mikroangies Blog
Was in der Küche alles so passiert

Ein gesundes Neues!

Seit Wochen zieren nun schon braune Flecken die Arbeitsplatte. Jegliches Wischen und Rubbeln ist zwecklos. Woher die Flecken stammen? Propolis.

Propolis ist Bienenkittharz und wird in Alkohol gelöst und bei Bedarf bei aufkommenden Grippesymptomen genommen. Es reichen 10-20 Tropfen vor dem Zubettgehen. Das Zeug wirkt besser als alles, was man sonst so in kleinen braunen Flaschen kaufen kann. Auch Propolis wird in dieser Form vertrieben, wenn man es denn auftreiben kann und kostet auch entsprechend viel. Hält aber auch lange.

Nichtsdestotrotz war der beste gute Ehemann der Meinung, dass das doch auch günstiger selbst herzustellen ginge. Und an wem ist es hängen geblieben?

Aus 100g Propolispulver und 200mL Ethanol abs. wurde ein Auszug hergestellt. Das Gemisch in einem Schraubdeckelglas dunkel für zwei Wochen stehen lassen. Immer mal wieder schwenken.

Man besorge sich kleine braune Flaschen. Woher? Das Reformhaus bietet solcherlei verpackte Säfte an. Desweiteren benötigt man Kaffeefilter und einen Trichter, in den der Auszug dekantiert wird. Auf gar keinen Fall vor dem Filtrieren nochmal schütteln, schwenken, mischen, mixen oder schief angucken. Erst zum Ende des Filtriervorganges und der Flüssigkeitsmenge dürfen auch Propolisreste in den Filter gelangen. Es tropft in Zeitlupengeschwindigkeit.

Worauf man auf jeden Fall achten sollte: 5-10 Lagen Zeitung als Unterlage beim Filtrieren verwenden, denn die Flecken gehen nur schwer wieder weg.

Es ist auch möglich noch einen weiteren Auszug aus dem Bodensatz im Glas herzustellen. Eins zu eins mit dem ersten Gebräu gemischt ergibt sich eine brauchbare Konzentration, die nicht allzusehr an Zähnen und Zunge klebt.

 

Auf die Gesundheit!

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Lebkuchen-Cookies

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Wenn der Deutsche das Wort Kekse hört, denkt er zumeist an ein recht trockenes, eintöniges, krümeliges Gebäck, das manchmal Spuren von Nüssen enthält oder etwas Schokoüberzug, um die trockene Masse optisch und gustatorisch attraktiv zu machen. Kekse werden in Deutschland meist mit Plätzchen gleich gesetzt und die gibt es typischerweise nur zur Adventszeit. Obwohl in Deutschland hochgerühmte und weltbekannte Adventskekse produziert werden, sind auch diese zumeist staubtrocken und sich geschmacklich äußerst ähnlich und genießerisch fragwürdig.

Schaut man dagegen in italienische oder französische Regale wird einem vor Artenvielfalt ganz schwindelig. Kekse in allen Formen, Größen und Geschmacksrichtungen. Mit Nüssen, die man erkennt, und Schokostücken, die keinen Vergleich scheuen brauchen. Ja, man kann Kekse mit Fruchtmasse oder Cremes füllen. Sie dürfen auch weichen Teig haben. Der unangefochtene Meister aller süßen Leckereien, die USA hat eine ganz besondere Spezialität zu bieten: die Cookies. Die langweilige deutsche Übersetzung hierfür: Kekse! - Und so schmecken die industriell gefertigten Dinger auch.

Die Originale dagegen sind eine Offenbarung! Sie haben einen Durchmesser von 5-10 cm und eine Höhe von 1 - 2,5 cm. Vom Rand zur Mitte werden sie immer weicher und der Teig hat ein Aroma. Sie haben verschiedene Einlagen: Erdnüsse, Macadamianüsse, Paranüsse, Walnüsse, Haselnüsse, weiße oder dunkle Schokostückchen. Ihr Geheimnis ist die Backzeit - sie kommen noch weich aus dem Ofen. Und der braune Zucker, der für die weiche Konsistenz sorgt. Und auf gar keinen Fall darf man die Zucker- und Fettmenge reduzieren. Dann werden sie zu deutschen Keksen.

