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Die Firmung

 

Pasquale bückte sich und nahm eine drohende Haltung an. Sein Mund war verzerrt, die Zigarettenkippe im Mundwinkel. Er starrte den Jungen mit seinen grossen Glubschaugen an.

„...dann wird er dir eine Heftzwecke tief in deinen Stirn eindrücken, bis das Blut so herausspritz“

Er machte mit der hand so eine Bewegung um die Dramatik zu unterstreichen. Der hagere Junge hörte, vor Angst erstarrt, schweigend zu.

Damit sich der Monsignore mit deinem blut nicht schmutzig macht" fuhr er fort.  "wird dein Vater dir einen Stirnband umbinden. So ist es mit der Firmung und so ist es immer gewesen“ Er nickte dabei grimmig.

Pasquale war der Onkel des Jungens. Kettenraucher und überzeugter Nichtduscher. Der Junge hatte auch Glubschaugen. Er war mit der traditionellen Kleidung der italienischen „Cresima“ - eine der christlichen Sacramente - angezogen. Weisses Hemd mit einer silbernen Krawatte, hellgraue Jacke und kurze Hose der gleichen Farbe. Strümpfe bis zu den Knien hochgezogen und graue Schuhe aus grauem Wildleder.
Die Kleidung stammte aus der vergangenen „cresima“ des größeren Bruders. Da die Schuhe viel zu gross waren, wurden sie mit Zeitungspapier ausgestopft, damit sie während des Laufens einen festen Halt garantieren konnten. Seine krausen Haaren waren glatt nach oben gestriegelt, als ob er eine Zipfelmütze tragen würde.

In der Kirche saßen alle Jungen in einer Reihe nebeneinander mit dem Gesicht zum Korridor. Die Mädchen saßen gegenüber. Alles war still, nur die Stimme des Bischofs war zu hören, als er die Jungen und Mädchen segnete. Metall klapperte, als der Messdiener den Segnungsstab mit Weihwasser füllte. Ab und zu hustete jemand. Der Bischof, der Priester und der Messdiener kamen zu dem Jungen. Der Priester sah seinen grimmigen, drohenden Ausdruck und ging ein Schritt zurück, der Messdiener ebenfalls. Sie hatten wohl eigene Erfahrung mit diesen Ausdruck gemacht.
Als in der Schule der Priester den Jungen ausschimpfte, weil er beim beten nur die Lippen bewegte und er nur so tat, ob er beten würde, bekam er einen sehr schmerzhaften Schlag vor das Schienbein.

Monsignore, es ist besser wenn sie einen Schritt zurückgehen

sagte der Priester leise. Dann flüsterte er dem Monsignore etwas ins Ohr, dabei ließ er den Jungen nicht aus den Augen. Der Monsignore erhob die Augenbrauen, hob mit den Händen seinen Talar und ging zwei Schritte zurück. Der Monsignore nahm die silberne Schale mit dem Weihöl in die Hand, tauchte seinen Daumen hinein, ging ein Schritt näher und griff zur Stirn des Jungen.....

Pasquale wartete draußen und rauchte die zehnte Zigarette, plötzlich hörte er in der Kirche ein Schmerzschrei, irgendwas schepperte laut, als ob eine silberne Schale mit Weihöl auf dem Boden fiel. Er sah wie der Junge aus der Kirche rannte, sein Vater hinterher. Der Vater packte den Jungen und schrie ihn schnaufend an:

„Wie kommst du dazu dem Bischof vor das Schienbein zu treten?`“

„Der Idiot wollte mir doch eine Heftzwecke in die Stirn drücken!“

Die Glubschaugen des Vaters waren unverkennbar. Er starrte den Jungen lange und schweigend an.

„….wer hat dir so etwas dummes erzählt? “ ergänzte er zögern.

Pasquale “ Schrie der Junge aufgeregt und zeigte mit zitternder Hand hinter ihn.

Der Vater drehte sich mit versteinertem Gesicht zu Pasquale um, aber der war nicht mehr da, er verschwand kommentarlos.

Es dauerte sehr lange bis der Junge die Firmung wiederholen konnte. Der Bischof strich sein Namen von der Liste solange er lebte. Als er starb, konnte er sie wiederholen. Er hatte einen Stimmbruch und flauschige Haare unterm Kinn. Der Messdiener war verheiratet und seine Frau war schwanger. Als sich der neue Bischof dem Jungen näherte, flüsterte ihn der bereits grauhaarige Priester ins Ohr.

Monsignore es ist besser, wenn sie zwei Schritte zurücktreten".......

 

Mit freundlicher Genehmigung der CK-Userin Bam-bina

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