B-B-Qs Blog
Mike's Reiseberichte

2011- August: 2 Wochen auf der Dryhead Ranch Montana, 2. Woche

Montag, 29. August 2011

Was war heute morgen los? Kein Sonnenschein weckte uns, sondern es war windig, schwere Regenwolken hingen am Himmel und die Temperatur war im Keller. Auf Regen waren wir gar nicht eingstellt. Zum Glück blieb es trocken, aber die „slickers“ wurden trotzdem auf den Sattel geschnallt.

Bei der Pferdeverteilung gab’s nur teilweise etwas Neues: ich erhielt wieder „Prince“, Marlis durfte diesesmal „Chester“ in Empfang nehmen.

Heute war wieder ein Ganztagesritt angesagt, was bedeutete, dass wir nach dem Frühstück unseren Lunch selber zusammenstellen konnten. Wieder beliessen Marlis und ich es bei einem Sandwich und 3 Flaschen Wasser, chips und diverse „power bars“ oder Früchte nahmen wir beide nicht mit.

Die beiden cowboys waren mit den Hunden schon früher los; wir waren erst um 09.00 h startbereit, was aber nicht an den Gästen, sondern an Jennifer lag, welche heute auch mit uns ritt. Ausserdam war Christen, die Frau von Sky, mit von der Partie.

Um halb zwölf „fanden“ wie die Rinder und die Cowboys am „fishburn“ und trieben sie (nur die Kühe…) zwei Stunden lang vor uns her. Anfangs war’s nicht immer leicht, die Viecher aus den Büschen oder weg vom Wasser zu treiben. Aber wenn sie mal in Bewegung sind, einfach am Laufen halten und keine Hektik aufkommen lassen. Zudem liefen sie mehr oder weniger auf dem „trail“ und nur bei den drei „gates“, welche wir passieren mussten, gab es manchmal einen kleinen Stau. Einer von uns trabte dann voraus und öffnete das Tor, während Flankenreiter schauten, dass keine Kuh wieder ausbüxte. Nach rund zwei Stunden gönnten wir den Tieren und uns Reitern eine kleine Rast: eine halbe Stunde benützten wir, um uns die Beine zu vertreten und einen Stehlunch einzunehmen (ein paar setzten sich aber trotzdem hin).

Danach ging’s noch eine Weile weiter und wir lernten eine neue Zeiteinheit oder ein neues Längenmass kennen: Auf unsere Frage, wie lange oder wie weit wir noch treiben würden, lautete die Standardantwort immer „just over the next ridge/hill“… :)

Unterwegs kam mal kurz Unruhe auf, erst bei den Pferden, dann auch bei Sky: er winkte uns zur Seite und meinte nur, da wäre eine Klapperschlange im Gebüsch. Wir hatten nichts gehört, aber die Hunde waren ganz „narrisch“ und konnten nur mit Mühe davon abgebracht werden, dem „rattler“ nachzujagen.

Der Himmel hatte sich in den letzten Minuten doch verdunkelt, es würde wieder kälter und windig und dann brach ein Gewitter los mit Blitz, Donner und Regen! Wir zogen alle unsere „rain slickers“ an. Wirklich alle?? Albert hatte seinen zwar bereitgelegt, aber auf der Ranch liegen lassen: bad luck. Zum Glück hatte er ein shirt und ein dickes Hemd angezogen.

(Schade, war Sylvan nicht mehr dabei. Er hatte immer davon geträumt, mit dem "slicker" durch Wind und Wetter zu reiten). Kurz nach halb fünf waren wir wieder zurück auf der Ranch und die Sonne liess sich auch wieder blicken. Trotzdem hatten wir Gäste keine Lust mehr, nochmals mit den cowboys rauszureiten, sondern gönnten uns eine heisse Dusche und ein paar ebensolche Kaffees.

Fazit nach dem ersten Arbeitstag der neuen Woche:

Prince bleibt Prince, trittsicher, angenehme Gangarten, quasi mit Servolenkung und auch genügend „horsepower“.

Marlis war mit „Chester“ ganz zufrieden, an ihren Liebling „Frito“aber reichte er nicht.

Joanne  fand es immer lustig, beim Treiben von hinten mit Ihrem Pferd die Kühe zu erschrecken und meinte, das wäre „fun“. Ich sagte ihr aber, das sei harte Arbeit und kein „fun“, wenn man nachher die Hälfte der Kühe mühsam wieder zusammentreiben müsse…
Al ritt immer etwas hinter den anderen, immer nur im Schritt, sass aufrecht im Sattel und stützte sich gerne auf dem Sattelhorn ab und stiess seinen „Kriegsschrei“ aus: „hurrah“ (das machten die „Marines“ auch so, meinte er).
Wir hatten aber alle unseren Spass gehabt, aber Al spürte doch, dass er 10 Jahre nicht mehr geritten war und ging etwas steif zu seinem Zimmer zurück.

Der Rest des Tages verlief wie immer: Nachtessen und frühe Nachtruhe.

 

Dienstag, 30. August 2011
Im Gegensatz zu gestern wurden wir heute wieder von der Sonne geweckt und auch die Temperatur war schon angenehm.
Während des Frühstücks erklärte uns Jennifer, heute würden wir eine „mare band with their foals“ (eine Gruppe Stuten mit ihren Fohlen) von einer Weide zur anderen treiben!! ENDLICH! Das war’s ja, was uns schlussendlich bewogen hatte, auf die Dryhead Ranch zu kommen.
„Rand“ und „Conegar“ waren heute wieder unsere Reitpferde. Jake war schon frühmorgens mit dem Pickup und dem Auflieger losgefahren, um Heu zu machen bzw. die Heuballen zu holen.
Somit waren wir sechs Reiter, welche sich um 09.00h auf den Weg machten, die Pferde erst mal zu finden. Bei einer knapp 5,000 acres (20 km2) grossen „pasture“ mit Hügeln, Büschen und kleinen Canyons gar nicht so einfach.
Unterwegs kamen wir an einem leeren Wassertank vorbei. Schnell hatte Sky gefunden, wo der Defekt war: ein Verbindungsstück der Wasserleitung hatte sich gelöst und das Wasser versickerte im Boden. Zum Glück hatte Sky immer etwas Werkzeug am Sattel festgeschnallt und konnte den kleinen Defekt schnell reparieren.
Nach etwas zweieinhalb Stunden hatten wir die Pferde entdeckt. Gut getarnt standen sie im Schatten von ein paar Bäumen und Büschen.
Jetzt erklärte uns Sky das weitere Vorgehen. Jennifer, Joanne und Al „schleichen“ sich in einem grossen Bogen von hinten an und scheuchen die Herde langsam los. Er selbst wird mit Marlis und mir warten, bis sich die Pferde uns nähern. Dann werden wir versuchen, im spitzen Winkel auf sie zuzureiten und uns vielleicht 100 m vor sie zu setzen. Sky gab uns noch ein paar Verhaltensregeln mit auf den Weg: - circa 10 Meter im Schritt vor den Pferden reiten - wenn sie uns überholen wollen, mit der Stimme und mit seitlichem Arme schwenken versuchen, sie zu bremsen - wenn das nichts nützt und wir trotzdem überholt werden, nicht in ein Rennen gehen (das wir sowieso verlieren würden), sondern einfach warten, bis die Gruppe sich wieder erholt und abgebremst hat und alles von vorne beginnen


Nach einigen Minuten sahen wir, dass die drei Treiber das Wäldchen von hinten erreicht hatten und versuchten, die Pferde in unsere Richtung zu bringen. Das war anscheinend gar nicht so einfach, klappte dann aber doch. Wir anderen drei trabten dann los und wir konnten uns vor die Herde setzen und im „walk“ weiterreiten.
Mit langsamen Armbewegungen und mit Zurufen gelang es uns wirklich, die Tiere abzubremsen. Immer wieder versuchten einzelne Pferde, seitlich auszubrechen oder uns zu überholen, was wir aber zu verhindern wussten. Einzelne „Ausbrecher“, ob Mama oder Fohlen, beachteten wir gar nicht: sie folgten uns immer wieder und suchten die Nähe der Gruppe. Wichtig war auch, das die Treiber am Schluss des „horse drive“ die Pferde in Bewegung hielten.

Um halb eins hatten wir die ganze Bande auf der Ranch und dort wurden sie in einen „corral“ getrieben, wo sie bis nach unserem Mittagessen bleiben sollten.
Um 15.00 h sollte es weitergehen: erst die Pferde in die Freiheit einer anderen Weide entlassen, dann gleichzeitig noch Kühe suchen. Leider wurde vorerst nichts daraus. Jake kam mit den Heuballen angefahren und wollte diese zusammen mit Sky noch abladen: einen in einem „round pen“, die anderen vor einem anderen. Das war gar nicht einfach und sie brauchten 30 Minuten dazu (wobei mit etwas mehr Planen/Durchdenken im voraus wäre es auch schneller und einfacher gegangen…..

Dann aber ging’s los und nach dem ersten Gate trafen wir auf einige der Gästepferde, welche heute „frei“ hatten und unsere Herde zerstreute sich. Eines dieser Pferde wollte uns aber partout nicht alleine lassen und folgte uns eine Weile lang, bis es ihm anscheinend aber doch zu langweilig war uns davon trabte.
Die folgenden anderthalb Stunden versuchten wir erfolglos, Kühe zu finden. Die „Viecher“ waren aber spurlos verschwunden. Das Gelände war auch eher „suboptimal“ :gg: : viel „sagebrush“ (Wüsten-Beifuss), welcher in Buschform mehr als einen Meter hoch wird und sehr intensiv duftet oder Gräser und andere Büsche, welche einen Reiter fast unsichtbar verschwinden liessen.
Als kleines Trostpflaster sahen wir wenigstens ein halbes Dutzend „turkeys“ (gobble, gobble…). Da aber noch kein „thanksgiving“ in Sicht war, liessen wir sie unbehelligt.

Als wir schon auf dem Rückweg waren und einen kleinen Bach überqueren wollten, warnte uns Sky vor einer Klapperschlange, welche uns den Weg versperrte. Als erstes hatte übrigens das Pferd von Sky den „rattler“ bemerkt…. Wir mussten zurückbleiben und die Hunde zurückrufen und Sky löste den „hobble“ (Fussfessel für Pferde, mit der sie nur ganz kleine Schritte machen und sich somit nicht weit fortbewegen können…) vom Sattel und tötete damit die Schlange…
„Kill or get killed“ lautet das Gesetz hier draussen.


Als Sky die „Rassel“ mit 9 Ringen hochhielt und fragte, ob ich sie behalten möchte, sagte ich natürlich nicht nein…
Zurück auf der Ranch wurden die Pferde getränkt, abgesattelt und „entlassen“. Dann gingen wir selber zur Tränke: Kaffee ( war schon, wie immer, bereit) für Marlis und mich und Limo für die anderen. Danach duschen, Zigaretten- und Kaffeepause auf der Veranda des „cookhouse“ bis zum Nachtessen, nachher noch wie gewohnt gegenseitig Fotos mit Joanne austauschen bzw. auf dem PC speichern und wieder zurück in unsere „cabin“. Noch ein paar Minuten lesen und dann Nachtruhe.

 

Mittwoch, 31. August 2011
Der heutige Sonnenaufgang um 06.30 h sah zwar sehr schön aus, wurde jedoch begleitet von einigen Regentropfen, Wolken und Wind. Trotzdem war es angenehm warm.
Beim Frühstück lernten wir zwei neue cowboys kennen: Will, ein Sohn von Jennifer und Chris, ein guter Freund der Familie. Die beiden wollten uns heute und morgen beim grossen Viehtrieb helfen und hatten daher auch ihre Hunde dabei.
Sofort nach dem Morgenessen ritten die die beiden mit Jake und Sky schon mal voraus und wir Gäste würden etwas später nachkommen.
Ganz routiniert bereiteten wir unser Mittagessen zu und packten das Sandwich ;) und drei Flaschen Wasser in unsere pommel-bags. Nach einem Blick zum Himmel packten alle (auch Al) ihre „slickers“ ein, Marlis und ich hatten unsere Jacken sowieso immer am Sattel festgeschnallt.

Wieder wurde es 09.00h, bis wir alle bereit zum Abreiten waren. Heute hatten wieder „Homer“ und „Prince“ das Vergnügen, mit Marlis und mir auszureiten
Wie immer vermisste „Prince“ seine Kollegen, welche heute frei hatten, und solange er sie noch sehen (oder hören oder wittern) konnte, wieherte er fast pausenlos… Wir hatten es nicht sehr eilig bzw. Jennifer zeigte uns nochmals eine uns unbekannte Ecke der Ranch und wir genossen die Weite, die reine Luft, welche intensiv nach dem "sage brush" roch und die wunderbare Landschaft.
Meistens ritten wir ohne Worte und die Stille wurde nur vom Knarren des Lederzeugs und dem Schnaufen der Pferde unterbrochen. Anscheinend war auch Jennifer noch nicht sehr oft hier gewesen, ein bis zwei mal machten wir kleine Umwege, weil cichtes Gebüsch oder ein Canyon uns den direkten Weg "versperrte"..
Kurz vor zwölf Uhr mittags kamen wir auch einem kleinen Hochplateau an und sahen weiter unten und vielleicht einen Kilometer Luftlinie entfernt die vier cowboys, welche schon eine grosse Herde zusammengetrieben hatten. Wir benutzten die Gelegenheit, rasch unseren lunch einzunehmen, bevor wir runterreiten und die anderen treffen wollten.
Mangels Bäumen wurden die Pferde nicht angebunden. Das war aber auch gar nicht nötig: es reicht, wenn man einen Zügel auf den Boden hängen lässt (ground tying). Da jene aber wie wir Mittagessen wollten, wickelten wir Ihnen die Zügel zweimal lose um den Hals, damit sie nicht aus Versehen darauftreten können, wenn sie sich langsam beim Fressen vorwärts bewegen.
Während der nächsten halbe Stunde genossen wir nicht nur unser Mittagessen, sondern auch das ferne "Muhen" und die wunderbare Aussicht, die sich uns bot.

Danach trafen wir uns mit den Profis und besprachen, wie wir vorgehen wollten und wohin wir die Kühe treiben sollten. Gemäss Sky waren es rund 280 „head of cows“, welche wir erst auf den Pfad und dann den Hügel hoch bringen sollten.
Sah von unten verd*** steil aus und es war viel Gebüsch vorhanden: nicht immer einfach, die Viecher da raus zu bringen. Notfalls müssen die Hunde ran, die schaffen alles, was die Reiter nicht fertigbringen.
Während der nächsten 4 Stunden passierte nicht viel. Die Rinder waren in Bewegung und wir sollten sie nur noch wie gewohnt„over the next hill“ bringen. Schlussendlich gönnten wir ihnen eine kleine Verschnaufpause und die „mama cows“ hatten Gelegenheit, ihre Kälber wieder zu finden.
Dann ging’s weiter und Sky sagte Marlis und mir, wir sollten auf der rechten Flanke reiten und die Kühe nicht ausbrechen lassen. Kaum aber waren wir „drüben“ angelangt, rief uns Chris zu, wir solltenzurückkommen, wir würden die Arbeit morgen fortsetzen…(Kenne ich vom Militär:Befehl und Gegenbefehl).
Warum wir den Viehtrieb nicht heute fertigmachten (war nur noch ein gate zu passieren), war uns nicht klar, so mussten wir morgen wieder hierher kommen und allenfalls die Kühe wieder zusammentreiben.
Auf jeden Fall ging’s nachhause, wo wir die Pferde wieder absattelten, tränkten und Marlis und ich unseren Pferden noch ein paar „Leckerli“ verteilten.
Dann ohne Dusche zum Nachtessen und nachher war Lichterlöschen angesagt: es war heute wieder ein langer und strenger Tag gewesen und nicht nur Al spürte seine Knochen und Muskeln, sondern auch Marlis und ich gingen etwas steif zur cabin zurück.

Donnerstag, 1. September 2011
Heute morgen war’s wieder bewölkt, windig und das Thermometer auf der Terrasse des „cookhouse“ zeigte nur noch 60° F (gute 15° C).
Folgende Pärchen machten sich schon um 08.45 h auf den Weg: Marlis und „Conegar“ sowie Mike und „Rand“.
Christen kam heute wieder mit und hatte Ryan vor sich auf dem Sattel. Wie wird er einen halben Arbeitstag aushalten??
Als erstes trieben wir die „cavy“ aus dem „round pan“ und brachten sie auf eine andere Weide. Das gefiel Ryan anscheinend sehr gut, er war fröhlich und machte immer wieder mit einem „yee-haa“ auf sich aufmerksam.
Danach wollten wir die gestern angefangene Arbeit fertigmachen und die Herde noch durch ein „gate“ bringen. Ein paar Kühe und ein Bulle hatten sich wieder in Büschen versteckt, doch die Hunde von Chris, Will, Jake und Sky brachten sie zur Herde zurück und sie machten ihren Job so gut, dass uns cowboys praktisch keine Arbeit mehr blieb und wir die Tiere nur in Bewegung halten mussten.
Dabei entdeckten Chris und Will noch ein krankes Tier, welches sie mit dem „rope“ einfingen und direkt auf dem Gelände verarzten. Dann trennten sich die Profis von den Amateuren und wir ritten zu verschiedenen Weiden.
Dort teilten wir uns in zwei Gruppen: Christen, Joanne und Al mit einem Hund als Verstärkung auf der einen und Jennifer, Marlis und ich auf der anderen Seite.
Wir sahen sechs Kühe und einen Stier und Gruppe „A“ übernahm die Aufgabe, sie zur Strasse zu und hinter den Zaun zu bringen. Wir als Gruppe „B“ gingen auf Suche und Jennifer teilte uns den rechten Teil unserer Weide zu. Falls wir Kühe finden würden, sollten wir sie auch auf die Strasse und durch das „gate“ bringen und dann den Zaun entlang reiten, bis wir die anderen Rieiter wieder finden würden…..

Und wir hatten Glück und wurden fündig: ein Dutzend Kühe lief da „planlos“ durch die Gegend. Also schnell zu einer kleinen Herde zusammentreiben und dann los. Das gelang uns sehr gut und auch ein klitzekleiner Canyon wurde überwunden und als wir den Zaun sahen, ritt ich im Trab bzw. Galopp voraus, um das Tor zu öffnen.
Die paar Minuten Wartezeit nützte ich, meine Filmkamera schussbereit zu machen und dann wurde festgehalten, wie Marlis alleine das Dutzend Kühe wohlbehalten durch das gate brachte. Good Job!
Zum Glück war das Gelände ja nicht so unübersichtlich wie auch schon und da wir ja eigentlich „eingesperrt“ waren und nur dem Zaun entlang reiten mussten, war das Ganze ja nicht so gefährlich. Manchmal war uns aber schon ein bisschen mulmig zumute, allein auf weiter Flur…..
Auf der Suche nach den anderen benützten wir die Gelegenheit, den Zaun entlang ein bisschen zu trotten und galoppieren, bis wir die Gruppe „A“ fanden. Wunderschönes Gefühl!

Mittlerweile war es ein Viertel nach eins geworden und wir machten uns auf den Heimweg. Unterwegs holten uns auch die Cowboys wieder ein, da wir doch nur im Schritt ritten.
Marlis musste Joanne noch einmal zurechtweisen, weil Sie den Gegenhang hinauf galoppierte und Marlis von hinten überholte. Erstens soll man die Pferde nicht trotten oder lopen lassen, wenn sie einen Steilhang hinauf müssen und zweitens soll man sich nicht von hinten einem anderen Reiter nähern und diesen in einer anderen Gangart überholen, weil das überholte Pferd sich erschrecken könnte (Marlis war da sowieso ein gebrannes Kind….).

Auf der Ranch angekommen, holten wir unseren „laptop“ und versuchten, unseren „Kleinen“, Jeffrey, per Skype zu erreichen. Es war nämlich sein 16. Geburtstag. Wir hatten Glück und er freute sich riesig, wenn auch die Verbindung gaaanz laaangsaam war.
Nach dem Mittagessen begann es wieder leicht zu regnen und Jennifer entschied, dass wir nicht mehr reiten würden. Richtig traurig war glaub’ ich keiner von uns: Der bisherige Tag war doch ziemlich anstrengen gewesen (Ryan hatte teilweise im Sattel geschlafen) und das schlechte Wetter animierte uns nicht so sehr.
Also hatten wir die seltene Gelegenheit, etwas zu lesen. Viele Seiten hatten wir zwei Leseratten bisher noch nicht verschlungen. Nach dem Nachtessen blieben wir ausnahmsweise etwas länger sitzen und quatschten noch und merkten entsetzt, dass morgen schon der letzte Reittag sein würde.

 

Freitag, 2. September 2011
Schön, dass wir am vorletzten Tag wieder von der Sonne geweckt wurden; die Temperatur aber war so tief wie noch nie:
Das Thermometer zeigte nur gerade 40° F (knapp 5° C) an, brrrr und auf der Veranda lag leichter Frost….

Marlis kriegte heute wieder „Chester“ und ich???
Sollte ich am letzten Tag noch ein neues Pferd erhalten?
Sky fragte mich: „wanna something fast, kinda Patches?“ „Yes, please“.
Als ich dem Namen des Pferdes wissen wollte, antwortete Sky „dug“ und ich fragte: „D-o-u-g-“ ?
„No, d-u-c-k“….
„What, am I downgraded? I never rode a „duck“ before… Or can hy fly maybe?”
“You’ll see”, war die Antwort.

Da war ich aber gespannt, was auf mich zukommen würde. Joanne hatte neue Sporen gekauft, welche Jennifer ihr besorgt hatte. Leider waren sie zu gross, weshalbt sich Sky, der Alleskönner, sofort daran machte, sie „passend zu machen“.

Das dauerte aber doch eine Weile und so wurde es 09.30 h, bis wir endlich losritten. Zum letzten Mal öffneten wir den „corral“ und liessen die „cavy“ raus und trieben die Pferde den Weg entlang, den wir schon so gut kannten, bis zum „creek“, wo wir sie zurückliessen.
Ich merkte schon, dass ich gar keine „lahme Ente“ unter meinem Hintern hatte, im Gegenteil: ich musste öfters auf die Bremse treten, da „Duck“ einen schnellen „walk“ hatte und auch sonst gerne Gas gegeben hätte. Das war doch noch ganz nach meinem Geschmack….
Wir wollten nochmals Kühe suchen gehen und teilten uns wieder in zwei Grupppen: Jennifer mit Joanne und Al sowie Sky mit Marlis und mir. Und noch jemand folgte uns, als wir die Ranch verliessen: „Tips“. Wir dachten, er würde dann bald einmal umkehren, aber Sky wollte ihn absichtlich dabei haben. Ein erstes Training für den kleinen Hund.

Und wir fanden auch bald ein paar Rinder, weit verstreut auf der Ebene und etwas höher oben auf dem Hügel. Marlis und ich versperrten den Kühen unten den Weg und Sky ritt hügelaufwärts. Als ich sah, dass da oben mehr und mehr Kühe aus dem Gebüsch kamen, wollte ich Sky helfen gehen und liess „Duck“ im leichten „lope“ gehen: war wunderbar rhythmisch und gut auszusitzen.
Dann aber sprangen wir über einen kleinen Bach und plötzlich wollte die Ente nach links (Sky war rechts..) und der Galopp wurde schneller.
Ich konnte nicht nach rechts lenken und auch auf leichtes Zügelziehen (bremsen“ ) und akustische Bremsversuche (whooaaaa) reagierte „Duck“ nicht. Und bist du nicht willig…..
Also energischer am Zügel ziehen und lauter Rufen: WHOOAAAA! Das zeigte zwar Wirkung und wir wurden langsamer, aber kurz vor dem Stillstand fing „Duck“ leicht an zu bocken: so 3-4 Sprünge waren es schon und jetzt weiss ich, wie sich ein Rodeoreiter fühlt, wenn er die verd* langen 8 Sekunden oben bleiben muss.

Marlis, die sich gewundert hatte, warum ich in die falsche Richtung ritt, war mir gefolgt, als sie meine „Bremsversuche“ sah.
Auch Sky kam sofort dahergaloppiert. Als die beiden aber bei mir waren, war alles schon vorbei und in Ordnung.

„was faster than you wanted, right? But you stayed in the saddle, now you’re a real Cowboy“!

Das machte mich ein bisschen stolz, obwohl mir ehrlich gesagt nicht immer ganz wohl gewesen war…..(Leider waren meine Versuche als „bronc rider“ nicht aufgezeichnet worden).
Danach brachten wir die Kühe an den gewünschten Ort und trafen auch die andere Gruppe wieder. Auch sie waren erfolgreich gewesen (Joanne meinte sogar, sie hätte einen „rattler“ gehört) und wir sollten die kleine Herde wieder einmall „over the next hill“ bringen.
Al war wie immer zuhinterst und hielt etwas Abstand und trieb die Kühe nur mit seinem „hoorah“ vorwärts. Als aber einmal ein paar Kühe umkehrten, blieb er einfach stehen und die Rinder gingen links und rechts an ihm vorbei. ;)
Er hatte aber seinen Spass und wir nahmen es nicht so tragisch, umso mehr konnten wir machen.

Danach ging’s zurück zur Ranch, wo wir um viertel nach eins eintrafen und das Mittagessen einnahmen. Dann war Ruhe bis 15.30 h angesagt. Marlis hatte doch wieder leichte Schmerzen und wollte am Nachmittag dann nicht mehr reiten. „Tips“ hatte den ganzen Morgen fleissig mitgemacht, war jetzt aber todmüde und legte sich auf unserer Veranda schlafen……

Ich benützte die Mittagspause, um noch einmal das beliebte „hol-den-Stock-Spiel“ mit den Hunden zu spielen.

Es machten sich nur noch Sky, Joanne, Al und ich auf den Weg: Kühe suchen, welche wir am Morgen auf einer anderen Weide noch gesehen hatten.
Wir trennten uns wieder: Sky wollte mit Al die linke Seite abreiten, Joanne und ich sollten die rechte Seite durchsuchen, auch den Canyon. Falls wir etwas finden würden, sollten wir die Tiere durch das Gate zur Strasse bringen und dann wieder zu Sky und Al stossen.
Wir beide benützten die Gelegenheit, zu trotten und zu galoppieren. Dieses Mal aber hielt ich „Duck“ immer beidhändig am kurzen Zügel, klappte auch wunderbar.

Unsere Suche blieb erfolglos und wir hatten eine kleine Meinungsverschiedenheit: Ich meinte, wir sollten durch das gate auf die andere Weide gehen, der Strasse entlang und dann wieder am Zaun entlang.
Joanne meinte, wir sollten zurückreiten, wo wir uns getrennt hatten und dann durch den Zaun. Das machte meiner Meinung nach keinen Sinn und wir ritten erst durch das gate und sahen dann auch die beiden anderen weit weg auf einem Hügel.
Wir wollten ihnen den Weg abschneiden, mussten aber lange einem Zaun enlang reiten, bis wir einen Durchgang fanden, dann aber waren wir wieder „gefangen“ und sahen Sky und Al plötzlich weiter unten auf der anderen Seite. Tja, mea culpa...

Also schnell (Trab und Galoppp) wieder zurück und wirklich, die beiden kamen uns entgegen. Auch sie waren leider erfolglos gewesen. Wo sind die Kühe, am Morgen hatten wir sie ja noch gesehen????
Als ich Sky fragte, was denn unser „goal“ heute Nachmittag gewesen sei, Kühe suchen oder Kühe finden, meinte er nur „find“ und dann „we ain’t succesful“.
Ja, das gehört auch zum Cowboy-Leben“.

