UschiGs Blog

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Erinnerung an Cochem

16.08.2009 / 21:31

 Es war in der Zeit des 2. Weltkrieges.  Anfang der vierziger Jahre wurden wir evakuiert, weil unsere Stadt schon ziemlich von den Bombenangriffen verwüstet war....

Ich weiß es nun nicht, ob meine Mutter den Ort, zu dem wir ziehen mussten ausgesucht hatte, oder ob es bestimmt wurde...von den Behörden oder ähnlichem.

Jedenfalls konnte es kaum schöner sein, als in ein kleines , idyllische Städtchen an der Mosel evakuiert zu werden...nach Cochem.

Ich empfand es natürlich nicht so, da ich noch klein war und alles, was mich von Oma entfernte, brachte mich zum weinen.

Oma aber musste zu Hause bleiben und aufs Haus aufpassen.

In der Zeit war es mir auch nicht so bewusst, dass wir in einer sehr schönen Gegend leben durften, in der Wein angebaut wird und wo es einen Berg gab mit einer wunderschönen märchenhaften Burg.

Es war aber alles so fremd und ich hatte sofort Heimweh....das erste Mal in meinem jungen Leben.

Für meine Mutter war es wohl das gleiche Gefühl..ganz alleine mit 2 kleinen Kindern in einer fremden Stadt. Wo ihr Mann, unser Papa war, das war immer eine große Frage. Lebt er noch ? Ist er schon in Gefangenschaft oder kommt er irgendwann mal in Urlaub ?  Ihr war erstmal eines wichtig, dass wir sicher vor Bombenangriffen waren.

 Das war allerdings, wie sich später heraus stellte, ein Trugschluss. In Cochem ist der längste Tunnel Europas (zu der Zeit natürlich), der Kaiser Wilhelm Tunnel  und immer wenn irgendwo Alarm war, wurden Lokomotiven und mit Munition beladene Züge dort in den Tunnel gefahren. Das wussten natürlich auch die, vor denen wir Angst hatten. Alles das habe ich natürlich erst später erfahren.

 Wir wohnten in einem ganz alten Fachwerkhaus direkt am Berg. Aus dem kleinen Fenster hinten raus sahen wir direkt nur Sträucher und im Dunkeln sah das manchmal ganz schön unheimlich aus. Mutti hatte es uns so gemütlich aber wie möglich gemacht .Nebenan stand ein größeres Haus, in dem ein großer Weinbauer wohnte. Die Tochter des Weinbauern wurde so nach und nach meine Freundin, nachdem ich ihr Dialekt verstand.

 Meine Mutter hat dort mit vielen anderen Frauen ( mit meiner Tante, die auch mit Kindern nach kam), oft mit im Wingert (Weinberg) und aushilfsweise in einem Geschäft gearbeitet . Ich fand es furchtbar, so an den Hängen auf diese rutschenden Steinen an den Weinreben rum zu schnibbeln. Sinnloser Kram dachte ich,  doch mein Bruder , 3 Jahre älter als ich und schon sehr schlau, belehrte mich eines Besseren und erklärte mir, dass da Weintrauben dran wachsen und dass man daraus Wein machen kann........

 Dann kam die erste Weinlese. Alle waren im Weinberg und so mussten wir auch mit, da sonst keiner auf uns aufpassen konnte. Die Frauen haben die Trauben gepflückt, in Körbe gelegt und die Männer, die noch da waren, haben  diese großen. Kiepen gefüllt, sind runter zum Weg gegangen und haben diese großen Kiepen in einen großen Bottich geschüttet, der auf einem Wagen stand.

Wir spielten um den Wagen rum und Wilma, die Tochter des Weinbauern, kam schon mal mit einem etwas schmutzigen Gläschen und presste aus den Trauben so ein schmutzige trübe Brühe raus und ich sollte es trinken.......daraus sollten nun edle Weine werden ?? Konnte ich mir nicht vorstellen....

 Anschließend wurde auf dem Hof des Weinbauern richtig gearbeitet...Trauben gekeltert, der Trester  stank und der Most sah so trübe aus und ich sagte mir damals, das Zeug werde ich niemals trinken.

 Nun kam der Krieg auch dort immer näher..der Fliegeralarm wurden häufiger und auch in der Weihnachtszeit kam jeden Abend ein Tiefflieger, der wohl die Lage sondierte, tief über Cochem geflogen.

