Mike’s Ranchferien auf der Dryhead Ranch, Wyoming, August 2011
Ein Bericht von Ferien, welche uns unvergesslich bleiben werden (positiv und negativ) und mir auch den schlimmsten Moment meiner letzten 52 Jahre bereiteten: Gottseidank und unter Mithilfe von einigen Schutzengeln ist aber wieder alles im grünen Bereich.
Samstag, 20. August 2011:
Aufstehen um 06.00 h, Postauto (Bus) um 06.34 h von Engelburg nach St. Gallen, weiter mit dem Zug (Abfahrt 07.11 h) nach Zürich –Flughafen, wo wir uns um 08.30 h am Schalter der US Airways zum check-in einfanden. Dort erklärte ich der freundlichen Dame, ich hätte ein web-check-in durchgeführt, die Bordkarten jedoch nicht drucken können…..
Kein Problem, erhielt sie hier, auch schon für den „connecting flight“, alles in Ordnung, allerdings konnte das Flugzeug in Philadelphia aufgrund schlechten Wetters erst mit einer einstündigen Verspätung starten, was natürlich auch hier in Zürich zu einem verspäteten Abflug (schlussendlich 1 ¾ Stunden) führte.
Macht nichts, dann haben wir in Philly (Ankunft planmässig um 13.35 h local time, Weiterflug nach Denver um 18.05 h local time) weniger Zeit totzuschlagen. Der Flug verlief ereignislos, ausser dass wir Raubrittern der Devisenkurse in die Hände fielen: die Kopfhörer konnten gekauft werden und zwar für USD 5.--, EUR 4.—oder CHF 8.--!!! Das entspricht einem Kurs von 1.60, wo doch der aktuelle USD/CHF Kurs bei knapp 0.80 lag! Anscheinend gab’s Reklamationen,denn der Preis wurde auf CHF 6.—reduziert, immer noch 50 % zu hoch….
Da die Verpflegung an Bord nicht übermässig gross war und wir noch genügend Zeit hatten, haben wir uns noch ein Philly Cheese Steak (eine Art Dürüm…) gegönnt.
Gemäss boarding pass sollten wir von Gate C24 abfliegen: dort angekommen, stand aber „Pittsburgh“ auf dem Display. Nach kurzer Nachfrage wurden wir wieder zurück zum Terminal „A“ geschickt, wo wir gelandet waren. Neues Gate = A10….
Zum Glück ist der Flughafen ja nicht so gross und wir hatten immer noch genügend Zeit. Nach weiteren dreieinhalb Stunden landeten wir pünklich um 20.25 h local time in Denver, wo wir die „immigration“ schnell und problemlos passierten. WE LIKE DENVER!
Am Gepäckband aber ein weiterer Gruss von Dr. Murphy, der uns nicht nur im Vorfeld der Reise begleitet hatte, sondern anscheinend auch während der ganzen Ferien ein treuer Begleiter war, wie sich noch herausstellen sollte:
mein Koffer traf rasch ein, der zweite aber, derjenige von Marlis, kam und kam nicht, bis das Band abgestellt wurde und ein Mitarbeiter mir mitteilte „no more luggage, please contact lost-and-found“. Als Dritter in der Warteschlange dauerte es einige Zeit, bis ich mein Problem der Dame am Schalter schildern konnte. Sie hatte den Koffer auch sofort gefunden: immer noch in Philly, obwohl wir doch beide zeitgleich auf das „Transit-Band“ von US Airways gestellt hatten….!
„In welches Hotel können wir den Koffer morgen schicken?“ wollte sie wissen. Als ich der Dame erkärte, wir würden sofort per Auto von Denver nach Lovell/Wyoming fahren, wo wir morgen um 18.00 h mit Leuten von der Ranch verabredet wären, wollte sie eine genaue Postadresse sowie Fest- und Mobiltelefon Nummer der Ranch haben.
Also rief ich Iris, die Ranchmanagerin, an (zum Glück hatte ich ihre Mobile-Nummer gespeichert) und erklärte ihr mein Problem. Danach zurück zum Schalter, wo natürlich unterdessen wieder eine Schlange von Passagieren wartete. Freundlicherweise liess man mich aber passieren, als ich erklärte, ich müsse nur noch eine Adresse und Telefonnummer angeben. Nach 5 Minuten hatte ich mein Verlustprotokoll mit „file number“ etc in der Hand (we’ll send the luggage to the Ranch asap by FedEx) und wir machten uns auf zu Hertz, um dort unser Mietauto abzuholen.
Da gemäss Auskunft von Iris die Strasse zur Ranch je nach Witterung für „normale“ Autos schwierig werden könnte, entschloss ich mich, vom „midsize“ zum SUV up-zu-graden: als Alternative wurde mir ein Jeep oder ein Chevy Equinox für USD 320.—vorgeschlagen:
Bei „Jeep“ fällt mir immer sofort der „Willy“ ein, welcher in jedem Kriegsfilm zu sehen ist (zum Beispiel George Scott als General George Patton, stehend auf der Beifahrerseite) und daher nicht in Frage kam. Ausserdem erinnerte mich „equinox“ an „equus“ (Pferd), was mir doch mehr gefiel, da wir 2 Wochen mit 1 PS unterwegs sein würden.
Mittlerweile war es schon 22.30 h, als wir unser (reduziertes) Gepäck im SUV (grau, mit 11615 Meilen auf dem Buckel) verstauten. Trotz der fortgeschrittenen Stunde wollte ich doch noch ein paar Meilen hinter uns bringen, damit wir morgen für die rund 800 km etwas mehr Zeit hätten.
Für mich als Besitzer eines mehr als 10 jährigen „Japaners“war der Chevy schon ein hi-tech-Auto, wobei ich mit den Grund-Funktionen keinerlei Probleme hatte.