Das einzige Adventsgebäck, was ich regelmäßig backe, weil es gar nicht keksig schmeckt, sind Lebkuchen-Cookies. Alle, die sie kosten, haben den ersten Bissen noch gar nicht hinunter geschluckt, wollen schon das Rezept haben. Daher hier für alle und in Gedenken an Schaneina und Schenny, die ihre liebe Mühe damit hatten, eine detaillierte Anleitung dafür:

Zutaten:

240g Zartbitterschokolade

80g Haselnusskerne

160g Butter

120g braunen Zucker

1 Ei

1 Vanilleschote (ich nehm 1Pkg. Dr. Oetker Finesse Vanille)

200g Mehl

120g weißen Zucker

½ Pkg. Backpulver

2 TL Lebkuchengewürz

Zubereitung:

1)      Die Schokolade und die Haselnüsse mit einem Messer mittelgrob hacken. Zwischenzeitlich die Butter schmelzen und das Ei aus dem Kühlschrank nehmen.

2)      Die flüssige Butter mit dem Zucker 2 min schaumig rühren. Das Ei, Vanillearoma und Lebkuchengewürz zugeben und alles verrühren.

3)      Die trockenen Zutaten (Mehl, Backpulver, Nüsse, Schokolade) vermischen und mit 1 EL Wasser und die Buttercreme ziehen. Evtl. noch 1-2EL Wasser zugeben. Die Masse muss zäh sein, aber nicht klumpig trocken.

4)      Mit zwei Teelöffeln (!) walnussgroße Teighäufchen (nicht mehr als 12) auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech setzen.

5)      Im vorgeheizten Ofen (E-Herd, am besten Ober- und Unterhitze) bei 175°C 10 Minuten backen.

6)      Nach der Backzeit aus dem Ofen holen und sofort stark verlaufene Kekse voneinander trennen und dabei die einzelnen Kekse etwas zusammenschieben. Man kann sie auch dünn lassen. Das ist Geschmackssache. Dann werden sie allerdings schneller hart.

Ergibt ca. 60 Stück, die keiner großen Aufbewahrung bedürfen, da sie ruckizucki aufgegessen sind.

Fazit: Es ist nicht alles Keks, was diesen Namen trägt.


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Doppeldecker-Mandel-Nougat-Torte

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Vorweg ein Geständnis: Ich mag keine Torten! Ich esse sie zwar, aber ich mochte sie nie wirklich. Das liegt hauptsächlich an der Sahne. Wer Torten kennt, weiß, dass diese aus zwei bis drei Lagen Biskuit und jeder Menge Sahne bestehen, welcher als geschmackgebendes Mittel häufig Alkoholika zugesetzt werden. Die guten Torten weisen einen Mürbeteigboden auf und irgendwo eine Andeutung von Frucht in Form von matschigem Fruchtmus oder klebriger Marmelade. Man denke an eine gute, alte Schwarzwälder-Kirsch-Torte, die auf meiner Torten-Abscheu-Liste ganz oben steht. Keine Frage - meine Bewunderung gilt all jenen Zuckerbäckern, die es fertig bringen so ein Kunstwerk aus mehreren Teigen und selbstgekochtem Fruchtmus zu fabrizieren, bei dem auch wirklich alles Geschirr der Küche eingesaut wird. Tatsächlich gehört meine Schwiegermutter zu diesen und sie backt eindeutig die mit Abstand am besten Torten. Mein Favorit ist ihre Johannisbeer-Baiser-Torte.

Aber es bleiben dennoch Torten. Und immer, wirklich immer, enthalten Torten Unmengen Sahne. Wer hat das eigentlich mal beschlossen? Ist das am kostengünstigsten? Ergibt sie das meiste Volumen? Kann man die am einfachsten aromatisieren? Oder soll sie den Eindruck fluffig-leichten Genusses erwecken, wenn man diese Kalorienbombe isst? Nach dem Motto: Ist ja nur Luft in der Sahne und dem Biskuit!

