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Die verunglückte Motivtorte

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Die verunglückte Motivtorte

 

Da möchte ich mal wieder aus meiner frühen Kindheit, die in der Nachkriegszeit durch Hunger und Entbehrungen gezeichnet war, ein Weihnachtsanekdötchen erzählen.

Ich hab ja schon einige Kindheitserlebnisse hier im Adventskalender beschrieben. Gerade an diese Zeit hat man so viele Erinnerungen, weil durch die Armut damals, die Menschen doch sehr zusammenhielten und auch fast alle sehr kreativ waren.

 

Es war die gleiche Weihnacht, die ich  in einer vorhergehenden Weihnachtsgeschichte  beschrieben habe, als meine Mutter mit einer Nachbarin einem Schwarzhändler 1 Sack Kartoffel stibitzte. Stehlen hört sich so schlimm an… 1946 war es ja Mundraub.

Meine Oma war eine fleißige Strickerin und was sie so zusammengestrickt hat, das würde man sogar hier im Freizeitforum noch bewundern. Vor Weihnachten sah man sie nicht mehr ohne Stricknadeln, denn sie hatte viele Aufträge für Weihnachtsgeschenke. Das wurde natürlich nicht mit Geld bezahlt, da konnten wir nicht viel mit machen, sie bekam Naturalien und Lebensmittelmarken. Die andere Oma war sehr dünn und hatte Schatten auf der Lunge. Sie bekam Schwerstarbeiter- Lebensmittelmarken. (Sie ist bei bester Gesundheit aber noch 85 geworden)

Mein Vater war kurz vorher aus der Gefangenschaft gekommen. Es war für meine Familie eine schwere Zeit. Wir hörten, dass mein Vater in französischer Gefangenschaft war. Dann bekamen wir von einem Mitgefangenen die Nachricht, dass er geflüchtet ist. Es dauerte Monate , kein Lebenszeichen…. Meine Mutter und meine Oma weinten so oft. Ich konnte es nicht verstehen..für mich war klar, Papa kommt bald.

Mitte November, wir waren schon alle schlafen gegangen, hörte ich einen ganz vertrauten und bekannten Pfiff. Es war mein Papa ! Ich musste meine Mutter, mit der ich im Bett Löffelchen lag, erst anständig vors Schienbein treten und schrie, der Papa kommt.. Sie wurde wach und meinte, dass ich geträumt habe. Ein Klopfen am Fenster und wieder der Pfiff. Meine Mutter war wie starr, meine beiden Omas, die es nun auch mitgekriegt haben, schrien wild durcheinander. Mein Bruder beruhigte sie etwas und Opa öffnete endlich die Tür.

Da stand er , groß, gutaussehend und fröhlich. So hatte sich das kein Mensch vorstellen können. Das war mein schöner Papa. Abgerissene Kleidung, alter Rucksack..ihm stand das einfach alles so gut…er war da.

Er ist aus der Gefangenschaft irgendwo in Lothringen ausgebrochen. Er ist ja auch dort geboren und da kamen ihm einige Ortskenntnisse doch sehr zugute. Er ist zu Fuß, von Dörfchen zu Dörfchen gelaufen, hat zwischendurch bei Bauern gearbeitet, die so einem abgerissenen "Flüchtling" gerne Arbeit gaben. Er hatte auch einige dauerhaften Freundschaften geknüpft. So kam er bei uns wohlgenährt und zufrieden an. Er hatte aber keine Möglichkeit uns, seiner Familie ein Lebenszeichen zu geben, da er ja auf einer Fahndungsliste stand und er vermutete, dass zuerst die Familie beobachtet wurde. (Wie im Krimi)

Das war nach vielen Jahren wieder eine gemeinsame Weihnacht für meine Eltern.

Nun wurde erstmal Advent genossen. Oma hatte Lebensmittelmarken für Fett. So kamen wir an Butter. Eier bekamen wir von der Nachbarin und meine Mutter hat eine Torte gebacken. Eine Buttercremetorte, die hier mancher Motivtorte Konkurrenz gemacht hätte !

Unser Hund, ein süßer Drahthaarfox, war nicht mehr aus der Küche zu entfernen. Der Duft, der von unserem Küchenherd ausging, war sehr ungewohnt.

