sonst so beschaffen ist, dass es gerne am Gaumen kleben bleibt.
Zutaten ( für 4 Personen):
- 500 g Kirschen ( dunkle wie Burlat, Marmotte)
- 10 cl Milch
- 70 g Butter, gesalzen
- 60 g Mehl
- 75 g Zucker ( gerne Rohrzucker)
- 3 Eier
- 30 cl Sahne
Zubereitung:
Die Kirschen waschen, aber nicht entsteinen
Den Backofen auf 180°C vorheizen. Die Milch in einen Topf geben
und aufkochen.
Die 50g Butter in einem anderen Topf gerade zum Schmelzen bringen. In einer Schüssel das Mehl, den Zucker, die Eier und die Sahne vermischen. Unterständigem Rühren nach und nach die kochende Milch und die Butter hinzufügen. Eine Auflauf-Form buttern, die Kirschen darin verteilen und den Teig darüber gießen. 30 bis 35 Minuten backen. Mit einem Holzspieß oder einer Klinge testen ob der Teig gar ist, er darf nicht mehr kleben bleiben.
Das Original-Rezept kann man verfeinern, den Teig lockern, indem man
die Eier trennt, das Klar zu Schnee schlägt und unter den Teig hebt.
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Bonus-Rezept:
Rohe Kirschen vertrage ich nicht so gut und so bereite ich gerne:
DIDI'S KIRSCH-KOMPOTT
Die Kirschen waschen, NICHT entkernen, die Stiele zupfen, dann die Früchte ineinen Topf geben. Ein Stück Zimtstange und etwas Bio-Zitronen-Schale dazu tun. Einen kräftigen Schuss Rohr-Zucker-Sirup aufgießen. Deckel drauf und dasGanze volle Pulle erhitzen, Achtung, das schäumt. Eventuell den Topf mal schütteln oder die Kirschen umschichten. Sobald die ersten Kirschen aufplatzen vom Herd nehmen und mit etwas in Wasser aufgelöster Reisstärke leicht binden.Abkühlen lassen und mit Schlagsahne servieren, - und - "miam-miam"- genießen...
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Bonus-Gedicht ( und Mahnung zur Mäßigung ):
Pauline:
Ach, mir ist ja soo schlecht,
ich wees gar nich recht,
was ich soll machen -
es iss ja wirklich so, als ob die Därme krachen
hätt' ich bloß die Finger davone gelassen
und keenen Kirschkuchen gegassen
daß der Kuchen ja so fest im Magen liegt
das macht mich reeneweg verrickt
ihr Leute, nee -
mir tut der Bauch so weh
ich muß ans Bette, Fieber messen
ach, hätt' ich bloß keenen Kirschkuchen gegessen
aus "Pauline und der Kirschkuchen",
von Ludwig Manfred Lommel, 1891-1962,
schlesischer Komiker und Kleinkünstler

Henglein
Rama Cremefine