Zurück auf der Ranch wurde zum letzten Mal abgesattelt und ich trennte mich von meiner Ente, welche wirklich „fast“ gewesen war.
Beim Nachtessen erzählte ich von meinen „Schwierigkeiten“ mit meinem Pferd und als die anderen Sky fragend anblickten, meinte er nur: „he had Duck“.
Das erklärte anscheinend alles.

Danach trafen wir uns alle im Wohnzimmer im Haupthaus, wo wir erst die Fotos anschauten, welche Jennifer geschossen hatte. Danach gab es eine „Schlussbesprechung“ von ihr und wir Gäste sollten jeder unsere Erwartungen, Erfahrungen, Eindrücke etc. schildern.
Wir waren alle zufrieden mit den „Ranchleuten, den Pferden, der Unterkunft, dem Essen, nur ich kritisierte einige Kleinigkeiten, wie wir sie halt von früher kannten.

Ich vermisste die generellen „Regeln VOR dem ersten Reiten oder Instruktionen für den Viehtrieb. Ausserdem hätte ich erwartet, dass man sich mehr um die Gäste kümmern würde, vor allem wenn es Anfänger waren, welche auch Hilfe beim Satteln/Zaumzeug anlegen gebraucht hätten. Auch hätten wir nur einen „horse drive“ gemacht, obwohl doch die erste Woche speziell als „mini-horse-drives-week“ angepriesen wurde…(von den Gelegenheiten abgesehen, wo wir Pferde von der Ranch brachten oder unterwegs einige fanden).

Jennifer antwortete wie ein Politiker und gab keine direkten Antworten.
Sie würden schon jahrelang so arbeiten und würden die Gäste immer instruieren, wenn es die Gelegenheit erfordern würde. Also direkt auf der Weide vor dem Kühetreiben, beim Satteln, wenn man um Hilfe bitten würde, etc.

Ich wollte nicht mehr länger diskutieren, da es alles in allem doch sehr schöne Ferien für uns gewesen waren und es uns auf der Ranch gefallen hatte, was ich auch so sagte.
Danach gab uns Jess noch letze Instruktionen, bevor wir uns schlafen legten: „Wenn Ihr morgen aufsteht und zum Frühstück kommt, könnt Ihr bitte die Bettwäsche und die Handtücher mitbringen, damit wir sofort mit Waschen beginnen können? …..

 

Samstag, 3. September 2011
Noch ein Nachtrag zum gestrigen Nachtessen. Es gab wieder Steaks vom Grill und da letzten Freitag die Steaks für unseren Geschmack etwas „zu durch“ waren, baten wir Jackie, unser Fleisch doch nur „medium rare“ zu braten, was sie uns auch zusagte.

Als wir dann fragten, welches nun unsere Steaks wären, antwortete Jackie, sie hätte alle wieder „medium“ zubereitet…

Wie immer war das Frühstück auf 07.00 h angesagt, aber es wurde beinahe 08.00 h, da die Ladies alle Wäsche, die wir natürlich zum Haupthaus gebracht hatten, noch in die Autos verfrachteten, mit noch allerlei anderen Dingen, welche über’s Wochenende „irgendwelche Bearbeitung“ in der Stadt brauchten und morgen mit den neuen Gästen wieder abgeholt werden würde…..

Ich hatte Iris ja schon vor unserer Anreise aufgefordert, unseren ausstehenden Betrag von rund $ 4,500.—jetzt schon meiner VISA zu belasten, da der Kurs gegenüber dem CHF sooo günstig war.
Somit musste ich nur noch die Dinge, die wir im General Store gekauft hatten, bezahlen und allfälliges Trinkgeld. Als Souvenirs hatten wir ein T-Shirt und ein Jeans Hemd der Ranch sowie die Sporen von Marlis gekauft. Als Vorschlag für „gratuity“ waren 15 % = knapp $ 1,000.—angesagt. (Trinkgeld von 10-15 % sind auf jeder Ranch normal, aber freiwillig, habe sogar schon mal von 15-20 % gelesen….).

Ehrlich gesagt, wusste ich nicht, ob ich das zahlen wollte: selber abwaschen, das Bettzeug sogar selber abziehen und zum Haupthaus bringen, Essen gut und genügend, aber doch eher einfach (da waren wir anderes gewöhnt), nur ein „richtiger“ horse-drive……

Schlussendlich habe ich die $ 1,000.—bezahlt: schliesslich hatte sich Iris mit unserem fehlenden Koffer sehr viel Mühe gegeben (ich glaube, den hätten wir sonst nie mehr gesehen), beim Unfall von Marlis haben uns alle auch sehr geholfen und last not least hat es uns doch sehr gut gefallen.
Quasi als Zugabe haben wir dafür die CD mit den Fotos gratis erhalten, was allerdings noch einige Zeit dauerte, Jess musste sie noch brennen….
Dann noch das obligate Foto mit den Gästen auf der Veranda, wo wir sogar frische Bärenkacke fanden, Austauschen von Adressen, ein allgemeines Abschiednehmen und dann fuhren wir so gegen 10.00 h endlich los.

Fazit der beiden Wochen: Landschaft, Pferde, Leute, Unterkunft haben uns sehr gut gefallen, das Essen hätte ruhig etwas opulenter/üppiger/abwechslungsreicher sein dürfen.
Und dass wir uns wie zuhause fühlen sollten und mehr „Familienmitglieder“ denn „Gäste“ waren, ist ja gut und recht, aber wir waren trotzdem zahlende Gäste, und das nicht zu knapp: mehr als $ 7,300.—für uns beide für zwei Wochen, da hätte man sich manchmal auch etwas mehr um uns kümmern können....

Auf jeden Fall werden wir zu diesen Preisen nicht mehr hierherkommen.

Ich denke, die Bassets hatten zwar keine schottischen, aber doch schwäbische Vorfahren .

Wir verliessen Lovell und fuhren auf der „ALT 14“ ostwärts über den „Bighorn River“ und durch den „wunderschönen Bighorn National Forest“ in Richtung Sheridan.
So nach zweieinhalb Stunden verspürten wie einen kleinen Hunger und als wir nach Dayton kamen und ein „heimeliges“ Restaurant sahen, wollten wir ein verspätetes Frühstück einnehmen, für ein Mittagessen waren wir nicht hungrig genug und die Portionen sind ja bekannterweisen immer riesig.
Was sah ich da auf der Speisekarte??

ROCKY MOUNTAIN OYSTERS! Die wollte ich schon immer probieren und somit bestellten wir eine Portion als „appetizer“.

Ich muss sagen, optisch haben sie uns etwas enttäuscht: wir dachten, da kommen eine Art „meat balls“ daher.
In Wirklichkeit sahen sie eher aus wie Fischstäbchen, nur doppelt so breit, dafür nur halb so dick. Sie waren überhaupt nicht zäh, hatten eine knusprige Panade und schmeckten (wie alles „Fremde“) ähnlich wie Chicken 
Dazu gab’s eine Cocktail und eine Ranch Sauce. Die Flasche „white Zinfandel“ war auch ausgezeichnet, hätte ich in so einem „Kaff“ nicht erwartet.
Danach ging’s weiter auf der I-25 via Buffalo nach Casper.
Unterwegs (in Kaycee?) an einer „junction“ sah ich von weitem die beiden Strassennummern, aber ich konnte nicht feststellen, wo „north“ und wo „south“ war. Ich konzentrierte mich auf der 2-spurigen Strasse nur auf die Strassenschilder, als plötzlich „aus dem Nichts“ ein Polizeiauto mit Sirene und blinkendem Christbaum von links auf die Hauptstrasse fuhr und mich beinahe abschoss (oder ich ihn).
Marlis meinte, sie hätte ihn gesehen und er hätte Sirene und Blinklicht erst inmitten der Kurve eingeschaltet……

So gegen 16.00 h checkten wir im „Best Western Ramkota Hotel“ in Casper ein und gingen noch ein bisschen im Pool schwimmen, dann nahmen wir um sechs Uhr im dazugehörigen „Remington’s Restaurant“ein sehr gutes Nachtessen ein.
Nach einem Schlummertrunk gingen wir um 22.00 h in’s Bett.

Als alter „Granufink Junkie“ muss ich schon mal in der Nacht aufstehen. Es war so gegen zwei Uhr morgens, als ich in’s Bad ging und ….. ….nasse Füsse hatte. Der ganze Fussboden war feucht bis nass. Ich suchte, wo das Wasser herkommen könnte und wurde ganz in der Ecke unter den Waschbecken fündig. Es tropfte ganz leicht. Ich stellte einen kleinen Abfalleimer darunter und ging wieder ins Bett.

 

Sonntag, 4. September 2011
Als wir um 07.00 h aufwachten, war der Eimer überfüllt und wieder stand alles unter Wasser. Zum Glück hatte es im Bad einen kleinen „Absatz“, sodass noch nichts in’s Zimmer gelaufen war.
Als ich beim Auschecken das Leck erwähnte, meinte die Rezeptionistin nur: „I’m sooo sorry“!

Wir entschieden uns, erst unterwegs und etwas später ein „richtiges“ Frühstück einzunehmen, als „Sofortmassnahme“ kauften wir an der Tankstelle 4 „double shots“ von Starbucks…
In Douglas machte beim Vorbeifahren das „Plains Trading Post Restaurant“ einen guten Eindruck auf uns und wir wurden nicht enttäuscht.
Wir bestellten jeder ein Steak, 2 Eier „sunny side up“, hashbrowns und toast und die Steaks waren wirklich „medium rare“, wie wir sie bestellt hatten!

Dann fuhren wir weiter nach Cheyenne, wo wir wieder im „Wrangler“ shoppen gingen. Dieses Jahr kein Geschirr, sondern T-Shirts, ein „coffee-mug“, CDs sowie eine Jacke für Marlis.
Danach spazierten wir noch ein bisschen umher, schossen wieder Fotos und machten uns dann auf den Weg nach Denver, wo wir wieder im „Fairfield Inn Denver Airpot“ ein Zimmer nehmen wollten, weil es da nur 1 Block bis zum „Ruby Tuesday“ ist.
Ich verpasste aber die Moteleinfahrt und nahm halt die nächste, zum „La Quinta Inns“, welches direkt vis-a-vis des Restaurants lag. Noch besser.

Zum Nachtessen gab’s die obligatorischen „baby back ribs“ mit „onion rings“ als Vorspeise, dann „beef’n’reef“ für Marlis und ein Steak mit Broccoli und Salat vom Buffet für mich.
Zur Feier des Tages tranken wir erst einen Chateau Ste. Michelle Riesling, dann einen RedDiamond Merlot.
Danach zurück in’s Hotel und zum letzten mal in USA schlafen, zumindest für dieses Jahr.

 

Montag, 5. September 2011
Um 07.00 h kam der „wake-up-call“, dann ein kleines Frühstück im Hotel und los zur Hertz Vermietung, um das Auto zurückzugeben.
Das klappte alles problemlos, dieses Jahr hatten wir ja keine Beule im Heck. Mit dem „shuttle“ zum Flughafen, rasch durch „security und pünktlich um 10.10 h war „take-off“ nach Philly, von dort aus auch pünktlich um 15.30 h nach Zurich, wo wir am frühen Dienstag Morgen etwas zu früh ankamen.

Das Gepäck war zum Glück rasch und vollständig auf dem Band, sodass wir noch den Zug nach St. Gallen erreichten und sofort Anschluss mit dem Postauto hatten. Müde kamen wir zuhause an, doch Marlis machte sofort die Wäsche und ich ging Rasenmähen, dann war noch ein wenig Aufräumen angesagt, die beiden Jungs hatten es während unserer Abwesenheit nicht zuu genaue genommen……

Das war’s für 2011 aber die (provisorische) Planung für 2012 hat begonnen und ich habe schon wieder ein halbes Dutzend Ranches zur Auswahl….

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2011- August: 2 Wochen auf der Dryhead Ranch Montana, 1. Woche

Mike’s Ranchferien auf der Dryhead Ranch, Wyoming, August 2011

Ein Bericht von Ferien, welche uns unvergesslich bleiben werden (positiv und negativ) und mir auch den schlimmsten Moment meiner letzten 52 Jahre bereiteten: Gottseidank und unter Mithilfe von einigen Schutzengeln ist aber wieder alles im grünen Bereich.


Samstag, 20. August 2011:
Aufstehen um 06.00 h, Postauto (Bus) um 06.34 h von Engelburg nach St. Gallen, weiter mit dem Zug (Abfahrt 07.11 h) nach Zürich –Flughafen, wo wir uns um 08.30 h am Schalter der US Airways zum check-in einfanden. Dort erklärte ich der freundlichen Dame, ich hätte ein web-check-in durchgeführt, die Bordkarten jedoch nicht drucken können…..

Kein Problem, erhielt sie hier, auch schon für den „connecting flight“, alles in Ordnung, allerdings konnte das Flugzeug in Philadelphia aufgrund schlechten Wetters erst mit einer einstündigen Verspätung starten, was natürlich auch hier in Zürich zu einem verspäteten Abflug (schlussendlich 1 ¾ Stunden) führte.
Macht nichts, dann haben wir in Philly (Ankunft planmässig um 13.35 h local time, Weiterflug nach Denver um 18.05 h local time) weniger Zeit totzuschlagen. Der Flug verlief ereignislos, ausser dass wir Raubrittern der Devisenkurse in die Hände fielen: die Kopfhörer konnten gekauft werden und zwar für USD 5.--, EUR 4.—oder CHF 8.--!!! Das entspricht einem Kurs von 1.60, wo doch der aktuelle USD/CHF Kurs bei knapp 0.80 lag! Anscheinend gab’s Reklamationen,denn der Preis wurde auf CHF 6.—reduziert, immer noch 50 % zu hoch….
Da die Verpflegung an Bord nicht übermässig gross war und wir noch genügend Zeit hatten, haben wir uns noch ein Philly Cheese Steak (eine Art Dürüm…) gegönnt.
Gemäss boarding pass sollten wir von Gate C24 abfliegen: dort angekommen, stand aber „Pittsburgh“ auf dem Display. Nach kurzer Nachfrage wurden wir wieder zurück zum Terminal „A“ geschickt, wo wir gelandet waren. Neues Gate = A10….
Zum Glück ist der Flughafen ja nicht so gross und wir hatten immer noch genügend Zeit. Nach weiteren dreieinhalb Stunden landeten wir pünklich um 20.25 h local time in Denver, wo wir die „immigration“ schnell und problemlos passierten. WE LIKE DENVER!

Am Gepäckband aber ein weiterer Gruss von Dr. Murphy, der uns nicht nur im Vorfeld der Reise begleitet hatte, sondern anscheinend auch während der ganzen Ferien ein treuer Begleiter war, wie sich noch herausstellen sollte:
mein Koffer traf rasch ein, der zweite aber, derjenige von Marlis, kam und kam nicht, bis das Band abgestellt wurde und ein Mitarbeiter mir mitteilte „no more luggage, please contact lost-and-found“. Als Dritter in der Warteschlange dauerte es einige Zeit, bis ich mein Problem der Dame am Schalter schildern konnte. Sie hatte den Koffer auch sofort gefunden: immer noch in Philly, obwohl wir doch beide zeitgleich auf das „Transit-Band“ von US Airways gestellt hatten….!
„In welches Hotel können wir den Koffer morgen schicken?“ wollte sie wissen. Als ich der Dame erkärte, wir würden sofort per Auto von Denver nach Lovell/Wyoming fahren, wo wir morgen um 18.00 h mit Leuten von der Ranch verabredet wären, wollte sie eine genaue Postadresse sowie Fest- und Mobiltelefon Nummer der Ranch haben.
Also rief ich Iris, die Ranchmanagerin, an (zum Glück hatte ich ihre Mobile-Nummer gespeichert) und erklärte ihr mein Problem. Danach zurück zum Schalter, wo natürlich unterdessen wieder eine Schlange von Passagieren wartete. Freundlicherweise liess man mich aber passieren, als ich erklärte, ich müsse nur noch eine Adresse und Telefonnummer angeben. Nach 5 Minuten hatte ich mein Verlustprotokoll mit „file number“ etc in der Hand (we’ll send the luggage to the Ranch asap by FedEx) und wir machten uns auf zu Hertz, um dort unser Mietauto abzuholen.
Da gemäss Auskunft von Iris die Strasse zur Ranch je nach Witterung für „normale“ Autos schwierig werden könnte, entschloss ich mich, vom „midsize“ zum SUV up-zu-graden: als Alternative wurde mir ein Jeep oder ein Chevy Equinox für USD 320.—vorgeschlagen:
Bei „Jeep“ fällt mir immer sofort der „Willy“ ein, welcher in jedem Kriegsfilm zu sehen ist (zum Beispiel George Scott als General George Patton, stehend auf der Beifahrerseite) und daher nicht in Frage kam. Ausserdem erinnerte mich „equinox“ an „equus“ (Pferd), was mir doch mehr gefiel, da wir 2 Wochen mit 1 PS unterwegs sein würden.
Mittlerweile war es schon 22.30 h, als wir unser (reduziertes) Gepäck im SUV (grau, mit 11615 Meilen auf dem Buckel) verstauten. Trotz der fortgeschrittenen Stunde wollte ich doch noch ein paar Meilen hinter uns bringen, damit wir morgen für die rund 800 km etwas mehr Zeit hätten.
Für mich als Besitzer eines mehr als 10 jährigen „Japaners“war der Chevy schon ein hi-tech-Auto, wobei ich mit den Grund-Funktionen keinerlei Probleme hatte.
Den Rückspiegel allerdings konnte ich im ersten Moment nicht richtig einstellen. Aha, dachte ich, der muss wie die Seitenspiegel automatisch bewegt werden, darum hat es ja unter anderem ein grünes „minus“ und ein rotes „plus“ Zeichen am Spiegel.
Also auf das „plus“ gedrückt und den Spiegel mit etwas „Schmackes“ doch noch korrigiert. Plötzlich hörte ich eine Stimme: „how can I help you? Are you in trouble? What happend?“ !!!! Als ich mich verwundert umschaute und keine Ahnung hatte, was los war, fragte die Stimme nochmals, diesmal aber sehr energisch:
“what happened? Do you need help“? Als ich einfach mal dem Spiegel antwortete „Apparently I hit the wrong button, everthing’s all right“ meinte die Stimme: „ok, I’ll disconnect“
Anscheinend war das eine Art „911“ emergency-call, welcher so ausgelöst werden kann…..

Traditionsgemäss setzte jetzt Regen ein, wie immer, wenn wir in Denver sind. Diesesmal aber in Form eines ziemlich heftigen Gewitters, was mir die Weiterfahrt doch etwas vermieste. Also beim nächsten Ort (Loveland, 50 Meilen von Denver) auf Motelsuche gegangen. Best Western und Motel 6 waren voll, doch beim dritten Anlauf bei Super 8 klappte es dann: noch ein Zimmer frei….. Kurz vor Mitternacht fielen wir in’s Bett und schliefen auch sofort ein. Sonntag,

21. August 2011
Heute waren wir um 05.30 h schon wieder wach und haben nach einem kleinen Frühstück („Kaffee“!! und O-Saft) die knapp 800 km nach Lovell/WY unter die Hufe bzw Räder genommen. In Cheyenne und Thermopolis („WORLD`S LARGEST MINERAL HOT SPRING”) machten wir kurze Essenspausen, ansonsten passierte nichts Aussergewöhliches und wir „kennen“ die Gegend ja schon...
Trotzdem oder gerade deswegen genossen wir die Fahrt bei stahlendem Sonnenschein und maximalen Temperaturen von 89 ° F und sahen unterwegs ein Rudel Antilopen am Strassenrand.
Wir waren sogar etwas zu früh am Treffpunkt „Country Store“ in Lovell. Kurz nach 18.00 h fuhr ein Chevy Suburban mit Gepäck auf dem Dach auf die Einfahrt und Jennifer und Debbie begrüssten uns im Namen der Dryhead Ranch. Mit dabei waren die beiden anderen Gäste für die erste Woche: Joanne, eine 21 jährige Holländerin (das erste mal ausserhalb Europas und das erste mal geflogen) sowie Sylvan, ein gut 60 jähriger aus South Carolina.

Wir machten uns auf den Weg und kurz nach Lovell verliessen wir die „reguläre“ Strasse und fuhren in einer guten Stunde rund 35 Meilen zur Ranch: erst ca 10 Meilen noch geteerte Strasse, dann 10 Meilen „gravel road“ und die letzen 14 Meilen nur noch ein staubiger, ausgefahrener Weg aus rotem Staub, manchmal 5-10 cm hoch, immer rauf und runter und in vielen Serpentinen. Ich war froh um meinen 4wd, da sich das Fahren im Staub teilweise doch an fahren im Schnee erinnerte und in den Kurven „schwamm“ ich anfangs.

Der Weg führte durch die „Bighorn Canyon National Recreation Area (Ein Naherholungsgebiet im Bereich der Bundesstaaten von Wyoming und Montana. Der schlammige Bighorn River wurde 1967 durch den Bau des Yellowtail-Damms auf einer Länge von 114 Kilometern aufgestaut. Wegen seiner braunen, leicht grünlichen Färbung erfreut sich der Fluss keiner besonderen touristischen Beliebtheit, auch ist die Umgebung karg und abseitig gelegen. Es ist ein Landschaftsbild, wie man es eher in Utah erwartet. Etwa ein Drittel des Erholungsgebiets liegt auf dem Gebiet der Crow Indian Reservation. Ausgehend vom Bighorn Canyon Visitor Center in der Nähe von Lovell führt eine Straße Richtung Norden am Canyon Rand entlang, vorbei an mehreren Aussichtspunkten.

Die Straße führt durch die Pryor Mountain Wild Horse Range, ein 19 ha großes Gebiet mit Wildpferden, eine der letzten frei lebenden Mustangherden.), wo wir einen kurzen Fotostopp am Devils Canyon Overlook machten und auch noch ein paar „bighorn sheep“ sahen.
Auf der Ranch angkommen, bezogen wir unsere „cabin“, welche aus einem grossen Schlafzimmer mit zwei Queen Betten, einer kleinen Garderobe mit Waschbecken und einem Badezimmer bestand und in einem kleinen Canyon lag.
Im restaurierten „bunkhouse“ sind 6 Zimmer verschiedener Grösse, mit zwei gemeinsamen Badezimmern.
Auf diesem Gebiet ist auch ein „Creek“ und die Pferde der „Wrangler“ laufen hier frei rum. Ausserdem „wohnten“ hier noch eine Ziege und ein „Colt“ (Junghengst/Fohlen, bis ca. 2 Jahre).
Anscheinend fanden im Frühjar ein paar Gäste eine tote Stute auf der Weide mit dem Fohlen daneben. Da dieses von der Herde nicht akzeptiert wurde und keine „Ersatzmutter“ verfügbar war, wurde die Ziege gekauft und das „Baby“ mit der Flasche aufgezogen. Es hat auch noch keinen Namen, sondern ist nur „the colt“. Wenn im Herbst dann die regulären Fohlen von ihren Müttern getrennt werden, wird er wieder zu den anderen kommen: hoffentlich hält er sich bis dahin nicht für einen Geissbock
Um halb acht gab’s dann gemeinsames Nachtessen im „cookhouse“.
Folgendes ist noch zu erwähnen. Da man sich auf der Ranch „wie zuhause“ fühlen soll (das will ich ja eigentlich nicht, ich habe Urlaub….), wäscht auch jeder Geschirr selber ab.
Vor jeder Mahlzeit wird gebetet: entweder von Jennifer oder von einem „Freiwilligen“, den sie bestimmt.
Die Postadresse ist in Wyoming, „physisch“ aber liegt sie in Montana.
Die Ranch umfasst beinahe 21,000 „acres“(gute 80 km2): mehr als 9,000 als Eigentum und mehr als 11,000 von den Indianern geleast.
Zurzeit waren auf der Ranch folgende Personen anwesend:
- Jennifer, Tochter von Joe (verstorben) und Iris Bassett (85 Jahre, managt das Büro) und „boss lady“ auf der Ranch.
- Jackie (Küche), Jennifers Schwester, mit ihrem Sohn Canon (9 Jahre)
- Debbie, eine Freundin aus Texas
- Jess, Tochter von Jennifer, mit ihren Kindern Maddy (3 Jahre) und Cassidy (1 Jahr) sowie ihrem Ehemann Jake, welcher auch „head wrangler“ ist
- Sky, zweiter wrangler mit seiner Frau Christen und ihrem gemeinsamen Sohn Ryan (1 Jahr)
- Sylvan, Gast
- Joanne, Gast
- Marlis und ich

Nach dem Essen zogen sich alle in ihre Zimmer/Cabins zurück und schliefen rasch ein (so ging’s uns jedenfalls).


Montag, 22.August 2011
Frühstück ist für 07.00 h vorgesehen, wir sind aber schon um 06.00 h „unterwegs“ und erste Fotos von Sonnenaufgang, Gelände, Hunden etc. werden gemacht.
Zum Glück ist Jackie schon im „cook house“ anzutreffen und weiss, dass wir „coffee junkies“ sind: sie hat den ersten Pott schon fertig. Ist zwar dünner, aber wenigstens heisser Kaffee.
Nach dem Morgenessen hat Jennifer uns Gästen im Haupthaus, wo sie wohnt und auch der „General Store“ untergebracht ist, erste Informationen zukommen lassen (u.a. verschiedene Brandzeichen, Farben der „ear tags“ etc. erklärt), Bandanas und Sporen verteilt und wir müssen auch den obligaten „waiver“ unterschreiben....
Dann, endlich, um 09.00 h, gingen wir zum oberen „corral“ mit der „cavy“ (eine Herde von Pferden, welche für die Rinderarbeit gebraucht wird), wo Jake 4 Pferde von den rund zwei Dutzend mit dem „rope“ einfing und uns Gästen je eines zuwies:
Marlis kriegte „Homer“ und ich „Husker“, welche wir, nachdem uns die entsprechenden Sättel und Zaumzeuge gezeigt wurden, „reisefertig machten“.
Und dann ging’s auf den ersten Ritt, der Zweck wurde uns nicht mitgeteilt (die beiden cowboys Jake und Sky waren doch recht schweigsame Typen). Auf meine Frage hin erklärte Sky, dass wir Kühe suchen gingen.
Wir fanden auch eine, aber die lag tot auf der Weide. „Könnte Blitzschlag gewesen sein“, war der Kommentar. Weitere Kühe fanden wir nicht, dafür auf dem Rückweg 7 Pferde, welche wir dann nachhause „mitnahmen“.
Nach rund dreieinhalb Stunden waren wir wieder auf der Ranch, wo wir gemeinsam ein kleines Mittagessen einnahmen. Danach war bis halb vier Uhr Mittagspause, um der grössten Hitze (low nineties = gute 30 ° C) zu entgehen.
Die Gäste wechseln jeden Tag ihre Pferde, was einerseits gut ist, weil Du jeden Tag eine neue „Herausforderung“ hast, andrerseits kannst Du keine „Beziehung“ zu deinem „Partner“ aufbauen. Die cowboys reiten jeweils zwei verschiedene Pferde täglich, welche noch in Ausbildung sind und auch noch nicht den ganzen Tag durchhalten würden (erst vier bis fünf Jahre alt). Diese Pferde (auch rund 30 „head“) sind tagsüber im unteren „corral“ untergebracht.
Jeden Morgen gehen Jake und Sky „auf die Suche“ und bringen je eine Herde zur Ranch, meistens fehlen aber immer ein paar, welche sich versteckt hatten.
Nach der Rast trieben wir die „cavy“ aus dem „round pen (corral)“ ein Stück einen kleinen „canyon“ hinauf und entliessen sie dann bis morgen in die Freiheit…
Unterwegs trafen wir auf ein paar Kühe des Nachbarn, welche wir zurück auf ihre Weide trieben und auch übungshalber von Jake und Sky zum „ropen“ benutzt wurden. Nach zwei Stunden waren wir schon wieder zurück: für den ersten Tag genug geritten und vor allem hatte Joanne plötzlich sehr starke Kopfschmerzen (sie trank auch den ganzen Tag fast nichts).
Marlis war mit Homer sehr zufrieden (sehr gut für den „horse drive“, weniger gur für „cattle drive „, wie sich später noch herausstellen sollte). Husker war zwar sehr sicher und folgsam, liess aber für mich etwas „power“ vermissen.
Absatteln, die Pfere tränken und „entlassen“, eine heisse Dusche und dann gab’s schon „souper“.
Wir spürten den jet lag und den strengen Tag und waren daher schon früh im Bett.
PS: gemäss mail von Iris an Jennifer: immer noch keine Spur bei FedEx von unserem Koffer..