Im Gegensatz zu mir liebt der beste gute Ehemann Torten und zwar Schokotorten. Während ich noch unentschlossen vor der Tortentheke stehe auf der Suche nach derjenigen mit der wenigsten Sahne und am Ende Käsekuchen oder Himbeertorte nehme, hat er sich schon zielsicher für die Schokotorte entschieden. Das hat durchaus etwas Beständiges. Es nahte also sein Wiegenfest und traditionell wird dafür Kuchen selbst gebacken. Was lag also näher als ein Schokokuchen. Nein, den gab es schon die letzten Jahre; Brownies waren auch nicht überzeugend, dieses Mal musste eine Torte her. Dreidecker-Mokka-Mandel-Torte nannte sich das Prachtstück, das mit dem wenigsten Aufwand ein optisch und gustatorisch hochwertiges Ergebnis versprach.

Muss ich wirklich schreiben, dass es nicht geklappt hat? Es begann mit den blanchierten Mandeln. Die hatten wir natürlich nicht, kann man aber gut selbst herstellen. Einfach kochendes Wasser drauf und 30min einweichen lassen. Dann kann man sie wieder anfassen und sie flutschen bei leichtem Druck einfach aus der Schale. Haha, aber nur, wenn man lang genug wartet. Und dann sind die natürlich mit Wasser vollgesogen. Ein anschließendes Feinvermahlen erweist sich folglich als schwierig. Auch vorheriges Trocknen im Backofen war nur bedingt hilfreich.

Dann folgte der katastrophale Biskuit. Das Eiweiß wurde nicht steif und im Rezept wurde verschwiegen, welche Menge gemahlener Mandeln denn nun hineinkommt. 250g für 6 Eier sind eindeutig zu viel. Ein Becher Sahne machte den Schokoklumpen wenigstens etwas geschmeidig. Ich wollte noch Natron hineintun, vergaß es aber. Wundersamerweise ging das gute Stück tatsächlich etwas auf, hatte aber dennoch die Konsistenz von Tarte au Chocolat und ergab somit auch nur zwei Böden, anstatt drei.

Die Mokka-Geschichte ist eigentlich nebensächlich, da ich den einfach weggelassen habe. Oder hat schon mal jemand Instant-Espresso gesehen oder gekauft? In Deutschland? Mal abgesehen davon, dass Instant-Kaffee ein ganz großes Verbrechen an der guten Bohne darstellt, ist Instant-Espresso wohl das unsinnigste, was der Markt hervorbringen könnte, da Espresso, der Name sagt es bereits, der schnellste Kaffee im Universum ist. Wir hatten sowieso noch Nougatmasse und die ist auch sehr lecker zu Schokolade.

Nach zweimaligem Verdrecken und Abspülen sämtlichen Koch- und Backgeschirrs, entstand doch noch ein ansehnliches Törtchen, das aber, Zitat des Geburtstagskindes, „ziemlich mächtig war". Dem kann ich nur beipflichten. Lecker war es trotzdem! Man nehme:

200g Zartbitterschokolade
6 Eier, getrennt
100g Zucker
3 EL Mehl
¼ TL Salz
350g blanchierte Mandeln
600g Schlagsahne
120g Nougat

Man fette eine Tortenform (23cm) ein, lege Backpapier hinein, fette wieder ein, streue sie mit Mehl aus und heize den Backofen Umluft auf 160°C vor.

Eiweiß mit Zucker steif schlagen. Zucker langsam einrieseln lassen.

Schokolade im Wasserbad schmelzen. 150g (? oder weniger) Mandeln fein mahlen und mit Mehl und Salz sowie den Eigelben zur Schokolade geben und verrühren. Diesen Teig portionsweise unter das Eiweiß heben. Alles in die Form füllen und 40 - 45min backen.

