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Der Espresso-Trinker

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Zuerst muss man wissen, dass mir eine angeborene Berechtigung Kaffee zu trinken, auf die Wiege gelegt wurde. Bereits in meinem ungeborenen Zustand wurde ich reichlich mit Koffein versorgt. Meine Mutter war eingeschworene Espressotrinkerin im Endstadium und war der festen Überzeugung, dass Kaffee in konzentrierter Form ihr gut aushelfen könnte, eine schmerzfreie Niederkunft zu überstehen.

Als ich geboren wurde, offenbarte die Hebamme meinen Eltern, dass ich unter einen Gelbfieberanfall leiden würde. In den damaligen Zeiten könnte sich sonst niemanden meine Kaffeeähnlichen Hautfarbe erklären. Mein Vater der selten zu Hause war, überlegte misstrauisch, ob in unserer Nachbarschaft Italo-Afrikaner wohnen würden.

Auch während der Stillzeit wurde die Zufuhr von Koffein nicht unterbrochen. Meine Mutter trank mittlerweile mehrmals am Tag eine schwarze, zähe Flüssigkeit versüßt mit 4-5 Esslöffeln Zucker. Diese wurde dann durch die Brust an mich so zu sagen als Latte Macchiato weitergegeben.

Im Vorschulalter bestand mein Frühstück aus eine große heiße Tasse frisch gemolkener Milch und reichlich stark gebrannter Kaffee in der Relation zwei zu eins, Zwei Teile Espresso und einen Teil Milch.
Dazu wurden 3 Esslöffel Zucker und Brötchen des Vormonats gegeben.
Ich habe diese Angewohnheit auch in vorgerücktem Alter beibehalten. Nur die Brötchen habe ich durch einen Betablocker und eine blutdrucksenkenden Tablette ersetzt und die Milch ist auch nicht mehr frisch gemolken.

In den Folgejahren des Erwachsen werden, erhöhte ich die Espressodosis nach und nach unbemerkt. Schließlich erreichte mein Espressobedarf 10-15 Tassen täglich, was vergleichbar einer Überdosis Heroin entspräche.

Als ich meiner Frau offenbarte, dass ich mein Espresso lieber intravenös einnehmen würde, zwang sie mich ein Internist zu besuchen. Und wenn ich sowieso schon da wäre, dann sollte ich mir auch mein Hirn untersuchen lassen, empfahl sie mir. Ob das scherzhaft gemeint war, habe ich es bis Heute noch nicht herausfinden können.

Dann kam was es kommen musste. Der Arzt verbot mir auf der Stelle Kaffee zu trinken und empfahl mir Kaffee lieber mit Tee zu ersetzen. Nach einer hitzigen Diskussion, in der ich ihm als von den Teeproduzenten korrumpierter Teetrinker bezeichnete, gab ich nach und ich entschied mich dieser Empfehlung zu folgen.

Es folgten Tage der Schläfrigkeit. Ohne Einnahme von Koffein, schlief ich in jeder Tageszeit fest ein. Mal im Büro auf der PC-Tastatur mit dem Ergebnis, dass mein Gesicht für zwei Tage einen Karo-Muster bekam oder abends mal während des Abendbrotes meinem Kopf nach hinten glitt, mit offenem Mund schnarchte bis meine Frau dann das Licht in der Küche ausmachte und ins Bett ging.
Die sado-masochistische Aufgabe meiner Frau bestand nun darin, mir morgendlich und abendlich mit ersichtlichem Vergnügen, Tee aufzubrühen. Morgens zwei Tassen grünes Warmwasser und am Abend buntes Warmwasser. Aber am Abend roch das ganze Haus nach irgendwelchen Blüten oder Obstsorten. Und jeden Abend wurde gefragt, welche Sorte ich gerne hätte. Mein Wunsch, ich hätte gerne 100% Arabica dunkel geröstet, würde nicht erhört und ich bekam Tee.

Feng Shui Hibiscus Tea, Early Evening Apple Tea, Tee mit Kirschen, Tee mit Lotus, Tee mit Mixfruit, Tee für Hühneraugen, Tee gegen Zuckungen,
Tee nach der Blindarmoperation, ich sehnte mich nach einem, kräftigen, schwarzen Tee für stumpfe Großwildjäger und zugleich fing ich an zu denken, das Teetrinker alle verrückt seien und zu einer besonderen unerforschten Spezies des Homo Sapiens gehören müssten.

Als dann mit der Zeit sich das Weiße meiner Pupillen kräftig gelb färbte, bekam meine Frau starke Bedenken und ich bekam keinen Tee mehr.

Heute trinke ich wieder 10-15 Tassen Espresso Crema extra Dark täglich und mir geht’s gut.

  

 

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