Meine Tante aus Düsseldorf, die uns in der Weihnachtszeit dort besuchen kam, nannte diesen allabendlichen Tiefflieger..@dä eiserne Justav@ Wir fanden es noch lustig.

  Nun bekamen wir auch einen Luftschutzkeller zugeordnet und es war der Weinkeller unseres Weinbauern-Nachbarn.

 Und dann kam die Weihnachtszeit, es war so spannend, was das Christkind uns wohl bringt. Einen Tag vor Weihnachten  hatte Mutti ein Zimmer geschlossen (wir hatten derer zwei __) und tat sehr geheimnisvoll .. Leider war mein Vater mal wieder nicht dabei, da er in der Zeit versuchte den Krieg zu gewinnen.

 Dann kam der Alarm

Die Leute unserer Straße waren sehr überrascht und rannten so schnell wie möglich in den Weinkeller.

Wenn man die Stufen zu diesem Keller  runter ging kam einem ein moderiger säuerlicher Geruch entgegen, der mir fast den Atem raubte.

Dann saßen wir an den Fässern auf kleinen Bänken, Brettern und Stühlen und die Erwachsenen schwiegen sich ängstlich an. Ich  hatte auch immer noch wahnsinnige Angst bei Fliegeralarm, den ich ja von zu Hause kannte ... trotzdem ich mich niemals an ein Leben ohne Gefahr von oben erinnern konnte.

Eigentlich war es für uns Kinder ganz lustig da in dem Keller mit den großen Fässern, hinter denen wir uns verstecken konnten

Meine Freundin Wilma, die ja Hausrecht genoss, zerrte mich in eine Ecke hinter ein riesiges Fass und wollte mit den Puppen spielen. Da stand mir nun doch der Sinn nicht nach. sie wollte mich unbedingt aufmuntern und holte so ein schmutziges Gläschen, ging an ein kleines Fass und drehte an einem Kränchen.

Das Zeug musste ich trinke. Es schmeckte scheußlich sauer aber sie meinte, das wäre gut gegen meine Angst. Wie Recht sie hatte. Zwei Gläschen hatte ich geschafft, dann bin ich auf einem Brett eingeschlafen.

Als ich wieder wach wurde, lag ich in meinem Bett und meine Mutter hatte mich, nach der Entwarnung  schlafend hoch geschleppt.

Mir war so übel, dass ich mich übergebe musste. Sorgenvoll fühlte meine Mutter Stirn und Puls aber scheinbar war alles soweit in Ordnung, doch das Kind war krank.......

Dass das Kind betrunken war ist ihr viel später von meinem Bruder verraten worden.

 Von dem kleinen Weihnachtsbaum habe ich erst mal nichts gesehen und langsam wurde ich doch wieder wach.

Meine Mutter hatte die Kerzen ..naja es waren so 7 - 8.. angesteckt und es war soo schön.  Ich rührte mich und fühlte mich doch so wohl. Den Blick hatte ich auf unser kleines Fenster, das direkt zu dem Gestrüpp am Hang führte.

Plötzlich bewegte sich dort etwas !! Ich lag ganz still und starrte auf das Fenster. Es war etwas goldenes fast durchsichtiges und ich habe ein Gesichtchen erkannt.

Es musste das Christkind sein. Ich war so überzeugt, dass es das Christkind war, dass ich mich nicht gerührt habe aus Angst, es könnte wieder verschwinden.

Meine über alles geliebte  Oma war ja jetzt auch bei uns und ich hörte die leisen Stimmen von Oma und Mutti.

Ich glaube, dass ich nie mehr so ein Weihnachtsgefühl hatte wie in der Situation

Nach und nach löste sich diese wunderschöne Gestalt auf und es war nur noch eine Spiegelung des Weihnachtsbaums in den kleinen Scheiben.

 Ich bin dann wieder eingeschlafen. Am nächsten Morgen habe ich es natürlich sofort erzählt. Die Reaktion meines Bruders war natürlich.."die war besoffen...."

Meine Mutter hatte ein verständnisvolles Lächeln aber meine Oma hat mir geglaubt. Sie sagte mir, dass das Christkind nur lieben Kindern erscheint und ich wäre doch lieb.

Ja, ich glaube, ich war lieb. In der Zeit dieses furchtbaren Krieges mit ständiger Angst hatte man nichtmal als Kind den Gedanken etwas anzustellen...

außer meinem Bruder natürlich .....

 

 

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