Den Rückspiegel allerdings konnte ich im ersten Moment nicht richtig einstellen. Aha, dachte ich, der muss wie die Seitenspiegel automatisch bewegt werden, darum hat es ja unter anderem ein grünes „minus“ und ein rotes „plus“ Zeichen am Spiegel.
Also auf das „plus“ gedrückt und den Spiegel mit etwas „Schmackes“ doch noch korrigiert. Plötzlich hörte ich eine Stimme: „how can I help you? Are you in trouble? What happend?“ !!!! Als ich mich verwundert umschaute und keine Ahnung hatte, was los war, fragte die Stimme nochmals, diesmal aber sehr energisch:
“what happened? Do you need help“? Als ich einfach mal dem Spiegel antwortete „Apparently I hit the wrong button, everthing’s all right“ meinte die Stimme: „ok, I’ll disconnect“
Anscheinend war das eine Art „911“ emergency-call, welcher so ausgelöst werden kann…..
Traditionsgemäss setzte jetzt Regen ein, wie immer, wenn wir in Denver sind. Diesesmal aber in Form eines ziemlich heftigen Gewitters, was mir die Weiterfahrt doch etwas vermieste. Also beim nächsten Ort (Loveland, 50 Meilen von Denver) auf Motelsuche gegangen. Best Western und Motel 6 waren voll, doch beim dritten Anlauf bei Super 8 klappte es dann: noch ein Zimmer frei….. Kurz vor Mitternacht fielen wir in’s Bett und schliefen auch sofort ein. Sonntag,
21. August 2011
Heute waren wir um 05.30 h schon wieder wach und haben nach einem kleinen Frühstück („Kaffee“!! und O-Saft) die knapp 800 km nach Lovell/WY unter die Hufe bzw Räder genommen. In Cheyenne und Thermopolis („WORLD`S LARGEST MINERAL HOT SPRING”) machten wir kurze Essenspausen, ansonsten passierte nichts Aussergewöhliches und wir „kennen“ die Gegend ja schon...
Trotzdem oder gerade deswegen genossen wir die Fahrt bei stahlendem Sonnenschein und maximalen Temperaturen von 89 ° F und sahen unterwegs ein Rudel Antilopen am Strassenrand.
Wir waren sogar etwas zu früh am Treffpunkt „Country Store“ in Lovell. Kurz nach 18.00 h fuhr ein Chevy Suburban mit Gepäck auf dem Dach auf die Einfahrt und Jennifer und Debbie begrüssten uns im Namen der Dryhead Ranch. Mit dabei waren die beiden anderen Gäste für die erste Woche: Joanne, eine 21 jährige Holländerin (das erste mal ausserhalb Europas und das erste mal geflogen) sowie Sylvan, ein gut 60 jähriger aus South Carolina.
Wir machten uns auf den Weg und kurz nach Lovell verliessen wir die „reguläre“ Strasse und fuhren in einer guten Stunde rund 35 Meilen zur Ranch: erst ca 10 Meilen noch geteerte Strasse, dann 10 Meilen „gravel road“ und die letzen 14 Meilen nur noch ein staubiger, ausgefahrener Weg aus rotem Staub, manchmal 5-10 cm hoch, immer rauf und runter und in vielen Serpentinen. Ich war froh um meinen 4wd, da sich das Fahren im Staub teilweise doch an fahren im Schnee erinnerte und in den Kurven „schwamm“ ich anfangs.
Der Weg führte durch die „Bighorn Canyon National Recreation Area (Ein Naherholungsgebiet im Bereich der Bundesstaaten von Wyoming und Montana. Der schlammige Bighorn River wurde 1967 durch den Bau des Yellowtail-Damms auf einer Länge von 114 Kilometern aufgestaut. Wegen seiner braunen, leicht grünlichen Färbung erfreut sich der Fluss keiner besonderen touristischen Beliebtheit, auch ist die Umgebung karg und abseitig gelegen. Es ist ein Landschaftsbild, wie man es eher in Utah erwartet. Etwa ein Drittel des Erholungsgebiets liegt auf dem Gebiet der Crow Indian Reservation. Ausgehend vom Bighorn Canyon Visitor Center in der Nähe von Lovell führt eine Straße Richtung Norden am Canyon Rand entlang, vorbei an mehreren Aussichtspunkten.
Die Straße führt durch die Pryor Mountain Wild Horse Range, ein 19 ha großes Gebiet mit Wildpferden, eine der letzten frei lebenden Mustangherden.), wo wir einen kurzen Fotostopp am Devils Canyon Overlook machten und auch noch ein paar „bighorn sheep“ sahen.
Auf der Ranch angkommen, bezogen wir unsere „cabin“, welche aus einem grossen Schlafzimmer mit zwei Queen Betten, einer kleinen Garderobe mit Waschbecken und einem Badezimmer bestand und in einem kleinen Canyon lag.
Im restaurierten „bunkhouse“ sind 6 Zimmer verschiedener Grösse, mit zwei gemeinsamen Badezimmern.
Auf diesem Gebiet ist auch ein „Creek“ und die Pferde der „Wrangler“ laufen hier frei rum. Ausserdem „wohnten“ hier noch eine Ziege und ein „Colt“ (Junghengst/Fohlen, bis ca. 2 Jahre).
Anscheinend fanden im Frühjar ein paar Gäste eine tote Stute auf der Weide mit dem Fohlen daneben. Da dieses von der Herde nicht akzeptiert wurde und keine „Ersatzmutter“ verfügbar war, wurde die Ziege gekauft und das „Baby“ mit der Flasche aufgezogen. Es hat auch noch keinen Namen, sondern ist nur „the colt“. Wenn im Herbst dann die regulären Fohlen von ihren Müttern getrennt werden, wird er wieder zu den anderen kommen: hoffentlich hält er sich bis dahin nicht für einen Geissbock
Um halb acht gab’s dann gemeinsames Nachtessen im „cookhouse“.