Dienstag, 23. August 2011
Auch heute waren wir schon wieder früh aufgewacht und um 06.00 h auf den Beinen. Wie schon in der ersten Nacht hatten wir immer wieder ein Piepsen und Rascheln gehört, wussten aber weder, woher es genau kam noch was es sein sollte.
Da Joanne von einer Maus in ihrem Zimmer erzählt hatte, vermuteten wir auch etwas Ähnliches oder sogar Grösseres. Da klopfte Sky an unsere Türe und fragte, ob er mal im Badezimmer die Bodenluke öffnen dürfe, er vermute, einer seiner Hunde habe Junge unter unserer „cabin“ geworfen.
Und wirklich, nach kurzer Zeit brachte er 5 kleine Border Collies mit. Ein wirklich „herziger“ Anblick!
Frühstück war wie bereits gestern auf 07.00 h angekündigt, aber auch heute dauerte es bis circa 07.30 h, bis alle eintrafen (das sollte sich auch den ganzen Urlaub über durchziehen; die Uhren gehen anderst und Zeiten sind immer relativ…).
Die Pferde warteten schon im „corral“ auf uns und Marlis erhielt „Frito“ und ich „Prince“. Wie schon gestern trieben (eher begleiteten, die wissen den Weg ja) wir die „cavy“ ein paar Minuten in Richtung Weide und schwenkten dann ab, um wiederum Kühe zu suchen.

Die folgenden Stunden werde ich nur in „geraffter Form“ wiedergeben:
Meine Frau Marlis drehte einen kleinen Videoclip von uns drei anderen Gästen und entlässt uns mit „you can go now, bye“. Ich mache einen U-Turn und reite weiter. Da höre ich „Lärm“ und ein galoppierendes Pferd.
Als ich mich im Sattel umdrehte, sah ich Marlis auf mich zu galoppieren und auf der Seite des Pferdes hängen. Ich dachte nur, weg hier, sonst fällt sie unter mein Pferd.
Nachdem ich gestoppt hatte, sah ich Marlis am Boden liegen. Sofort eilten wir alle zu ihr und ich versuchte, sie anzusprechen: erfolglos!
Sky hielt ihren Kopf in seinem Schoss, Sylvan tränkte seine Bandana mit Wasser und wusch bzw kühlte ihr Gesicht, Joanne hielt die Pferde und Jake ritt anscheinend (das merkte ich nicht) auf die Ranch zurück.
Nach gefühlten zwei bis drei Minuten gab Marlis mir Antwort, konnte Finger und Zehen bewegen, sah die richtige Anzahl Finger vor ihrem Gesicht, aber wusste nicht mehr, wo sie war, wer die anderen „Gesichter“ waren oder was passiert war.
Irgendwann kam dan Jake mit dem Pickup und wir fuhren über „Stock und Stein“ rumpelnd auf die Ranch zurück, wo sich meine Frau auf’s Bett legte und „nur schlafen, bin so müde“ meinte. In’s Spital wollte sie nicht.
Sylvan drängte aber darauf und bald hielt Jennifer mit Ihrem „Suburban“ vor unserer cabin und fuhr mit uns nach Lovell in’s Spital. Während der 75-minütigen Fahrt schlief meine Frau mehr oder weniger.
Wir hielten vor der Notaufnahme und sofort kamen Leute rausgesprungen, fragten was los sei und untersuchten sie rasch im Auto, bis jemand mit einem Rollstuhl erschien. Dann ab in den „emergency room“, wo sie genau untersucht (röntgen, CT) und befragt wurde.

Unterdessen wurde ich von S.W. mit den Worten begrüsst: „hi, I’m S.W. from the Financial Department, how do you want to make your deposit and how much do you want to pay?”… Ich akzeptierte Ihren Vorschlag von USD 2,000.—und gab ihr meine VISA .

Unterdessen war auch Iris, welche natürlich informiert worden war, im Spital eingetroffen und wir warteten in der Cafeteria auf Neuigkeiten.
Schlussendlich, nach zwei oder drei Stunden, kam Marlis zu uns und teilte uns mit, dass sie entlassen und alles in Ordnung sei mit ihr: keine inneren Blutungen, Brüche, etc. Auch das Kurzzeitgedächtnis funktionierte wieder. Ich heulte vor Freude.
Was das Reiten anbelangt: „take it easy for the next two or three days“, meinte der Chefarzt.
Und noch eine gute Nachricht dazu: Iris hat unseren Koffer gefunden! Der Koffer war irgendwo bei FedEx, da sie ohne Telefonnummer nicht auslieferten. Anscheinend hat die Dame am Flughafen diese FedEx nicht mitgeteilt, obwohl ich ja extra Fest- und Mobil-Nummer angeben musste!!!!!
Auf der Fahrt zurück sahen wir dann das FedEx Auto weiter vor uns und am vereinbarten Treffpunkt wurde uns wirklich der fehlende Koffer übergeben. Ende gut – alles gut. (Bis heute kann meine Frau aber nicht sagen, was genau passierte. Wahrscheinlich hat ein Reiter, der an ihr vorbeitrabte, während sie die Kamera versorgen wollte, ihr Pferd dazu verleitet, auch anzutraben, woraufhin sie aus dem linken Steigbügel und auf die Seite rutschte, was Frito noch mehr verwirrte und er angaloppierte, um dem anderen Pferd zu folgen….)
Zurück auf der Ranch legten wir uns hin und Marlis war auch sofort wieder eingeschlafen. Kurz darauf kamen die anderen zurück, trieben ein paar Kühe an unserer „cabin“ vorbei und erzählten uns, sie hätten einen Bären gesehen, inmitter der Kühe!
Ausgerechnet, wo wir nicht dabei waren: seit 1992 warten wir darauf, einen „richtigen“ Bären in freier Wildbahn zu sehen. Bad luck!
Das Nachtessen liess sich Marlis aber nicht entgehen, wenn auch nur kurz. Dann wieder früh zu Bett, um ein paar zusätzliche Stunden Schlaf zu ergattern.


Mittwoch, 24. August 2011
Der lange Schlaf hat Marlis anscheinend gut getan: „nur“ Schmerzen in der Hüfte und dem „verlängerten Rücken“, aber kein Schwindelgefühl oder Kopfweh. Auf meine Frage, was sie heute machen wolle, antwortete sie nur: „Ob ich im Bett liegen oder hier sitzen bleibe oder ob ich im Sattel bin, die Schmerzen bleiben gleich….“
Somit stand einem weiteren „Arbeitstag“ nichts mehr im Weg…
Dieses Mal erhielt Marlis wieder „Homer“ und mir wurde „Patches“ zugeteilt. Wie der Name schon sagt, ein Pferd mit vielen Flecken: ICH LIEBE PAINTS!!
Kommentar des Cowboys: „he likes to go fast and to be first in line“: genau, was ich mir wünsche: nicht ein-sich-von-A-nach-B-tragen-lassen sondern „richtiges Reiten“.

Heute war ein Tag zum Kennenlernen der Gegend angesagt, wobei natürlich immer auf (fremde) Kühe geachtet wurde.
Um 09.00 h ging’s los und beim ersten Tor fragte ich: „shall I handle the gate?“
„yes, thank you“ war die Antwort.
Als ich absteigen wollte, meinte Jake nur: „try it with the horse“…
Ui, ich hatte vor 20 Jahren in der „Western Reitschule“ das lezte mal probiert, ein Gatter auf dem Pferd zu schliessen. Das Öffnen ging ja noch, aber das Schliessen war gar nicht einfach, vor allem, wenn das Tor „frei schwingt“ und immer wieder auf die andere Seite geht.
Da aber „Patches“ ein geübtes Pferd war und Jake mir immer wieder kleine Tipps gab, wie ich dem Pferd meine „Befehle“ übermitteln solle, hat es nach gefühlten zwei bis drei Minuten doch noch geklappt (auf dem Video sieht man, dass es doch erheblich schneller ging) und ich war doch ein klein wenig stolt.
Bei dieser Gelegenheit haben wir „Profis“ den beiden „greenhorns“ Joanne und Sylvan die „cowboy courtesy“ an gates erklärt:
man wartet, bis der „Pförtner“ wieder im Sattel sitzt, bevor man weiterreitet und beim Durchqueren der Öffnung im Zaun bedankt man sich.
In den nächsten fünf Stunden zeigten uns Jake und Sky Teile der Ranch, welche wir noch nicht gesehen hatten und wieder wurden ein paar Nachbarskühe gefunden und auf ihre Weide zurückgebracht.
Ausserdem meinte Jake, die Kühe sähen kränklich aus und bräuchten eine Lederbehandlung?? Als wir nur verständnislos schauten, meinte er lächelnd, sein „rope“ sei aus Leder….
Als wieder gegen 14.00 h auf der Ranch von den Pferden stiegen, fühlten wir uns alle ziemlich steif an und Sylvan meinte, er hätte Probleme mit seinen Knieen und würde deshalb am Nachmittag nicht mehr reiten.
Somit waren am Nachmittag nur noch Jake, Joanne, Marlis und ich unterwegs und auf meine Anregung hin ritten wir rund eine Stunde lang mehr oder weniger nur im „trott“ oder sogar „lope“ durch die Gegend: das war einfach SUPER!
Völlig erschöpft nahmen wir rasch das Nachtessen ein und gingen wiederum früh schlafen.


Donnerstag, 25. August 2011
Am heutigen Morgen wurden wir nicht –wie bisher- von Sonnenschein geweckt, sondern der Himmel war grau und es fielen sogar ein paar einzelne Regentropfen.
Bei der Pferdezuteilung erhielt dieses mal Marlis ein anderes Pferd: „Conegar“, und ich durfte wieder „Prince“ reiten: Dieses Mal hoffentlich länger als am Dienstag.

Wir ritten wieder um 09.00 h los und gingen Kühe suchen. Auf einer Anhöhe hielten wir an und Jake meinte: „Mike, siehst du die beiden Kühe dort hinten?“
Anfangs sah ich nichts und später mit viel gutem Willen zwei „schwarze Punkte“ bei einem kleinen Wäldchen. „ja, ich glaube schon…“
„OK, dann hol sie zusammen mit Marlis und bringt sie zurück auf die „Strasse“, wir reiten hier weiter…“
Ich merkte mir ungefähr, wo die paar Bäume waren und wir ritten los. Nun ist das Gelände ja aber nicht topfeben und nach einer Weile waren wir in einem kleinen Canyon und sahen natürlich die Bäume nicht mehr. Aus dem Canyon raus, sahen wir dann buchstäblich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, geschweige dann die beiden Kühe.
Wir trennten uns und Marlis ritt höher hinauf, ich schaute im Gebüsch entlang des Wassers nach. Als wir schon beinahe aufgeben wollten, sah ich plötzlich die beiden Ausreisser und da oben noch zwei, und noch drei und da hinten waren auch noch ein paar und und und. Als wir die rund zwei Dutzend Kühe zu einer kleinen Herde zusammentreiben wollten, kam und (gottseidank) Sky mit seinem Hund zu Hilfe.
Wir trieben die Kühe nicht im rechten Winkel (wie ich es gemacht hätte) zurück auf die Strasse (irgendwo müsste sie ja dann auftauchen), sondern rund 1 Meile im Canyon (da können sie nicht so gut abhauen) und erst dann in Richtung Strasse, wo bei einem kleinen Tümpel schon die anderen auf uns warteten.
Zum „Dank“ erhielten wir ein „high five“ und „good job“ von den beiden Profis.
Auf dem Heimweg „fanden“ wir ein paar Pferde, welche sich am Morgen dem Zugriff von Jake entzogen hatten und brachten sie mit auf die Ranch. Ausserdem entdeckten wir drei ungebrannte Kälber, welche auch mitgetrieben wurden.
Nach rund dreieinhalb Stunden waren wir zuhause, assen einen kleinen Lunch und machten Pause bis circa 16.00h, dann sollten die Kälber gebrannt und kastriert werden.

Um vier Uhr ging’s los und jedermann/frau war im „corral“ anzutreffen, sogar die kizz wollten sich das nicht alltägliche „Schauspiel“ nicht entgehen lassen.
Die beiden Cowboys fingen jeweils ein Kalb mit dem Lasso ein (gar nicht so einfach, wenn sich die Mütter immer einmischen…) und Jess und Christen, die beiden Frauen von Jake und Sky, fesselten die Beine der Kälber, entmannten sie und brannten ihnen die verschiedenen Zeichen ein.
Nicht nur die betroffenen Tiere, sondern mehr oder weniger alle Tiere waren am Muhen und es rauchte und roch stark: daily business auf einer cattle Ranch.
Nachdem „wir“ fertig waren, trieben wie die „cavy“ rund eine Stunde lang zurück auf eine andere Weide und auf dem Rückweg konnten wir wieder ein wenig „trotten“ und „lopen“: sogar Sylvan hatte (mehr oder weniger) Spass daran.
So gegen halb acht Uhr waren wir zurück und Jackie hatte schon den „cowboy grill“ angeworfen und wartete mit dem Essen auf uns, welches wir draussen an (Plastik) Tischen und -bänken einnahmen.
In dopppelter und gebutterter Alufolie eingewickelt: ein Hamburger, geraffelte Karotten, Kartoffeln und Zwiebeln und das rund 45 Minuten bei mittlerer Hitze auf dem Feuer, dabei einmal wenden. Werde ich auch mal probieren.
Da die Ranch auf Indianergebiet liegt, ist jeglicher Alkohol verboten. Manchmal vermissten wir schon ein Gla Rotwein oder auch ein eiskaltes Bier…
Heute gingen wir relativ spät schlafen.


Freitag, 26. August 2011
Letzter Reit-Tag für Sylvan, er reist morgen ab.
Welches Pferd kriege ich wohl heute? Wir waren ganz gespannt, denn wie wir festgestellt hatten, waren es mehr oder weniger immer die gleichen 10 Pferde, welche von uns Gästen geritten wurden.
„Jerry“ war zum zweiten mal im Einsatz: nach Joanne durfte auch Marlis heute mit ihm zur Arbeit, was immer wir heute auch machen sollten.
Ich freute mich sehr, als Jake wiederum „Patches“ für mich einfing.
Jake informierte uns, dass wir heute zum „fish-burn“ reiten würden, um dort 4 Salzblöcke auf die Weide zu bringen. Anscheinend fehlt es den Kühen an Salz, weshalb man nachhelfen muss.
Die Salzblöcke waren circa 30 x 30 x 30 cm gross und ziemlich schwer. Darum wurden sie auf ein Packpferd verladen. Ein alter Bekannter: „Frito“ wurde anscheinend aufgrund seines Benehmens vom Dienstag zum Packpferd degradiert.

Um 09.00 h waren wir bereits unterwegs und erreichten nach drei Stunden unser Ziel: ein kleines Bächlein und einige Bäume. Rund 200 „head of cattle“ waren bereits vor Ort.

Mir passierte noch ein kleines Missgeschick, als ich die anderen beim Üeberqueren des Wassers filmte und als letzter losreiten wollte. Erst liess ich mein Pferd noch saufen und gab natürlich lange Zügel. Die laufende Kamera in der Hand ritt ich los, ohne die Zügel zu kürzen……
Beim Hochreiten auf der anderen Seite trabte „Patches“ los und wollte sogar angaloppieren. Mit den langen Zügeln konnte ich natürlich nicht korrekt lenken und bremsen und ich knallte in Marllis bzw. „Jerry“…
Wieder was gelernt: vor dem Losreiten immer die Zügel korrekt in die Hand nehmen.

Jake meinte, wir würden noch rasch Kühe suchen gehen, welche sich vielleicht hinter oder auf dem nächsten Hügel versteckt haben könnten.
Marlis hatte doch einige leichte Schmerzen und beschloss, im Schatten auf uns zu warten. Nach kurzem Zögern schloss sich Sylvan ihr an. Seine Knie machten ihm wieder zu schaffen.

Unterwegs flickte Sky noch behelfsmässig einen Zaum mit „barbwire“ (Stacheldraht) und dann teilten wir uns auf:
Joanne und Sky ritten rechts und Jake und ich links herum, wobei wir das schwierigere Stück erwischten: Gebüsch und „uphill“.
Das erstere zwang uns doch immer wieder zu kleinen Umwegen und teilweise ging es sehr steil aufwärts. Immer schön im „zigzag“.
Oben angekommen, hatten wir eine wunderbare Aussicht und sahen auch, dass die beiden anderen ein paar Kühe gefunden hatten und zurücktrieben. Wir blieben erfolglos und Jake benützte die Gelegenheit, die Toilette aufzusuchen.
Man stellt sich auf die den allfälligen Betrachtern abgewandte Seite des Pferdes und in den Wind…..
Ich fragte mich im Stillen, wo wir wieder runterreiten wollten, denn es ging doch sehr steil abwärts und der Boden war zum Teil etwas felsig. Aber ich liess „Patches“ lange Zügel und er suchte sich den Weg mehr oder weniger selber (vielleicht war doch bei den Ur-Eltern noch eine Bergziege im Stammbaum??).
Das alles dauerte eine knappe Stunde und so machten wir Gäste –nachdem wir die Pferde im Schatten angebunden hatten- von 13.00 h bis 14.00 h Mittagspause und assen unsere mitgebrachten Lunchpakete. Joanne hatte wieder Kopfschmerzen und nahm gerne eine Schmerztablette von Marlis an.
Die beiden cowboys verschlangen nur rasch ein Sandwich und beschäftigten sich mit „ropen“: ob zu Übungswecken oder ob sie eine fremde „mama cow“ gefunden hatten, wussten wir nicht. Auf jeden Fall blieben sie fast eine Stunde „verschollen“ und wir warteten, bis es wieder weiterging.

Es war wieder sehr heiss und die Wasserflaschen waren mehr oder weniger leer. Da freuten wir uns natürlich sehr, als wir eine Quelle mit gutem und sehr kaltem Wasser fanden.
Der Rückweg war schneller und so erreichten wir schon um Viertel nach Vier die Ranch Leider sah ich beim Absatteln, dass sich „Patches“ hinter dem linken Vorderbein in den Hautfalten eine kleine Verletzung zugezogen hatte, nichs Schlimmes, aber Jake meinte doch, das Pferd bräuchte ein paar Tage Ruhe und die Wunde wurde auch mit Salbe eingeschmiert.

Um sich abzukühlen, hatten die Kinder ein „slippy slide“ im Rasen aufgestellt: eine Plastikbahn, welche bewässert und somit rutschig gemacht wird. Jake liess sich die Gelegenheit natürlich nicht entgehen und zur Freude aller machten Joanne und ich den Spass in voller „Cowboy Montur“ ebenfalls mit.

Heute gab’s Steaks, Maiskolben und Kartoffeln mit sour cream zum Nachtessen. Leider war das Fleisch für unseren Geschmack zu gut durchgebraten, nicht gerade „well done“, aber wir lieben es halt doch „medium-rare“ Als Nachtisch nahmen wir uns nur etwas Eis mit ein wenig „whipped cream“, auf all die vielen verschiedenen und farbenfrohen „toppings“ verzichteten wir aber.

Da am Wochenende nicht geritten wird und die abreisenden Gäste jeweils am Samstagmorgen so gegen 10.00 h zum Flughafen nach Billings gebracht werden, tauschten wir schon heute die mail Adressen aus und Jennifer machte Gruppen- und Einzelfotos.

Leider verschwanden danach alle Leute mehr oder weniger schnell und nicht nur, weil Ryan und Cassidy die Windeln voll hatten.
Aber da es auch wieder ein langer Tag gewesen war, fielen wir müde in’s Bett und schliefen auch schnell.

In der Nacht hörten wie Hundegebell, Knurren und auch „Schritte“ auf unserer Veranda: wahrscheinlich wieder die Ziege, die uns auch schon morgens beim Türöffnen entgegen ge-määhht hatte.


Samstag, 27. August 2011
Heute morgen erwartete uns „Tips“, ein 4 Monate alter Hund mit flatternden Knick-Ohren auf der Veranda.
Wie sich in den kommenden Tagen noch herausstellen sollte, hatte er uns anscheinend adoptiert und schlief vor unserer Türe und verteidigte sein Revier auch gegen andere Hunde, die Ziege und wohl auch gegen den Colt. Er begleitete uns auf dem Ranchareal auf Schritt und Tritt und wenn wir vom Reiten nachhause kamen tauchte er aus dem Nichts auf und begrüsste uns freudig.

Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von Sylvan, da wir (zwangsweise) einen freien Tag und Joanne offeriert hatten, mit uns einen Tagesausflug in der näheren und weiteren Gegend zu machen.
Erstes Ziel Cody, welches knapp 60 Meilen entfernt liegt. Wir informierten Jennifer, dass wir so gegen 20.00h spätestens zurück sein wollten.

Unterwegs machten wir nochmals einen kleinen Fotostopp im Bighorn Canyon, dieses mal waren weder wilde Mustangs noch Bighorn Sheep zu sehen, wir hatten also letzten Sonntag grosses Glück gehabt.
In Lovell fuhren wir durch eine Autowaschanlage, weil unser Chevy doch ziemlich voll von rotem Staub war. Eine neue Erfahrung für uns: die verschiedenen farbigen Waschmittel beim Autowaschen: sah lustig aus und wurde natürlich von innen fotografiert.

Weil Marlis und ich schon zweimal in Cody gewesen waren und auch jedes Mal im Buffalo Bill Museum, luden wir Joanne vor demselben aus und verabreteten, sie in knapp anderthalb Stunden wieder abzuholen.
Wir beide wollten etwas shoppen gehen und schauen, ob wir eine Radlerhose für Marlis finden würden, was ihr das Reiten vielleicht etwas angenehmer machen könnte. Wir wurden nicht fündig, dafür entdeckten wir ein kleines Kaffeehaus, welches von zwei älteren Damen geführt wurde und ausgezeichneten Kaffee ausschenkte. Ich denke, weil wir sagten, wir wären aus der Schweiz und schon zweimal in Cody gewesen, erhielten wir eine Sonderbehandlung und der Kaffee wurde mit viel Liebe zubereitet.

Unterdessen war es Mittag und für den kleinen Hunger zwischendurch kauften wir uns eine „slice of pizza to go“ und ein Wasser. Danach ging’s zurück zum Museum, wo wir etwas zu früh eintrafen und noch die ersten Souvenirs kauften: 2 CDs mit Country Music, Postkarten und zwei kleine Gewürzmischungen.
Im Shop trafen wir auch Joanne, welche sich mit den ersten Souvenirs eindeckte. Danach ging’s nochmals die „Einkaufsstrasse“ rauf und runter, um Sporen für alle und einen Ledergürtel und einen „buckle“ für Joanne zu suchen. Ausserdem brauchte sie noch ein paar Kleinigkeiten für ihre kleinen Schwestern.
Sporen, Gürtel und „buckle“ waren zu teuer, also liessen wir es bleiben und nur zwei indianische Beutel für die Schwestern sowie ein Stück Pizza für Joanne wurden gekauft.

Danach entschlossen wir uns, über den Chief Josef Scenig Byway und den Beartooth Highway nach Red Lodge zu fahren, einem kleinen Städtchen, welches auf 5,555 feet über Meer liegt und auch ein bekanntes Skigebiet ist.
Dabei überquerten wir den Beartooth Pass mit seinen 10,947 feet elevation, was 3,336.53 Meter ü.M. entspricht. Die Landschaft war sensationell und mit den Bergen, Seen, Wäldern und Wiesen konnte man sich beinahe auf eine Schweizer Alm versetzt fühlen.
Es lag sogar teilweise Schnee neben der Strasse. Es waren gemäss Karte etwas mehr als 160 km von Cody nach Red Lodge und von da nach Lovell knapp 120 km, was sehr knapp reichen sollte, um rechtzeitig zuhause zu sein.
Leider hatten wir unterwegs nicht nur 2 Baustellen, sondern auch zweimal einen seehhr langsamen Autofahrer vor uns und das Überholen war lange unmöglich: entweder überholen verboten oder Gegenverkehr.
Somit dauerte die Fahrt doch länger als geplant und wir trafen erst knapp nach sechs Uhr in Red Lodge ein, wo wir uns im Foster & Logans Pub & Grill ein Nachtessen gönnten.
Das Essen war gut, die Bedienung weniger. Es dauerte und dauerte und als wir reklamierten, kamen dann plötzlich die „appetizers“ mit den Hauptspeisen.
Joanne war sehr erstaunt über das „free-refill“ beim Cola und wir tranken in der Wartezeit eine Flasche sehr guten „White Zinfandel“

Als wir wieder losfuhren, dämmerte es schon und ich wusste, es wurde nichts mit pünklich zuhause ankommen. Das „Glück“ blieb uns treu und wir hatten wieder zwei Baustellen mit einer kleinen Umleitung, sodass wir erst um 22.15 h auf der Ranch eintrafen (in Lovell hatten wir noch getankt und ein Dutzend „starbucks double shots“ eingkauft…).

Jennifer hatte noch Licht und war anscheinend aufgeblieben. Aufgrund unserer späten Heimkehr wurde das morgige Frühstück von 07.30h um eine Stunde verschoben und wir legten uns alle müde schlafen. (Natürlich hatte „Tips“ auf uns gewartet….


Sonntag, 28. August 2011
Auch am Sonntag wird nicht geritten und wir waren nur zu dritt auf der Ranch.

Während wir in der Küche auf das Frühstück warteten, sahen wir plötzlich einen Bären den Hügel hinauf laufen, etwas 50 Meter Luftlinie entfernt. Ich hatte meine Kamera zur Hand, Joanne aber ärgerte sich wahnsinnig, weil ihre (mit dem Riesen-Zoom)in ihrem Zimmer lag. Endlich, unser erster „richtiger“ Bär in freier Laufbahn, nach 20 Jahren USA…(das Bärenbaby in Canada von gaaanz weit weg mal ausgenommen)!!

Nach dem Morgenessen zeigte uns Jennifer den „buffalo jump, der auf dem Gelände liegt: eine hohe und steile Klippe, über welche die Indianer früher die Büffel trieben, als sie noch zu Fuss und ohne „Feuerwaffen“ auf die Jagd gingen.
Am Fuss der Klippe konnten dann die Tiere notfalls noch getötet und schlussendlich verwertet werden: nichs blieb übrig. Fleisch wurde getrocknet, das Fell wurde zu Mänteln u/o Decken verarbeitet, die Sehnen zum Nähen benützt, aus Knochen Werkzeuge, Spielsachen oder Waffen gemacht etc.

Noch heute werden von der Ranch jedes Jahr ein paar Schulklassen zu einem kleinen Camp eingeladen, wo die Kinder Ausgrabungen machen können und Knochen und manchmal sogar Pfeilspitzen etc finden.

