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Was in der Küche alles so passiert

Rote Kirschen ess ich gern!

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Es war mal wieder soweit. Die Schwager-Familie aus Süddeutschland hat uns in unserem schönen Landstrich besucht und das endete wie gehabt in einem herrlichen Resteverwertungsrezept: diesmal dem Kirschmichel!

Aber von vorne. Damit auch niemand verhungert, hatten wir eingekauft. Und da sie Angst hatten, wir haben ihre speziellen Supersonderesswünsche nicht, haben sie selbst auch noch mal eingekauft. Und da die Schwiegereltern so reiche Ernte haben, hatten die auch nochmal was mitgegeben.  Unser Kühlschrank war viel zu klein, und am Ende waren wir der Lebensmittelflut nur bedingt Herr geworden.  Es gab haufenweise Reste, die normalerweise nicht auf unserem Speiseplan stehen, bzw. die wir zwar mögen, aber deren Verzehr uns ob ihrer großen Menge vor ihrem Verfall schier unmöglich gewesen wäre. Als da waren: Eier und Eiweiß, frische Süßkirschen, Milch, Toastbrot. Was tun?

Die Kirschen mussten als erstes weg. Frische Süßkirschen verkochen zu wollen, ist eine große Herausforderung. Man muss sie zumindest entsteinen, was viel Arbeit bedeutet. Außerdem verlieren sie beim Erhitzen unweigerlich ihren gustatorischen Pfiff. Kuchen sind allermeist mit Sauerkirschen; bei denen fällt dieser Verlust weniger auf, weil sie immer noch ein (zweifelhaftes) Gaumenerlebnis hervorrufen. Da war guter Rat teuer.

Glücklicherweise erinnerte ich in einem uralten Kochbuch namens „Deutsche Küche" mal eine Süßspeise mit frischen Kirschen gesehen zu haben. Tatsächlich  enthielt der Pfälzer Kirschmichel frische Süßkirschen, altbackene Brötchen und viel Milch und viel Eiweiß. Leider konnten die aus dem Mittagsschlaf gerissenen Nachbarn nicht mit einem Entsteiner behilflich sein. Aber aus Didis Clafoutis-Beitrag haftete noch der wichtige Satz: „Die Kirschen müssen nicht entsteint werden.", in meinem Gedächtnis.

Das Rezept hatte so seine Tücken, da wesentliche Zubereitungsschritte nicht erwähnt wurden und manch eine Zutat in der Zubereitung nie wieder auftauchte. Trotz des sehr verschwenderischen Einsatzes von Küchengeräten, ergab die Kombination einfachster Zutaten ein köstliches Gericht, dessen Genuss nur durch Kirschkerne getrübt wurde. Daher kommt hier die vollständige Variante von Angies Kirschmichel.

600g Süßkirschen
10 Scheiben Toastbrot
400mL Milch
100g Butter
2 Eier
4 Eiweiß
100g Rohrohrzucker
1 Prise Salz
50g gemahlene Mandeln
1 EL Rohrohrzucker
1 TL Zimt

Die Kirschen verlesen, waschen (Gerne länger einweichen, damit eventuelle Maden flüchten können. Ist zwar unappetitlich, aber besser vorher geekelt als hinterher verschluckt.) und entsteinen (Der Zeitaufwand lohnt sich!). Die entsteinten Kirschen in einer großen Auflaufform zwischenparken.

Nebenbei  das Toastbrot im Backofen bei 160°C 10 min rösten bis es ganz trocken ist und die Milch erwärmen. Das staubtrockene Toastbrot in kleine Stücke brechen und zu den Kirschen in die Auflaufform geben. Es sollte unten liegen. Dann die warme Milch darüber gießen und das Toastbrot ca. 20 min vollsaugen lassen. Ruhig mal zwischendurch rühren, damit alles Toastbrot vollgesogen ist.

In der Zwischenzeit das Eiweiß steif schlagen. Butter mit Zucker schaumig rühren, erst Eier, Salz und Zimt dazu geben und dann das Eiweiß unterziehen. Die Masse mit den Zutaten in der Auflaufform vorsichtig vermengen.

Bei 200°C Umluft 50-60min backen.

Den Kirschmichel mit einer Mischung aus gemahlenen Mandeln, ein Esslöffel Zucker und etwas Zimt bestäuben.  Macht sich besonders gut mit 1-2 Bittermandeln.

Noch warm servieren! Das Ganze ist sehr lecker und daher hört man erst mit Essen auf, wenn man satt ist. Kann also durchaus als ganze Mahlzeit für 3-4 Personen aufgetischt werden. Dazu kann man Vanillesauce reichen.

Fazit: Die Süßkirsche ist nicht ohne Tücken, aber immer ein Genuss.


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