Es war der 4. Adventsonntag und alle freuten sich auf eine Buttercremetorte. Ich weiß sowieso nicht, wie meine Mutter in der Zeit so manche leckeren Sachen machte…Marzipankartoffeln aus Kartoffeln..Kaffeekuchen aus Muckefuck mit Pudding gefüllt….Marmelade aus rote Beete und vieles mehr.

Die Krönung sollte die Buttercremetorte werden. Sie hatte die Creme fertig und hat mit etwas Kaffee eine zweite Farbe hingekriegt. Oma hatte noch einen Spritzbeutel und dann gings los. Die Torte war so schön, wenn ich daran zurück denke, so etwas schönes hatte ich noch nie gesehen.

Sie war ziemlich hoch und ganz mit kleinen weißen Flöckchen betüpfelt und mitten drauf, auch in kleine Flöckchen, ein Weihnachtsbaum in bräunlich..die Kaffeefarbe.

Nun musste sie kalt stehen. Im Schlafzimmer war es richtig kalt..Mutti nahm die Torte und ging, sie vorsichtig transportierend, Richtung Schlafzimmer. Natürlich wir alle wie in einer Prozession hinterher. Auch unser Flocki der Hund.

Nun sollte die Torte ja nicht nur kalt stehen, sondern auch hoch, dass keiner dran kam. Also oben auf den Kleiderschrank damit. Papa wollte helfen und mit seinen 1,84 wäre er spielend dran gekommen. Nein, Mutti kann das alleine. Sie musste sich mit ihren 1.62 sehr hoch recken….schob langsam die Torte auf den Schrank….der Teller war wohl zu rutschig oder sonst was…die Torte stürzte..ich sehe es noch vor mir wie in Zeitlupe…dieses Wunderwerk an Schönheit und Genuss fiel Mutti genau in Richtung Gesicht-Hals- Brust.

Wir waren alle wie erstarrt, nur die Strick- Oma nicht. Die nahm vorsichtig die Torte, was davon noch über was und brachte sie wieder in die Küche.

Meine arme Mutter saß auf dem Boden und weinte..sie weinte wirklich vor Enttäuschung, weil sie uns doch so etwas Besonderes machen wollte und das ging total daneben. Sie war voll verschmiert mit Buttercreme.

Das sah natürlich unser Hund. Er drängelte sich vor und schleckte genüsslich mit wedelndem Schwänzchen Muttis Pullover und Hals ab.

Der Hund war wenigstens glücklich.

Als wir wieder in die Küche kamen, hatte meine Oma ein zweites Wunderwerk verbracht. Die Torte war mit einem großen Messer ganz glatt gestrichen worden und sah wunderbar marmoriert und lecker aus.

Unsere Nachkriegsmotivbuttercremtorte war gerettet. Die nahm aber mein Vater, ohne Widerspruch zuzulassen, beförderte er dieses neue Wunderwerk mit einer Leichtigkeit ins Schlafzimmer auf den Kleiderschrank. Sie war nun sicher.

Unseren Kaffeeklatsch mit der Torte werde ich nie vergessen.

 

Nach vielen Jahren hab ich Eltern und Schwiegereltern mal eingeladen und habe versucht, genau diese Torte…in ihrer Originalform ohne Sturz, nachzumachen. Es ist mir gelungen und meine Eltern haben sich so gefreut und wir schwelgten in Erinnerungen.

 

Ich weiß aber nicht, ob sie uns so gut schmeckte wie damals…Es war eben etwas ganz Besonderes in dieser Zeit .

 

Diese Weihnachten 1946 war sehr ereignisreich. Wie wir endlich an den Tannenbaum kamen, was auch sehr schwierig war, und was ich da vom Christkind bekam, das erzähle ich dann im nächsten Jahr.

 

Ich wünsche Euch allen ein friedliches, schönes Weihnachtsfest und ein gesundes und glückliches Neues Jahr.

 

 

Liebe Grüße Uschi

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Kleine Erinnerung

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Kleine Erinnerung an Weihnachten.