Den Rest des Tages verbrachten wir mit Lesen, ein wenig Internet-Surfen (seehhr langsam), faulenzen und zu Mittag gab’s eine Tomatensuppe mit Toast und Früchten zum Dessert.

Gespannt waren wir natürlich auf den neuen Gast, welcher gegen Abend auf der Ranch eintreffen sollte.
Kurz nach sieben Uhr traf der „convoy“ aus drei Autos auf der Ranch ein und wir sahen jemanden mit einem Rollkoffer zum „bunkhouse“ gehen.
Der erste Eindruck von weitem: wahrscheinlich wegen der Glatze etwas älter als wir (stimmte dann auch), dafür aber etwas „rundlicher  und nicht zu schnell zu Fuss unterwegs.
Wir gingen uns vorstellen und er erklärte, er heisse „Al“(bert), sei aus Louisiana und das letzte Mal vor mehr als 10 Jahren geritten (später dachte ich, das sei wahrscheinlich auf einem Karussellpferd gewesen) und der Aufenthalt auf einer „working Ranch“ sei ein Punkt auf seiner „bucket list“.

Das Nachtessen fand um 20.00 h statt und es gab eine sehr gute Fleischsupppe mit Kartoffeln und Gemüse und als Nachtisch selbstgemachte „brownies“. Trotz oder wegen des „lazy days“ waren wir müde und wir zogen uns in unsere „cabin“ zurück, wo wir noch ein paar Minuten lasen: Morgen geht’s ja wieder früh los. Yeehaaa!

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2011 / April: 2 Wochen Apache Spirit Ranch, Arizona

Am Freitag, 8.4.2011, ging's wieder los:

09.18 h Postauto von Engelburg nach St. Gallen
09.42 h Zug von St. Gallen nach ZH-Flughafen, Ankunft 10.41 h
13.05 h Flug mit Swiss nach Chicago, Ankunft 15.45 h local time, Terminal 5
19.20 h AbflugTerminal 3 mit AA nach Tucson, Ankunft 21.00 h
dort abgeholt von Ranch-Shuttle und ca 90 Minuten Fahrt auf die Ranch

Soweit die Theorie:
Zwei Tage vor Abflug erreichte mich ein mail von der Ranch: am 8.4.2011, ab 19.00 h, wird die Strasse wegen „road work" bis am Samstag, 9.4.2011, 09.00 h, gesperrt: Wollen wir in Tucson auf Ranchkosten übernachten und am Samstag morgen abgeholt werden oder wollen wir eine Umleitung mit einer Fahrzeit von ca 4 Stunden in Kauf nehmen?

Wir wählten die zweite Variante: besser spät ankommen und dafür am nächsten Morgen schon auf der Ranch sein, als vom Flughafen in ein Hotel zu wechseln, dort herumzuhängen und schon frühmorgens wach zu sein (jetlag) und zu warten, bis wir abgeholt werden.

Bei sonnigem, frühlingshafem und warmem Wetter machten wir uns auf den Weg, bis Chicago klappte auch alles wunderbar (local time = minus 7 Stunden)
Dort war es regnerisch und 50° F „warm" (ca 10° C), wir holten unser Gepäck und gaben es wieder auf (Immigration ca 1 Stunde Wartezeit....) und wechselten mit der Hochbahn ins Terminal 3. Dort mit Schrecken festgestellt: ALLE (bis auf 2 oder 3 Ausnahmen) Flüge waren gecancelled oder um genau eine Stunde verschoben, d.h. statt 19.20 h erst um 20.20 „scheduled". Da auf dem Inland Flug keine Mahlzeiten angeboten werden (ausser gegen Bezahlung) und wir uns bei Swiss auch nicht überfressen hatten, schlugen wir uns die Zeit mit Sandwiches, Starbucks Kaffee und Lesen tot.

Um 19.35 h sollte mit" boarding" begonnen werden, es warteten aber soviele Passagiere „stand by" oder auf „upgrades", dass sich das ganze etwas verzögerte.
Um 20.15 h waren dennoch alle im Flieger und ich war schon frohen Mutes, dass es jetzt endlich weitergehen würde, aber der Captain informierte uns, dass das Flugzeug nur zu einem Drittel gefüllt sei (sahen wir auch) und dass es deshalb nochmals einen Sicherheits - Check geben würde (sahen auch Leute mit Taschenlampen um's Flugzeug gehen): so habe ich es jedenfalls verstanden: der Dialekt und die Lautsprecheranlage waren „suboptimal".

Kurz nach 21.00 h starteten wir dann endlich und kamen nach knapp dreieinhalb Stunden um 22.20 h local time (zwei Stunden hinter Chicago zurück) in Tucson an. Dort konnten wir innert Minuten das Gepäck in Empfang nehmen und am Ausgang wartete auch schon ein Cowboy mit einer „Apache Spirit Ranch" Tafel auf uns: David, Mitt-Sechziger, Deputy-Marshall in Tombstone, genannt „dangerous Dave", wie er uns später mitteilte. Den" nickname" erhielt er, weil er mal„packed" (bewaffnet) an einem Ort war, wo er es nicht hätte sein sollen....Ausserdem war er früher als Marlboro-Man in der entsprechenden Werbung zu sehen.

Aufgrund des geringen Verkehrs und weil wir nur ca 20 Meilen der Umleitung fahren mussten, dauerte es nur zwei Stunden, bis wir endlich am Ziel waren: Um halb eins in der Nacht konnten wir unsere Junior-Suite im „Grand Hotel" beziehen (alle Zimmer hatten ein eigenes Thema: jail, blacksmith, Wyatt Earp, bordello, etc) , wo auch noch ein Teller mit einem Sandwich und Nachos sowie eine Flasche Wasser auf uns warteten. Schnell das Sandwich verschlungen und nur das Nötigste ausgepackt, dann gingen wir sofort schlafen.

Samstag, 9.4.2011
Kurz nach 05.00 h wachten wir schon auf und bereiteten uns erst mal zwei Kaffees zu: eine Maschine mit Kapseln und „half&half" war ja im Zimmer.
Danach wurde ausgepackt und alle Sachen auf die beiden Zimmer verteilt.

Es war wieder kalt und eine kühle Bise ging auch noch: trotzdem erst mal die ersten „corrals" bzw Pferde besucht, dann die „Mainstreet" auf und ab und natürlich erste Fotos geschossen.
Ausserdem haben wir über die Tafel mit „welcome Mike & Marlis" gefreut.

So gegen 07.00 h trafen wir Gaby von der Rezeption: auch ein „early bird", war sie schon früh unterwegs.
Als erstes die Meldekarte und den „waiver" unterschreiben und abgeben, dann die ersten Infos betreffend Ranch. Ausserdem haben wir unser erstes indianisches Wort gelernt:
„vegetarian" is an old indian word for bad hunter....

Um 08.00 h war „breakfast" angesagt (normalerweise mit „hashbrowns", Bratkartofeln, Speck, Würstchen, Früchten sowie „eggs any style": fried, sunny side up, both sides, scrambled..und wir trafen im Speisesaal die ersten Gäste, welche uns aufforderten, doch bei ihnen am Achtertisch Platz zu nehmen, es waren gerade noch zwei Plätze übrig (was sich in den kommenden Tagen als Glücksgriff entpuppte, wir trafen wirklich auf Gleichgesinnte und die Chemie hat sofort gestimmt).

Es waren dies die Bayern Ludwig „Wiggerl" und Christine, Susi und Christian sowie die Braunschweiger Britta und Andy, nickname „shakin.
Nach dem Frühstück übten sich die Männer ein wenig im „horseshoe-pitching" (Hufeisen-Werfen), was gar nicht so einfach war.

Danach war für einige von uns „loping lessons" (Galopp-Lektionen) im „round pen" (Arena) angesagt und wir lernten die ersten Pferde der Ranch kennen:
Chewy (sah aus wie Pippis „kleiner Onkel"), Cochise und Sundance. Leider dauerte das nicht sehr lange und Marlis und ich konnten (mussten?) je nur ein paar Runden drehen, dann ging's auch schon zum Lunch (Hamburger zum selber Belegen mit den üblichen Zutaten).

Dann war endlich um 14.30 h der erste „trail-ride" angesagt: sieben Gäste sowie die beiden „wrangler" Brad und Eunice machten sich nach der Pferdezuweisung leicht verspätet auf den Weg: Marlis ritt Johnny Ringo, den Namen meines Pferdes weiss ich nicht mehr (so ähnlich wie Chili??).

Die Gegend war wirklich einzigartig und neu für uns: viele Steine, viele Kakteen, viele Gebüsche und -wenn überhaupt vorhanden- nur kurzes, braunes Gras.
Da blieb uns nicht viel mehr übrig, als „nose-to-tail" (Nase-an-Schweif) zu reiten,vor allem, da Marlis und ich die einzigen „Profis" waren: die meisten Gäste hatten keine oder wenig Reiterfahung, v.a. im Westernreiten. Auch betrefend „outfit" hatten wir die Nase vorn: keiner ausser uns hatte „chaps" (die Leder Beinkleider) dabei.

Die esten wilden Tiere haben wir auch gesehen: ein Hase, der hakenschlagend im Gebüsch verschwand sowie drei über uns kreisende „turkey vultures" (Truthahn Geier): warteten die etwa auf uns???
Nach rund einer Stunde waren wir zurück auf der Ranch und „durften" die Pferde abgeben zum Absatteln: als wir uns nämlich am Zaumzeug zu schaffen machten, hat Eunice sofort interveniert, das dürften wir nicht: Auf- und Absatteln sei Sache der wrangler!
Schade, wir hätten uns gerne selber um die Pferde gekümmert.
Aber so haben wir eben den ganzen Urlaub über diesbezüglich keinen Finger gerührt (als mir einmal „grosszügigerweise" das Lösen und Versorgen des Sattels angeboten wurde, habe ich dankend abgeleht: alles oder nichs).

Nach dem „Frischmachen" wurde die Zeit bis num Nachtessen mit Nichtszun bzw Tratschen überbrückt und nach dem dinner gingen wir wieder früh in's Bett.

Sonntag, 10.4.2011
Heute wird den Pferden ein Ruhetag gegönnt, also wird nicht geritten.

Wir litten immer noch unter dem „jetlag" und waren deshalb wiederum früh auf den Beinen. Draussen war's immer noch kalt, windig und auf den Dächern bzw den Holzbänken etc lag Rauhreif!!! Dabei wollten wir doch in die Sonne reisen und haben die Schweiz bei Frühlingstemperaturen verlassen....

Der Morgennebel hat erstens wunderbare Bilder ermöglicht und sich zweitens ziemlich rasch aufgelöst: es wurde sonnig und die Temperatur stieg doch deutlich an.

Nach dem Frühstück machten wir uns unter der Leitung von Yvonne und Jack Wheeler (vielleicht bekannt aus Pullmann City oder „die Auswanderer") sowie dem Apachen Jesus auf den Weg nach Fairbanks, einer kleinen Geisterstadt.
Nach kurzer Fahrt mit den Autos waren wir am Ziel und wir (Marlis und ich) hatten schon „interessantere" und grössere „ghost-towns" gesehen: den anderen der Gruppe hat's wohl gefallen.

Nach einem kleinen Besuch in der alten Schule, wo wir uns auf die winzigen Stühle quetschten, machten wir uns auf den „San Pedro River walk", welcher schlussendlich länger dauerte als geplant.
Jesus hat uns viel über die Gegend erzählt und wir wanderten dabei flussaufwärts, sahen eine Art Fischreiher und mussten schlussendlich wieder den Fluss überqueren: leider war keine Brücke vorhanden.
Da „unser" Jesus nicht über's Wasser gehen konnte, musste er wohl oder übel durch dasselbe waten. Um meine „cowboy boots" zu testen, tat ich es ihm nach und wir fanden einen Baumsttamm, welcher den anderen dann als „Ueberquerungshilfe" diente (meine Stiefel waren dicht...).


Pünktlich zum lunch waren wir wieder zurück auf der Ranch und am Nachmittag war zuerst „storytelling" mit anschliessendem „wikiup-repair" (Flicken einer Indianerhütte) mit Charlie, einem Yaqui Indianer, angesagt, gefolgt von einem anschliessenden „horse painting".

Während Britta, Susi, Christine und Marlis lieber zuhören und „wigwam-basteln" wollten, machten sich die Männer (Andy, Wiggerl, Christian und ich) mit Jack auf den Weg in die Scheune, wor wir verschiedene „Schiessereien" (Büffel, im Wald und bewegliche Zielscheiben) am Simulator hatten.
Ich habe mich nach einiger Zeit (nicht nur, weil ich nichts traf) verabschiedet und ging zum Pferde bemalen, das hat mich mehr interessiert.
(Das Geschichteerzählen dauerte etwas länger und so wurde das wikiup nicht repariert...).

Charlie hat uns dann kurz in die Bedeutung des Anmalens der Pferde durch die Indianer eingeführt (kann aber je nach Stamm/Region auch andere Bedeutungen haben):

rot = Blut, schwarz = Tod, blau = Wasser, braun = Erde
Auf die Frage, wozu denn „orange" diene, meinte Charlie: Keine Ahnung, diese Farbe war eben auch dabei :-)

Folgende Stellen werden bemalt:
Kruppe, Hals, Brust, Fesseln/Hufe/Nasenrücken, der Rest muss frei bleiben (wussten wir aber damals noch nicht)

Mögliche Bedeutungen der Symbole, welche dem Pferd „power" vermitteln sollen:

Kreis um Auge: Wachsamkeit/Aufmerksamkeit schärfen, Symbol für Anfang und Ende
Hände auf Brust: hat Feinde niedergetrampelt
Hände auf Kruppe: ist heil mit Reiter von gefährlicher Mission heimgekehrt
Blitz: gibt Kraft in die Beine zum „Tot-Trampeln" mit den Hufen
Ringe/Striche auf Hufen, Fesseln, Nasenrücken: Anzahl der getöteten Feinde oder Teilnahmen an Kriegszügen

Im Eifer des Gefechts haben einige (weibliche) Maler (Susi??) ihrer Fantasie freien Lauf gelassen und die Pferde mit Schnecken, Smileys, Sonnen, etc in allen Farben bemalt:
poor horses
Die Farbe löst sich zum Glück wieder auf, aber sehr langsam: einige Verzierungen waren bei unserer Abreise immer noch sichtbar.

Zum dinner gab's heute Salate, Früchte, Maiskolben, „country fries" und S T E A K S zum Abwinken vom Grill. Dazu tranken Marlis und ich eine Flasche Merlot, da der Zinfandel von gestern leider ausgegangen war.... Die anderen am Tisch hielten sich doch mehr an Bier.

Arturo, der mexikanische Chefkoch, hat mich sofort in sein Herz geschlossen, da ich vier steaks verdrückte und noch zwei Frauen am Tisch bei ihren Portionen helfen musste:
just my luck!

Auch hier hiess es wieder ziemlich früh Lichterlöschen, der jetlag und der Wein lassen grüssen.

Montag, 11.4.2011

Endlich ist es auch schon frühmorgens nicht nur sonnig, sondern auch windstill und schon ziemlich warm, das kommt uns bei unserem heutigen Tagesausflug in die
„Dragoon Mountains" sehr gelegen.

Charlie und Jesus mit dem Pinzgauer und Jack mit dem Pickup fahren uns nach dem Frühstück rund 45 Minuten in die Berge, in heiliges Apachenland. Am Anfang noch auf normalen Strassen, dann auf einer engen Naturstrasse, auf und ab, links und rechts, Schlaglöcher, enge Kurven.

Charlie, der Fahrer, fuhr eher vorsichtig, vielleicht der kostbaren Fracht (nämlich der ominöse Achterclub) wegen. Vor allem Kuppen und „cattle guards"
nahm er im Schritttempo, da halfen auch unsere „Welle" und der Cowboy Schrei „jee-haaaaaaaaa" nichts.

Auf einem Parkplatz stellten wir die Fahrzeuge ab, fassten „lunchboxes" und Wasser sowie Decken (wer eine solche denn schleppen wollte) und machten uns zu
Fuss bergwärts. Viele rote Felsen, Gebüsche, Kakteen sowie (zum Glück) unsichtbare „rattlers" (Klapperschlangen), davon soll es hier 13 verschiedene
Arten geben.

Diese Gegend (Cochise stronghold) diente den Apachen jahrelang als „Versteck" im Kampf gegen die US Cavalry, taktisch gut gelegen: von oben sah man die
aufgewirbelte Staubwolke schon zwei Tage vorher, wenn sich Truppen auf den Weg machten. Hier fanden auch Verhandlungen am „council rock" statt und das Grab
von Cochise soll sich auch „irgendwo" hier befinden, das weiss aber niemand genau, soll ein Geheimnis zum Schutz des Grabes sein. Auf einem Berggipfel
wurde auch eine weisse Fahne als Zeichen des Friedens mit dem „Weissen Mann" gehisst.

Geronimo, Medizinmann, nicht Häuptling, kämpfte auch noch jahrlang gegen ca 5,000 Soldaten, bis er schliesslich gefangen genommen wurde:
teils, weil die Weissen Apachen-Scouts rekrutierten (um einen Apachen zu fangen, braucht man einen Apachen), teils, weil andere Stämme/Grupppen ihn für
ihr schlechtes Schicksal verantwortlich machten und ihm die Unterstützung verweigerten.

Während die Weissen sich mit Wagen voller Proviant auf den Weg machten (in dieser Wüste gibt es weder Wasser noch Essen), fanden die Indianer ein prächtig
gedecktes Buffet vor: (Mescal) Kakteen, Agaven, Yukkapflanzen etc in Hülle und Fülle...

Die beiden Indianer zeigten uns Wandmalereien, alte (Stein) Mörser, Höhlen, welche als Schutz vor Unwetter, Versteck vor Soldaten oder auch Treffpunkte zum
„Schwatzen" dienten und fütterten uns mit historischen Informationen und Geschichten.

Nach dem Lunch konnte man eine Siesta machen oder die Gegend auf eigene Faust erkunden, einfach immer den „council rock" im Auge behalten.

Hier erfuhren wir auch, dass „american natives" für die Indianer eben nicht „politisch korrekt" ist, sondern „Indians". American natives bedeutet „in
America geboren" und das sind die Indianer nach ihrem Glauben eben nicht: sie kamen aus der Unterwelt an die Erdoberfläche (die ganze Schöpfungsgeschichte
würde zuviel Zeit brauchen). Ausserdem nannte Kolumbus die Eingeborenen nicht „indios", weil er dachte, er habe Indien entdeckt, sondern, weil er fand, sie
lebten in perfekter Harmonie mit der Erde/Umwelt, dass sie ein „Körper in Gott" (frei übersetzt) wären, eben „corpus IN DIOS"

Auf der Rückfahrt zeigte uns Charlie, wie man eine ungemein lange Spitze der Agave ganz vorsichtig abbeisst und dann damit ganz vorsichtig die
Pflanzenfasern herausziehen kann:
Nadel mit „eingebautem" Faden! Ziemlich strapazierfähig und einfach wieder befeuchten, wenn zu trocken geworden.

Wir sahen nicht nur „white-tale-deer" sondern erlebten einen ganz anderen Fahrer: jetzt haben uns die Indianer schon früh mit „jee-haaaa" auf Kuppen, cattle-gards
etc aufmerksam gemacht und wir fuhren mit Vollgas oder noch schneller. Ich glaube, der Rekord der Fahrzeit zur Ranch wurde um mehrere Minuten gebrochen!

Zurück auf der Ranch wollten wir uns erkenntlich zeigen, ohne den beiden Geld anzubieten und haben sie auf ein Getränk eingeladen. Und siehe da, sie haben
akzeptiert.

Yvonne erzählte uns, das wäre sehr selten und auf der Ranch sei das noch nie passiert!

Zum Abschluss des Tages gab's ein feines mexikanisches Nachtessen mit sehr gutem Dessert, Schlummertrunk und ab in's Bett (etwas später als auch schon)

Dienstag, 12.4.2011
Immer noch waren wir schon frühmorgens, so um 06.00 h, wach und da kam uns der heutige „cowboy coffee" gerade gelegen: um 07.00 h wurden von Jack wie „anno Tobak" erst
Bohnen gemahlen, das Wasser im Topf auf dem Dreibein über dem offenen Feuer erhitzt, das Pulver hineingegeben und am Schluss noch ein paar Eierschalen dazu: so
setzt sich der Kaffee besser auf dem Boden ab.

Heute hat Jack Geburtstag und ihm wird vom „Haus" eine Flasche echten amerikanischen Kaffees der Marke Jack Daniels überreicht...

Nach dem Frühstück folgte unser erster „morning ride". Dieses Mal ritten wir auf „Cochise" und „Mr. Brown", beides auch sehr gute und trittsichere Pferde.
Aber vor allem Cochise hat ziemlich Feuer und würde gerne etwas schneller gehen, aber da ist leider nichts zu machen, bad luck!

Wobei ich die „wrangler", welche ja für die Pferde verantwortlich sind, auch sehr gut verstehe:

Die Verletzungsgefahr für Ross und Reiter ist doch ziemlich gross, wenn mal etwas passieren sollte und es finden ja zwei oder sogar drei Ausritte pro Tag
statt; immer zwischen einer und drei Stunden und das bei jedem Wetter und zurzeit ist es (endlich?) richtig schön und sogar heiss. Das ist doch für
Mensch und Tier ziemlich anstrengend, auch wenn die Pferde meistens gewechselt werden.
Von den drei „wranglern" Brad, Eunice oder Sigi kommen aber meistens zwei mit und der andere hat mit den zurückgebliebenen Pferden genug zu tun. Diese werden übrigens täglich mit Heu (welches gekauft werden muss) gefüttert, da der karge und trockene Boden kein Futter hergibt.

Nach rund 90 Minuten waren wir wieder zurück auf der Ranch. Obwohl doch wieder alles im „walk" geritten, machte es uns doch Spass, Fauna und Flora zu
beobachten und ausserdem war es ja ein anderer „trail"; von denen gibt es genug verschiedene.

Nach dem obligaten leichten  Mittagessen (Hamburger zum selber Belegen) ruhten wir uns aus, um für den ersten „late evening ride for experienced riders" bereit zu sein.
Dieser Ritt sollte drei Stunden dauern und ENDLICH war in den „washes" (ausgetrocknete Flussbette) „loping" (galoppieren) angesagt!! Für solche Ritte können sich
maximal vier Reiter anmelden und sie werden von Brent Rock mit dessen eigenen Pferden durchgeführt.

Brent ist „Stuntman" (und auch „actor") und beliefert die „Tucson Movies" mit Pferden und betreut, berät und „doubled" auch Schauspieler mit wenig oder
keiner Reiterfahrung oder Angst vor Pferden.
Der „Duke" John Wayne hatte nicht viel für Pferde übrig und wurde anscheinend je länger je mehr gedoubled. Wenn man genau hinschaue, sehe man das „sofort".

Das Brent einen gefährlichen Beruf hat, sieht man daran, dass nicht nur viele Kollegen verletzt werden, sondern er hat auch einen guten Freund verloren,
welcher in „City Slickers 2" tödlich verunglückte.

Vor dem Zuteilen der Pferde wurden wir kurz nach unserer Reiterfahrung und (Pferde) Vorlieben gefragt: ich habe natürlich sofort auf das „Paint" (Schecke)
hingewiesen und fand es ein gutes Omen, dass das Pferd auch „Little Joe" hiess, wie schon mein Liebling aus dem letzten Jahr in Colorado.

Anscheinend hat aber beinahe jedes Paint diesen Namen: Michael Landon aus Bonanza bzw dessen Pferd lassen grüssen....

Natürlich ritt ich auf „Little Joe" und Marlis auf „Farraday", einem Araber. Ich war sehr glücklich, da mein „paint" wie mit einer Servolenkung zu steuern
war. Farraday liebte es aber etwas gemütlich und trottete dann lieber wieder, um den Abstand zu verringern. Leider war der Trott ziemlich kurz und hart.

Auf diesem Ritt waren auch Andy (auf „Stache", Kurzform von „Moustache") und Jenny, (auf Chicala, einem schönen und feurigen Mustang) eine erfahrene„englisch" Reiterin, dabei.

Vor dem Losreiten erklärte uns Brent noch die Regeln:
Kein nose-to-tail reiten, Abstand seitlich und vorne mindestens 2-3 feet, Schlaufen, Kreise oder nebeneinanderreiten sind erwünscht, trotzdem immer bei der Gruppe bleiben und „jog" (Trab) und „lope" (Galopp) nur in den washes und auf sein Kommando und immer hintereinander, nicht überholen, im versammelten Galopp und KEIN RENNEN veranstalten:
das tönte doch schon ziemlich vielversprechend.

Leider hatte mein Pferd ein Hufeisen verloren und wir kürzten den Ritt nach etwas mehr als zwei Stunden ab und das Galoppieren in den washes war auch
ziemlich kurz: einmal ca 500 m hinauf, anhalten, wenden und wieder zurück.
„Farraday" wurde bestimmt nicht Marlis' Favorit: auch der "lope" war gewöhnungsbedürftig..., ich hingegen war happy mit „Little Joe" und dessen weichen Galopp; wunderbar auszusitzen! Andy kam auch gut zurecht und Jenny auf „Chicala" war zuvorderst und sehr schnell.

Zurück auf der Ranch wurden die Pferde wieder in die Koppel entlassenn und wir haben uns bei Brent bedankt: to be continued... Ihm war es aber peinlich, dass
die Sache mit dem Hufeisen passiert war.

Wir hatten gerade noch Zeit für eine Dusche, dann gabs u.a. frittierten Kaktus zum Nachtessen. Schmeckte meiner Meinung nach wie ein Ding zwischen grünen Bohnen und Okra.

Jack, das Geburtstagskind, musste anscheinend nicht duschen: er wurde von guten „Freunden" in die Pferdetränke geworfen. Zum Abschluss des Tages gab es noch
ein „campfire", wo auch noch weiter gefeiert wurde. Wir haben uns aber schon vor dem Ende verabschiedet und gingen schlafen

Mittwoch, 13.4.2011
Heute haben wir zwei neue Gäste aus Holland auf der Ranch begrüssen können: Alphons und Mike. Zwei Wahnsinnstypen, die den Wilden Westen noch richtig LEBEN und meiner Meinung nach 150 Jahre zu spät zur Welt gekommen sind. Beide machen an „reenactments" (Nachstellen von historischen Ereignissen), meistens vom „civil war", mit und natürlich ist nur authentisches Material, Kleider etc erlaubt. Alphons macht in seiner Freizeit auch Holzkisten, (z,B. für Kaffee, Winchestergewehre), Ledergürtel, Kleider und auch Schmuck (z.B. aus Dollarmünzen) etc.
Dazu kann er auch gut mit dem Lasso umgehen, ob „calf oder trick roping", beides sieht bei „Fonzie" sehr einfach aus. Ausserdem hat er unheimlich viel Humor.

Vorgestern hatte Marlis den Küchenchef Arturo angesprochen, ob er auch mal „eggs benedict" zum Frühstück zubereiten könne, was er uns natürlich sofort versprochen hat:
(bitte am Vortag bestellen, damit ich sie vor den „normalen" Eiern zubereiten kann).
Heute morgen, nachdem wir eigentlich schon alle satt waren, hatte Jessie eine ganze Platte mit „eggs benedict" serviert und natürlich mussten wir wohl oder übel (ich hatte überhaupt keine Probleme damit) noch eins davon probieren. Hat auch den anderen am Tisch, die das noch nicht kannten, mehr oder weniger geschmeckt und den Rest haben sich die anderen Gäste, welche etwas später zum Frühstück eintrudelten, schmecken lassen können.