Nach Backen sofort aus der Form lösen und auf dem Kuchengitter auskühlen lassen. Dann waagerecht in drei gleiche Böden schneiden.

Die restlichen Mandeln, klein hacken und in einer Pfanne ohne Fett rösten. Abkühlen lassen. Den Nougat im Wasserbad schmelzen. Die Sahne steif schlagen und den Nougat unterrühren.

Erst einen Boden auf einen Tortenplatte legen, dann ca. ein Drittel der Nougatmasse darauf geben, wieder einen Boden und so weiter. Die Torte rundum mit der Masse bestreichen. Dann die Mandelsplitter am Rand anbringen und die Torte nach Belieben verzieren.


Fazit: Eine komprimierte Torte enthält genauso viele Kalorien wie eine fluffige!



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Rote Kirschen ess ich gern!

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Es war mal wieder soweit. Die Schwager-Familie aus Süddeutschland hat uns in unserem schönen Landstrich besucht und das endete wie gehabt in einem herrlichen Resteverwertungsrezept: diesmal dem Kirschmichel!

Aber von vorne. Damit auch niemand verhungert, hatten wir eingekauft. Und da sie Angst hatten, wir haben ihre speziellen Supersonderesswünsche nicht, haben sie selbst auch noch mal eingekauft. Und da die Schwiegereltern so reiche Ernte haben, hatten die auch nochmal was mitgegeben.  Unser Kühlschrank war viel zu klein, und am Ende waren wir der Lebensmittelflut nur bedingt Herr geworden.  Es gab haufenweise Reste, die normalerweise nicht auf unserem Speiseplan stehen, bzw. die wir zwar mögen, aber deren Verzehr uns ob ihrer großen Menge vor ihrem Verfall schier unmöglich gewesen wäre. Als da waren: Eier und Eiweiß, frische Süßkirschen, Milch, Toastbrot. Was tun?

Die Kirschen mussten als erstes weg. Frische Süßkirschen verkochen zu wollen, ist eine große Herausforderung. Man muss sie zumindest entsteinen, was viel Arbeit bedeutet. Außerdem verlieren sie beim Erhitzen unweigerlich ihren gustatorischen Pfiff. Kuchen sind allermeist mit Sauerkirschen; bei denen fällt dieser Verlust weniger auf, weil sie immer noch ein (zweifelhaftes) Gaumenerlebnis hervorrufen. Da war guter Rat teuer.

Glücklicherweise erinnerte ich in einem uralten Kochbuch namens „Deutsche Küche" mal eine Süßspeise mit frischen Kirschen gesehen zu haben. Tatsächlich  enthielt der Pfälzer Kirschmichel frische Süßkirschen, altbackene Brötchen und viel Milch und viel Eiweiß. Leider konnten die aus dem Mittagsschlaf gerissenen Nachbarn nicht mit einem Entsteiner behilflich sein. Aber aus Didis Clafoutis-Beitrag haftete noch der wichtige Satz: „Die Kirschen müssen nicht entsteint werden.", in meinem Gedächtnis.

Das Rezept hatte so seine Tücken, da wesentliche Zubereitungsschritte nicht erwähnt wurden und manch eine Zutat in der Zubereitung nie wieder auftauchte. Trotz des sehr verschwenderischen Einsatzes von Küchengeräten, ergab die Kombination einfachster Zutaten ein köstliches Gericht, dessen Genuss nur durch Kirschkerne getrübt wurde. Daher kommt hier die vollständige Variante von Angies Kirschmichel.

600g Süßkirschen
10 Scheiben Toastbrot
400mL Milch
100g Butter
2 Eier
4 Eiweiß
100g Rohrohrzucker
1 Prise Salz
50g gemahlene Mandeln
1 EL Rohrohrzucker
1 TL Zimt

Die Kirschen verlesen, waschen (Gerne länger einweichen, damit eventuelle Maden flüchten können. Ist zwar unappetitlich, aber besser vorher geekelt als hinterher verschluckt.) und entsteinen (Der Zeitaufwand lohnt sich!). Die entsteinten Kirschen in einer großen Auflaufform zwischenparken.