Jedes Jahr am Heiligen Abend kamen meine Eltern und Schwiegereltern zu uns. Ich habe mir immer sehr viel Mühe gemacht und mindestens 5 Gänge geboten.
Natürlich war es für mich immer ziemlich stressige Zeit, aber ich wusste, dass die Eltern es genossen haben.
Nur mein Vater….er meinte immer, ich solle nicht so viel Gedöns machen und einen schönen Eintopf machen. (Er liebte Eintöpfe und fand Menüs unnötig…)
Das Geld, das ich für die teuren Zutaten des Menüs spare, solle ich zur Kindernothilfe geben. Da hatten wir aber sowieso 2 Patenkinder und ich finde, dass es reichte..
An einem Heiligen Abend ist mein Mann zu einem sehr guten Metzger gegangen, der immer eine tolle Erbsensuppe herstellte. Er holte so ein 5 Liter Eimerchen und versteckte es im Keller.
Die Eltern kamen. Der Tisch war festlich gedeckt für alle Gänge..nur Papa hatte einen großen Suppenteller. Im Moment und im Eifer des Gesprächs hatte er es zuerst nicht bemerkt.
Dann kam der Gruß aus der Küche und Papa bekam nichts. Er reklamierte…“und iiich ???“ Da kam mein Mann mit dem Eimer Erbsensuppe und stellte ihn auf ein Tischchen daneben..“so Papa, das war immer Dein Wunsch und nun haben wir ihn Dir erfüllt….“
Das Gesicht sprach Bände. Wir haben so gelacht… Er sagte aber geistesgegenwärtig, „ Das habt Ihr aber lieb gemacht. Das ist mein schönstes Weihnachtsgeschenk ..“und dann..“Maria (was meine Mutter war) den nehmen wir mit und den kannst Du schön portionsweise einfrieren..und jetzt möchte ich auch sowas und zeigte auf meine Artischockenböden, die ich mit Tatar bestrichen hatte.
Ich habe ihn gewarnt und sagte, dass er aber nicht meckern soll.. Nein er versprach es.
Nach einer Zeit kaute er drauf rum und besah sich das alles ganz genau. Guckte mich immer grinsend an bis ich dann sagte..“ Naja Papa, sachet schon…“
„Sag mal, wo hast Du die feuchten Brötchen her…“ Meine Artischockenböden…Himmel….
Wir haben so gelacht und Schwiegermutter saß da etwas echauffiert.
Ich wusste genau warum er und mein Schwiegervater das machten. Das war auch so ein Witzbold….
So war Weihnachten immer sehr schön für unsere Eltern. Sie sangen unterm Weihnachtsbaum, sie bekamen ihre Geschenke und hatten Spaß beim auspacken
Wir hatten Stress…aber ich sagte meinem Mann immer…eines Tages ist das vorbei und das wird uns fehlen.
Es fehlte uns dann auch sehr !!!
Und jetzt fehlt es mir noch mehr, weil ich jetzt plötzlich ganz alleine bin. Wie gerne hätte ich mal wieder so ein bisschen Weihnachtsstress !!
Schimpft nicht über die Hektik und Arbeit in diesen Tagen. Genießt es, wenn Ihr noch zu den Eltern oder zu den Schwiegereltern, Omas und Opas gehen könnt, oder wenn sich alles bei Euch abspielt.

Genießt die Zeit, denn die Ruhe kehrt irgendwann so oder so ein.

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Weihnachten 1946

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Weihnacht 1946

Ich erzähle Euch mal wieder eine Geschichte aus der guten… ???, nein, nur aus der alten Zeit. Gut war die Zeit nicht. Trotzdem hatten wir so eine Vorfreude auf Weihnachten, obwohl es kaum Geschenke gab.
Meine Oma und meine Mutter haben alte Sachen aufgeribbelt, dann neue Sachen gestrickt. So wurde jedes Jahr mein Pummelchen, das war meine Puppe, die mich in der Kriegszeit überall hin begleitet hatte, frisch und neu angezogen. Ich war glücklich und zufrieden.

Trotz der schlechten Zeit, Deutschland noch ziemlich verwüstet vom 2. Weltkrieg aber kräftig im Aufbau, hat man sich wirklich auf die Feiertage gefreut.
Für solche Tage wurde immer besonders geplant und gespart. In der Adventszeit versuchten wir etwas Tannengrün zu bekommen und dann wurde ein Adventskranz mit Kerzen und Schleifen gebastelt. Kerzen, ja was gab es da?? Diese scheußlichen Nachkriegskerzen, die man benutzte, wenn mal wieder der Strom ausfiel.