Leicht überfressen haben wir dann um 09.30 h einen weiteren, diesmal zweistündigen, Morgenritt gemacht. Wieder sieben Gäste, nose-to-tail, aber meistens in den „washes" und wieder eine andere Route. War sehr schön, vor allem, da wir wieder neue Pferde reiten konnten: Marlis diesmal auf „Cochise" und ich auf „Meggie", sehr gut ausgebildete Pferde, die sofort auf die leisesten Reithilfen reagierten.

Nach dem „lunch" (same procedure as last day) haben sich Wiggerl (der leider aus gesundheitlichen Gründen nicht reiten kann), Marlis und ich uns bei Charlie, dem Yaqui, (ab 3 Personen kommt er auf Vorbestellung auf die Ranch), eine indianische Massage gegönnt. Am Anfang hat er „sage" (Salbei) angezündet und uns dann zu indianischer Musik schön sanft mit diversen selbstgemachten Ölmischungen durchgeknetet. Hat richtig Spass gemacht und war schön entspannend.

Später wurde ich an der Reception Zeuge eines Gespräches, das ich lieber nicht gehört hätte: Larry hat reportiert, dass im Badezimmer seiner Schwiegereltern ein kleiner Scorpion gewesen war. Glücklicherweise konnte er ihn entsorgen, bevor Schwiegermama davon erfuhr. Ausserdem hat Marlis mir mitgeteilt, dass auch im Pool ein etwas grösserer Scorpion gefunden wurde. Zum Glück blieben das die beiden einzigen derartigen „Vorfälle" bzw ich habe wenigstens keine solche „unheimliche Begegnung irgendeiner Art" gehabt. :-)

Am Nachmittag haben dann noch eine Gruppe von indianischen „hoop dancers" (mit Monty, einem world-champion in dieser Disziplin) verschiedene Tänze aufgeführt. Am Schluss hat Monty mit über 40 Ringen (hoops) getanzt und verschiedene Figuren gezeigt. So zur Abwechslung hat es mir gut gefallen, ist auch sicherlich nicht einfach, aber einmal reicht mir.

Heute abend hatte die Küche mehr oder weniger frei, d.h., es wurde kein dinner serviert, sondern die Gäste mussten selber kochen: es gab einen „chili-cookout-contest".
Es wurden sechs teams gebildet und jedes team konnte sein chili zubereiten und sich von allen Zutaten bedienen, die schön vorbereitet worden sind.
Unser Achtertisch hat sich in zwei teams aufgeteilt und los gings: ich hatte bei Arturo vorgängig etwas schwarze Schokolade bestellt und wollte eines meiner Lieblingsrezepte (Texas Jailhouse Chili) zubereiten. Ausserdem hatte ich Bier zum Kochen verwendet, was einige Mitbewerber doch erstaunte, sie tranken es lieber....
Unser Tisch-Konkurrenten-Team hat mehr oder weniger ALLE Zutaten in den Topf geschmissen und als Susi, welche mit mir im Team war, mal kostete, meinte sie: das schmeckt ja wie Pizza (Oregano etc sei Dank)! Die Spannung stieg und als Arturo die übrigen Zutaten wegräumte, mussten wir noch eine halbe Stunde warten, bis die Jury zusammentrat.

Wir wollten noch ein paar Bonuspunkte sammeln und Susi hat heimlich vom Zutatenbuffet vorgänig noch etwas Deko „reserviert". Zudem hatten wir einen Stuhl für Arturo bereitgestellt und Christian machte ihm noch eine leichte Nackenmassage: Vielen Dank! War wirklich eine gute Idee, vor allem, da Christian ja gar nicht in unserem Team war, sondern bei der Konkurrenz!!!!

Schlussendlich wurden wir gute Dritte, einen Hauch vor unseren Tischkameraden: wer weiss, wenn die Massage beim richtigen Team gemacht worden wäre, hätte die Klassierung vielleicht anderst ausgesehen. Gewonnen hatten übrigens die „hoop dancer".
Auch die Küche steuerte ihr eigenes Chili bei, wobei es mir eher nach Chilisuppe aussah und jeglicher Kreuzkümmelgeschmack fehlte, dafür fand ich, es hätte etwas viel „Maggi-Streuwürze" darin. Marlis hat auch das Gewinner-Chili probiert und meinte, es schmecke genau gleich wie dasjenige aus der Küche. Vielleicht daher die gute Klassierung und ausserdem, was verstehen Mexikaner und Indianer schon von einem guten Chili, das wurde ja von Texanern erfunden! :-)
Glücklicherweise musste die bereitstehende bzw -hängende Henkerschlinge nicht benützt werden; keiner fühlte sich über das Resultat des freundschaftlichen Wettbewerbs sooo sehr enttäuscht, dass er zu diesem Mittel greifen musste. :-)
Ich glaube, Susi war schon eher von unserem Rezept begeistert und wir haben uns den Rest davon für den kommenden morgen als Frühstück beiseitestellen lassen.

Den Abend liessen wir im Saloon bei live music von Jack und einigen „geistreichen" Getränken ausklingen. Die meisten hielten sich an einen „Jackie mit Cola", Marlis und ich hatten Tequila mit Ginger Ale, was auch einigen anderen Gäste, welche kosteten, gut schmeckte, und sich zu einem Geheimtipp entpuppte.
Dann, es war schon dunkel geworden, :-) :-) :-) zogen Marlis und ich uns in unser Zimmer im Grand Hotel zurück.

Donnerstag, 14.4.2011

Heute morgen um 07.00 h machten wir uns mit Yvonne auf zum „Ed Schieffelin Monument walk". Es handelt sich bei diesem Monument um die Grabstätte des Gründers von Tombstone und ist von der Ranch aus gemütlich zu Fuss innert einer Viertelstunde zu erreichen. Yvonne erzählte uns etwas über Ed Schieffelin:

Ed war von der US Regierung als Indianerscout angestellt und im Jahre 1877 im „Camp Huachuca" stationiert. Neben seinen Pflichten als „scout" war Ed auch immer auf der Suche nach dem „big strike": Er hatte eine „Ahnung", dass es in „der Gegend" Edelmetallvorkommen gäbe und war bekannt dafür, dass er immer wieder alleine das gefährliche Territorium (Wüste, Schlangen, Indianer, Hitze, ....) durchstreifte.

Und er wurde endlich fündig: In den „Dragoon Mountains fand er eine grosse, dicke Silberader (He found riches of silver stone).
Als der die Soldaten fragte, was sie den von den „Steinen" da draussen hielten, antworteten sie ihm: „the only stone you'll find out there is your tombstone".

Schlussendlich war es eines der grössten Silbervorkommen des Landes, Ed war Millionär und die gegründete Stadt wurde in „Tombstone" umbenannt. Trotzdem arbeitete er später wieder als „prospector" und hielt in seinem Testament fest, er wolle dort begraben werden, wo er seinen „Grabstein" fand und er ist jetzt anscheinend stehend mit Pickel und Wasserflasche unter einem „marker" in der Form eines „miner's claim" beerdigt.

Nach dieser interessanten „Geschichtsstunde" spazierten wir zur Ranch zurück, wo bereits das Frühstück auf uns wartete.

Ab 09.30 h stand „make your own leather-belt" unter der Anleitung von Alphonse und Mike auf dem Programm, welches von vielen weiblichen Gästen, gross oder klein, genutzt wurde. Ich vertrieb mir die Zeit mit Faulenzen, Lesen oder mailbox checken, bevor ich zu Marlis zurückkehrte, welche eifrig an ihrem bzw meinem Ledergurt arbeitete: ein wunderschönes Stück ist es geworden, mit viel Herz- und auch richtigem Blut gemacht......

Am Nachmittag machten wir uns zu Fuss !! auf den Weg nach Tombstone, wobei wir die Strecke und das heisse Wetter doch etwas unterschätzt hatten. Auf jeden Fall waren wir froh, als Brad mit seinem Pick-up daherkam und wir hinten auf die Ladefläche steigen konnten.

Auf dem Weg in die Stadt fuhren wir auch am Friedhof vorbei, wo mir ein Grabstein sofort in's Auge fiel: Kenneth 19th hole

Maris und ich waren das erste Mal in der Stadt; Susi/Christian, Britta/Andy sowie Christine/Wiggerl hatten schon mal „vorsondiert" und steuerten sofort spezielle Läden an, wo sie noch Schmuck kaufen wollten. Deshalb sind wir beide erst die eine Strassenseite rauf und dann die andere Seite wieder runtergegangen, bevor wir unseren Kaufrausch befriedigen wollten: Marlis brauchte ein Paar neue „boots" und für einen Bürokollegen musste ich einen original „dreamcatcher" kaufen.
Ausserdem kauften wir noch die obligaten T-shirts für unsere Jungs zuhause sowie -wie könnte es anderst sein- die ersten Fressalien (cactus jelly, jalapeno salsa und jalapeno honey).

In Tombstone (The Town Too Tough To Die) trifft man überall auf „Leute von anno dazumal", unter anderem Wyatt Earp, Doc Holliday, die Clantons, Saloon-Girls etc und die Läden setzen auf Souvenirs, (indianischen) Schmuck, Cowboy Artikel usw.

Zudem gibt es Postkutschenfahrten, diverse „gunfight shows", den „boothill" etc.
Da wir solche Attraktionen schon in Cody, Dodge City etc gesehen haben, verzichteten wir diesmal darauf. Anschliessend trafen wir uns alle im „Crystal Palace Saloon", wo wir den Staub mit einem Bier runterspülten und Chris auf der Ranch anrief, man solle uns mit dem Van abholen, was Jörg auch prompt machte.

Heute hatten Marlis und ich uns für den 3-stündigen „evening ride with saddle dinner" um 17.30 h angemeldet. Dieses mal waren unsere Pferde vom ersten Ritt „vertauscht": Little Joe für Marlis und Farraday für mich, Jenny durfte wiederum auf Chicala reiten. Und Brent's Frau Sharlene war auch dabei.
Brent gab mir Tipps, wie ich mit dem Araber umzugehen hätte:

Die erste Viertelstunde eines Rittes ist wichtig: Von Anfang an zeigen, wer der Herr ist. Tempo der anderen mithalten und nicht langsamer werden lassen. Zeig ihm, dass Du immer einen Schritt voraus denkst! Schön langsam und gleichmässig mit den Absätzen treiben -kick - kick - kick. Farraday KANN das.

Während der nächsten drei Stunden machte ich eine Gratwanderung bzw einen -ritt durch: zuviel treiben und Farraday fiel in den Trab, zuwenig treiben und er wurde etwas langsamer und fiel leicht zurück. Aber ich denke, nach einiger Zeit fanden wir uns zusammen und etwas arbeiten beim Reiten ist schöner, als sich nur durch die Gegend tragen zu lassen.

Marlis war natürlich mit Little Joe sehr zufrieden und Jenny hatte anscheinend Chicala mit der „englischen Reitweise" -Druck mit den Beinen und straffe Zügel- etwas zu nervös gemacht und sagte Brent, sie fühle sich nicht sicher. Also stieg sie auf Brents „Dollar" um und er ritt ab sofort den Mustang. Somit fiel das Gallopieren heute aus.

Unterwegs machten wir eine kleine Rast. Während Brent unsere Pferde hielt, assen wir unser „saddle dinner": Sandwiches, Chips und ein Riegel. (Irgendwie hatte das Wort „dinner" bei mir doch Assoziationen von Feuer, warmen Essen und vielleicht sogar etwas Romantik ausgelöst).
Trotzdem genossen wir den Abendritt und als wir auf der Ranch eintrafen, war es schon beinahe dunkel geworden. Dinner war leider auch schon vorbei, wir hätten gerne noch eine Kleinigkeit zu uns genommen.
Wir wollten noch einen Schlummertrunk -Tequila mit Ginger Ale- zu uns nehmen, aber leider war Ginger Ale ausgegangen.......

Freitag, 15.4.2011
Für heute hatten wir einen Ganz-Tages-Ritt in Sonoita mit Brad gebucht. Dieser Ausflug ist nur für zwei Gäste / erfahrene Reiter vorgesehen (und kostet $ 129.-pro Person!).
Nach dem Frühstück wurden unsere beiden Pferde (Cochise für Marlis und Angel für mich) in den Trailer verladen und dann fuhren wir ca eine Stunde zu Freunden von Brad, welche ihm eines ihrer Pferde für den heutigen Ritt zur Verfügung stellten. Nicht ganz uneigennützig, denn es handelte sich um ein relativ junges Pferd, welches noch an fremde Pferde und Geländeritte gewöhnt werden sollte.
Die Gegend war ganz anderst als in Tombstone: mehr Gras und Bäume, weniger Steine und Sträucher.
Bei wolkenlosem Himmel und Temperaturen von gut 30° C (wie schon immer seit Montag) machten wir uns auf den Weg und genossen die Landschaft auf guten, sicheren Pferden. Nur Brad hatte ein wenig Probleme: sein Pferd war ein bisschen schreckhaft, tänzelte und wollte manchmal nicht so, wie sein Reiter (z.B. hat ihn mal ein Felsblock erschreckt und ich musste vorausreiten).
Als sich das Gelände zum Trab (oder sogar leichten Galopp??) anbot (schönes Strässchen, leicht ansteigend), fragte ich Brad: „can we trott?" und er meinte: „go ahead"! 
Als Marlis und ich aber lostrabten, rief er uns zu, wir sollten halten!?!?
Anscheinend gab es ein Missverständnis. Weil sein Pferd ein wenig „bockte", verstand er wohl: „shall we stopp?"
Somit auch heute wieder "same procedure as last day? Same procedure as every day". Somit auch heute wieder nur Schritt: kein Trab oder Galopp. 
Unterwegs trafen wir noch auf drei hiker (sahen aus wie alte Goldgräber), welche uns Touris voller Freude fotografierten. Natürlich trugen auch sie, wie praktisch alle „Einheimischen", Revolvergürtel an den Hüften.

Gegen Mittag erreichten wir eine Tränke und wollten unsere Pferde saufen lassen. Brad aber konnte sein Pferd nicht dazu bringen, näher als 1 m an den Tank zu gehen, obwohl er mehrmals weg- und von der anderen Seite wieder hinritt. Also ritten wir weiter zu einem Plätzchen, wo wir unser „Mittagessen" (Lunchpaket) einnehmen könnten und es auch eine Wasserstelle für die Pferde hätte.
Und wirklich, nachdem Cochise und Angel aus dem Wassertank soffen, konnte Brad sein Pferd dazu bringen, auch ein paar Schlucke zu nehmen. Nachher banden wir die Pferde an und assen unsere Sandwiches, die Äpfel verfütterten wir an die Pferde. Nach einer kleinen Pinkel- und Zigarettenpause ging's dann wieder weiter: wir wollten ja reiten und nicht rasten.

Vom Gelände her war das Reiten sehr schön und auch recht anspruchsvoll, wenn es steil bergab oder bergauf ging, manchmal auch über Stock und Stein. Aber wir fühlten uns auf unseren beiden Pferden immer sehr sicher. Einmal mussten wir sogar eine Viertelstunde zurückreiten, da der „Weg" in einem kleinen Canyon durch einen grösseren Tümpel versperrt war und Brad nichts riskieren wollte, weil der Boden und die Tiefe des Gewässers nicht sichtbar waren.

Kurz nach 15.00 h waren wir wieder am Ausgangspunkt zurück, haben unsere beiden „eigenen" Pferde im Hänger verladen und fuhren „heim" auf die ASR. Dort blieb uns genügend Zeit für einen Drink (Ginger Ale war wieder vorhanden) und eine Dusche bis zum Dinner. Heute gab's chicken, spare ribs, corn on the cob, country fries und zum Nachtisch ein „Caramelchöpfli".

Wir trafenn auch Brent und Sharlene, welche den heutigen Abendritt ohne „saddle dinner" durchgeführt hatten (auf unsere Erfahrung und Empfehlung hin verzichteten die Teilnehmer auf das Sandwich und wollten lieber am „normalen" dinner teilnehmen).

Nach dem Nachtessen setzten wir vier uns auf der Veranda in die Schaukelstühle vor unserem Zimmer, tranken Jack Daniels bzw Tequila mit Ginger Ale, schauten den Trailer von „gundown", dem neuesten „movie", in dem Brent und seine Pferde mitgewirkt hatten und schwatzten über Pferde, Reiten, Gott und die Welt, bis Brent und Sharlene zu später Stunde aufbrechen mussten und wir beide müde in's Bett fielen...

Samstag, 16.4.2011

Das heutige Tagesprogramm hatte uns nicht sehr angesprochen und der Abendritt war schon ausgebucht. Daher hatte ich mich schon vorgängig erkundigt, ob es möglich wäre, das „Pima Air & Space Museum" in Tucson zu besuchen bzw was das kosten würde. Yvonne teilte mir mit, ich müsste $ 300.-nur für das Auto zahlen!

Das erstaunte mich, da von ihnen doch ein Ausflug in's „Arizona-Sonora Desert Museum" in Tucson angeboten wurde und zwar für $ 29.-pro Person (mindestens 6), inklusive Lunchbox und Eintritt!

Auf meine Anfrage an „unserem Achtertisch" hin erklärten Christine, Ludwig, Susi und Christian sich bereit, an einem Tagesausflug nach Tucson teilzunehmen:

Erst rund 2-3 Stunden im Flugzeugmuseum (eher für die Männer), dann 2-3 Stunden im Kaktus Museum (eher für die Frauen), je nach Zeitbedarf bzw Lust und Laune.

Diese Variante konnte uns Yvonne für $ 65 pro Person, inklusive Eintritte in beide Museen, offerieren und das haben wir so gebucht.

Pünktlich um 09.00 h war Dave mit dem Van zur Stelle und wir fuhren rund 75 Minuten zum Fliegermuseum, wo er uns die Eintrittskarte besorgteund uns um 12.30 h wieder abholen würde. Wir hatten uns in der Gruppe abgesprochen, dass gut zwei Stunden ausreichend sein sollten.

Ein Detail am Rande:
Auf dem Weg nach Tucson passierten wir ein paar Kilometer nach Tombstone einen Kontrollpunkt der „border patrol":
Fast ein Dutzend Autos stehen da beim Wachthäuschen parkiert, zwei bis drei Beamte stehen bereit und kontrollieren die Autos bzw. deren Insassen bzw deren Papiere. Auch
ein Deutscher Schäferhund war da. Wenn man die Frage: „are you american resident" mit "yes" beantwortet, muss man keine Papiere zeigen!

Was mir aber niemand erklären konnte, ist der Zweck des Kontrollpostens:
Tatsache ist, dass die mexikanische Grenze circa 30 Meilen südlich von Tombstone liegt, der Kontrollpunkt von weitem zu sehen und somit leicht zu umgehen ist.

Das Museum ist eines der grössten privat finanzierten Fliegermuseen der Staaten und auf dem Gelände (80 acres = 324,000 qm) sind 5 Hangars, ein „390th Memorial Museum", WWII Baracks, eine „space gallery" und ein grosser „Freiluft-Parkplatz" mit Dutzenden von Flugzeugen.

Die Maschinen in den Hangars sind wunderbar restauriert und in sehr gutem Zustand (u.a. das berühmte Spionageflugzeug SR-71 „Blackbird", eine B-24 „Liberator", ein „Fieseler Storch", eine B-29 „Superfortress", eine F-14A „Tomcat" und viele mehr) und draussen stehen diverse MiGs (z.B. MiG29 „Fulcrum"), eine B-52 „Megafortress",
die „Air Force One" von Präsident Kennedy, eine "Super Connie - STAR OF SWITZERLAND"  und und und..

Das trockene und warme Klime hat den Flugzeugen nicht viel geschadet und sie sind auch in einem guten Zustand, ausser z. T. etwas verblichener Farbe und ein paar platten Reifen....

In den Hangars war's schön kühl, aber draussen waren die Temperaturen doch in den "mid-nineties" und wir sind manchmal beinahe von Flugzeug zu Flugzeug gelaufen, um unter den Tragflächen etwas Schatten zu finden.
So war die abgemachte Zeit ausreichend und es blieben sogar noch ein paar Minuten übrig, um mehr oder weniger schnell noch etwas Kühles zu trinken, bevor Dave pünktlich vor dem Eingang auf uns wartete. Aussedem sahen wir dort ein freilaufendes Wildtier.

Nach knapp einer halben Stunde erreichten wir das „open-air-Kaktus-Museum". Einen kleinen Vorgeschmack hatten wir auf der Hinfahrt schon bekommen: auf beiden Seiten der Strasse waren mehr (Südhang) oder weniger (Nordhang) Kakteen zu sehen; in allen Grössen und sicherlich Millionen davon. Gemäss Dave sind die grösseren Exemplare rund 700 Jahre alt!

Wiederum besorgte Dave alle Tickets und wir vereinbarten, er werde uns in drei Stunden wieder abholen.

Es führen verschiedene Pfade von total 2 Meilen durch die 20 „acres" und das Gelände ist in verschiedene „Abteilungen" unterteilt:
Da gibt es zum Beispiel „Desert Grass Land", „Mountain Woodland", „Desert Loop Trail", „Cat Canyon" und und und

Man sieht nicht nur hunderte von verschiedenen Kakteen, sondern auch diverse Tiere, z.B: „cougars", Bären, Otter, Luchse, Wildschweine und in Pavillons sind Schlangen, Spinnen, Schmetterlinge und Kolibris zu bewundern.

Wir machten uns „paarweise" auf Erkundungstour, da einige sich zuerst noch etwas stärken wollten, während Marlis und ich sofort loszogen. Ich denke, auch für Leute, welche sich sonst nicht soviel aus der „flora" machen, ist das Museum sehr interessant und lehrreich. Die Vielfalt der Farben, Grösse, Form etc. der Kakteen ist fast unendlich.

Da die Sonne wieder brannte und die Zeit nicht ausreichte, den ganzen Park gründlich zu erkunden, haben wir beide nach zwei Stunden und Besichtigung der meisten „high-lights" auch eine Essens- und Trinkpause eingelegt. Dann noch ein paar weitere Fressalien (Jalapeno Senf und diverse Dipps im Souvenir-Shop gekauft und schon war Dave wieder zur Stelle und wir fuhren zurück nach Tombstone.

Um 18.30 h war „dinner time" und heute wurden Salat (bzw. drei gefühlte Salatblätter, eine Scheibe Gurke sowie 1/8 Tomate), Kalbskotelett, Knobli-Kartoffel-Pü, grüner Spargel und Broccoli serviert.
Wiederum gab's an der Qualität nichts zu meckern, aber Nachschlag war leider nicht möglich.

Anschliessend gab's noch eine Reptilien- und Spinnen-Show im Saloon, welche Christine, Marlis und ich aber nicht besuchten.
Den Abend liessen wir dann bei ein paar Drinks ausklingen und es hiess Abschied nehmen, da am nächsten Morgen um ca 05.00 h die vier Bayern Susi, Christian, Christine und Ludwig die Heimreise antraten. Schade, wir waren eine lustige Truppe, welche sehr gut zusammengepasst hat.

Sonntag, 17.4.2011
Heute war wiederum reitfrei und somit ein „lazy day" angesagt.

Wir vertrieben uns den Morgen mit Frühstück, faulenzen, lesen und schauten auf dem „laptop" mit Britta und Andy die Fotos von unserem 2010 Colorado Urlaub an.

Nach dem Mittagessen hiess es dann Abschied nehmen von den beiden, welche um 14.30 h von Dave zum Flughafen gebracht wurden. Britta hatte sich vorher noch ein paar mal von „Little Joe" verabschiedet, den hatte sie (wir auch) in ihr Herz geschlossen.

Somit waren wir die „letzten Mohikaner" vom Achtertisch und obwohl neue Gäste eintrafen, gab es keine neuen festen Gruppen, wie wir sie hatten.

Ein junges Pärchen ist im Zimmer neben uns eingezogen:
Sie mit hohen Stiefeln und im „kurzen Schwarzen", mit grossem Dekolleté  , er ist mit dem notebook „spazieren" gegangen und hat anscheinend per Skype telefoniert und dem Gesprächspartner die Hotelanlage gezeigt....  Nicht gerade die Art Gäste, die man auf einer Ranch erwartet...

Den Rest des Tages verbrachten wir wiederum mit lesen,sonnenbaden am Pool, mails checken und Fotos auf dem PC abspeichern.
Am abend hat Arturo wieder Steaks gegrillt, dieses mal habe ich nur zwei davon gegessen.
Nach dem obligaten Schlummertrunk und der Gute-Nacht-Zigarette ging's ab in's Bett.

Montag, 18.4.2011
Heute morgen war wieder einmal „cowboy coffee" auf dem Tagesplan: dieses Mal war aber nicht Jack der „chef de cuisine", sondern Alphons und Mike waren am Werken. Ausser dem Kaffee hatten sie auch Brotscheiben getoastet und Spiegeleier „both side" zubereitet. Einfach toll, wie sowas frühmorgens, bei Sonnenschein, unter freiem Himmel, am Lagerfeuer und im Rauch sitzend, schmeckt!

Unter den gestrigen Neuankömmlingen waren auch einige Kinder: zwei circa 6-jährige, zwei waren ungefähr 10-11 Jahre alt und zwei waren „ältere" Teenager. Der Lärmpegel stieg etwas an und „unsere" Plätze am grossen Tisch waren auch weg.

Um 09.30 h war für heute ein „extended morning ride" angesagt, welchen wir auch mitmachten und wiederum „Cochise" und „Angel" zugeteilt erhielten, was uns beide natürlich sehr freute, da es nicht nur schöne und gute Pferde waren, sondern wir uns auch schon miteinander „angefreundet" hatten.

Zwei der Neuangekommenen (Mutter mit 10-jähriger Tochter) waren auch am Morgenritt dabei, da aber ihr Gepäck nicht angekommen war, ritten sie in kurzärmligen Shirts, ohne Kopfbedeckung und ohne sich eingecrèmt zu haben....
Nach gutem Zureden meinerseits nahmen sie wenigstens meine Sonnencrème an, eine Kopfbedeckung „verweigerten" sie.
Erst, als wir schon losgeritten waren, wollte die Tochter dann doch noch eine haben: loo late...

Sonst gibt's über den Ausritt nichts Besonderes zu berichten und wir freuten uns auf den noch bevorstehenden „late afternoon ride", für welchen sich nur drei Reiter angemeldet hatten.

Den Nachmittag verbrachten wir mit Alphons und Mike, welche sich gerne unsere letztjährigen Fotos von der „working ranch" in Colorado anschauten.

Am Abend war die ca. 16-jährige Pia (?) auch beim Ritt dabei. Von Yvonne wurde sie als Turnierreiterin angepriesen, was wahrscheinlich für die „britische" Reitweise auch zutrifft.

Als Brent ihr die Länge der Steigbügel einstellte, wollte sie sie aber entgegen seiner Meinung ein Loch höher bzw. kürzer haben, was also auch so gemacht wurde.

Marlis ritt heute „Stache" und ich durfte „Chicala", den Mustang, reiten, welcher eigentlich das Pferd von Sharlene, Brent's Frau, ist.
(Sharlene hat das Pferd vor zwei Jahren gekauft und damals sah es anscheinend ziemlich „hässlich" aus und war gesundheitlich in einem schrecklichen Zustand und voller Bisswunden. Da es nicht nur ziemlich klein sondern auch noch mehrheitlich weiss ist, wurde es von den anderen Pferden in der Herde misshandelt. Brent wollte ihn nicht kaufen, aber Sharlene hat sich zum Glück durchgesetzt: Heute ist der Hengst ein wunderschönes und gutes Pferd.)