Folgendes ist noch zu erwähnen. Da man sich auf der Ranch „wie zuhause“ fühlen soll (das will ich ja eigentlich nicht, ich habe Urlaub….), wäscht auch jeder Geschirr selber ab.
Vor jeder Mahlzeit wird gebetet: entweder von Jennifer oder von einem „Freiwilligen“, den sie bestimmt.
Die Postadresse ist in Wyoming, „physisch“ aber liegt sie in Montana.
Die Ranch umfasst beinahe 21,000 „acres“(gute 80 km2): mehr als 9,000 als Eigentum und mehr als 11,000 von den Indianern geleast.
Zurzeit waren auf der Ranch folgende Personen anwesend:
- Jennifer, Tochter von Joe (verstorben) und Iris Bassett (85 Jahre, managt das Büro) und „boss lady“ auf der Ranch.
- Jackie (Küche), Jennifers Schwester, mit ihrem Sohn Canon (9 Jahre)
- Debbie, eine Freundin aus Texas
- Jess, Tochter von Jennifer, mit ihren Kindern Maddy (3 Jahre) und Cassidy (1 Jahr) sowie ihrem Ehemann Jake, welcher auch „head wrangler“ ist
- Sky, zweiter wrangler mit seiner Frau Christen und ihrem gemeinsamen Sohn Ryan (1 Jahr)
- Sylvan, Gast
- Joanne, Gast
- Marlis und ich
Nach dem Essen zogen sich alle in ihre Zimmer/Cabins zurück und schliefen rasch ein (so ging’s uns jedenfalls).
Montag, 22.August 2011
Frühstück ist für 07.00 h vorgesehen, wir sind aber schon um 06.00 h „unterwegs“ und erste Fotos von Sonnenaufgang, Gelände, Hunden etc. werden gemacht.
Zum Glück ist Jackie schon im „cook house“ anzutreffen und weiss, dass wir „coffee junkies“ sind: sie hat den ersten Pott schon fertig. Ist zwar dünner, aber wenigstens heisser Kaffee.
Nach dem Morgenessen hat Jennifer uns Gästen im Haupthaus, wo sie wohnt und auch der „General Store“ untergebracht ist, erste Informationen zukommen lassen (u.a. verschiedene Brandzeichen, Farben der „ear tags“ etc. erklärt), Bandanas und Sporen verteilt und wir müssen auch den obligaten „waiver“ unterschreiben....
Dann, endlich, um 09.00 h, gingen wir zum oberen „corral“ mit der „cavy“ (eine Herde von Pferden, welche für die Rinderarbeit gebraucht wird), wo Jake 4 Pferde von den rund zwei Dutzend mit dem „rope“ einfing und uns Gästen je eines zuwies:
Marlis kriegte „Homer“ und ich „Husker“, welche wir, nachdem uns die entsprechenden Sättel und Zaumzeuge gezeigt wurden, „reisefertig machten“.
Und dann ging’s auf den ersten Ritt, der Zweck wurde uns nicht mitgeteilt (die beiden cowboys Jake und Sky waren doch recht schweigsame Typen). Auf meine Frage hin erklärte Sky, dass wir Kühe suchen gingen.
Wir fanden auch eine, aber die lag tot auf der Weide. „Könnte Blitzschlag gewesen sein“, war der Kommentar. Weitere Kühe fanden wir nicht, dafür auf dem Rückweg 7 Pferde, welche wir dann nachhause „mitnahmen“.
Nach rund dreieinhalb Stunden waren wir wieder auf der Ranch, wo wir gemeinsam ein kleines Mittagessen einnahmen. Danach war bis halb vier Uhr Mittagspause, um der grössten Hitze (low nineties = gute 30 ° C) zu entgehen.
Die Gäste wechseln jeden Tag ihre Pferde, was einerseits gut ist, weil Du jeden Tag eine neue „Herausforderung“ hast, andrerseits kannst Du keine „Beziehung“ zu deinem „Partner“ aufbauen. Die cowboys reiten jeweils zwei verschiedene Pferde täglich, welche noch in Ausbildung sind und auch noch nicht den ganzen Tag durchhalten würden (erst vier bis fünf Jahre alt). Diese Pferde (auch rund 30 „head“) sind tagsüber im unteren „corral“ untergebracht.
Jeden Morgen gehen Jake und Sky „auf die Suche“ und bringen je eine Herde zur Ranch, meistens fehlen aber immer ein paar, welche sich versteckt hatten.
Nach der Rast trieben wir die „cavy“ aus dem „round pen (corral)“ ein Stück einen kleinen „canyon“ hinauf und entliessen sie dann bis morgen in die Freiheit…
Unterwegs trafen wir auf ein paar Kühe des Nachbarn, welche wir zurück auf ihre Weide trieben und auch übungshalber von Jake und Sky zum „ropen“ benutzt wurden. Nach zwei Stunden waren wir schon wieder zurück: für den ersten Tag genug geritten und vor allem hatte Joanne plötzlich sehr starke Kopfschmerzen (sie trank auch den ganzen Tag fast nichts).
Marlis war mit Homer sehr zufrieden (sehr gut für den „horse drive“, weniger gur für „cattle drive „, wie sich später noch herausstellen sollte). Husker war zwar sehr sicher und folgsam, liess aber für mich etwas „power“ vermissen.
Absatteln, die Pfere tränken und „entlassen“, eine heisse Dusche und dann gab’s schon „souper“.
Wir spürten den jet lag und den strengen Tag und waren daher schon früh im Bett.
PS: gemäss mail von Iris an Jennifer: immer noch keine Spur bei FedEx von unserem Koffer..