Oma hatte noch so einen alten Unterrock aus feinem Stoff, der noch ein paar gute Teile hatte. Der wurde vorsichtig in Streifen geschnitten und da wurden dann Schleifen draus gebunden und wir hatten einen wunderschönen Adventkranz, der jeden Abend ein Viertelstündchen angesteckt wurde…die Kerzen natürlich.

Man hatte Lebensmittelmarken für diese Zeit gespart. Oma war gut dran, sie hatte einen Schatten auf der Lunge und bekam die Schwerstarbeitermarken. Das war was ganz besonderes. Als später die Lebensmittelkarten abgeschafft wurden, hatte auch unser Oma keinen Schatten mehr auf der Lunge…sie ist noch sehr alt geworden.

Nun wohnten wir mit Oma und Opa in einem großen Haus Parterre. Im ersten Stock wohnte ein „Schwarzhändler“. Da machte die Polizei schon mal Hausdurchsuchungen und das fanden wir Kinder spannend..
Dieser Herr Reinbach (Name geändert) verhuschelte auch Kartoffeln. Wir konnten ihm keine abkaufen, weil sie zu teuer waren und weil er nur ganze Säcke verkaufte.

Kurz vor Weihnachten kam meine Mutter und unsere Nachbarin aufgeregt ins Zimmer, wir wurden raus geschickt und ich…natürlich niemals neugierig, ging nicht allzu weit weg. Dann hörte ich Oma rufen…“Jeesses Goot, das han ich im Lääwe noch nit gemacht..neee neee…..“ Meine Mutter hörte ich sagen…“Bevor meine Kinder hungern, klau ich alles was nicht niet und nagelfest ist !“
Das hörte mein Vater natürlich nicht, weil er gerade als Lokomotivheizer Kohlen in den Ofen der Dampflok schaufelte damit sie anständig Dampf machte..
Er als ehemaliger Beamter, mit 2 linken Händen (wie meine Mutter immer sagte) hat jede Arbeit angenommen in der Hoffnung, bald wieder in unserem Rathaus sitzen zu können. Aber das dauerte bis 1948.. Jedenfalls hatte er sich in der Zeit bis zum Wagenschreiber hoch gearbeitet..
Ein Beamter, hätte so eine Freveltat niemals zugelassen.

Die Tat…Dieser Nachbar Herr Reinbach hatte 8 Säcke der wunderbaren Kartoffeln im Treppenhaus stehen…..
Am nächsten Tag waren es nur 7 Säcke.
Meine Mutter und die Nachbarin aus dem Hinterhaus hatten beste Laune. Meine Oma schüttelte nur immer mit dem Kopf…..“Ei ,so war noch nix..!“ Opa strahlte..

Wie ich später erfuhr, haben die beiden Damen zu nächtlicher Stunde einen Sack entfernt..durch unsere Wohnung geschleppt und in Nachbarins Keller im Hinterhaus..unter den Kohlen versteckt.

Am heiligen Abend gab es einen Kartoffelsalat..ich habe nie wieder so einen Kartoffelsalat gegessen..und Würstchen, die aber bestimmt rechtmäßig erworben wurden, da Oma ja die Schwerstarbeitermarken hatte und am 1. Weihnachtstag gabs Kartoffelknödel mit einem "Ragout"..... BOOOIINNNGG....

Ja , mein Bruder hatte Kaninchen „gezüchtet“ und ein schönes graues, edles Tier wurde gestohlen…oder es ist laufen gegangen...oder ? na dann... Jedenfalls war der Stall leer. Seinen belgischen Riesen hatte er aber noch…der wurde sehr alt………..
Uns wurde aber erst viel später erzählt, was mit dem Kaninchen passiert ist…

Heute überlegt man, was man zu Weihnachten alles an Leckereien und Menüs machen kann. Nichts ist gut genug für Weihnachten…und das ist gut so !!
Wenn ich aber an den Muttis Kartoffelsalat von den geklauten Kartoffeln denke..Nichts kommt dem gleich.

Ich wünsche Euch allen, dass Ihr niemals dazu gezwungen seid, Eure Kartoffeln zu klauen.... ...

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Erinnerung an Cochem

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 Es war in der Zeit des 2. Weltkrieges.  Anfang der vierziger Jahre wurden wir evakuiert, weil unsere Stadt schon ziemlich von den Bombenangriffen verwüstet war....

