Naheulbeuks Blog

Rezepte & Geplauder

BRATSCHLAUCH

12.01.2013 / 22:29

LOBLIED AUF DEN BRATSCHLAUCH
(culleus assaricus)

Manche Leute können sich ganz trefflich über alle mög-
lichen und unmöglichen Dinge aufregen und lautstark
ihre Position darlegen. Ob das Fleisch für Chili con Carne
geschnitten sein muß oder gewolft werden darf, und wenn
ja, wie fein oder wie grob; Ob da Bohnen und/oder Mais
mit in den Topf dürfen oder nicht; Und, und, und...


Bild 1

Ein Hähnchen, fertig gewürzt und vorbereitet, aber noch nicht bridiert...

Karlheinz zum Beispiel kann sich supergut aufregen über
FCWK in Kühlschränken, Sprayflaschen und Kunststoff-
schäumen und so weiter. "Ist doch aber schon länger ver-
boten. Neulich habe ich sogar auf einem Polystyrolschaum-
teil gelesen: FCWK-frei", sagte ich. Er: "Siehste !!!"

Ich: "Deutschen Wissenschaftlern ist es durch jahrzehnte-
lange, intensive und aufopferungsvolle Forschungsarbeit
gelungen, ENDLICH FCWK-freien Polystyrol-Schaum
herzustellen! Deutschland atmet auf!!!  - Soll ich was sagen,
Karl-Heinzilein? - Da war überhaupt noch NIE ein Treibgas
drin. Wozu auch? Seit der Erfindung des Schaums durch die
BASF in
den 50er Jahren wird Polystyrol mit Wasserdampf aufgeschäumt, so wie Popcorn oder Puffreis; D
eswegen ist es auch lebensmittelecht und als Verpackungsmaterial zugelassen.

Im Übrigen ist selbst FCKW nicht mehr der Ozonkiller
No1, sondern Lachgas (Distickstoffmonoxid). Das ist das
Treibgas zum Beispiel, aus deinen Schlagsahne-Kapseln."
KH fummelte ein wenig auf seinem I-Phone herum und
wechselte dann rasch das Thema. 

Mein Kumpel Tom ist da gaanz anders gestrickt. Es gibt
eine Menge Dinge die wir gleich oder sehr ähnlich sehen,
logisch, aber auch Einiges wo wir diametrale Auffassungen
vertreten. Bloß lassen wir es nie zu einer Auseinanderset-
zung kommen; Man einigt sich intuitiv und nonverbal, es
notfalls beim Status Quo zu belassen und erörtert was
Anderes oder erzählt ein Witzlein oder einen doofen Spruch,

z.B.: "Wie sagte schon Kung Fuzius?: Die Basis ist die Grund-
lage aller Fundamente".

Tom, der jahrelange Erfahrung als Gastronom besitzt,
schwört auf seinen Römertopf für seine Krustenbraten
oder für Geflügel. Das schmeckt besser, findet er. Gut
möglich; Ich kann's bloß nicht überprüfen weil ich so ein
Teil nicht besitze und auch vorm Kauf zurückschrecke
weil ich eh nicht wüßte, wo ich es lagern oder verstauen
sollte. Unsere Küche platzt jetzt schon aus allen Nähten.
Ich verwende den Bratschlauch. Und sogar KH mußte zu-
geben, daß die Rolle vergleichsweise sehr wenig Platz
beansprucht, nicht erst großartig gewässert werden muß,
die Reinigung nach Gebrauch entfällt und - vor allem, freie
Sicht auf das Gargut läßt, wodurch man den Garprozess
bequemer steuern kann als mit einem opaken Tontopf.

So gesehen könnte man den Bratschlauch als "kompakt
aufgerollten, bei Bedarf aufblasbaren Römertopf mit
Sichtfenster" bezeichnen.

Von jeher hat mich aber gestört, daß es eher umständlich
ist, die Zutaten in den Schlauch hineinzubefördern (es hat
nicht jeder gerade mal einen Kameramann zur Hand) und
daß es ebenfalls nicht ohne Risiko ist, die gegarten Speisen
auch wieder sauber herauszubekommen. Als einmal der
Schlauch beim Entnehmen riß und die Brühe sich über den
Tisch ergoß, habe ich auf Abhilfe gesonnen und verwende
seitdem immer eine flache Auflaufschale in die ich das
Gargut, meist auf einem Gemüsebett, einlege und dann
erst in den Bratschlauch schiebe.

Bild 2

Die Schale in den Bratschlauch eingeschoben...

Bild 3
...dann abgebunden und abgetrennt...


Bild 4

... die Folie muß leicht eingeschnitten werden...

Um möglichst sparsam mit dem Material umzugehen schneide
ich nicht wie empfohlen ein Stück Schlauch ab, sondern wickle
die Rolle ein stückweit auf, gebe die Schale hinein, verschließe
zuerst die offene Seite, binde dann den Schlauch hinter der
Schale ab und trenne ihn dann erst von der Rolle. Jetzt bringe
ich auch gleich den kleinen Schnitt in die Hülle, das Überdruck-
ventil wenn man so will, das verhindert, daß der Schlauch ex-
plodiert wie ein überdehnter Luftballon.
Bitte beachten: die Folie niemals über 200°C erhitzen, eventuell
einmal kontrollieren (lassen) ob die Einstellung des Drehknopfes
am Ofen mit der tatsächlichen Temperatur übereinstimmt. Bei
uns beträgt der Unterschied  40°C ( vierzig Grad Celsius )! Und
den Herd hat ein FACHMANN angeschlossen!

Die Folie darf auch nie direkt in Kontakt mit den Heizelementen
kommen.
 
Bild 5

Die Auflaufschale kann man jetzt entweder direkt auf den Tisch
stellen oder den Braten erst einmal beiseite tun und aus dem
Jus und dem Gemüsebett eine Soße zubereiten.

LG,
Lucie, Tom, Tim, KH & soweiter...

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