Dienstag, 23. August 2011
Auch heute waren wir schon wieder früh aufgewacht und um 06.00 h auf den Beinen. Wie schon in der ersten Nacht hatten wir immer wieder ein Piepsen und Rascheln gehört, wussten aber weder, woher es genau kam noch was es sein sollte.
Da Joanne von einer Maus in ihrem Zimmer erzählt hatte, vermuteten wir auch etwas Ähnliches oder sogar Grösseres. Da klopfte Sky an unsere Türe und fragte, ob er mal im Badezimmer die Bodenluke öffnen dürfe, er vermute, einer seiner Hunde habe Junge unter unserer „cabin“ geworfen.
Und wirklich, nach kurzer Zeit brachte er 5 kleine Border Collies mit. Ein wirklich „herziger“ Anblick!
Frühstück war wie bereits gestern auf 07.00 h angekündigt, aber auch heute dauerte es bis circa 07.30 h, bis alle eintrafen (das sollte sich auch den ganzen Urlaub über durchziehen; die Uhren gehen anderst und Zeiten sind immer relativ…).
Die Pferde warteten schon im „corral“ auf uns und Marlis erhielt „Frito“ und ich „Prince“. Wie schon gestern trieben (eher begleiteten, die wissen den Weg ja) wir die „cavy“ ein paar Minuten in Richtung Weide und schwenkten dann ab, um wiederum Kühe zu suchen.
Die folgenden Stunden werde ich nur in „geraffter Form“ wiedergeben:
Meine Frau Marlis drehte einen kleinen Videoclip von uns drei anderen Gästen und entlässt uns mit „you can go now, bye“. Ich mache einen U-Turn und reite weiter. Da höre ich „Lärm“ und ein galoppierendes Pferd.
Als ich mich im Sattel umdrehte, sah ich Marlis auf mich zu galoppieren und auf der Seite des Pferdes hängen. Ich dachte nur, weg hier, sonst fällt sie unter mein Pferd.
Nachdem ich gestoppt hatte, sah ich Marlis am Boden liegen. Sofort eilten wir alle zu ihr und ich versuchte, sie anzusprechen: erfolglos!
Sky hielt ihren Kopf in seinem Schoss, Sylvan tränkte seine Bandana mit Wasser und wusch bzw kühlte ihr Gesicht, Joanne hielt die Pferde und Jake ritt anscheinend (das merkte ich nicht) auf die Ranch zurück.
Nach gefühlten zwei bis drei Minuten gab Marlis mir Antwort, konnte Finger und Zehen bewegen, sah die richtige Anzahl Finger vor ihrem Gesicht, aber wusste nicht mehr, wo sie war, wer die anderen „Gesichter“ waren oder was passiert war.
Irgendwann kam dan Jake mit dem Pickup und wir fuhren über „Stock und Stein“ rumpelnd auf die Ranch zurück, wo sich meine Frau auf’s Bett legte und „nur schlafen, bin so müde“ meinte. In’s Spital wollte sie nicht.
Sylvan drängte aber darauf und bald hielt Jennifer mit Ihrem „Suburban“ vor unserer cabin und fuhr mit uns nach Lovell in’s Spital. Während der 75-minütigen Fahrt schlief meine Frau mehr oder weniger.
Wir hielten vor der Notaufnahme und sofort kamen Leute rausgesprungen, fragten was los sei und untersuchten sie rasch im Auto, bis jemand mit einem Rollstuhl erschien. Dann ab in den „emergency room“, wo sie genau untersucht (röntgen, CT) und befragt wurde.
Unterdessen wurde ich von S.W. mit den Worten begrüsst: „hi, I’m S.W. from the Financial Department, how do you want to make your deposit and how much do you want to pay?”… Ich akzeptierte Ihren Vorschlag von USD 2,000.—und gab ihr meine VISA .
Unterdessen war auch Iris, welche natürlich informiert worden war, im Spital eingetroffen und wir warteten in der Cafeteria auf Neuigkeiten.
Schlussendlich, nach zwei oder drei Stunden, kam Marlis zu uns und teilte uns mit, dass sie entlassen und alles in Ordnung sei mit ihr: keine inneren Blutungen, Brüche, etc. Auch das Kurzzeitgedächtnis funktionierte wieder. Ich heulte vor Freude.
Was das Reiten anbelangt: „take it easy for the next two or three days“, meinte der Chefarzt.
Und noch eine gute Nachricht dazu: Iris hat unseren Koffer gefunden! Der Koffer war irgendwo bei FedEx, da sie ohne Telefonnummer nicht auslieferten. Anscheinend hat die Dame am Flughafen diese FedEx nicht mitgeteilt, obwohl ich ja extra Fest- und Mobil-Nummer angeben musste!!!!!
Auf der Fahrt zurück sahen wir dann das FedEx Auto weiter vor uns und am vereinbarten Treffpunkt wurde uns wirklich der fehlende Koffer übergeben. Ende gut – alles gut. (Bis heute kann meine Frau aber nicht sagen, was genau passierte. Wahrscheinlich hat ein Reiter, der an ihr vorbeitrabte, während sie die Kamera versorgen wollte, ihr Pferd dazu verleitet, auch anzutraben, woraufhin sie aus dem linken Steigbügel und auf die Seite rutschte, was Frito noch mehr verwirrte und er angaloppierte, um dem anderen Pferd zu folgen….)
Zurück auf der Ranch legten wir uns hin und Marlis war auch sofort wieder eingeschlafen. Kurz darauf kamen die anderen zurück, trieben ein paar Kühe an unserer „cabin“ vorbei und erzählten uns, sie hätten einen Bären gesehen, inmitter der Kühe!
Ausgerechnet, wo wir nicht dabei waren: seit 1992 warten wir darauf, einen „richtigen“ Bären in freier Wildbahn zu sehen. Bad luck!
