Nach längerer Suche habe ich endlich meine Traumbrötchen gefunden. Im Mai hatte ich in einem Thread im Brötchenforum um Vorschläge gebeten und ich will mich nun sehr herzlich bei LarissaL bedanken, die die Urversion für dieses Rezept entwickelt hat. Ich habe etwas andere Mehlsorten ausprobiert, Retardierungen versucht und nach mehreren Testreihen endlich meine Brötchen gefunden:
Einige Mehlsorten habe ich beim Italiener gekauft. Hartweizen-Semola bekommt man teilweise auch in deutschen Geschäften oder im Großhandel. Manitoba (ein kleberstarkes Mehl), Tipo 0 und Tipo 00 kann man, mit etwas anderem Ergebnis, auch durch Type 550 ersetzen.
Warnung:
Diese Brötchen machen kaum mehr Arbeit als andere Brötchen. Aber diese Arbeit verteilt sich auf 4 Wochentage (vom späten Abend des ersten Tages bis zum Morgen des 4. Tages).
Ich finde aber, es lohnt sich!
Weil recht lange Gehzeiten berücksichtigt werden müssen und ich ja zwischendurch auch mal etwas anderes vorhabe bzw. ja auch mal schlafen muss, habe ich eine Zeitplanung entwickelt, die ich hier zugrunde lege. Kleinere Abweichungen sind durchaus drin. Und selbstverständlich kann jeder seine Zeiten auch selbst einteilen.
Also los!
1. Tag, 22:00 Uhr
Vorbereitung:
Zunächst das Honigglas (schön weithalsig) mit etwa 200 g Lievito Madre aus dem Kühlschrank nehmen (die Herstellung und Pflege von Lievito Madre habe ich im vorletzten Blog-Beitrag beschrieben), mit einem Silikonschaber vom Glasrand lösen und auf die Arbeitsplatte stürzen. Das Glas heiß ausspülen, die Hälfte des Lievito Madre mit 40 g Weizenvollkornmehl, 40 g Weizenmehl Type 550 und 40 g Wasser gut verkneten, zu einem Klops formen, leicht einölen 
und zurück ins Glas geben. Zuschrauben und in den Kühlschrank zurück stellen. 
Biga TA 150:
100 g Lievito Madre TA 150
100 g Hartweizensemola (Semola di grano duro rimacinata)
50 g Wasser
Alles gut miteinander verkneten, zu einem Klops formen und in eine Schüssel geben. Abdecken und 
18 Stunden bei 18 bis 22° stehen lassen
(ich stelle ihn irgendwo in die Küche).
Vorteig TA 183:
150 g Manitoba
125 g Wasser
1,5 g Hefe
Alles gut miteinander verrühren, in eine Schüssel geben. Abdecken und 
18 Stunden bei 15 - 18° stehen lassen.
(Garage, Keller. Oder in den Backofen mit Kälteakkus, falls es mal sehr heißes Wetter ist)
2. Tag, 16:00 (bis ca. 17:00)
Hauptteig:
250 g Biga
275 g Vorteig
375 g Weizenmehl Tipo 0
125 g Weizenmehl Tipo 00
75 g Roggenmehl Type 1150
375 g Wasser
10 g Honig
Diese Zutaten werden mit der Maschine zusammengeknetet und in der Maschine leicht abgedeckt
20 - 40 Minuten vorquellen lassen.
Dann
18 g Salz
10 g Olivenöl
dazugeben und gut auskneten lassen (etwa 15 Minuten). 
Den recht weichen Teig mit der Teigkarte auf eine leicht bemehlte Fläche gleiten lassen. 

Mit bemehlten Händen darunter greifen und den Teig in die Länge ziehen. Dann das eine Ende zur Mitte falten, das andere Ende darüber. Teig um 90° drehen, noch einmal ziehen und falten.
Mit der glatten Seite nach oben in eine eingeölte Box legen, abdecken.
Etwa 30 Minuten anspringen lassen 
und dann in den Kühlschrank stellen für
insgesamt 18 Stunden.
Innerhalb dieser Zeit zweimal herausholen 
3. Tag, 11:00
Formen:
Die Teigbox aus dem Kühlschrank holen und etwa 2 Stunden lang akklimatisierenlassen. 