Nebenbei  das Toastbrot im Backofen bei 160°C 10 min rösten bis es ganz trocken ist und die Milch erwärmen. Das staubtrockene Toastbrot in kleine Stücke brechen und zu den Kirschen in die Auflaufform geben. Es sollte unten liegen. Dann die warme Milch darüber gießen und das Toastbrot ca. 20 min vollsaugen lassen. Ruhig mal zwischendurch rühren, damit alles Toastbrot vollgesogen ist.

In der Zwischenzeit das Eiweiß steif schlagen. Butter mit Zucker schaumig rühren, erst Eier, Salz und Zimt dazu geben und dann das Eiweiß unterziehen. Die Masse mit den Zutaten in der Auflaufform vorsichtig vermengen.

Bei 200°C Umluft 50-60min backen.

Den Kirschmichel mit einer Mischung aus gemahlenen Mandeln, ein Esslöffel Zucker und etwas Zimt bestäuben.  Macht sich besonders gut mit 1-2 Bittermandeln.

Noch warm servieren! Das Ganze ist sehr lecker und daher hört man erst mit Essen auf, wenn man satt ist. Kann also durchaus als ganze Mahlzeit für 3-4 Personen aufgetischt werden. Dazu kann man Vanillesauce reichen.

Fazit: Die Süßkirsche ist nicht ohne Tücken, aber immer ein Genuss.


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Es geht um die Wurst

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Betrachtungen eines Klassikers der deutschen Küche.


Die "Original"-Currywurst

Diesen Beitrag widme ich meinem guten, alten Blogfreund Naheulbeuk. Dafür gibt es mindestens zwei gute Gründe: Erstens, weil er ein leidenschaftlicher Wurstmacher und so vermutlich auch -esser ist. Und zweitens aus Dank, weil seine Blogbeiträge mir immer eine inspirative Quelle und leuchtendes Vorbild sind und ich sie hier schmerzlich vermisse.

Was dem erwachsenen Naschkätzchen sein Milchjieper ist dem (fortgeschrittenen) Vegetarier sein Fleischjieper. Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, verspürt jeder Vegetarier irgendwann Fleischeslust. Eigentlich wollen wir es nicht wirklich. Sei es aus Prinzip oder der Tiere wegen, aber der Fleischjieper ist stärker als wir. Zunächst ist es nur ein Gedankenblitz. Ausgelöst wird er oft durch Kleinigkeiten. Wie ein kleiner Welpe wächst er sich innerhalb weniger Tage zum riesigen Wolfshunger aus. Nicht, dass ich ein blutiges Steak wollte, oder gar Blutwurst. Die standen noch nie auf meinem Speiseplan. Nein, es sind eher die kleinen, versteckten Fastfood-Sünden, die mir verwehrt bleiben und mich daher umso stärker reizen.

Und genau da liegt das Problem. Die Industrie hat zwar alle möglichen Eiweißersatzprodukte erfunden, aber bei Bratwurst, Burger, Hot Dog & Co. hat sie lange Zeit geschlafen oder wenigstens kläglich versagt.
Man denke nur an die ersten Tofu-Würste! Schwamm drüber...
Oder den lächerlichen Versuch größerer und kleinerer Massenbespeisungsstätten einen vegetarischen Burger mit Gemüsebratlingen zu bestücken. Wenigstens schmeckten die gut, aber waren immer noch kein Vergleich zum Original und hinterließen den faden Nachgeschmack, etwas verpasst zu haben. Zum Glück gibt es seit einiger Zeit täuschend echte Veggie-Burger, so dass Hamburger mit Pommes kein Problem mehr darstellen, wenn der Fleischjieper kommt.
Eine weitere geniale Erfindung ist vegetarisches Gyros. Es ist nicht perfekt, aber es ist ziemlich nah dran. Insbesondere, wenn man es mit frischen Zwiebeln und Paprika aufpeppt. Das ist nicht nur subjektive Veggie-Meinung, sondern das Ergebnis einer nicht repräsentativen Umfrage im fleischessenden Freundeskreis.
Einzig für des Deutschen liebstes Tier den Gehacktestier, gibt es noch keine wirklich gute Alternative. Ich hör schon die Rufe: Sojageschnetzeltes! Grünkernschrot! Seitan! Aber nein, nein, nein. Spätestens beim Anbraten verlieren die soviel Wasser, dass nur noch verkohltes Granulat übrig bleibt. Es gibt keine leicht angeröstete Zwischenstufe zwischen wabbeliger Eiweißersatz und knurpsige Kohle. Echt nicht!