Das Nachtessen liess sich Marlis aber nicht entgehen, wenn auch nur kurz. Dann wieder früh zu Bett, um ein paar zusätzliche Stunden Schlaf zu ergattern.
Mittwoch, 24. August 2011
Der lange Schlaf hat Marlis anscheinend gut getan: „nur“ Schmerzen in der Hüfte und dem „verlängerten Rücken“, aber kein Schwindelgefühl oder Kopfweh. Auf meine Frage, was sie heute machen wolle, antwortete sie nur: „Ob ich im Bett liegen oder hier sitzen bleibe oder ob ich im Sattel bin, die Schmerzen bleiben gleich….“
Somit stand einem weiteren „Arbeitstag“ nichts mehr im Weg…
Dieses Mal erhielt Marlis wieder „Homer“ und mir wurde „Patches“ zugeteilt. Wie der Name schon sagt, ein Pferd mit vielen Flecken: ICH LIEBE PAINTS!!
Kommentar des Cowboys: „he likes to go fast and to be first in line“: genau, was ich mir wünsche: nicht ein-sich-von-A-nach-B-tragen-lassen sondern „richtiges Reiten“.
Heute war ein Tag zum Kennenlernen der Gegend angesagt, wobei natürlich immer auf (fremde) Kühe geachtet wurde.
Um 09.00 h ging’s los und beim ersten Tor fragte ich: „shall I handle the gate?“
„yes, thank you“ war die Antwort.
Als ich absteigen wollte, meinte Jake nur: „try it with the horse“…
Ui, ich hatte vor 20 Jahren in der „Western Reitschule“ das lezte mal probiert, ein Gatter auf dem Pferd zu schliessen. Das Öffnen ging ja noch, aber das Schliessen war gar nicht einfach, vor allem, wenn das Tor „frei schwingt“ und immer wieder auf die andere Seite geht.
Da aber „Patches“ ein geübtes Pferd war und Jake mir immer wieder kleine Tipps gab, wie ich dem Pferd meine „Befehle“ übermitteln solle, hat es nach gefühlten zwei bis drei Minuten doch noch geklappt (auf dem Video sieht man, dass es doch erheblich schneller ging) und ich war doch ein klein wenig stolt.
Bei dieser Gelegenheit haben wir „Profis“ den beiden „greenhorns“ Joanne und Sylvan die „cowboy courtesy“ an gates erklärt:
man wartet, bis der „Pförtner“ wieder im Sattel sitzt, bevor man weiterreitet und beim Durchqueren der Öffnung im Zaun bedankt man sich.
In den nächsten fünf Stunden zeigten uns Jake und Sky Teile der Ranch, welche wir noch nicht gesehen hatten und wieder wurden ein paar Nachbarskühe gefunden und auf ihre Weide zurückgebracht.
Ausserdem meinte Jake, die Kühe sähen kränklich aus und bräuchten eine Lederbehandlung?? Als wir nur verständnislos schauten, meinte er lächelnd, sein „rope“ sei aus Leder….
Als wieder gegen 14.00 h auf der Ranch von den Pferden stiegen, fühlten wir uns alle ziemlich steif an und Sylvan meinte, er hätte Probleme mit seinen Knieen und würde deshalb am Nachmittag nicht mehr reiten.
Somit waren am Nachmittag nur noch Jake, Joanne, Marlis und ich unterwegs und auf meine Anregung hin ritten wir rund eine Stunde lang mehr oder weniger nur im „trott“ oder sogar „lope“ durch die Gegend: das war einfach SUPER!
Völlig erschöpft nahmen wir rasch das Nachtessen ein und gingen wiederum früh schlafen.
Donnerstag, 25. August 2011
Am heutigen Morgen wurden wir nicht –wie bisher- von Sonnenschein geweckt, sondern der Himmel war grau und es fielen sogar ein paar einzelne Regentropfen.
Bei der Pferdezuteilung erhielt dieses mal Marlis ein anderes Pferd: „Conegar“, und ich durfte wieder „Prince“ reiten: Dieses Mal hoffentlich länger als am Dienstag.
Wir ritten wieder um 09.00 h los und gingen Kühe suchen. Auf einer Anhöhe hielten wir an und Jake meinte: „Mike, siehst du die beiden Kühe dort hinten?“
Anfangs sah ich nichts und später mit viel gutem Willen zwei „schwarze Punkte“ bei einem kleinen Wäldchen. „ja, ich glaube schon…“
„OK, dann hol sie zusammen mit Marlis und bringt sie zurück auf die „Strasse“, wir reiten hier weiter…“
Ich merkte mir ungefähr, wo die paar Bäume waren und wir ritten los. Nun ist das Gelände ja aber nicht topfeben und nach einer Weile waren wir in einem kleinen Canyon und sahen natürlich die Bäume nicht mehr. Aus dem Canyon raus, sahen wir dann buchstäblich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, geschweige dann die beiden Kühe.
Wir trennten uns und Marlis ritt höher hinauf, ich schaute im Gebüsch entlang des Wassers nach. Als wir schon beinahe aufgeben wollten, sah ich plötzlich die beiden Ausreisser und da oben noch zwei, und noch drei und da hinten waren auch noch ein paar und und und. Als wir die rund zwei Dutzend Kühe zu einer kleinen Herde zusammentreiben wollten, kam und (gottseidank) Sky mit seinem Hund zu Hilfe.
Wir trieben die Kühe nicht im rechten Winkel (wie ich es gemacht hätte) zurück auf die Strasse (irgendwo müsste sie ja dann auftauchen), sondern rund 1 Meile im Canyon (da können sie nicht so gut abhauen) und erst dann in Richtung Strasse, wo bei einem kleinen Tümpel schon die anderen auf uns warteten.
