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Weihnachten 1946

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Weihnacht 1946

Ich erzähle Euch mal wieder eine Geschichte aus der guten… ???, nein, nur aus der alten Zeit. Gut war die Zeit nicht. Trotzdem hatten wir so eine Vorfreude auf Weihnachten, obwohl es kaum Geschenke gab.
Meine Oma und meine Mutter haben alte Sachen aufgeribbelt, dann neue Sachen gestrickt. So wurde jedes Jahr mein Pummelchen, das war meine Puppe, die mich in der Kriegszeit überall hin begleitet hatte, frisch und neu angezogen. Ich war glücklich und zufrieden.

Trotz der schlechten Zeit, Deutschland noch ziemlich verwüstet vom 2. Weltkrieg aber kräftig im Aufbau, hat man sich wirklich auf die Feiertage gefreut.
Für solche Tage wurde immer besonders geplant und gespart. In der Adventszeit versuchten wir etwas Tannengrün zu bekommen und dann wurde ein Adventskranz mit Kerzen und Schleifen gebastelt. Kerzen, ja was gab es da?? Diese scheußlichen Nachkriegskerzen, die man benutzte, wenn mal wieder der Strom ausfiel.

Oma hatte noch so einen alten Unterrock aus feinem Stoff, der noch ein paar gute Teile hatte. Der wurde vorsichtig in Streifen geschnitten und da wurden dann Schleifen draus gebunden und wir hatten einen wunderschönen Adventkranz, der jeden Abend ein Viertelstündchen angesteckt wurde…die Kerzen natürlich.

Man hatte Lebensmittelmarken für diese Zeit gespart. Oma war gut dran, sie hatte einen Schatten auf der Lunge und bekam die Schwerstarbeitermarken. Das war was ganz besonderes. Als später die Lebensmittelkarten abgeschafft wurden, hatte auch unser Oma keinen Schatten mehr auf der Lunge…sie ist noch sehr alt geworden.

Nun wohnten wir mit Oma und Opa in einem großen Haus Parterre. Im ersten Stock wohnte ein „Schwarzhändler“. Da machte die Polizei schon mal Hausdurchsuchungen und das fanden wir Kinder spannend..
Dieser Herr Reinbach (Name geändert) verhuschelte auch Kartoffeln. Wir konnten ihm keine abkaufen, weil sie zu teuer waren und weil er nur ganze Säcke verkaufte.

Kurz vor Weihnachten kam meine Mutter und unsere Nachbarin aufgeregt ins Zimmer, wir wurden raus geschickt und ich…natürlich niemals neugierig, ging nicht allzu weit weg. Dann hörte ich Oma rufen…“Jeesses Goot, das han ich im Lääwe noch nit gemacht..neee neee…..“ Meine Mutter hörte ich sagen…“Bevor meine Kinder hungern, klau ich alles was nicht niet und nagelfest ist !“
Das hörte mein Vater natürlich nicht, weil er gerade als Lokomotivheizer Kohlen in den Ofen der Dampflok schaufelte damit sie anständig Dampf machte..
Er als ehemaliger Beamter, mit 2 linken Händen (wie meine Mutter immer sagte) hat jede Arbeit angenommen in der Hoffnung, bald wieder in unserem Rathaus sitzen zu können. Aber das dauerte bis 1948.. Jedenfalls hatte er sich in der Zeit bis zum Wagenschreiber hoch gearbeitet..
Ein Beamter, hätte so eine Freveltat niemals zugelassen.

Die Tat…Dieser Nachbar Herr Reinbach hatte 8 Säcke der wunderbaren Kartoffeln im Treppenhaus stehen…..
Am nächsten Tag waren es nur 7 Säcke.
Meine Mutter und die Nachbarin aus dem Hinterhaus hatten beste Laune. Meine Oma schüttelte nur immer mit dem Kopf…..“Ei ,so war noch nix..!“ Opa strahlte..

Wie ich später erfuhr, haben die beiden Damen zu nächtlicher Stunde einen Sack entfernt..durch unsere Wohnung geschleppt und in Nachbarins Keller im Hinterhaus..unter den Kohlen versteckt.

Am heiligen Abend gab es einen Kartoffelsalat..ich habe nie wieder so einen Kartoffelsalat gegessen..und Würstchen, die aber bestimmt rechtmäßig erworben wurden, da Oma ja die Schwerstarbeitermarken hatte und am 1. Weihnachtstag gabs Kartoffelknödel mit einem "Ragout"..... BOOOIINNNGG....

Ja , mein Bruder hatte Kaninchen „gezüchtet“ und ein schönes graues, edles Tier wurde gestohlen…oder es ist laufen gegangen...oder ? na dann... Jedenfalls war der Stall leer. Seinen belgischen Riesen hatte er aber noch…der wurde sehr alt………..
Uns wurde aber erst viel später erzählt, was mit dem Kaninchen passiert ist…

Heute überlegt man, was man zu Weihnachten alles an Leckereien und Menüs machen kann. Nichts ist gut genug für Weihnachten…und das ist gut so !!
Wenn ich aber an den Muttis Kartoffelsalat von den geklauten Kartoffeln denke..Nichts kommt dem gleich.

Ich wünsche Euch allen, dass Ihr niemals dazu gezwungen seid, Eure Kartoffeln zu klauen.... ...

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