Milly07s Blog

KELTISCHE KÜCHE

"Die Kelten“, schreibt Poseidonios (135-51 v. Chr.), "servieren das Essen auf gestreutem Heu auf hölzernen Tischen, die ein wenig von der Erde her erhöht sind. Das Essen besteht aus Brot zwar wenig, aus Fleisch aber viel. Sie führen dies zum Munde wie die Löwen, beide Hände hochhebend, ganze Fleischstücke abbeißend, schwer Abzubeißendes aber durchschneiden sie mit kleinen Messern. Sitzend zwar im Kreis, sitzt in der Mitte aber der Mächtigste, sich von den anderen unterscheidend entweder durch Tapferkeit im Krieg oder Reichtum.“

 

Eintopf

 200 g fester durchwachsener, geräucherter Speck
- ca. 450 g Gerstenschrot
- Fleischbrühe
- Schmalz
- Gewürze (Salz, Wildkräuter)

Speck in mundgerechte Stücke schneiden, in einem großen Topf auslassen, herausnehmen.
Gut gewaschenes Schrot im Fett anbraten und mit kochender Brühe aufgießen. Mit reichlich Wildkräutern und wenig Salz ca. 2 Stunden bei kleiner Flamme köcheln lassen. Häufig umrühren (setzt leicht an) und immer wieder kochende Brühe nachgießen (mehrere Liter). Zum Schluss den ausgelassenen Speck wieder hinein geben.

Getreidesuppen werden heute noch traditionell beispielsweise in Südtirol oder im Garfagnana-Tal in den Apuanischen Alpen gekocht. Dort gehören auch etwas Knoblauch, Tomaten, Basilikum und Thymian hinein. Serviert wird mit geriebenem Pecorino-Käse.
Eine Verfeinerung für den heutigen Geschmack in unserem Gebiet wäre, den Eintopf mit frischer Petersilie und saurer Sahne zu genießen, abgeschmeckt mit etwas Pfeffer.

GETREIDEMUS

Zutaten:
80 gr feiner Buchweizengrieß

  • 200 gr grobe Buchweizengrütze
  • 250 gr Ricotta
  • 5 El Blaumohn
  • 5 El Honig

Zubereitung:

Grütze und Grieß für eine Stunde in ca. 2 Tassen Wasser einweichen, dann unter Rühren zu einem sämigen, festen Brei kochen (Dauer ca. 15 Minuten). Erkalten lassen, mit Ricotta, Honig und Blaumohn gut mischen, noch eine Stunde durchziehen lassen.

Ritschert (ca. 8 Portionen)

100 g Gerste
100 g Hirse
500 g dicke Bohnen
200 g Speck, gewürfelt
500 g gesalzener Schweinehals, gewürfelt
10 g Thymian
1 l Fleischbrühe
1 l Wasser
50 ml Apfelessig

Zubereitung: Die Bohnen über Nacht einweichen und dann ohne Salz kochen; so werden sie besser weich. Nach ca. 30 Minuten die anderen Zutaten und das Wasser zugeben. Alles zusammen bei geschlossenem Deckel weitere 30 Minuten weich kochen; evtl. noch mit Wasser verdünnen.

Hülsenfrüchte gehören zu den eiweißreichsten pflanzlichen Nahrungsmitteln, also den wichtigen Kohlenhydratlieferanten, und auch die Getreidekörner haben einen hohen ernährungsphysiologischen Wert.
Salz wurde übrigens während der Eisenzeit sicher schon verhandelt, stellte aber ein wertvolles Gut dar und wurde wohl nur spärlich eingesetzt; insofern ist es authentisch, wenn wir heute die damalige Küche als ein wenig fade empfinden. Das ‚weiße Gold’ muss diesem sättigenden Eintopfgericht nicht zwingend zugegeben werden, denn der Bedarf wird durch den Schweinespeck und –schinken gedeckt.

Bucheckern standen damals übrigens ebenfalls auf dem Speiseplan und dienten schmackhaften Eintöpfen als Grundlage.