Zum „Dank“ erhielten wir ein „high five“ und „good job“ von den beiden Profis.
Auf dem Heimweg „fanden“ wir ein paar Pferde, welche sich am Morgen dem Zugriff von Jake entzogen hatten und brachten sie mit auf die Ranch. Ausserdem entdeckten wir drei ungebrannte Kälber, welche auch mitgetrieben wurden.
Nach rund dreieinhalb Stunden waren wir zuhause, assen einen kleinen Lunch und machten Pause bis circa 16.00h, dann sollten die Kälber gebrannt und kastriert werden.
Um vier Uhr ging’s los und jedermann/frau war im „corral“ anzutreffen, sogar die kizz wollten sich das nicht alltägliche „Schauspiel“ nicht entgehen lassen.
Die beiden Cowboys fingen jeweils ein Kalb mit dem Lasso ein (gar nicht so einfach, wenn sich die Mütter immer einmischen…) und Jess und Christen, die beiden Frauen von Jake und Sky, fesselten die Beine der Kälber, entmannten sie und brannten ihnen die verschiedenen Zeichen ein.
Nicht nur die betroffenen Tiere, sondern mehr oder weniger alle Tiere waren am Muhen und es rauchte und roch stark: daily business auf einer cattle Ranch.
Nachdem „wir“ fertig waren, trieben wie die „cavy“ rund eine Stunde lang zurück auf eine andere Weide und auf dem Rückweg konnten wir wieder ein wenig „trotten“ und „lopen“: sogar Sylvan hatte (mehr oder weniger) Spass daran.
So gegen halb acht Uhr waren wir zurück und Jackie hatte schon den „cowboy grill“ angeworfen und wartete mit dem Essen auf uns, welches wir draussen an (Plastik) Tischen und -bänken einnahmen.
In dopppelter und gebutterter Alufolie eingewickelt: ein Hamburger, geraffelte Karotten, Kartoffeln und Zwiebeln und das rund 45 Minuten bei mittlerer Hitze auf dem Feuer, dabei einmal wenden. Werde ich auch mal probieren.
Da die Ranch auf Indianergebiet liegt, ist jeglicher Alkohol verboten. Manchmal vermissten wir schon ein Gla Rotwein oder auch ein eiskaltes Bier…
Heute gingen wir relativ spät schlafen.
Freitag, 26. August 2011
Letzter Reit-Tag für Sylvan, er reist morgen ab.
Welches Pferd kriege ich wohl heute? Wir waren ganz gespannt, denn wie wir festgestellt hatten, waren es mehr oder weniger immer die gleichen 10 Pferde, welche von uns Gästen geritten wurden.
„Jerry“ war zum zweiten mal im Einsatz: nach Joanne durfte auch Marlis heute mit ihm zur Arbeit, was immer wir heute auch machen sollten.
Ich freute mich sehr, als Jake wiederum „Patches“ für mich einfing.
Jake informierte uns, dass wir heute zum „fish-burn“ reiten würden, um dort 4 Salzblöcke auf die Weide zu bringen. Anscheinend fehlt es den Kühen an Salz, weshalb man nachhelfen muss.
Die Salzblöcke waren circa 30 x 30 x 30 cm gross und ziemlich schwer. Darum wurden sie auf ein Packpferd verladen. Ein alter Bekannter: „Frito“ wurde anscheinend aufgrund seines Benehmens vom Dienstag zum Packpferd degradiert.
Um 09.00 h waren wir bereits unterwegs und erreichten nach drei Stunden unser Ziel: ein kleines Bächlein und einige Bäume. Rund 200 „head of cattle“ waren bereits vor Ort.
Mir passierte noch ein kleines Missgeschick, als ich die anderen beim Üeberqueren des Wassers filmte und als letzter losreiten wollte. Erst liess ich mein Pferd noch saufen und gab natürlich lange Zügel. Die laufende Kamera in der Hand ritt ich los, ohne die Zügel zu kürzen……
Beim Hochreiten auf der anderen Seite trabte „Patches“ los und wollte sogar angaloppieren. Mit den langen Zügeln konnte ich natürlich nicht korrekt lenken und bremsen und ich knallte in Marllis bzw. „Jerry“…
Wieder was gelernt: vor dem Losreiten immer die Zügel korrekt in die Hand nehmen.
Jake meinte, wir würden noch rasch Kühe suchen gehen, welche sich vielleicht hinter oder auf dem nächsten Hügel versteckt haben könnten.
Marlis hatte doch einige leichte Schmerzen und beschloss, im Schatten auf uns zu warten. Nach kurzem Zögern schloss sich Sylvan ihr an. Seine Knie machten ihm wieder zu schaffen.
Unterwegs flickte Sky noch behelfsmässig einen Zaum mit „barbwire“ (Stacheldraht) und dann teilten wir uns auf:
Joanne und Sky ritten rechts und Jake und ich links herum, wobei wir das schwierigere Stück erwischten: Gebüsch und „uphill“.
Das erstere zwang uns doch immer wieder zu kleinen Umwegen und teilweise ging es sehr steil aufwärts. Immer schön im „zigzag“.
Oben angekommen, hatten wir eine wunderbare Aussicht und sahen auch, dass die beiden anderen ein paar Kühe gefunden hatten und zurücktrieben. Wir blieben erfolglos und Jake benützte die Gelegenheit, die Toilette aufzusuchen.
Man stellt sich auf die den allfälligen Betrachtern abgewandte Seite des Pferdes und in den Wind…..
Ich fragte mich im Stillen, wo wir wieder runterreiten wollten, denn es ging doch sehr steil abwärts und der Boden war zum Teil etwas felsig. Aber ich liess „Patches“ lange Zügel und er suchte sich den Weg mehr oder weniger selber (vielleicht war doch bei den Ur-Eltern noch eine Bergziege im Stammbaum??).