Und dann ist da noch das weite Feld der Brat- und Knackwürste. Da hat jeder so seine eigenen Favoriten, aber die Veggie-Würstchen-Industrie hat für Hot Dog Würstchen einfach noch keinen adäquaten Ersatz gefunden. Das trifft mich ganz besonders, denn die einzelnen Hot Dog Zutaten verbinden sich, wie ich finde, in ein großartiges Gesamtgaumenprodukt, das früher zu meinem Lieblingsfastfood gehörte. Aber hat das schon mal wer ohne das Würstchen probiert? EBEN! Und was will man da Vergleichbares reinlegen, anstelle dieses so besonderen Fleischproduktes? Sachdienliche Hinweise bitte per CK-Mail.

Mit Currywurst war das auch immer so ein Problem. Das geht ja schon dabei los, dass eigentlich keiner so genau weiß, woher die Currywurst nun kommt. Nur weil der Pott eigens dafür Lieder geschrieben hat, muss sie nicht zwingend von dort kommen. Berlin will sowieso immer Hauptstadt von allem sein. Den Bundestitel hat sie schon, dicht gefolgt vom Dönerparadies. Aber erbittert kämpft sie gegen das Tor zur Welt, wo ebenfalls ein Anspruch auf die Erstentdeckung der Currywurst erhoben wird. Außerdem ist die Basiswurst überall anders. Hier ist es eine Thüringer Rost-Bratwurst, dort eine Knackwurst, und wieder wo anders eine Krakauer. Das scheint regional sehr stark gefärbt zu sein. Bei uns war es letztlich ein Weizenproteinprodukt, genannt Bratrolle. Hier wollte das Marketing wohl den fleischesbelegten Terminus „Wurst" umgehen, was zu einer kreativen Wortschöpfung und großem Gelächter geführt hat.


Und dann erst die Soße! Die ist wenigstens überall gleich. Aber ich möchte nicht wissen, was da alles drin ist. Da wir Verbindungen in die Stadt hegen, welche die angeblich beste Currywurst-Soße (ja, auch hier scheint es noch Vormachtskämpfe zu geben) ever herstellt, befindet sich im Vorrat ein kleiner Fundus davon. Getarnt als sogenanntes „Gewürzketchup". Weil das Sortiment bereits einen antiquarischen Charakter besaß, teste ich mal vorsichtig eine Flasche jüngeren Verfallsdatums. War noch gut und quietschesüß! Seitan-Bratrollen mit süßer Soße hört sich auch mehr nach chinesischer und nicht nach deutscher Küche an.

Aber was soll ich sagen: das Ergebnis war in Geschmack und Konsistenz absolut überzeugend! Das Aroma der Ketchups harmonierte super mit den Bratröllchen. Mein Currywurstjieper ist für die nächsten zwei Jahre gestillt. Dazu gab es selbstgemachte Kartoffelspalten. Fragt sich nur, was mit 402 Milligramm Soße geschehen soll. Meistbietend im Internet versteigern? Der Stoff ist gefragt wie Luzie und es wechselten schon unappetitlichere Lebensmittel für sehr viel Geld den Besitzer. Das war ein Scherz: Von Anfragen per CK-Mail ist abzusehen!!!

Die Fälschung

Fazit: Manchmal muss es eben was Fleischiges sein. Da sind vegetarische Bratrollen nur zu empfehlen!


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