Maizeit ist Waldmeisterzeit. Die kleinen grünen Pflänzchen mit ihren acht zarten kranzförmig angeordneten Blättern verlocken einfach dazu Sie in in rauen Mengen zu pflücken und daraus Schlemmereien zu produzieren. Waldmeister, Galium odoratum, gehört zu den Labkräutern, hat aber als einziger Vertreter dieser Gattung keine Behaarung und spitz zulaufende Blätter - unverwechselbar also mit dem Unkraut im Garten. Um den namensgebenden, leckeren Geruch, welcher intensiv nach ein- bis zweitägigem Anwelken entsteht, einzufangen, ist es nötig, den Waldmeister irgendwie mit Flüssigkeit in Berührung zu bringen. Meistens Wasser, Wein, Sekt, Sirup. Entgegen der landläufigen Meinung sind diese wässrigen Extrakte dann nicht grün, sondern farblos oder höchstens leicht gelblich, was meist ihre natürliche Farbgebung widerspiegelt. Ein weiteres Gerücht ist ebenfalls, dass man ihn nur vor der Blüte ernten sollte. Irrtum, wenn bereits leichte Blütenansätze da sind, kann man ihn noch prima verwenden. Richtig hingegen ist, dass er Cumarine enthält, die in größeren Mengen genossen zu Kopfschmerzen oder anderen Übelkeiten führen. Die Symptome treten bei mir mit Waldmeister-Sirup auf. Als Alternative zu gesüßten Getränken sah ich mich in der Datenbank um - und wurde fündig: Waldmeisterkonfitüre!
Diese kleine Köstlichkeit besteht aus frisch gepresstem Erdbeersaft und Unmengen Waldmeister, der zusammen mit Limettenscheiben und jungen Tannentrieben in ein wenig Weißwein und viel Wasser extrahiert wird. Dummerweise hatte ich das vergessen und die ganze Flasche Weißwein und wenig Wasser genommen. Wer nun glaubt, dass der Alkohol verkocht, der irrt.

Ein weiteres Problem bei Marmeladen im Allgemeinen und dieser Konfitüre im Speziellen ist der Zucker. Da sollte doch tatsächlich 2kg Zucker auf 1,8L Flüssigkeit verwendet werden. Uiiuiuii. Offensichtlich ließ das mein Unterbewusstsein nicht zu und so verwandte ich beim letztjährigen Versuch Jahr zwei Pakete Gelierzucker. Nur dass Gelierzucker nicht in 1kg-Paketen sondern bloß in 0,5kg-Paketen abgepackt ist. Folglich entstand eine wunderbare Erdbeer-Waldmeister-Sauce, die überall großen Anklang fand und mit Tortenguss-Pulver angesetzt einen prima Tortenüberzug abgab.
Dieses Jahr kam Xylit zum Einsatz und Geliermittel 1:3. Ersteres ging bei doppelter Süßkraft gegenüber Zucker in halber Menge in die Konfitüre ein und Letzteres genoss von jeher zweifelhaften Ruf: Ein Schaumbad hätte üppiger nicht ausfallen können. Ob die Säure im Nachgang des Konfitüregenusses vom Geliermittel oder dem Wein herrührt, lässt sich leider nicht mehr sagen. Auch die Erdbeeren hätten noch mehr Sonne haben können. Auf einen neuen Versuch im nächsten Jahr!

Fazit: Bei solchen feinen Sachen darf man nur feine Sachen verwenden!

Henglein
Rama Cremefine