Das alles dauerte eine knappe Stunde und so machten wir Gäste –nachdem wir die Pferde im Schatten angebunden hatten- von 13.00 h bis 14.00 h Mittagspause und assen unsere mitgebrachten Lunchpakete. Joanne hatte wieder Kopfschmerzen und nahm gerne eine Schmerztablette von Marlis an.
Die beiden cowboys verschlangen nur rasch ein Sandwich und beschäftigten sich mit „ropen“: ob zu Übungswecken oder ob sie eine fremde „mama cow“ gefunden hatten, wussten wir nicht. Auf jeden Fall blieben sie fast eine Stunde „verschollen“ und wir warteten, bis es wieder weiterging.
Es war wieder sehr heiss und die Wasserflaschen waren mehr oder weniger leer. Da freuten wir uns natürlich sehr, als wir eine Quelle mit gutem und sehr kaltem Wasser fanden.
Der Rückweg war schneller und so erreichten wir schon um Viertel nach Vier die Ranch Leider sah ich beim Absatteln, dass sich „Patches“ hinter dem linken Vorderbein in den Hautfalten eine kleine Verletzung zugezogen hatte, nichs Schlimmes, aber Jake meinte doch, das Pferd bräuchte ein paar Tage Ruhe und die Wunde wurde auch mit Salbe eingeschmiert.
Um sich abzukühlen, hatten die Kinder ein „slippy slide“ im Rasen aufgestellt: eine Plastikbahn, welche bewässert und somit rutschig gemacht wird. Jake liess sich die Gelegenheit natürlich nicht entgehen und zur Freude aller machten Joanne und ich den Spass in voller „Cowboy Montur“ ebenfalls mit.
Heute gab’s Steaks, Maiskolben und Kartoffeln mit sour cream zum Nachtessen. Leider war das Fleisch für unseren Geschmack zu gut durchgebraten, nicht gerade „well done“, aber wir lieben es halt doch „medium-rare“ Als Nachtisch nahmen wir uns nur etwas Eis mit ein wenig „whipped cream“, auf all die vielen verschiedenen und farbenfrohen „toppings“ verzichteten wir aber.
Da am Wochenende nicht geritten wird und die abreisenden Gäste jeweils am Samstagmorgen so gegen 10.00 h zum Flughafen nach Billings gebracht werden, tauschten wir schon heute die mail Adressen aus und Jennifer machte Gruppen- und Einzelfotos.
Leider verschwanden danach alle Leute mehr oder weniger schnell und nicht nur, weil Ryan und Cassidy die Windeln voll hatten.
Aber da es auch wieder ein langer Tag gewesen war, fielen wir müde in’s Bett und schliefen auch schnell.
In der Nacht hörten wie Hundegebell, Knurren und auch „Schritte“ auf unserer Veranda: wahrscheinlich wieder die Ziege, die uns auch schon morgens beim Türöffnen entgegen ge-määhht hatte.
Samstag, 27. August 2011
Heute morgen erwartete uns „Tips“, ein 4 Monate alter Hund mit flatternden Knick-Ohren auf der Veranda.
Wie sich in den kommenden Tagen noch herausstellen sollte, hatte er uns anscheinend adoptiert und schlief vor unserer Türe und verteidigte sein Revier auch gegen andere Hunde, die Ziege und wohl auch gegen den Colt. Er begleitete uns auf dem Ranchareal auf Schritt und Tritt und wenn wir vom Reiten nachhause kamen tauchte er aus dem Nichts auf und begrüsste uns freudig.
Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von Sylvan, da wir (zwangsweise) einen freien Tag und Joanne offeriert hatten, mit uns einen Tagesausflug in der näheren und weiteren Gegend zu machen.
Erstes Ziel Cody, welches knapp 60 Meilen entfernt liegt. Wir informierten Jennifer, dass wir so gegen 20.00h spätestens zurück sein wollten.
Unterwegs machten wir nochmals einen kleinen Fotostopp im Bighorn Canyon, dieses mal waren weder wilde Mustangs noch Bighorn Sheep zu sehen, wir hatten also letzten Sonntag grosses Glück gehabt.
In Lovell fuhren wir durch eine Autowaschanlage, weil unser Chevy doch ziemlich voll von rotem Staub war. Eine neue Erfahrung für uns: die verschiedenen farbigen Waschmittel beim Autowaschen: sah lustig aus und wurde natürlich von innen fotografiert.
Weil Marlis und ich schon zweimal in Cody gewesen waren und auch jedes Mal im Buffalo Bill Museum, luden wir Joanne vor demselben aus und verabreteten, sie in knapp anderthalb Stunden wieder abzuholen.
Wir beide wollten etwas shoppen gehen und schauen, ob wir eine Radlerhose für Marlis finden würden, was ihr das Reiten vielleicht etwas angenehmer machen könnte. Wir wurden nicht fündig, dafür entdeckten wir ein kleines Kaffeehaus, welches von zwei älteren Damen geführt wurde und ausgezeichneten Kaffee ausschenkte. Ich denke, weil wir sagten, wir wären aus der Schweiz und schon zweimal in Cody gewesen, erhielten wir eine Sonderbehandlung und der Kaffee wurde mit viel Liebe zubereitet.
Unterdessen war es Mittag und für den kleinen Hunger zwischendurch kauften wir uns eine „slice of pizza to go“ und ein Wasser. Danach ging’s zurück zum Museum, wo wir etwas zu früh eintrafen und noch die ersten Souvenirs kauften: 2 CDs mit Country Music, Postkarten und zwei kleine Gewürzmischungen.
Im Shop trafen wir auch Joanne, welche sich mit den ersten Souvenirs eindeckte. Danach ging’s nochmals die „Einkaufsstrasse“ rauf und runter, um Sporen für alle und einen Ledergürtel und einen „buckle“ für Joanne zu suchen. Ausserdem brauchte sie noch ein paar Kleinigkeiten für ihre kleinen Schwestern.