Als wir rund eine halbe Stunde geritten waren, mussten wir anhalten und die Steigbügel für Pia nochmals kürzer machen, obwohl das Brent gar nicht passte:
„First time westernriding"?, fragte er.

Auf jeden Fall ritt Pia Farraday auf britische Weise mit kurzem Zügel und angelegten Beinen, was diesem gar nicht passte und er den ganzen Ritt über nervös war:
Somit fiel das Galoppieren auch heute wieder aus, da Brent meinte, Pia wäre zu unsicher auf dem Pferd 
Trotzdem hatten wir -vor allem ich auf dem Mustang- viel Spass und genossen den vorletzten Abendritt.

Nach der Rückkehr haben meine Frau und ich noch einen Drink mit Brent genommen und etwas gefachsimpelt: Er war auch der Meinung, dass das Qualifikationssystem der Ranch ungenügend sei (es gab keines...) und nur auf der Selbstqualifikation der Reiter beruhte. Eines der beiden Mädchen z.B. fühlte sich für den Abendritt qualifiziert, da es seit „einiger Zeit" und „nach Möglichkeit ein- bis zweimal pro Woche" auf einem Reiterhof sei....
....trotzdem fragte sie mich beim Morgenritt, wie ich es mache, dass mein Pferd, schneller, langsamer oder sogar im Kreis gehe...!!

Auch Brent kannte die beiden Übungen, welche sofort zeigen, wie gut ein Reiter ist:
1. Slalom um ein paar Plastikkegel
2. „keyhole": man reitet z.B. ca. 20 Meter geradeaus, dann hält man in einem markierten Quadrat von ca. 2.5 x 2.5 Meter, wendet das Pferd und reitet wieder zurück. Beim Wenden darf das Pferd das Viereck nicht verlassen.
Das Tempo bei beiden Übungen bleibt dem Reiter überlassen.

Für den morgigen Abendritt versprach Brent uns eine Überraschung?!?!?!

Nach dem Abendessen hatte „Cowboy Doug" einen Auftritt im Saloon: er erzählte aus dem Leben eines cowboys, weshalb es verschiedene Arten von Hüten und Chaps gibt, führte Tricklasso vor usw.
Für viele Gäste war das interessant und neu: wir als alte „Hasen" kannen das meiste bereits und deshalb zogen wir uns nach der Vorstellung auf unser Zimmer zurück, während die anderen noch länger mit Doug weiterdiskutierten.

Dienstag, 19.4.2011
Beim Morgenessen war ein „neues Gesicht" an unserem Tisch mit den zwei Holländern und uns beiden. Joe Saenz ist ein „warm springs Apache" aus einer der vier Gruppen von Chiricahua Apachen. Joe spielte auch u.a. im Western „The Missing" mit und ist jetzt als „outfitter" und Pferdetrainer in New Mexico tätig und wir haben uns gut und eingehend mit ihm unterhalten.

Heute ist unser letzter „richtiger" Ferientag auf der ASR.

Darum haben wir nochmals einen „long morning ride" gebucht. Es war nur eine kleine Trupppe, die sich auf den Weg machte: die beiden „wrangler" Eunice und Sigi, sowie Pia von gestern Abend und Marlis und ich: da kann man vielleicht auch mal etwas schneller reiten???

Es war ein ganz neuer und schöner Trail, den wir heute ritten und als sich das Gelände zum Traben anbot, fragte ich Eunice, ob das mögich sei.
Leider erhielt ich folgende Antwort: wenn Ihr schneller reiten wollt, müsst Ihr Euch für die Abendritte „for experienced riders" anmelden...??!!??!!!

Auch meine Bemerkung, dass wir die gleiche „experienced" Grupppe wie gestern Abend wären, half nicht weiter: die Trailrides sind nur im Schritt zu machen....
Ich liebe es, wenn man flexibel ist!!!

Den Nachmittag vertrieben wir (eher Marlis) uns mit Packen und bereiteten uns schon mal „mental" auf den „good bye ride" von heute Abend vor. Ausserdem waren wir gespannt auf die versprochene Überraschung.

Heuter waren wir nur zu viert: nebst Brent, Marlis und mir war auch Joe mit von der Partie. Ich fragte ihn sicherheitshalber, ob er ein guter Reiter sei oder ob er uns aufhalten würde und wir somit heute wieder nicht galloppieren könnten...
Ich hatte ihn ja schon heute morgen als humorvollen Typ kennengelernt und konnte deshalb gut eine solcher Bemerkung fallen lassen.
Es versprach ein schöner Ritt zu werden, wenigstens was die Pferde anbelangte:
Marlis auf „Little Joe", ich auf „Chicala", Joe auf „Cochise" (als erstes werde ich den Namen des Pferdes ändern..) und Brent auf seinem „Dollar".

Nach ein paar Minuten verliessen wir den „trail" und ritten „cross-country", also querfeldein und Brent fragte uns, ob wir was gegen „a little bush crashing" hätten?????
Ist der Papst katholisch???

N A T U E R L I C H hatten wir nichts dagegen: wieso auch, das macht doch viel mehr Spass als das „sich-von-A-nach-B-Tragen-lassen"!

Büsche, Kakteen, Steine, steil runter in's trockene Bachbett und auf der anderen Seite wieder steil hoch: das Gelände war wirklich „tricky" und die Anforderungen an Reiter und vor allem die Pferde waren ziemlich gross.
Dann sagte Brent: „Marlis, lead us to the top of that hill over there. We'll follow you".
Das tönt jetzt ziemlich leicht, war es aber nicht. Entweder zu viele dichte Büsche oder ein unüberquerbares Bachbett, oder....(und plötzlich war ICH vorne?).
Man kann ja nicht einfach schnurgerade und aufwärts reiten, sondern (wie z.B. beim Wandern in schwierigem Gelände) besser im Zick-Zack.

Endlich oben angekommen, wurden wir mit einer wunderbaren Aussicht und einer kühlen Brise belohnt!
Noch war aber nicht Schluss: „Siehst Du die Strasse dort drüben"? Ich sagte mal „ja" weil wir auf jener Strasse diese Woche schon mal geritten waren, aber „gesehen" habe ich sie nicht..
„Dann bring uns auf die Strasse zurück"! Und weiter ging's ...

Marlis fragte Joe, was der Unterschied von „indianischer" zu „cowboy" Pferdetraining wäre und Joe erklärte, an und für sich seinen keine grossen Unterschiede vorhanden. Die indianische Ausbildung benütze aber eher die natürliche Umgebung anstelle von „künstlichen" Hindernissen oder Hilfsmitteln.

Anstelle von Plastikkegeln z.B. Büsche/Bäume und einem bockenden Pferd gewöhnt man diese „Unart" am besten ab, indem man es in einem Fluss oder See „ruhigstellt".

Sicherheitshalber fragte Marlis bei Brent nach und er bestätigte diese Aussage mehr oder weniger.

Einmal mussten wir auf Joe warten, da der in steilem Gelände Probleme mit „Cochise" bzw. den Steigbügeln hatte (ich WUSSTE, dass er nicht reiten kann) und Brent meinte währenddessen: „Wir sind auf der Apache Spirit Ranch und ich habe etwas „spirit" dabei" und dann nahm er einen Flachmann mit Jack Daniels hervor.
„don't drink and ride" galt hier ausnahmsweise nicht.

Schlussendlich erreichten wir wieder die Strasse, zwar eher durch Glück und nachdem Brent mir aus der „Bredouille" geholfen hatte, als wir plötzlich an einem Drahtzaun standen.

Dann kamen wir an einer Felsformation vorbei, wo Brent vor zwei Jahren eine „mountain lion" mama mit drei Jungen gesehen hatte: trotzdem ritten wir hin und machten Fotos (ohne Pumas...).
Zuguterletzt erreichten wir ein „wash" (loping???) und ritten langsam heimwärts.
Unterwegs zeigte Brent uns noch Spuren von „Goldgräber Claims", Erzadern, Höhlen und dergleichen mehr.

Und endlich durften wir ein Stück galoppieren   und zwar in festgelegter Reihenfolge:
Joe/Cochise, Mike/Chicala, Marlis/Little Joe, Brent/Dollar
„bitte kein Kentucky Derby, immer schöne in der Reihe bleiben und nur versammelten Galopp!
Ich hatte doch einige Mühe, den Mustang in der zweiten Position zu halten und den Führenden nicht zu überholen. Nach einigen hundert (?) Metern hielten wir an und Joe meinte, ich solle neben ihm reiten, dass gäbe es keinen Konkurrenzkampf mehr um die Führung zwischen den beiden...

Also stellten wir beide uns parallel zueinander auf, die beiden anderen wieder schön hinter uns. Aber „Chicala" legte einen Blitzstart hin und übernahm die Spitze und siehe da, trotz „angezogener Handbremse" war mein „Ferrari" immer noch am schnellsten, war mühelos zu lenken und hatte einen wunderbaren, schönen, weichen Galopp.

Leider waren wir scholn in der Nähe der Ranch und mussten wieder „bremsen". Trotzdem war es eines meiner schönsten (Reit) Erlebnisse und sowohl Marlis (ihr habt gut ausgesehen) als auch Brent (you did a great job, he's the fastest horse I have) verteilten Komplimente.

Als krönenden Abschluss ritten wir vier nebeneinander die „Mainstreet" hinunter, hielten vor dem „Grand Hotel" (unserem Zimmer) und banden unsere Pferde am „hitch rack" an. Brent machte Fotos und zu unserm Glück hatte Uli, unser Nachbar, das ganze auf Video augenommen und versprochen, uns eine Kopie zu schicken (ich hatte meine Videokamera den ganzen Ritt über nicht benützt, immer zuviel action).

Marlis und ich waren ganz begeistert und dankten Brent für den wunderschönen Abschluss unserer Ferien und natürlich wurde auf unserer Veranda noch gehörig Abschied mit ihm gefeiert. Dann war Schlafen angesagt, wir mussten ja morgen nach dem Frühstück abreisen


Mittwoch, 20.4.2011
Abreisetag...

Wir waren wieder früh auf den Beinen und packten noch die restlichen Sachen. Dann ein erster Schreck: ich hatte meine neue und erstmals in Gebrauch genommene Videokamera gestern in der Satteltasche gelassen und diese Satteltasche hing wahrscheinlich immer noch am Sattel und der Sattel war in Brent's Trailer.

Vielleicht war der Trailer ja nicht abgeschlossen? Anscheinend doch, ich konnte die Türe nicht öffnen und teilte mein Missgeschick Yvonne mit.
Sie wollte versuchen, Brent auf seinem „cellphone" zu erreichen. Endlich, nach dem Frühstück, war Brent mit Brad am Telefon und und erklärte ihm, wie er den Trailer öffnen könne, er war nämlich doch nicht abgeschlossen:
unten an der Türe drücken, gleichzeitig oben ziehen, dazu einen kleinen Tritt zur Unterstützung...und offen war sie.
Natürlich war der gesuchte Sattel zuunterst und die Satteltasche auf der abgewandten Seite. Aber Brad schaffte das und ich hatte meine Kamera wieder: just my luck!

Dave wollte uns um 09.00 h abholen und somit hatten wir noch reichlich Zeit, die Rechnung zu bezahlen (hatten wir wirklich sooo viel getrunken und sooo viele Ausflüge gebucht?) und uns von diversen Leuten vom ASR Team zu verabschieden.
Auch die Pferde, v.a. unsere Lieblinge „Little Joe", „Cochise", „Angel" und „Chicala", wurden nochmals besucht und Abschied genommen.

Dann die Koffer in den Van gepackt und wir machten uns pünktlich auf den Weg zum Flughafen in Tucson, wo wir nach 75 Minuten auch eintrafen.
Bye-bye Dave, danke und los zum Einchecken.

Die nette Dame am Schalter teilte uns mit, sie hätte das Gepäck gleich durchgechecked, auch für den Flug mit „SWISSAIR" von Chicago nach Zürich. Und das beinahe 10 Jahre nach dem „Grounding", da kam Wehmut auf....

Die Zeit bis zum Abflug vertrieben wir uns mit Lesen und Kaufen von letzten Souvenirs (Fressalien..). Wir starteten auch pünktlich und mussten nur zwei Minuten warten, bis vor uns vier Kampfflugzeute (F-15 Eagle ?) gestartet waren.

In Chicago mussten wir von Terminal 3 ins Terminal 5 wechseln und auch wieder unsere Pässe und Bordkarten (in Tucson schon ausgestellt) zeigen.
Anscheinend kamen die Bordkarten dem Beamten „spanisch" vor, denn er fragte mich: „are you sure you're right here"?, was ich mit „yes, we're flying with SWISS to Zurich" beantwortete und auf das Schild mit „international flights" zeigte.

Trotzdem zeigte er die Tickets seinen Kollegen zur rechten und zur linken und beide konnten nichts damit anfangen, vielleicht auch, weil er sagte: „he's flying to Paris"...?? Erst der dazukommende Supervisor bestätigte, dass alles seine Ordnung hätte.

Dann verging noch mindestens eine Stunde, bis wir „security" und die Körperscanner passiert hatten. Das Beste aber kam am Gate beim „boarden".
Nochmals Pass und Ticket zeigen und dann -ich war schon beinahe im Flugzeug- fragte die Dame doch „where are you flying to"?
Da es sich um einen Nonstopflug von Chicago nach Zurich handelte, wollte ich erst eine flappsige Antwort geben, liess es dann aber doch bleiben und meinte lapidar „Zurich", was anscheinend genügte.

Der Flug verlief ereignislos und wir waren sogar noch eine halbe Stunde zu früh in Zürich. das war's von unserem ersten Ranch-Urlaub im 2011, in dem wir wie letztes Jahr wieder einen "Stern-Träger" trafen: In Colorado war's noch ein US-Marshal (Doug), dieses Jahr "nur" noch ein Deputy Townmarshall (Dave). Zum Glück lernten wir sie nur "ausserdienstlich" kennen.

Die ASR ist keine "richtige" Ranch im Sinne von "working" Ranch und deshalb für jemanden, der täglich viel reiten will, nicht optimal.
Aber für Leute mit wenig oder keinen (Western) Reiterfahrungen oder sogar für Nicht-Reiter ist sie unbedingt empfehlenswert. Es gibt immer genügend zu tun oder zu erleben, vor allem, wenn man noch nicht so USA erfahren ist oder vielleicht mal am "Cowboy / Wilden Westen" Feeling" schnuppern" will.

Die Zimmer, das Essen (dürfte manchmal ein bisschen mehr sein), die Pferde und das Angebot sind Top und das gesamte Personal hat 3* verdient (habe das auch so in der Beurteilung und im Gästebuch vermekrt).

Die paar kleinen "Mängel" wurden vielleicht unterdessen korrigiert und haben auf jeden Fall unseren schönen Urlaub nicht im geringsten geschmälert.

Bis zum nächsten Mal im August/September, dann sind wir wieder am Arbeiten und machen einen "horse drive"

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2006: 3 Wochen mit dem Auto in 7 Staaten

hihi guys

Reiseverlauf:

07.07.06 - Abflug nach Denver
08.07.06 - Denver - Gunnison
09.07.06 - Gunnison - Ouray
10.07.06 - Ouray - Cortez
11.07.06 - Cortez - Mexican Hat
12.07.06 - Mexican Hat - Green River
13.07.06 - Green River - Hoback
14.07.06 - Hoback - Grand Teton NP
15.07.06 - Grand Teton NP
16.07.06 - Grand Teton NP - Yellowstone NP
17.07.06 - East Entrance - Cody
18.07.06 - Cody
19.07.06 - Cody - Sundance
20.07.06 - Sundance - Keystone
21.07.06 - Keystone
22.07.06 - Keystone - Hot Springs
23.07.06 - Hot Springs - Torrington
24.07.06 - Torrington - Cheyenne
25.07.06 - Cheyenne - Colo Springs
26.07.06 - Colo Springs
27.07.06 - Colo Springs - Denver (Rückflug)


Meine Frau Marlis, beide kizz Patrick (14) und Jeffrey (11) sowie meine Schwägerin Astrid (dem geneigten Leser schon aus meinem Canada 2004-Bericht bekannt), deren Freund Rudolph (Ruedi) und natürlich ich waren für die USA-Ferien bereit:


am 7. July 2006 war take-off in Friedrichshafen, kurzer Flug nach Frankfurt, von da weiter nonstop nach Denver/Colorado, wo wir ca 16.00 h eintrafen.

mit dem shuttle zum Fairfield Airport Inn, wo wir die erste Nacht reserviert hatten.
kaum eingecheckt, fielen schon die ersten Regentropfen, ein schöner Ferienbeginn!

auf Empfehlung meines Arbeitskollegen „Hr. Manuel“ (der "meine" Reise 4 Wochen vor mir absolviert hatte) gingen wir zum lunch in das 1 Block entfernte Ruby Tuesday, wo wir die besten Baby Back Ribs meines Lebens gegessen haben.

8.7.: Denver – Gunnison
am frühen Morgen bei Hertz den Ford Expedition abgeholt und das Gepäck mal vorläufig versorgt: dank meiner "restriktiven" Gepäckvorschriften und des genialen Packsystems meiner Frau hatten wir 2 grosse (keine Hartschalen) Koffer, 2 kleinere Reisetaschen, ein Handköfferchen, ein Beauty-case sowie 4 Rucksäcke und meine Fototasche zum Verstauen.

bei immer wieder auftretendem Regen fuhren wir auf der Interstate 25 mit einigen Mautstellen bis Colo Springs, dann auf der 50 West via Canon City und Salida bis nach Gunnison; den geplanten Ausflug auf den 14,110 feet hohen Pikes Peak liessen wir wegen des schlechten Wetters ausfallen und die Royal Gorge Bridge sahen wir uns aufgrund diverser „Ratschläge“ auch nicht an, soll gemäss Manuel nur eine „Abzocke mit Kirmes“ und einer schweineteuren „entrance fee“ sein: unterwegs machten wir dafür einen Halt beim "Garden of Gods" in Manitou Springs, wo wir eine kurze Regenpause für eine geführte Busrundfahrt von ca 30 Minuten nutzten: als Einstieg war die "kleinere Version vom Arches NP" gerade richtig, auch das Visitor Center war interessant.

9.7.: Gunnison – Ouray
erster Blick aus dem Fenster: grauer Himmel und Regenwolken. Zum Glück schien die Sonne immer wieder ein wenig, als wir den „Black Canyon of Gunnison“ erwanderten; zum Abstieg
auf den Grund war uns das Wetter doch ein wenig zu unsicher, der „roundtrip“ von knapp 1 Stunde genügte uns deshalb. Im giftshop die ersten Souvenirs (t-shirts, Hemden) gekauft.
Die ersten Passstrassen mit mehr als 10,000 feet Höhe ü.m. hatten wir jetzt auch hinter uns.

10.7.: Ouray – Cortez
erster skeptischer Blick am frühen morgen: hooray-hooray, blue sky in Ouray (sprich ju-ray)!
Ein kleiner, malerischer Touristenort mit viel Schweizer Schokolade, die Gegend dort wird auch „little Switzerland“ genannt.
Früh am morgen machten wir uns auf den Weg zur „Bachelor-Syracuse Mine Tour“, wo wir mit einem kleinen Zug 3,340 yards in den Berg hinein fuhren und uns der Führer die z.T. noch sichtbaren Silberadern zeigte und uns die Arbeitsweise von anno dazumal erklärte.
Wirklich eindrücklich, v.a., als er erst das elektische Licht löschte und nur bei Kerzenschein
einige Hammerschläge machte, später löschte er noch die Kerze (was manchmal aufgrund der
schlechten Luftverhältnisse / Gas nötig war) und man sah nicht mal mehr die Hand vor den Augen!

Ok, fertig machen zur Rückfahrt, Wägelchen besteigen, „Lokomotive“ starten, ein Knall, nochmals starten, der Motor stottert und schweigt wieder: erste Reparaturversuche vor Ort
scheiterten!
Die „Zugmaschine“ und die beiden hinteren Wagen abkoppeln, alles auf die beiden vorderen
Wagen aufsteigen, und Jack beginnt mit Stossen, doch nach einigen Dutzend !! Metern kann er nicht mehr. Irgendwie hat er dann noch einen Kollegen alarmiert, welcher zu Fuss zu uns
stiess. Jetzt stiess jeder der beiden einen Wagen (Leergewicht mehr als 750 kg!) mit 8 bzw 6 Leuten drauf und wollten sich erst gar nicht helfen lassen (Geldrückerstattung, Unfallgefahr, Klagen??).
Doch als der 2. Helfer beinahe kollabierte und erst seinen mit Wasser gefüllten Hut aufsetzte,
dann sogar den ganzen Kopf in das fliessende Wasser tauchte, liessen sie sich erweichen und wir halfen ihnen (je 2 Gäste pro Wagen, Kinder und Frauen sowie ein „Weichei“ blieben sitzen), was bei den engen Stollen, den glitschigen Schienen und dem fliessenden Wasser gar nicht so einfach war. Alle paar 100 m oder wenn es ein wenig aufwärts ging, machten wir Pause.
Schliesslich sahen wir im wahrsten Sinne des Wortes „Licht am Ende des Tunnels“ und erreichten schweissnass, mit verschlammten und nassen Schuhen und Jeans wieder den Ein- bzw Ausgang: kurze Reinigung mit dem Wasserschlauch und dann genossen wir das herzhafte breakfast (eggs, bacon, toast, hashbrowns, coffee etc) um so mehr und den „Schiebern“ wurde sogar nur die Hälfte des Preises berechnet.
Den beiden Angestellten habe ich $ 10.-- spendiert: „have a cold beer“ und sie waren so erstaunt, dass ich keine Reklamation hatte, dass sie fast vergassen, das Geld anzunehmen!
Und als ich noch fragte: „just to be sure, that’s not part of the programm, is it?“, mochten sie sogar wieder lachen.

Weiter in den San Juan Mountains über den „one million $ highway“ via Silverton und Durango (leider war die Aussicht sehr beschränkt) auf wunderbaren Pässen, welche das Autofahren interessant machten. Silverton haben wir gar nicht und Durango nur kurz erkundet; auch die S&D Narrow Gorge Railroad haben wir nicht benützt, was uns ein wenig reute: bei schönem Wetter und genügend Zeit soll es eine wunderbare Zugfahrt sein.
Durch die „zügige“ Fahrt ohne die erwähnten Dinge anzuschauen, hatten wir am Nachmittag noch genügend Zeit, einen Abstecher in den Mesa Verde NP zu machen, jenen haben wir aber aus wettertechnischen Gründen (es regnete wiedervon Zeit zu Zeit) auch relativ kurz gehalten, allerdings liessen wir uns die „cliff dwellings“ u.a. mit „balcony house“, „cliff palace“ etc nicht entgehen; interessant anzuschauen und erstaunlich, wie die Bewohner diese Wohnungen etc in die Felsen bauen konnten. Auch die Ausgrabungen mit Infotafeln u/o die Broschüren dazu haben einen weiteren Einblick in die damalige Kultur gegeben.
Erster Besuch im Pizza Hut: gutes, aber falsches Essen gebracht, ein bisschen schmuddelig und schlechte Bedienung, hat dafür auch die „appetizers“ nicht auf der Rechnung gehabt, bad luck for her, gut für uns.

11.7.: Cortez – Mexican Hat
Wir verliessen Colorado (erster, subjektiver Eindruck: nass, Mautstellen, viele hohe Pässe und Berge) und Utah zeigte sich von der schönsten Seite: Endlich schien die Sonne nicht nur morgens, sondern den ganzen Tag, sodass wir das „Bluff Historical Fort“, die „goosenecks“ sowie den „alhambra rock“schon bei grosser Hitze und blauem Himmel fotografieren konnten.
Weiter zum Monument Valley:
erst der round-trip mit dem Auto, dann mit den Navajo (sprich Naaa-va-ho) und deren Indianer ponies (sind halt eben keine Quarter Horses, aber unheimlich ausdauernd) 2 Stunden off-trail ausreiten: leider konnten wir „alten Hasen“ nicht viel im Galopp erleben; einerseits war’s für die Pferde mit über 105 F sehr heiss, andrerseits hatten wir auch einen Reitanfänger bei uns; schön und eindrucksvoll war’s aber trotzdem, obwohl mit $ 375.--(liessen sich von $ 420.—ohne taxes noch runterhandeln) ziemlich teuer.

In Mexican Hat liessen wir den Tag bei „swinging steaks“ ausklingen: der Grillrost mit dem Fleisch darauf pendelt wie eine Kinderschaukel immer über der Glut hin und her: eine für mich völlig neue Art, zu Grillieren, hat aber sehr gut geschmeckt; schade war nur, dass das Fleisch mit den „cowboy beans“ und dem Salat im selben Teller serviert wurde und deren Sossen rund um mein 24 ounces steak „schwappten“. Beim nächsten mal (!) werde ich mir das merken.

12.7.: Mexican Hat – Green River (UT)
eigentlich wollten wir (bzw meine Frau) einen Sonnenaufgang erleben, war uns (mir) dann um 5.15 – 5.20 h doch ein wenig zu früh.
So fuhren wir halt etwas später via Monticello und Moab zum Arches NP, wo wir den obligatorischen Auto – loop mit Abstechern zu Fuss („balanced rock“, ,„double arch“, und „delicate arch“)
erweiterten; vor allem auf dem rund 3-Stunden-Trip zu letzterem waren wir in dieser Hitze froh um die 2 Flaschen Wasser/Person, welche wir mitgenommen hatten: am Ende hat sich der grandiose Anblick aber auf jeden Fall gelohnt.
In Green River (UT) haben wir ein Motel bezogen und sind alle sehr erschöpft schon früh ins Bett.

