UschiGs Blog

Meine Rezepte

Besuch aus Italien.

29.05.2009 / 14:12

Ganz plötzlich haben sich unsere italienischen Freunde aus Ischia entschlossen, ihre Tochter in Rotterdam zu besuchen.
Sie leben auf Ischia, sind Weinbauern, haben ein Minimarkt und einige Appartments.

Natürlich auch unser schönes "Casa in Giardino", das wir 18 Jahre von ihnen mieteten.
Reisen ist eine für sie eine große Seltenheit, sie kennen es fast gar nicht.
Jetzt haben sie sich ganz schnell entschlossen, uns zu besuchen und dachten, Rotterdam ist nah bei Duisburg.
Abends um 18 Uhr riefen sie an, wir kommen morgen um 9.06 Uhr.

 Mein Mann fuhr zum Bahnhof und dann kamen sie mit 3 Stunden Verspätung an. Sie hatten den Anschlusszug  in Utrecht nicht gefunden..

Da man nun nicht wusste, auf welchem Bahnsteig sie ankamen, blieb mein Mann unten stehen in der Nähe des Ausgangs.

Er war sehr unruhig, weil er ja nun nicht wusste, wann und wo und ob sie ankommen.

Plötzlich ein Geschrei.....da waren sie und fielen meinem Mann so um den Hals, dass er fast umgefallen wäre.

 Sie sind aus dem Zug gestiegen...alles fremde Gesichter...gingen runter...alles fremde Gesichter. Sie versuchten zu fragen..keiner verstand sie. Sie sprechen kein Wort Deutsch.

Da war natürlich die Freude groß beim Anblick des vertrauten Menschen.


Und die haben ein Temperament... sie erzählten beide durcheinander den ganzen Tag und das in ihrem napolitanisch-ischitanischen Dialekt.
Wenn ich mit Ruhe in der Küche das Essen vorbereiten wollte, stand Maria dabei, versuchte mir zu helfen, wollte keine Mühe machen und erzählte und ich musste immer schön zuhören.
Da sie eben in diesem Dialekt sprach, war es für mich sehr anstrengend. Die Küche glich einem Schlachtfeld aber Maria wollte helfen.......
Dann fuhren wir zum Weihnachtsmarkt nach Duisburg. Wir sind ein paar Schritte gegangen, da waren die Beiden fast blau gefroren . Sie kennen diese Temperaturen nicht. Allerdings war es auch ausnahmsweise  sehr kalt.
Ab wieder nach Hause.....Abendessen gemacht, Maria wollte helfen.... in der Küche ein Chaos, und sie babbelte und babbelte......
Guiseppe nicht viel besser, babbelte in noch schlimmerem Dialekt mit meinem Mann, der aber sehr lieb zuhörte .
Dann habe ich für die beiden unser Schlafzimmer fertig gemacht, da es für sie bequemer gewesen wäre und wir wollten ins Gästezimmer.
Dann ging der Kampf los. Wir nehmen Euch nicht Eure Betten.....da konnte ich wieder alles umräumen. Sie wollten uns doch keine Mühe machen
Gott sei Dank sind sie früh ins Bett und ich habe mich noch kurz entspannt. Mein Mann ist auch sofort ins Bett. Erschöpft.
Morgens machte ich ein schönes Frühstück aber Maria war schon bereit zu helfen...... wieder in der Küche ein Chaos!!!
Dann rannte sie mit dem Bettzeug und den Handtüchern in den Keller und versuchte gleich die Waschmaschine anzustellen, da waren aber einige farbige Sachen drin und ich konnte im letzten Moment alles retten......sie wollte mir keine Mühe machen

 

 Dann kam der Abschied. Ich habe den Fahrplan ganz genau aufgeschrieben in italienisch und deutsch, da sie in Utrecht umsteigen mussten.
Wir fahren zusammen zum Bahnhof, ca 12 km. , kurz bevor der Zug abfuhr, suchte Giuseppe die Fahrkarten. Weg.....keine Fahrkarten... ab wieder nach Hause, da lagen sie auf der Bank in der Diele.

 Der nächste Zug fuhr 2 Stunden später, und so machte ich noch etwas zu essen. Maria wollte helfen, Salzpott flog durch die Gegend, Suppenkelle flog durch die Gegend.... sie wollten mir keine Mühe machen
Dann waren wir endlich wieder am Bahnhof und die Beiden unterdrückten verzweifelt die Tränen, ging aber nicht, da fing ich natürlich auch an zu heulen.  Der Abschied war jedenfalls schwer, da es fast ein halbes Jahr dauerte, bis wir uns auf Ischia wieder sahen.

Ich war total geschafft, aber sie sind soooo lieb. Es war so aufregend für sie, hier in Deutschland in "Casa di Uschi" zu sein. Uschi, damit sind immer wir beide gemeint, da der Name von meinem Mann zu schwierig für ischitanische Zungen ist.

 Wir freuten uns, als wir sie im Mai wiedergesehen haben und das ganze Dorf wusste, sie waren im Winter im „Casa di Uschi".

Gefeiert wurde mit der ganzen Familie sehr oft auf unserer Terrasse und ich musste alles so kochen, wie in Deutschland. Sie liebten das...vor allem "Dolce", meine Kuchen und Torten.

 Guiseppe, ein richtig uriger Weinbauer, war sehr krank und hatte schon 2 Nierentransplantationen hinter sich.

 Trotzdem machte er seine Arbeit so gut er konnte und war am liebsten oben in einem seiner Weinberge wo auch viele Obstbäume wuchsen. Ein wunderbares Fleckchen Erde  mit herrlicher Aussicht aufs Meer bis zum Vesuv. Wir waren oft und gerne dort.

Anfang Juli, wir waren gerade 2 Wochen zu Hause, ist er zum Obst pflücken auf den Berg gefahren.

Er hatte den Korb halbvoll und ist dann von der Leiter gefallen.

Er hatte sich eine Wunde an der Vene zugezogen, in der er vorher immer Dialyse bekam und ist in kürzester Zeit verblutet.

Guiseppe ist nicht mehr und für uns ist ein besonderer Teil Ischia verloren gegangen.

Die Familie muss weiter leben. Der Sohn hat geheiratet und jetzt vorige Woche sein 2. Kind bekommen.. klar, seine Frau, die Anna Maria war es. Sie haben einen gut gehenden Supermarkt und Weinstube.

 

Wir telefonieren viel aber nach Ischia fahren wir seit einiger Zeit nicht mehr.

Irgendwann muss man sich trennen, es ist nicht mehr unser Ischia, wie wir es viele Jahre liebten und das liegt nicht nur am Tod unseres Freundes Guiseppe.

Alles verändert sich mit der Zeit........

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