Sporen, Gürtel und „buckle“ waren zu teuer, also liessen wir es bleiben und nur zwei indianische Beutel für die Schwestern sowie ein Stück Pizza für Joanne wurden gekauft.
Danach entschlossen wir uns, über den Chief Josef Scenig Byway und den Beartooth Highway nach Red Lodge zu fahren, einem kleinen Städtchen, welches auf 5,555 feet über Meer liegt und auch ein bekanntes Skigebiet ist.
Dabei überquerten wir den Beartooth Pass mit seinen 10,947 feet elevation, was 3,336.53 Meter ü.M. entspricht. Die Landschaft war sensationell und mit den Bergen, Seen, Wäldern und Wiesen konnte man sich beinahe auf eine Schweizer Alm versetzt fühlen.
Es lag sogar teilweise Schnee neben der Strasse. Es waren gemäss Karte etwas mehr als 160 km von Cody nach Red Lodge und von da nach Lovell knapp 120 km, was sehr knapp reichen sollte, um rechtzeitig zuhause zu sein.
Leider hatten wir unterwegs nicht nur 2 Baustellen, sondern auch zweimal einen seehhr langsamen Autofahrer vor uns und das Überholen war lange unmöglich: entweder überholen verboten oder Gegenverkehr.
Somit dauerte die Fahrt doch länger als geplant und wir trafen erst knapp nach sechs Uhr in Red Lodge ein, wo wir uns im Foster & Logans Pub & Grill ein Nachtessen gönnten.
Das Essen war gut, die Bedienung weniger. Es dauerte und dauerte und als wir reklamierten, kamen dann plötzlich die „appetizers“ mit den Hauptspeisen.
Joanne war sehr erstaunt über das „free-refill“ beim Cola und wir tranken in der Wartezeit eine Flasche sehr guten „White Zinfandel“
Als wir wieder losfuhren, dämmerte es schon und ich wusste, es wurde nichts mit pünklich zuhause ankommen. Das „Glück“ blieb uns treu und wir hatten wieder zwei Baustellen mit einer kleinen Umleitung, sodass wir erst um 22.15 h auf der Ranch eintrafen (in Lovell hatten wir noch getankt und ein Dutzend „starbucks double shots“ eingkauft…).
Jennifer hatte noch Licht und war anscheinend aufgeblieben. Aufgrund unserer späten Heimkehr wurde das morgige Frühstück von 07.30h um eine Stunde verschoben und wir legten uns alle müde schlafen. (Natürlich hatte „Tips“ auf uns gewartet….
Sonntag, 28. August 2011
Auch am Sonntag wird nicht geritten und wir waren nur zu dritt auf der Ranch.
Während wir in der Küche auf das Frühstück warteten, sahen wir plötzlich einen Bären den Hügel hinauf laufen, etwas 50 Meter Luftlinie entfernt. Ich hatte meine Kamera zur Hand, Joanne aber ärgerte sich wahnsinnig, weil ihre (mit dem Riesen-Zoom)in ihrem Zimmer lag. Endlich, unser erster „richtiger“ Bär in freier Laufbahn, nach 20 Jahren USA…(das Bärenbaby in Canada von gaaanz weit weg mal ausgenommen)!!
Nach dem Morgenessen zeigte uns Jennifer den „buffalo jump, der auf dem Gelände liegt: eine hohe und steile Klippe, über welche die Indianer früher die Büffel trieben, als sie noch zu Fuss und ohne „Feuerwaffen“ auf die Jagd gingen.
Am Fuss der Klippe konnten dann die Tiere notfalls noch getötet und schlussendlich verwertet werden: nichs blieb übrig. Fleisch wurde getrocknet, das Fell wurde zu Mänteln u/o Decken verarbeitet, die Sehnen zum Nähen benützt, aus Knochen Werkzeuge, Spielsachen oder Waffen gemacht etc.
Noch heute werden von der Ranch jedes Jahr ein paar Schulklassen zu einem kleinen Camp eingeladen, wo die Kinder Ausgrabungen machen können und Knochen und manchmal sogar Pfeilspitzen etc finden.
Den Rest des Tages verbrachten wir mit Lesen, ein wenig Internet-Surfen (seehhr langsam), faulenzen und zu Mittag gab’s eine Tomatensuppe mit Toast und Früchten zum Dessert.
Gespannt waren wir natürlich auf den neuen Gast, welcher gegen Abend auf der Ranch eintreffen sollte.
Kurz nach sieben Uhr traf der „convoy“ aus drei Autos auf der Ranch ein und wir sahen jemanden mit einem Rollkoffer zum „bunkhouse“ gehen.
Der erste Eindruck von weitem: wahrscheinlich wegen der Glatze etwas älter als wir (stimmte dann auch), dafür aber etwas „rundlicher und nicht zu schnell zu Fuss unterwegs.
Wir gingen uns vorstellen und er erklärte, er heisse „Al“(bert), sei aus Louisiana und das letzte Mal vor mehr als 10 Jahren geritten (später dachte ich, das sei wahrscheinlich auf einem Karussellpferd gewesen) und der Aufenthalt auf einer „working Ranch“ sei ein Punkt auf seiner „bucket list“.
Das Nachtessen fand um 20.00 h statt und es gab eine sehr gute Fleischsupppe mit Kartoffeln und Gemüse und als Nachtisch selbstgemachte „brownies“. Trotz oder wegen des „lazy days“ waren wir müde und wir zogen uns in unsere „cabin“ zurück, wo wir noch ein paar Minuten lasen: Morgen geht’s ja wieder früh los. Yeehaaa!

Henglein
Rama Cremefine