13.7.: Green River (UT) – Hoback
heute sind wir mehr oder weniger dem „green river“ entlang bis Green River (WY) gefahren, kurzer Stopp mit Pinkel/Rauchpause. Natur pur und sich der unendlichen Weiten bewusst werden, teilweise eindrucksvolle Ein- bzw Ausblicke, z.B. Ashley National Forest, Flaming Gorge National Recreational Area; in der Gegend haben sich 1825 die ersten weissen Trapper
unter Ashleys Führung und Indianer in den Rockies getroffen.
Erst früher Nachmittag, wollten wir noch ein wenig weiter Richtung Grand Teton NP fahren, wo ich für den 14.7./15.7.06 Bungalows reserviert hatte.
Nach Rock Springs auf der 191 North bis nach Eden, welches seinem Namen keine Ehre macht sondern mitten im nowhere-land liegt und eigentlich nur aus einem Café/Motel besteht.
Nach einem Kaffee und verspätetem lunch (ca 15.30 h) überlegten wir, ob wir weiter nach Pinedale (ca 65 Meilen) fahren und dort eine Unterkunft suchen oder gleich hier bleiben sollten.
Mit 5:1 (einzige Gegenstimme Jeffrey, der gerne ein wenig Karten spielen wollte) entschieden wir uns für die Weiterfahrt.
Aber in Pindedale waren die Motels geschlossen (?), ausgebucht oder das einzige mit freien Zimmern verlangte $ 145.—pro Nacht, was uns (damals) etwas zu teuer war, bis jetzt hatten wir im Schnitt gut $ 100.—bezahlt.
Weiter auf gut Glück Richtung Jackson: wir hofften, unterwegs eine Unterkunft zu finden, aber überall, wo wir anfragten: sorry, no vacancy, die Leute kommen sogar aus Jackson bis
nach Pinedale runter....!
kurz nach 20.00 h erreichten wir Hoback Junction, wo wir ein kleines Fischer/Jäger Camp mit
cabins fanden: der Mann hinter der Theke meinte, er müsse schauen, ob er was für uns frei hätte und er könnte ja jeden Preis verlangen.
War aber just joking: erklärte sofort, er hätte eine cabin mit 2 und eine mit 1 Zimmer frei; je
$ 90.—inkl. tax und jetzt könnten wir wieder aufatmen und lächeln.....
Zum dinner empfahl er uns noch ein Restaurant, ca 10 miles weiter, schon fast in Jackson:
wir nahmen den Weg noch auf uns, hungrig wie wir waren und es hat sich wirklich gelohnt: schönes log-house Restaurant (Camp Creek Inn) mit gutem Essen und Wein sowie einer sehr guten, aufmerksamen und humorvollen waitress, mit $ 200.—unser bisher teuerstes dinner.
So gegen 23.00 h wieder „zuhause“ und müde ins Bett gefallen; auf der Rückfahrt ist uns noch ein deer direkt vor’s Auto gesprungen: dank guter Reaktion von Ruedi passierte aber nichts.
Dafür Ueberraschung am nächsten morgen früh: ist es die gute Luft, ein Wunder oder eine Täuschung? Ruedi kann sogar die Pferde am Waldrand wieder klar und deutlisch sehen!!
Nein, hatte nur vergessen, die Kontaktlinsen am Vorabend zu entfernen... :-)

14.7.: Hoback – Grand Teton NP
schon gegen 8.30 h waren wir in Jackson, wo wir erst mal in der „bunnery“, die wir schon vor 4 Jahren kennengelernt hatten, ausgiebig frühstückten. Dann war erster Stadtbummel mit shopping angesagt: Hüte, falls noch nicht oder nicht mehr vorhanden, buckles, belts, t-shirts
etc.
Dann weiter in meinen Lieblingspark hinein, erst mal auf den Signal Mountain Summit und schon Bezug der Unterkunft: für Astrid und Ruedi hatte ich ein one-room-log-house und für uns ein home-away-from-home gebucht, schon im Januar waren das die beiden letzten verfügbaren Zimmer, die ich bekommen konnte:
Unsere Unterkunft hatte ein grosses Schlafzimmer mit 2 Kingsize Betten, Wohnraum, Küche,
Bad, Waschmaschine/Tumbler, war aber mit $ 280.--/Nacht auch schön teuer, aber da wir bisher unter Budget (Hotels) waren, lag’s noch im Rahmen und man gönnt sich ja sonst nichts.
Das anschliessende Bad im Jackson Lake war erfrischend (manche meinten eiskalt), nachdem wir schon seit Verlassen von Colorado immer Durchschnittstemperaturen von rund 100 F hatten.
Auf dem Rückweg zu unserer cabin sahen wir 2 white-tail-deers, welche sich im „Garten“ des Nachbarhauses von den Touris beim Fressen nicht stören liessen: natürlich wieder Foto- und Videokameras gezückt und festgehalten.
Mitten in der Nacht sind die one-room-cabin-Schlafenden aufgewacht und haben sich gewundert, warum es trotz air-condition gegen 90 F warm war: kein Wunder, sie war
auf „heat“ eingestellt...... J

15.7.: Grand Teton NP
heute wollen wir mit dem Aerial Tram auf den 10,450 feet hohen rendez-vous Mountain fahren und zu Fuss zurück nach Teton Village wandern.
Auf dem Weg zur Talstation haben wir im Gebüsch eine „mama“ moose mit cub gesehen, bis ich jedoch mein grosses Tele montiert hatte, waren sie jedoch schon im Gebüsch verschwunden, zum Glück hatten Marlis und Astrid die Videokamera schussbereit gehabt.
Wenig später haben wir auch die erste Herde mit Dutzenden von Bisons gesehen, beidseits der Strasse standen oder lagen sie, wie bestellt für die Touristen: immer wieder ein imposanter Anblick, diese Kolosse, die so behäbig aussehen, aber doch bis 55 kmh schaffen sollen!
Diesmal jedoch, im Gegensatz zu 2002, haben wir uns für den Abstieg mit leichter Verpflegung und reichlich Wasser versehen; auf der rund 4 Stunden dauernden und 7.2 miles langen Wanderung gibt es praktisch keinen Schatten.

16.7.: Grand Teton NP – Yellowstone NP
frühmorgens machten wir uns auf den kurzen Weg in den Yellowstone, unterwegs immer wieder Bisons und Wapitis.
Erster Halt beim „old faithfull“,welcher auch pünktlich seine Wassermassen ausstiess. Nach 2 Stunden spazieren auf den trails rund um diverse Geysire
weiter zu den „mammot hot springs“.


Aus irgendwelchen Gründen hatte ich vorgängig vergessen, im Nationalpark Zimmer zu reservieren: nur noch 1 Suite war im ganzen Park verfügbar, leider auch diese zu klein für 6 Personen, d.h. weiter bis zur east entrance und im Pahaska Tepee übernachten.

17.7.: East Entrance – Cody
wir überlegten uns, ob wir nochmals zurück in den Yellowstone oder weiter nach Cody wollten; schliesslich entschlossen wir uns zur Weiterfahrt. Aufgrund einer Empfehlung von
meinem Kollegen Manuel sind wir eingangs Cody im Cody-Cowboy-Village abgestiegen:
luxuriöse log-cabins, erst anfang Juni eröffnet. Auf der Reklametafel stand: heavenly beds,
best in the west und so war es auch, nie so gut geschlafen wie in Cody und die cabins waren
mit flatscreen TV sowie diversem cowboy decor ausgerüstet und an allen Wänden waren Cowboy Motive, wir fühlten uns richtig zuhause.
Nach dem nachmittäglichen shopping, wo wieder fleissig eingekauft wurde (wo werden wir das alles zuhause aufstellen bzw –hängen?) ging’s zum Irma Hotel, wo das tägliche shoot-out stattfand. Nach einer viertelstündigen Danksagung an die Sponsoren und Erklären des Umgangs mit Waffen (LEAVE IT ALONE!) und einer kurzen Demo, was mit Platzpatronen
passieren kann (die arme Cola-Büchse wurde in 2 Hälften geschossen und ein Dutzend Meter weit wegkatapultiert !!), wurden noch die am weitesten Hergereisten gesucht: Patrick mit „Switzerland“ wurde als Sieger erkoren und erhielt als Preis ein Poster von der ganzen Show-Truppe.
Mit dem Abspielen und Singen der Nationalhymne begann dann das Spektakel, war aber dieses Jahr viel kürzer und nicht so doll wie beim letzten Mal.
Weiter zum Cody-Nite-Rodeo, welches bis 23.00 h dauerte und uns einige action bot.

18.7.: Cody
heute wollen wir den „scenic Chief Joseph Highway“, welchen wir vor 4 Jahren verpassten,
nachholen: auf der 212-er bis nach Red Lodge (Montana) und zurück über Belfry nach Cody.
Anfangs war es noch (für uns Schweizer Bergler jedenfalls) ein gemütliches Fahren, die Serpentinen waren bei weitem nicht so gefährlich, wie uns die guys in Cody weismachten: immer noch breiter 2-lane-Highway, eine Fahrt auf die Schwägalp ist weitaus kurvenreicher.

Nach ende des scenic byways aber hatte die Strasse es in sich, enge 180 ° Kurven, welche endlich wieder einmal Ansprüche an den Fahrer stellten, just fun!
Leider musste ein chipmunk daran glauben, dass plötzlich aus dem Gebüsch auf die Strasse sprang, keine Chance zum Ausweichen oder Bremsen, tat mir wirklich leid.
Nach knapp 7 Stunden (Red Lodge war ein wirklich kleines, hübsches Dorf und Skigebiet! wo wir uns auch mit Kaffee und Eis verpflegten), waren wir wieder in Cody.
Dank des heissen Wetters waren wir froh um die gekühlte Luft im Buffalo Bill Museum sowie im Tecumseh’s Trading Post, einer Miniatur Ausstellung der Geschichte des Wilden Westens auf 7,000 sq feet mit tausenden von Figuren, welche in 66 Szenen historische Gebräuche und Riten sowie die Erschliessung des Westens durch die Weissen, Kriege (little bighorn), Aufkommen der Eisenbahn, Goldrausch etc darstellen: wirklich sehenswert.
Am späteren Abend dann, als es wenigstens ein wenig kühler wurde, haben wir noch einen Rundgang durch das „old trail town“ gemacht, wo überall historische Gebäude aus dem ganzen Westen noch Cody transportiert und aufgestellt wurden, auf dem kleinen Friedhof
hat es auch einige bekannte Namen, u.a. „liver eating Johnston“, welcher als Vorlage für den
Film „Jeremiah Johnston“ diente.

19.7.: Cody – Sundance
Auf Richtung Osten: via Buffalo und Gillette (wo wir uns rasieren lassen wollten) nach Sundance. Bevor wir den „Devils Tower“ besichtigten, besuchten wir noch das „Fort Phil Kearny“, von welchem aber nur noch kärgliche Ueberreste bzw Nachbauten bestehen, wir fanden es enttäuschend und nicht lohnenswert.
Am Devils Tower sahen wir schon von weitem die Kratzspuren, welche von Bären stammen sollen, die 7 kleine Indianermädchen weit entfern von ihrem Dorf angriffen.
In ihrer Not kletterten sie auf einen Stein und beteten um Hilfe: der Stein wuchs und wuchs bis in den Himmel hinein und die Indianermädchen wurden zu 7 Sternen, welche man heute
noch sehen kann.
Nach den langen letzten Tagen liessen wir es heute etwas ruhiger angehen und verbrachten den Rest des Tages am pool.

20.7.: Sundance – Keystone
Ueber Spearfisch und Rapid City fuhren wir nach Keystone, wo wir 2 Nächte bzw Tage Pause einlegten und die Frauen waschen konnten.
Auf dem Highway 16, südlich von Rapid City, machten wir Halt in „Bear Country“, einem 250 acres (entspricht ca 100 Hektaren) grossen „wildlife park“, welcher eingezäunt ist und sich die Wildtiere innerhalb dieser Grenzen bewegen: Black Bears und Grizzlies,wölfe, Elks, Bisons, ...


Obwohl die Tiere sich nicht in der „richtigen“ Natur bewegen, ist es doch interessant, aus dem Auto auf der 3 Meilen langen Strasse durch den Park die „Viecher“ zu sehen.
Immer wieder ruft ein Aufpasser auf seinem Wachturm, dass man die Fenster geschlossen halten muss und nicht aus dem Auto aussteigen darf.
Ein bisschen mulmig wird es einem schon, wenn sich die Schwarz- oder Grizzlybären vor, hinter oder neben deinem Auto bewegen (oder eben nicht, dann heisst es warten, bis die Strasse wieder frei ist...) oder sich sogar (wie beim 3. Auto vor uns) aufrichten, durchs Fenster schauen und auf die Motorhaube klettern wollen.
Auch die „Arctic and Timber Wolves“ mal aus der Nähe zu betrachten war sehr schön; fast hätte ich einen als Ersatz für einen Deutschen Schäferhund nach hause nehmen wollen.
Dann noch zu Fuss durch das „Baby Land“, wo die „cubs“ aufgezogen werden: vor allem das runde Dutzend von kleinen, wuscheligen Schwarzbären war eine Hauptattraktion und wie schnell sie schon auf einen Baum klettern können; runter haben sie sich dann aber glaub ich nicht mehr so recht getraut, oder es gefiel ihnen dort oben so gut, dass sie gar nicht mehr runter wollten.
Zurück in Keystone, machten wir einen Stadtrundgang durch die vielen gift-shops, wo doch wieder einiges gekauft wurde. Abgeschlossen wurder der Tag mit einem all-you-can-eat-ribeye-buffet und einem (2?) Glas Wein.

21.7.: Keystone:
Um 8.00 h mussten wir schon wieder „downtown“ sein, die Tickets für den „Black Hills Central Railroad 1880 Train“ abholen und 08.15 h den Dampfzug besteigen.

Wieder erfolgte vor und während der Fahrt eine lange Instruktion via Lautsprecher mit „to do and not to do“.
Dass man von einem Wagen nicht in den nächsten steigen darf, ist mir aufgrund der offenen Plattform ja noch verständlich, dass man sich aber sogar innerhalb des Wagens nicht bewegen darf (you are superglued to your seat...), scheint mir doch ein wenig übertrieben, v.a. da der Zug ja ein bescheidenes Tempo vorlegt und keine wilden seitwärts oder aufwärts Bewegungen macht.
So früh am morgen war unser Waggon aber nur von uns 6 besetzt, sodass wir trotzdem manchmal von einem Sitz zum andern gehüpft sind, wenn sich ein lohnenswertes Objekt für die Kameras zeigte.
Nach ca 45 Minuten erreichten wir Hill City, wo man sich die Beine vertreten und auf den nächsten Zug warten kann: wir fuhren mit dem gleichen wieder zurück, da es dort wirklich nichts anzuschauen gab und wir am Nachmittag noch weiterfahren wollten, um die „Felsenfiguren“ anzuschauen. Die Zugfahrt ist nicht unbedingt empfehlenswert.
Dann besuchten wir „Mount Rushmore“ und das „Crazy HorseMemorial“.
Während wir die Präsidenten von nah und fern filmten und fotografierten und auch diverse trails zu Fuss machten, haben wir beim Indianerhäuptling wohl happige $ 25.-- Parkeintritt bezahlt und das wirklich schöne Museum angeschaut, die Fotos aber machten wir nur vom Visitor Center aus und die Fahrt mit einem Bus an den Fuss des Felsens liessen wir auch wegen des teuren Fahrpreises aus.
Während sich die einen im Hotel ausruhten, fuhren die anderen noch 20 Minuten zu einer grossen „waterslide“ Anlage, v.a. Jeffrey freute sich riesig über die vielen Rutschen, die mitgekommenen Erwachsenen machten nur ein paar „obligatorische slides“ um sich abzukühlen oder zur Gaudi der Filmenden.
Noch eine Bemerkung am Rande: bescheiden, wie ich nun halt bin, bilde ich mir nicht sehr viel auf mein Englisch bzw Amerikanisch ein und ich hatte auch nie Probleme mit den „Eingeborenen“ J oder sie mit mir, aber als ich im Saloon beim Bar Girl „4 glasses of
Merlot“ bestellte und 4 Gläser mit Miller Bier bekam, war ich doch sehr erstaunt.
Sie hat es zwar anstandslos zurückgenommen und den Wein gebracht, aber ward’ nachher nicht mehr bei uns gesehen und ein anderes girl bediente uns (und bekam dann halt den „Tip“)

22.7.: Keystone – Hot Springs
Heute wiederum nur eine kurze Fahrt von wenigen Meilen: durch den Custer State Park mit dem grossen „Wildlife-Loop“ bis nach Hot Springs, was aber ausser ein paar schönen Sandsteingebäuden nicht viel zu bieten hat.
Unterwegs machten wir Halt in Custer, um dort unser Frühstück einzunehmen: just our luck!
Um 10.00 h begann nämlich eine typisch amerikanische Parade (was wurde eigentlich gefeiert?), welche bis 11.00 h dauerte und aus Pferden, Polizei-, Kranken- und Feuerwehr-
Autos, Jahrgängern vergangener High-School-Absolventen, Politikern, Gewerbe, ......... bestand.
Nach der Parade besuchten wir noch die „oldtimer-car-exhibition“,
welche Ruedi und mir fast die Tränen in die Augen trieb: die vielen schönen diversen 60-er und 70-er Corvettes, sowie Cadillacs, Plymouths und diversen Chevys aus den 50-er und 60-er Jahren waren ein tolles Erlebnis, einige davon stehen (leider nur als 1:18 Modell) bei mir zuhause in der Vitrine.
Den Wettbewerb, wie lange ein alter Chevy ohne Oel laufen wird, haben wir nicht mehr abgewartet, wahrscheinlich bis heute..
Dafür kehrten wir noch im Musem „Mammoth Site“ ein, wo wir Skelette, Nachbildungen und noch aktive Ausgrabungen mit vielen Knochenfunden bewunderten.
Bedrock-City mit den Flintstones, welches ich eigentlich auch auf dem Programm hatte, war aber eher etwas für kleine Kinder, zu kitschig für meine beiden grossen boys und uns, liessen wir deshalb aus.

23.7.: Hot Springs – Torrington
Von Hot Springs aus fuhren wir via Nebraska Richtung Torrington/WY. Unterwegs wollten wir noch ein high-light in South Dakota besuchen: das „Wild Horse Sanctuary“: punkt neun
Uhr waren wir beim Visitor Center, gerade rechtzeitig für die erste Bus Tour mit Bob: ein 70 jähriger ehemaliger Rodeoreiter, welche die 12 Businsassen mit allerlei Infos fütterte, z. B. wurden auf dem Gelände einige sets für den Film „Crazy Horse“ (habe ich auf Video, muss unbedingt bald mal reinschauen) gedreht.
Nach dem obligatorischen „where are you guys coming from“ hatte Bob schnell Patrick als
volunteer bestimmt und er musste immer wieder als Helfer zupacken, sei es beim Oeffnen oder Schliessen der Gatter oder Tore oder beim Pflanzen pflücken und den anderen bringen: so lernten wir auch eine Blume kennen, die, in der Hand zerrieben, sehr gut duftete (cowboy’s
after-shave) und ganz weich anzufassen war (cowboy’s toilet paper, doesn’t really clean but smells well.... J )
Endlich war es soweit: Bob stoppte den Bus unweit der ersten grossen Herde von Wildpferen,
so gegen 200 werden es wohl gewesen sein.


Wichtige Verhaltensregeln: nicht auf die Pferde zugehen, keine raschen Bewegungen oder Lärm verursachen, die Pferde geraten sonst in eine „stampede“ und können die Störenfriede angreifen (ich weiss, wie solche „kicks“ aussehen und schmerzen können).

Natürlich wurde Patrick als volunteer wieder ausgesucht, diesmal zusammen mit Jeffrey durften sie mit Bob zwischen die Herde: photo-shooting inmitten all dieser wilden Pferde, welche z.T. schon mal die Ohren anlegten und schnaubten: wir hörten beinahe das rasche Herzklopfen der beiden kizz.
Patrick durfte sich dann sogar zusammen mit Bob dem Leithengst, einem wunderbaren painthorse, in welches ich mich sofort verliebte, nähern und sogar streicheln: auch dies wurde natürlich von uns mit Foto/Film festgehalten.

Für uns Pferdenarren und Hobby-Western-Reiter war dies eigentlich fast DAS highlight der ganzen Ferien: schade nur, dass sich die Herde beinahe nicht bewegte, was bei dieser Hitze (der trockenste Sommer seit 1936!!) auch verständlich war, aber das Zittern der Erde und der Trommelschlag von hunderten von Hufen wäre unbezahlbar gewesen.
Unfreiwillig kamen wir in den Genuss (O-Ton Bob) von sexual education, als sich der Hengst mit einigen Stuten vergnügte, bei den älteren amerikanischen Damen kam das aber nicht so gut an; dass sie nicht noch erröteten, war gerade alles...
Nebraska hatte in dieser Gegend nichts zu bieten, so fuhren wir durch bis Torrington, wo wir uns im Hotelzimmer oder im Pool ausruhten, schliesslich wollten wir die letzten Tage ein wenig ruhiger angehen lassen.

24.7.: Torrington – Cheyenne
Auf dem Weg nach Cheyenne besuchten wir noch die „Fort Laramie Historical Site“, wo z. T. originale oder sorgfältig nachgemachte Gebäude standen. Die Häuser waren begehbar, man konnte aber meistens nur durch Glasfenster in die Zimmer selber sehen. Meistens meinte man, die Bewohner seien nur gerade vor 5 Minuten weggegangen und kämen jeden Moment zurück. Ueberall sind auch Park Ranger in den Häusern in Originalkleidern und haben uns viel erzählt und im „warehouse“ hat uns ein Soldat auf meinen Wunsch hin den Yankee-Doodle auf einer Flöte gespielt. Der Bäcker hatte gerade kein frisches Brot auf Lager, zu bestimmten Daten wird aber welches gebacken.
Unterwegs sprach uns eine Frau mit langem Kleid und grosser Haube auf dem Kopf an, sie hatte wohl unser „Schwiizertütsch“ gehört: „ich bin 1866 aus Hamburg ausgewandert und hierher gekommen, mache den Soldaten hier die Wäsche und verdiene mit Gemüseverkauf noch etwas dazu, monatliches Einkommen: stolze $ 20.—“.
Der Sergeant aus der Bäckerei (Monatslohn ganze $ 13.--) hatte wohl sofort erkannt, welch gute Partie sie war und –mit Einverständnis des „Commanding Officers“, eines Lt. Colonel,- die Wäscherin geheiratet.
Vor allem das „bunkhouse“ der Kavallerie mit den vielen engen Pritschen auf kleinstem Raum erinnerten mich doch sehr an meine Militärzeit....
Meines Erachtens lohnt sich ein Abstecher hierher, jedenfalls viel mehr als Fort Bluff oder
Phil Kearney.
Obwohl die „Frontier Days“ stattfanden, hatte ich in Cheyenne keine Motelzimmer reserviert.
Beim ersten Versuch, ob noch was frei wäre, wurden stolzte $ 185.—für ein Zimmer verlangt.
Auf meine Entgegnung, das wäre uns zu teuer, entgegnete die freundliche Dame, während der 10-tägigen Messe seien alle Zimmer teuer, in der ganzen Stadt gäbe es nichts unter $ 175.--.
Schliesslich offerierte sie uns zwei Zimmer zu je $ 165.--, welches Angebot wir dann akzeptierten, schliesslich hatten wir tags zuvor nur $ 75.—ohne taxes bezahlen müssen.
Nach dem obligaten Rundgang in downtown Cheyenne haben wir wieder mal beim shoppen zugeschlagen: NIEMAND würde je erraten, was wir gekauft haben......
?????????????????????????
Eine Holz-Klobrille mit Deckel, auf dem ein wunderbares Rodeoreiter-Relief abgebildet ist!!!
Obwohl es zwei Varianten von Grössen gab (rund oder oval), wussten wir, dass sie bei uns zuhause nicht passen würde: also wird das Souvenir an die Badezimmertür gehängt!
Der teuerste Einkauf mit $ 260.--, da wir aber den geplanten Ausritt auf der Buffalo Bill Cody Ranch ausgelassen hatten, war es uns unter dem Strich noch billiger gekommen.
Da nicht alle von uns nochmals Rodeo etc anschauen wollten (ich fand es schade), machten wir es uns im Hotelpool/Spa gemütlich, bevor wir ein mittelprächtiges Nachtessen im hoteleigenen Restaurant einnahmen, die andere Restaurantvariante im Hotel mit weissen Tischtüchern und kleiner, aber sehr teuren Speisekarte, war für uns eher nicht geeignet.
Zudem hatten wir aufgrund der heissen Tage die Stiefel, Jeans und Hemden schon lange im Koffer verstaut und ich fühlte mich mit kurzen Hosen, t-shirt und Segelschuhen sowieso nicht wohl unter den Dutzenden von Cowboys und –girls, alle wirklich schön fein gemacht mit wunderbaren boots, stetsons und buckles aller Grösse.

25.7.: Cheyenne – Colo Springs
wir hatten noch 2 Tage Zeit und diskutierten, was noch zu machen sei: die einen wollten eher relaxen und die letzten Tage gemütlich verbringen, Marlis und mich reizte aber die Nähe zum
Pikes Peak: also beschlossen wir, via Denver nochmals nach Colo Springs zu fahren.
Colorado begrüsste uns mit dem wohl bekannten Regen... L, welcher aber gottseidank nur einige Minuten dauerte.
Nach Zimmerbezug im Fairfield Inn liessen wir Astrid, Ruedi und Patrick im Motel zurück. Wir anderen drei machten uns auf den Weg: 30 Minuten bis zum Park Eingang, 1 Stunde bis zum Summit. Trotz einiger Wolken schien die Sonne doch mehr oder weniger und wir hatten auf der kurvenreichen Strasse wunderbare Ausblicke. Meistens war jedoch keine Gelegenheit zum Filmen/Fotografieren: entweder war viel Verkehr, so dass wir nicht halten konnten oder es gab die Ausweichstellen am falschen Ort oder Bäume waren im Weg oder...
..macht nichts, auf dem Rückweg wird’s wohl klappen.
Auf den letzten ca 30 Höhenmetern, 2 Kurven vor dem Gipfel, sah ich plötzlich dunkle Wolken neben dem Auto: unheimlich schnell hatte sich der Himmel bedeckt und als wir zuoberst ausstiegen, begrüsste uns ein Blitz und im gleichen Moment ein Donner, wie ich ihn noch nie gehört hatte. Als ich all die Besucher von der Terrasse wegspringen sah, dachte ich zuerst, der Blitz hätte dort eingeschlagen, aber wahrscheinlich waren alle auch nur sehr erschrocken.
Die Sicht war fast null im Nebel, ein kleiner Videoschwenk auf die Infotafel „Pikes Peak Summit, 14,110 feet“ und zurück ins Auto und auf den Rückweg gemacht: schon fielen erste einzelne Schneeflocken und dann begann es auch noch zu hageln.
Das Nachtessen nahmen wir im Nachbargebäude ein: „outback“ und es hat sich in jeder Hinsicht gelohnt (wenigstens für uns Männer):
4 (vier!) junge, hübsche, schlanke Mädchen warteten am Eingang beim allgegenwärtigen „wait to be seated“, so viele hatten wir in den letzten 3 Wochen zusammen nicht gesehen.
Unsere waitress Janet war nicht nur hübsch, sondern auch enorm tüchtig und aufmerksam und das Essen WAR EINFACH GENIAL: Portionen, Qualität und Preis standen in einem super
Verhältnis, zudem hatten wir gerade noch den Rest der happy hour erwischt und wir kamen in den Genuss von 8 statt 4 Gläsern ausgezeichneten Merlots (wobei wir uns später noch eines genehmigten).
Zu später Stunde äusserte Marlis den Gedanken, morgen bei schönem Wetter den Pike nochmals zu machen, die fehlenden Foto/Videoaufnahmen machten uns fast verrückt.