Durch archäologisch belegte Funden in unseren Breiten, griechische und römische Überlieferungen geht man heute von folgende Lebensmitteln bei den Kelten aus:

Getreide
Emmer, Einkorn, Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste, Buchweizen, Hafer, Rispenhirse
Hülsenfrüchte wie z.B. Ackerbohnen, Saubohnen, Linsen,

Milchprodukte
Milch, Sahne, Quark, Käse, bestimmt `ne Art saure Milch,

Tiere und dessen Fleisch
Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Hühner , Gänse, Enten, Vogeleier, Hund und Pferd (wurden weniger gegessen),
Wild
Hirsch, Reh, Hase, Wildgänse, Wildenten , selten Wildschweine -u. Bären,

Fisch
je nach Region,

Die Kelten konnten Fleisch und Fisch pökeln ,räuchern, dörren, kochen und braten. Auch Schinken wurde bereits hergestellt.

Zum Süßen gabs Honig, Mädesüß, Blüten aus Wildblumen, frische und gedörrte Früchte,

Früchte
Beeren wurden gesammelt wie Himbeeren, Heidelbeeren, wilde Erdbeeren, Brombeeren, Eberesche (Vogelbeeren), Hagebutte ,Hollunderbeeren,Schlehe, Preiselbeeren, Sauerdorn, Kornelkirschen
es gab Holzäpfel, Pflaumen, importierte getrocknete Weinbeeren, Wildbirnen, Wildkirschen

Pilze je nach Region,


Nüsse

Haselnüsse, Eßkastanien, Walnüsse (später; von den Römern eingeführt), auch Bucheckern und Eicheln wurden verwendet

Gemüse
es gab verschiedene Kohlarten, Lauch, Rüben, Wilde Möhren, Zwiebel, Steckrübe, Schwarzwurzel, Erbsen, Knoblauch, Rettich,

Gewürze
Salz, Pfeffer aus Griechenland, wilder Kümmel, Senf, auch Kardamon wurde gefunden,
Küchenkräuter
waren z.B.- Dill, Kresse, Petersilie, Löwenzahn, Sauerampfer, Knöterich, Vogelmiere, Schabockskraut, Geißfuß, Löffelkraut, Ampfer-Knötterich, Brennessel, Bärlauch, Gänseblümchen, und noch viele andere Wildkräuter und Wildblumen, Hollunderblüten, Lindenblüten, Schlehenblüten

Viele Kräuter, Blätter verschiedener Bäume, Rinden, Wurzeln u.v.m wurde zu Heilzwecken vewendet.

Es wurden auch Labkraut, Leindotter, Lein, Mohn ( Schlafmohn ) in der keltischen Küche verwendet.
Öle
Leinöl, Mohnöl, Bucheckernöl, Olivenöl wurde aus dem Mittelmeerraum importiert und war dementsprechend teuer
Essig
warscheinlich aus Äpfeln oder Wein

Anzumerken sei ,dass die Kelten nur sehr wenig Wild auf der Speisekarte hatten...

Wild wurde nur sehr sehr selten verzehrt ...
In der Hallstattzeit lag der Anteil an Wild bei ca. 4% der Gesammt Verpflegung ...
In der frühen La Tene Zeit dann nur noch bei 0,2% ...
Das Bild des Wildschwein futterden Gallier ist also Falsch...

Literaturauswahl
F. E. Barth, Die Leibspeise der Althallstätter Bergleute. In: Bohnengeschichten. Katalog zur Ausstellung. Hallstatt 1992, 56-64.

H.-E. Joachim, Bronze- und Eisenzeit. Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, Beiheft II/3.1-II/3.4.
R. Kaufmann, Keltische Küche. Karfunkel Codex 2, 2004, 122-123.
H. Kroll, Zur Analyse verkohlter pflanzlicher Reste aus Siedlungsgrabungen. Archäologische Informationen 1, 1988, 16-20.
B. Niedermayr, Tischsitten und Speisen der Kelten. Die Kelten. Entwicklung, Sprache und Geschichte. Pax et gaudium 5, 2001, 63.
L. Pauli, Zu Gast bei einem keltischen Fürsten. Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft Wien. 118/119. Wien 1988/89.

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