Den Teig auf die bemehlte Arbeitsfläche gleiten lassen, 
noch einmal ziehen und falten. Das geht wegen der Teigspannung jetzt nicht mehr ganz so leicht. Dann ein wenig in Länge und Breite ziehen und einzelne Teiglinge abstechen.
Ich wiege den fertigen Teig immer ganz ab, teile das Gewicht durch 16 und mache dann meist 95 g-Brötchen. 
Nacheinander jeden Teigling bearbeiten:
Die Ränder rundherum nach innen drücken, dann umdrehen und rund schleifen. 
Wer nicht weiß, wie man das genau macht, sollte sich am besten das Video "
![]() |
Brot und Brötchen schleifen |
hier bei Chefkoch mit Carsten Dorhs und Greta anschauen. Besser kann man das kaum erklären. Ketex (http://www.youtube.com/watch?v=6XNgAbyuwg0) beschreibt das aber auch sehr gut (Beachtet die Couche). Nur liegt meine Couche nicht vor, sondern auf dem Backblech. Aber die Wirk- und Rolltechnik ist interessant. 
Ein Backblech mit einem Leinentuch (Couche) auslegen und das leicht mit Roggenmehl einmehlen (Roggenmehl klebt am wenigsten).
Jeden Teigling nach einigen Minuten Ruhezeit etwas oval rollen und mit dem Schluss nach oben auf den Anfang des Leinentuchs legen. Nebeneinander passen drei Teiglinge. Dann das Tuch zu einer Falte legen und auf die andere Seite der Falte wieder drei ovale Teiglinge legen. Wieder hochfalten usw. bis alle Teigling untergebracht sind. 
Wenn noch Tuch übrig ist, locker überschlagen.
Nun die Fettpfanne des Backofens als Deckel drüber decken, damit die Teiglinge nicht austrocknen.
Dann ab in den Kühlschrank für (na klar!)
18 Stunden.
4. Tag, 06:00
Backen:
Ofen mit Backstein auf 240° vorheizen. Das dauert mindestens eine halbe Stunde.
In dieser Zeit das Blech mit den gut gegangenen Teiglingen aus dem Kühlschrank nehmen und etwas akklimatisieren lassen.
Aber nicht zu lange! Wir wollen ja schließlich noch etwas Ofentrieb haben!
In der Zwischenzeit eine Druckspritze (vorher sauber ausspülen) mit Wasser füllen und aufpumpen. Etwas Wasser wegspritzen um die Düse zu reinigen.
Wenn der Ofen bereit ist, nimmt man den "Deckel" vom Blech mit den Teiglingen ab und rollt die ersten 8 Brötchen auf die andere Seite, so dass der Schluss jetzt unten ist. Dann schneidet man sie mit einer Bäckerklinge (oder Rasierklinge, aber Vorsicht!) kurz und relativ tief ein. 
Schließlich legen wir sie auf den Backstein (ohne uns die Pfoten zu verbrennen) und schwaden mit der Druckspritze das erste Mal.
NICHT auf die Brötchen sprühen! Sondern nur auf Wände und Boden des Ofens. Tür sofort wieder schließen, damit der Dampf drin bleibt.
Nach 5 und 10 Minuten Backzeit jeweils noch einmal schwaden, dann nicht mehr.
Nach insgesamt 20 Minuten Backzeit sind die Brötchen dann - endlich! - fertig.
Mit der zweiten Besetzung verfährt man selbstverständlich genau so. 
Und so sehen sie aufgeschnitten aus:
Inzwischen habe ich mir ein Lochblech angeschafft. Das werde ich einige cm über dem Backstein einschieben und darauf die Brötchen backen. Ich bin gespannt, wie sie dann werden!
Also: Fortsetzung folgt!
Wenn man nicht alle Brötchen auf einmal essen will oder kann:
Nach dem Auskühlen sollte man die überzähligen Brötchen so schnell wie möglich einfrieren. Am besten macht man das in einem Zip-Beutel, denn dann kann man nach Bedarf die Brötchen einzeln entnehmen.
Sie lassen sich auf dem Brötchenaufsatz des Toasters von beiden Seiten schön frisch wieder aufbacken.

Henglein
Rama Cremefine






























