26.7.: Colo Springs
um halb acht ein Blick aus dem Fenster: strahlend blauer Himmel, schon angenehm warm.
Also alle in’s Auto und weg. Ruedi und Jeffrey wollten nicht bis ganz oben mitkommen, so haben wir die beiden auf knapp halber Höhe beim „Crystal Reservoir“, einem schönen Stausee, parkiert, wo sie spazieren, baden oder einfach die Gegend geniessen konnten.
Wir restlichen vier fuhren bei schönstem Wetter bis zum Gipfel, wo kühle 43 F herrschten, trotzdem lief im giftshop natürlich die air condition... ...die spinnen, die Amerikaner.
Nach einigen Video- und Fotoaufnahmen nochmals eingekauft: eine schöne Jeansjacke und für das Patenkind von Marlis noch ein sweatshirt.
Auf halber Höhe zurück dann ein Stopp: Bremskontrolle!
Der Ranger hatte das Gefühl, meine Bremsen seien zu heiss gelaufen, obwohl ich sie fast nie gebraucht hatte, immer hinter einem Baulastwagen hergefahren, der die Strecke wohl gut kannte, ich hatte Mühe, dranzubleiben.
„your breakes are too hot, 200 oder 300 oder.. F“, ich hatte nicht richtig zugehört. „you have to wait 30 minutes, pull over!“
Das war mir doch zu lange, nach einer kurzen Pinkel/Rauchpause von 5 Minuten machte ich mich wieder auf den Weg, nur einige wenige Minuten bis zum Staudamm, wo die anderen warteten, dort gab’s dann eine Kaffeepause von einer halben Stunde.
Fast zuunterst auf dem Pikes Peak Highway fanden wir uns plötzlich am „North Pole“ wieder, in Santa Claus’ workshop!
Unser Freund Ruedi (Taufname Rudolph) wurde von uns öfters mit der Melodie oder dem Lied „Rudolph, the red nosed reindeer“ begrüsst und suchte schon lange nach einem solchen Souvenir: nicht mal im „Christmas Village“ oder in diversen x-mas shops hatten wir was Passendes gefunden: Figuren, Santa Claus, Kitsch in Massen, aber kein Rentier mit einer roten Nase....
...hier in der Werkstatt seines Chefs musste doch wohl was zu finden sein, und wirklich, er verliess den Laden nicht mit leeren Händen. Wir haben noch eine gusseiserne Fajita Pfanne mit 2 Saucen (hot as hell, ass-kicking hot sauce) sowie peach-salsa und campfire candles mit
diversen Aromen gekauft... J


Unterwegs machten wir noch Halt zu einem kleinen Imbiss mit RICHTIGEM Brot, eine kleine Bäckerei mit Semmeli, Parisettes, Baguettes und richtigem (Emmentaler) Käse: eine Wohltat, diese belegten Brote.
Den letzten Abend vor der Abreise liessen wir nochmals im „outback“ ausklingen, wieder war das Essen und der Service (leider nicht mehr Janet, sondern Eric als Bedienung) ausgezeichnet.

27.7.: Colo Springs – Denver
Um 8.00 h schon aufgestanden und unterwegs zum DIA, gemütlich zockelten wir auf dem Interstate und waren trotzdem (ich hatte noch allfällige Verspätungen/Staus einkalkuliert) noch zu früh dran: drum nach einem kurzen Blick auf die Karte von Marlis und schon hatte sie unterwegs noch eine riesige Mall entdeckt.
Gekauft haben wir zwar nichts mehr, nur window-shopping, dafür gab’s noch ein verspätetes Frühstück.
Kurz nach Mittag erreichten wir die Hertz Autovermietung, wo ich den Expedition in tadellosem Zustand, ohne Unfall oder Panne, nach 3,437 gefahrenen Meilen wieder abgab.
Der shuttle brachte uns zum Flughafen, wo wir ohne Warten sofort einchecken konnten, mit
Sitzplatzreservation ab Frankfurt nach FDH.
Nach 9 Stunden Flug, 3 Stunden Aufenthalt in Frankfurt und noch mal 45 Flugminuten nach Friedrichshafen sind wir um 16.00 h glücklich gelandet, haben die Autos vom Parkplatz geholt und waren kurz nach 17.00 h wieder zuhause.
Leider waren die Ferien, wie fast immer, zu kurz und unheimlich schnell vorbei, aber

DER COUNTDOWN LAEUFT SCHON WIEDER!

That’s it, folks

Noch einige Bemerkungen: der Ford Expedition ist für 6 Personen ausgezeichnet, für das Gepäck ist aber nur sehr wenig Platz, wir haben es ziemlich optimal verstaut, mit 6 Erwachsenen wäre es aber wahrscheinlich ziemlich eng geworden.

Für einige Leser mag der Eindruck bestehen, wir hätten „all-you-can-see“ in 3 weeks gemacht und uns für die NPs zuwenig Zeit genommen.
Aber erstens meinte ich jeweils mit „kurz“ mindestens einen halben Tag und zweitens sind wir nicht die grossen hiker/biker etc, welche sich tagelang in den NPs aufhalten können und schlussendlich waren es wirklich viele Nationalparks und Museen etc, nicht nur für die Kinder, was sich aber aufgrund der von uns gewünschten anzusehenden „places“ nicht anderst
planen liess.
Es war trotzdem sehr schön und hat allen gefallen, obwohl 2 oder 3 Tage wirklich nur kilometerfressend waren

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2004: Ranchferien auf der Red-Willow-Ranch

hihi guys


Endlich!!!
Wir haben den Countdown bei 527 angefangen und sind jetzt wieder auf der Reise nach Canada! Yeeehaaaaaaaaaaa!

Es ist Freitag, der 2. July 2004: Früh aufstehen (03.30 h), mit Auto und Bahn auf den Flughafen und um 07.05 Uhr ist take off von Zürich via Amsterdam nach Vancouver, wo wir um 11.15 Uhr local time glücklich ankommen.

Den fünfstündigen Aufenthalt bis zum Weiterflug nach Williams Lake überbrücken wir mit einer Stadtrundfahrt (die 3 Stunden dauert) in einer riiiiieeeeesigen Stretch-Limo;
das gefällt uns allen (meiner Frau Marlis, meinen beiden Kindern Patrick (11) und Jeffrey (9), meiner Schwägerin Astrid und mir), obwohl einige Regentropfen fallen.

Nach rund zwei Stunden Flug (mit Zwischenlandung in Quesnel und Miss Canada Rodeo 2004 als Sitz-Nachbarin) erreichen wir um 20.30 Uhr Williams Lake, wo wir uns mit einem Shuttle Bus ins Motel bringen lassen; rascher Zimmerbezug und dann ab ins Bett: der jet lag und der 27-Stunden-Tag machen uns zu schaffen.

Dafür sind wir am nächsten morgen schon früh auf den Beinen; nach einem kleinen Frühstück (Toast, Marmelade, O-Saft und "Kaffee") lassen wir uns von einem Taxi (wir sind ja nicht motorisiert, weil Chris uns mit dem Auto von der Ranch abholen wird........) nach "downtown" Williams Lake bringen.

Dort ist schon viel los: an diversen Orten finden ein Pancake- oder ein anderes Breakfast statt und die Route der Stampede Parade von 10.00 Uhr ist auch schon ersichtlich:
überall am Straßenrand stehen Camping- oder andere Stühle, Kissen liegen auf dem Gehsteig, Leute sitzen entlang der Strasse und frühstücken und die ganz cleveren haben ihren Pick-up rückwärts parkiert und haben sich auf der Ladefläche häuslich eingerichtet!

Wir holen rasch Verpflegung aus dem Save-on Foods und Kaffee von Tim Horton (der mit den besten donuts!!!) und beziehen Wartestellung, bis es endlich los geht.

Während der nächsten zwei Stunden erleben wir eine typisch amerikanische bzw. canadische Parade:

überall Flaggen (von Canada und B.C.), der Mayor of Williams Lake im Cadillac, der Ambassador of B.C. im Thunderbird, weibliche Mounties von der RCMP, riiiiieeesige Trucks mit Gruppen aller Arten (tanzende und singende Indian Natives, Original Western Fiddlers, Miss Sowieso, etc), verschiedene Polizei-, Rescue- und Feuerwehr-Autos (mit typischer Sirene und dem ganzen leuchtenden "Christbaum"), Postkutschen, Musikkapellen, diverse wohltätige Institutionen, eine kleine Flugshow, den obligaten "commercials" (Werbung) dazwischen (z.B.: Joe's carwash - sponsor of the 75th Williams Lake Stampede Parade) und natürlich.....

....PFERDE mit dazugehörigen Cowboys und Cowgirls aller Art und Kostümierung.

Danach ist zuerst sightseeing und shopping angesagt:
boots, belts, buckles, stetsons, stampede strings, Handschuhe, Jeans (WRANGLER sind die Besten zum Reiten...).
Dann geht's weiter zum Stampede Ground, wo ab 13.00 Uhr das Rodeo stattfindet:
Pony Express Race, Mountain Race, Ranch Challenge, T.J. the trained Texas Longhorn Steer, Barrel Racing, Steer Wrestling, Bronc- & Bull Riding,
Calf-Roping, dazwischen Burgers von immensen Ausmaßen.

Nach einem kurzen Nachtessen im "Laughing Loon" ab in's Bett... Jeffrey ist dann sogar am Tisch vor seiner Pizza eingeschlafen...

Am Sonntagvormittag trifft Chris (der Rancher) ein und wir fahren im Pick-up zur Red Willow Ranch in Lone Butte (ca. 1 1/4 Stunden). Kurze Begrüßung von Elke (Rancherin), den sieben Hunden (Hunter ist neu und erst 13 Wochen alt), den Pferden und dann schon Pferde satteln und los zum ersten Ausritt: ich wieder auf meinem Liebling Bailey, Marlis auf Snowy, Patrick auf Sandy, Jeffrey auf Sky und Astrid auf Buddy.

Auf der großen Heuwiese dann die ersten Kühe entdeckt, das heisst: cattle drive ist angesagt. Während Elke und Jeffrey das gate öffnen, treiben wir anderen die vier bis fünf Kühe erfolgreich von der Weide (die Viecher "verstecken" sich manchmal im dichten Wald): NICHTS VERLERNT in den letzten zwei Jahren (*g*).

Zurück auf der Ranch werden erst die Pferde versorgt, dann: eine Dusche, Einrichten der Zimmer, Begrüßen der anderen Gäste und Helfer, schließlich Nachtessen. Ausklingen lassen wir den ersten Tag (es ist ein bisschen kühl und ein paar Regentropfen fallen) im "Outpost" bei Whisky und Countrymusic.

Montag und Dienstag verlaufen in etwa gleich: ab 7.00 Uhr werden wir vom Klappern des Geschirrs geweckt, wenn die Helfer die Frühstückstische decken, um 8.00 wird von Elke und Chris das Frühstück auf Jagdhörnern "eingeblasen", begleitet vom Geheul von allen Hunden (sogar Hunter kläfft mit).

Nach einer Kaffee- und oder Zigarettenpause auf der Veranda heißt es Pferde satteln und entweder im Paddock ein bisschen üben (Patrick und Jeffrey) oder auf den ersten Trailritt des Tages (Marlis, Astrid, Mike). Bei bedecktem Himmel und Temperaturen von gut 20 Grad Celsius richtig angenehm. Manchmal reiten wir alleine, manchmal schließt sich ein anderer Gast (oder mehrere) an. Zum lunch (zwischen 12.00 und 13.00 Uhr) sind wir jeweils wieder zurück, und am Nachmittag das gleiche wie am Morgen.

Vorläufig noch mehr oder weniger gemütlich im Schritt oder Trab; meine Schwägerin Astrid ist (noch) nicht so geübt (ein richtiger City Slicker eben....) und wir "saugen" die Eindrücke der Landschaft, der Luft, der Pferde, der Geräusche bzw. das Fehlen derselben in uns auf: EINFACH GRANDIOS!!!

So zwischen 16.00 und 17.00 Uhr sind wir wieder zurück, Dinner um 18.00 Uhr, danach outpost (wieder Whiskey, country music und blubbernder Ofen - es ist immer noch kühl und ein bisschen regnerisch). Dort tratschen wir mit Elke und Chris und haben auch endlich den legendären Bartl kennen gelernt:
nicht den, der "den Most holt" sondern denjenigen, der auszog, um das Fliegenfischen zu lernen und mit einem erlegten Bär zurückkam, welchen wir auf unserem letzten Besuch verspeisen durften (den Bär, nicht Bartl).

Jetzt haben auch alle ihre Pferde gefunden, d.h. Patrick hat auf Petja und Jeffrey auf Sandy gewechselt, auch das "Anziehen" der Pferde (Ö-Ton Astrid!) geht jetzt bei allen immer besser (nur Jeffrey braucht noch ein bisschen Hilfe beim Satteln) und es wird auch zwischendurch mal galoppiert, wenn wir kreuz und quer, mal auf, mal abseits der trails unterwegs sind. Es wird auch wärmer und wir sitzen abends nicht mehr drinnen am Ofen sondern draußen am Lagerfeuer, wo auch mal ein paar Hunde Astrids Jacke als "Markierung" benützen; vielleicht lags auch daran, dass besagte Jacke von Buddy auch schon fast gefressen wurde, ein Ärmel war schon verschwunden, ob's an der grünen Farbe lag oder an den "Leckerli" in der Jacke, wissen wir nicht genau. :-)

Am Mittwoch entschließen wir uns, zum Jack Frost Lake (ca. 2 Stunden) zu reiten. Das spricht sich anscheinend herum und wir werden immer wieder von anderen Gästen angefragt, ob sie mitkommen dürfen (viele kennen den Weg noch nicht), was wir natürlich bejahen. Schließlich sind wir rund ein Dutzend Reiter, inklusive Elke. Auf dem Hochplateau, wo wir die obligate Pinkel-/Rauchpause machen, erleben wir ein Novum: René hat für sein Mobile Netzempfang!!! Und nützt das sofort aus, um nach Hause zu telefonieren, was von Stefan sofort mit der Digital-Kamera festgehalten wird.

Kurz vor dem Erreichen des Zieles informiert Elke, dass jetzt eine größere Galoppstrecke kommt und wir geben mehr oder weniger Gas. Elke verliert ihren Hut und alle halten an. Stefan hat den Hut gefunden und bringt ihn Elke, welche ihn sofort aufsetzen will. Anscheinend passt es Princess nicht (ein junges Pferd, das noch nie diesen Weg ritt und auch wegen des Galoppierens ein bisschen nervös war), wenn man mit "irgend etwas Weißem" vor ihrem Gesicht rumwedelt und sie fängt an, sich zu drehen und bocken; Elke verliert den Halt und "rutscht" zu Boden. Die Brille verloren, die Nase geschwollen und blutend, auf die Lippen gebissen und blutend: wirklich kein schöner Anblick und alle sind ein bisschen geschockt. Zum Glück haben wir eine kleine Apotheke dabei und Stefan verarztet Elke, welche nachher drauf besteht, bis zum See weiterzureiten.

Dort machen wir eine Pause, doch die Stimmung ist sehr gedrückt und die belegten Brote schmecken auch niemandem. So brechen wir relativ rasch wieder auf und machen uns auf den Heimweg; Stefan hat mit Elke das Pferd getauscht. Alles zurück im Schritt.

Zuhause angekommen, fährt Chris mit Elke zum Arzt: Glücklicherweise nichts gebrochen und auch sonst keine schweren Verletzungen!!! Aber einen Schönheitswettbewerb kann Elke in den nächsten Tagen mit ihrem Gesicht, das in allen Farben leuchtet, den geschwollenen Lippen und der dicken Nase kaum gewinnen. Allen Widrigkeiten zum Trotz findet Chris doch noch etwas Positives: so eine Frau hatte ich noch nie..... oder....Du hast wohl zu tief in den Schminktopf gegriffen!!

Die meisten Gäste sind "Kurzbesucher", bleiben zwischen zwei und fünf Tagen: nur Sabine und René sowie wir bleiben rund drei Wochen, Hannah aus Bern sogar vier, die Glückliche!!!

Ein Paar aus Leipzig taucht mit dem Wo-Mo auf und der Mann fragt mich, wie es so mit Reiten für Anfänger sei. Kein Problem, antworte ich, es gibt immer wieder "bloody beginners", (Klein-)Kinder, Senioren und alle fühlen sich wohl und sind begeistert; zudem sind die Pferde ja sooo ruhig und brav. In diesem Moment fängt Lucky Strike (oder war's doch Viceroy?), der gerade von Tim (Nachbar) neue Schuhe erhält, zu scheuen an, reißt am Rope, reißt immer noch, lässt sich nicht beruhigen und schwups, reißt den ganzen Balken aus und irrt im Paddock umher; Tim und die anderen Gäste, welche gerade die Pferde satteln, bringen sich hinter dem Zaun in Sicherheit! Trotzdem setzt sich der "Ossie" (ist nicht negativ oder abwertend gemeint) auf's Pferd, nur seine Frau verschwindet im Wo-Mo und will nichts mehr vom Reiten wissen. :-)

Am Samstag reiten wir (ausnahmsweise!) nicht: die Watch Lake - Green Lake Gymkana ist angesagt; das ist so ein regionales "Je-Ka-Mi" Rodeo, wo "man" sich wieder einmal trifft und jeder an verschiedenen Disziplinen mitmachen kann: der jüngste Reiter war anderthalb Jahre alt!! Und andere ließen sich bzw. das Pferd am Halfter über den Parcours führen; Hauptsache, man ist dabei und hat (mehr oder weniger) fun, und jedermann/-frau wird beim überqueren der Ziellinie frenetisch bejubelt. Steffi und Anna-Lena mit Beni und Gucci vertreten die Red Willow Ranch in mehreren Disziplinen; leider reicht es nirgends zu den ersten drei (preisberechtigten) Plätzen.. :-(

Unterdessen haben wir auch das erste Bar-B-Que "überstanden": vom Grill gibt's Hamburger und Chicken sowie Zwiebeln, dazu cowboy beans und den "bun" kann man mit Salat, rohen Zwiebeln, Tomaten, Gurken, thousand Island oder Ranch Sauce belegen. Noch eine Bemerkung in eigener Sache: Total hat unsere Familie in den drei Wochen 10 kg zugenommen!!!!

Zum Frühstück gibt's jeweils porridge, cereals, frische Früchte, Brot, Marmelade, Honig, Milch, O-Saft, sowie abwechselnd french toast, bacon & fried eggs, pancakes, scrambled eggs. Lunch ist gewohnt klein/leicht: Brot, Käse, Schinken, Tomaten, Paprika, Gurken. Dinner heißt Fleisch mit Beilagen, Spaghetti, stirfry,.... alles immer reichlich und gut: hier kocht der Chef noch persönlich (z.B.: wir warten noch auf Dein Kochbuch, Chris!!)

Trotzdem lade ich Elke, Chris und Bartl zum Nachtessen in's "Hoof and Harness" in 108 Mile House ein: von der flippigen (oder meinte er üppigen?) Bedienung, von der Bartl vorgeschwärmt hatte, ist aber nichts zu sehen, dafür ist sie speditiv, flexibel und nett. Chris traut sich nicht recht, zu bestellen, worauf er Lust hat: erst nach meiner Bestellung (Vorspeise halbes Rack spareribs, Hauptspeise großes Steak) entschließt er sich zum kleinen Steak als Vorspeise und zum ganzen Rack spareribs als Hauptgang: es hat allen wunderbar geschmeckt, der Wein war akzeptabel, der Nachtisch üppig und süüüss und der Brandy billig und großzügig eingeschenkt:
ein schöner Abend; leider konnten wir nicht auf der Veranda sitzen und den Blick auf den See genießen.

Einige Highlights der nächsten beiden heißen Wochen (morgens vorm Frühstück bereits 23 bis 24 Grad, Nachmittags ab 30, zum Teil bis 36 Grad, ein Mal kurzer, heftiger Regen um 16.00 Uhr, zwei Mal leichter Regen in der Nacht):

o verschiedene Tiere gesehen: 1 bear, 1 moose, diverse (mule) deers, unzählige prairie-dogs/gophers, jeden morgen 2 cranes (Kraniche) auf dem Heufeld #1 (a propos Tiere: nächstes Intermezzo von Astrid: Hunter hat sowohl ihre Socken wie auch ihre "Wohlfühl"-Hose mit seinen spitzen Zähnen perforiert) (um die Hose war's meiner Meinung nach nicht schade).

o der Tagesausflug via Chasm (ein vom Schmelzwasser der Gletscher geschaffener Canyon, dessen steile Wände in verschiedenen Farben leuchten) nach Clinton mit seinem kleinen aber interessantem Museum aus den Pioniertagen


o diverse cattle drives, wenn die Kühe wieder mal durch den Zaun auf eine der Heuwiesen sind

o Squaredance-Abende mit mehr oder weniger großer Beteiligung (wo waren DIE HELFER ??), welche aber auch mit nur einem square (4 Paare) Spaß machten

o das Baden im Green Lake

o die sing-alongs am abendlichen campfire

o ein eher negatives "highlight": das zweite Bar-B-Que muss lange verschoben werden, da sich zwei Amerikaner verirrt hatten und um 17.00 Uhr nicht auf die Ranch zurückkehrten: ab 18.00 Uhr wird eine Suche gestartet: Chris mit dem Pick-up und zwei Helfer mit Pferden auf dem Gelände sowie Volker mit Elke und Sally mit dem Cheerokee auf der Strasse von der anderen Seite des Grundstückes, wo die beiden auch gefunden werden. Volker nimmt sie mit dem Auto zurück und Elke und Sally reiten. So ca. 19.30 Uhr sind wir wieder vollzählig und das Nachtessen kann doch noch stattfinden.

Die Hauptsache aber ist und bleibt das tägliche Ausreiten; meistens zwei bis drei Stunden jeweils vormittags und nachmittags; einmal wiederholen wir den Ausritt zum Jack Frost Lake, diesmal ohne jegliche Panne (auch ohne mobile...). Immer wieder finden sich neue trails, welche mit wechselnden Gruppen unter die Hufe genommen werden. Zum Glück passieren überhaupt keine Unfälle, auch wenn meine Bailey einmal im vollen Galopp eine Vollbremsung mit gleichzeitigem Sprung auf die Seite macht, nur weil der Hut von meiner Frau plötzlich vor ihrem Kopf vorbeifliegt (wo war der stampede-string, Marlis??). Oder wenn Patrick und ich im vollen Galopp nach Hause reiten und ein deer ca. fünf Meter vor mir aus dem Wald über die Strasse springt und Bailey...... ....überhaupt nicht reagiert! Dafür 30 Sekunden später (wieder im walk) plötzlich einen Riesensatz auf die Seite macht, nur weil 50 Meter vor uns Ute auf Savannah IM SCHRITT auf den Weg einbiegt???!!!??!!

Noch ein Wort zu Bailey: ich bin richtig verliebt in mein Quarter Horse, das aus dem Stand in Nullkommanichts von 0 auf 100 ist und (vor allem auf dem Heimweg) jede Gelegenheit zum Galoppieren wahrnehmen will. Sie ist nicht immer ruhig zu halten (und kann auch an Ort galoppieren...) und wenn die gates geöffnet und geschlossen werden, möchte sie am liebsten schon nach Hause, soll der Reiter doch schauen, wie er wieder auf sie rauf kommt (musste auch schon mal abspringen, als Bailey schon angaloppierte und ich erst einen Fuß im Steigbügel hatte...). Ich glaube, jeder auf der Ranch hat mich schon irgendwo auf dem Gelände gehört: "stand, Bailey, stand" "eeeeasy, Bailey, EEEAASY"

Um noch ein bisschen "action" auf den Video zu bannen, entschließen wir uns, einen Morgen mit Filmaufnahmen zu verbringen. Kurz nach dem ersten gate zwischen Wald und dem kleinen See bietet sich eine kurze Galoppstrecke an: ich voraus, Pferd anbinden und Videokamera bereit:
ACTION!!

Man sieht noch nichts, hört nur den dumpfen Hufschlag, doch plötzlich.... ....HILFE, Mami, HILFE ... Jeffrey bzw. Sandy bleibt nicht in der Linie sondern bricht nach rechts aus und voll durch die Büsche und er gerät ein bisschen in Panik. Rasch halten aber alle an und beim zweiten Versuch klappts dann besser. Trotzdem verspürt Jeffrey keine große Lust mehr auf Tempo, so dass Astrid nur noch eine kleine Sequenz mit Marlis, Patrick und mir dreht (die Pferde werden auch ein wenig nervös, wenn sie angebunden werden, warten müssen, weiter müssen). Nur auf dem Rückweg nehme ich noch alle einzeln auf, wie sie auf Jeffrey's Lieblingsstrecke einen kleinen Steilhang (zwischen Bäumen und über liegende Baumstämme) mit vollem Galopp hinaufreiten.

Die Ferien vergehen wie im Flug und in den letzten Tagen erleben wir noch Bartl's Fähigkeiten, mit Holz umzugehen, kennen: erst wird ein zweiter Hochsitz gebaut und aufgestellt, dann wird die Holzkuh fertiggestellt, die man zum Üben des "ropings" benützen kann; ist gar nicht so einfach, eine STEHENDE Kuh einzufangen. Natürlich erhält sie auch einen Namen: Uschi (wer stand wohl für den Namen Pate??) und auch das "RW" - Brandzeichen darf nicht fehlen.

Vorletzter Abend: wir alle gehen wehmütig auf der Weide umher, nehmen nochmals viele Eindrücke in uns auf, fotografieren (nochmals) "unsere" Pferde, sagen schon mal kurz "auf Wiedersehen", lassen vielleicht nochmals die wunderbaren Tage Revue passieren:
Es war niemals langweilig, die Kinder vermissten weder TV noch PC noch gameboy oder dergleichen sondern fanden rasch Anschluss bei den "Hosts", den Helfern oder den Gästen:
vor allem Hannah, Sabine und René haben sich viel um sie gekümmert, "Mäxchen" oder "Rommé" gespielt, zum Baden und zum Kanufahren mitgenommen, .....
Wir Erwachsenen genossen die Abende mit Gesprächen am Lagerfeuer oder im "outpost", die familiäre Atmosphäre und den Kontakt mit verschiedenen Gästen, die wir kennenlernen durften.

Leider begann Chris erst kurz vor unserer Abreise mit mähen, so konnten wir beim Heuen leider nicht dabei sein; immerhin konnte sich Astrid künstlerisch betätigen und hat die Veranda bzw. deren Geländer zusammen mit Heike neu gestrichen.


Letzter Tag: nochmals ein gemütlicher Ausritt, auch Hannah kommt mit: sie hat's Jeffrey versprochen. Endgültiger Abschied von Pferden und Hunden. Am Abend wieder ein Bar-B-Que mit Steaks bis zum Abwinken. Chris hält noch eine kleine Ansprache und weist darauf hin, dass dank des Getränkekonsums der Familie Koch während der letzten drei Wochen heute Abend die Getränke für alle frei sind (dabei warens jeweils nur ein bis zwei Gläser Rotwein nach dem Essen; wirklich zu Buche geschlagen haben wahrscheinlich die vielen "pops" und "sweets" der kizz ....).

Es ist Freitag, der 23. July 2004:
Früh aufstehen (06.15 Uhr), ein rasches breakfast, allerletzter Abschied von Chris, Elke, Bartl, Julia, Bianca, Karin, Sarah, Heike, den Pferden und den Hunden.
Hiermit nochmals ein DANKESCHOEN allen, die zu unseren wunderbaren, unvergesslichen Ferien beigetragen haben und im Bericht unerwähnt bleiben.

Stefan bringt uns mit dem pickup nach Williams Lake, Flug nach Vancouver, von dort nach Amsterdam dann weiter bis Zürich, theoretisch wenigstens. In Amsterdam wird unser Flug von 10.00 Uhr gestrichen und wir werden umgebucht auf Amsterdam - Paris, und Paris - Zürich. Leider haben wir Verspätung und verpassen in Paris unseren Anschlussflug; beim Umbuchen auf den nächsten Flug sagt uns der Herr am transfer desk freundlich, dass wir gar nicht im System sind und keine Reservation für uns vorliegt!! Nach langem Hin und Her können wir endlich um 18.55 Uhr in's Flugzeug steigen und erreichen bald Zürich. Natürlich sind keine Koffer auf dem Laufband!!!

Während wir noch warten, bemerkt Patrick ganz lakonisch: unsere Koffer sind beim Fundbüro auf vier Wägelchen! Daraufhin angesprochen, meint einer vom Fundbüro: die sind alle heute irgendwann von Amsterdam eingetroffen; der von Astrid ist sogar defekt und von British Airways (in London???) notdürftig repariert worden. Noch mit dem Zug nach Wil, dann mit dem Auto nach Engelburg. Nach rund 32 Stunden sind wir wieder zuhause und haben den neuen countdown begonnen:

NUR NOCH 709 TAGE BIS ZUM NAECHSTEN MAL

Mike, Marlis, Astrid, Patrick, Jeffrey
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