Ich weiß es nun nicht, ob meine Mutter den Ort, zu dem wir ziehen mussten ausgesucht hatte, oder ob es bestimmt wurde...von den Behörden oder ähnlichem.

Jedenfalls konnte es kaum schöner sein, als in ein kleines , idyllische Städtchen an der Mosel evakuiert zu werden...nach Cochem.

Ich empfand es natürlich nicht so, da ich noch klein war und alles, was mich von Oma entfernte, brachte mich zum weinen.

Oma aber musste zu Hause bleiben und aufs Haus aufpassen.

In der Zeit war es mir auch nicht so bewusst, dass wir in einer sehr schönen Gegend leben durften, in der Wein angebaut wird und wo es einen Berg gab mit einer wunderschönen märchenhaften Burg.

Es war aber alles so fremd und ich hatte sofort Heimweh....das erste Mal in meinem jungen Leben.

Für meine Mutter war es wohl das gleiche Gefühl..ganz alleine mit 2 kleinen Kindern in einer fremden Stadt. Wo ihr Mann, unser Papa war, das war immer eine große Frage. Lebt er noch ? Ist er schon in Gefangenschaft oder kommt er irgendwann mal in Urlaub ?  Ihr war erstmal eines wichtig, dass wir sicher vor Bombenangriffen waren.

 Das war allerdings, wie sich später heraus stellte, ein Trugschluss. In Cochem ist der längste Tunnel Europas (zu der Zeit natürlich), der Kaiser Wilhelm Tunnel  und immer wenn irgendwo Alarm war, wurden Lokomotiven und mit Munition beladene Züge dort in den Tunnel gefahren. Das wussten natürlich auch die, vor denen wir Angst hatten. Alles das habe ich natürlich erst später erfahren.

 Wir wohnten in einem ganz alten Fachwerkhaus direkt am Berg. Aus dem kleinen Fenster hinten raus sahen wir direkt nur Sträucher und im Dunkeln sah das manchmal ganz schön unheimlich aus. Mutti hatte es uns so gemütlich aber wie möglich gemacht .Nebenan stand ein größeres Haus, in dem ein großer Weinbauer wohnte. Die Tochter des Weinbauern wurde so nach und nach meine Freundin, nachdem ich ihr Dialekt verstand.

 Meine Mutter hat dort mit vielen anderen Frauen ( mit meiner Tante, die auch mit Kindern nach kam), oft mit im Wingert (Weinberg) und aushilfsweise in einem Geschäft gearbeitet . Ich fand es furchtbar, so an den Hängen auf diese rutschenden Steinen an den Weinreben rum zu schnibbeln. Sinnloser Kram dachte ich,  doch mein Bruder , 3 Jahre älter als ich und schon sehr schlau, belehrte mich eines Besseren und erklärte mir, dass da Weintrauben dran wachsen und dass man daraus Wein machen kann........

 Dann kam die erste Weinlese. Alle waren im Weinberg und so mussten wir auch mit, da sonst keiner auf uns aufpassen konnte. Die Frauen haben die Trauben gepflückt, in Körbe gelegt und die Männer, die noch da waren, haben  diese großen. Kiepen gefüllt, sind runter zum Weg gegangen und haben diese großen Kiepen in einen großen Bottich geschüttet, der auf einem Wagen stand.

Wir spielten um den Wagen rum und Wilma, die Tochter des Weinbauern, kam schon mal mit einem etwas schmutzigen Gläschen und presste aus den Trauben so ein schmutzige trübe Brühe raus und ich sollte es trinken.......daraus sollten nun edle Weine werden ?? Konnte ich mir nicht vorstellen....

 Anschließend wurde auf dem Hof des Weinbauern richtig gearbeitet...Trauben gekeltert, der Trester  stank und der Most sah so trübe aus und ich sagte mir damals, das Zeug werde ich niemals trinken.

 Nun kam der Krieg auch dort immer näher..der Fliegeralarm wurden häufiger und auch in der Weihnachtszeit kam jeden Abend ein Tiefflieger, der wohl die Lage sondierte, tief über Cochem geflogen.

Meine Tante aus Düsseldorf, die uns in der Weihnachtszeit dort besuchen kam, nannte diesen allabendlichen Tiefflieger..@dä eiserne Justav@ Wir fanden es noch lustig.

  Nun bekamen wir auch einen Luftschutzkeller zugeordnet und es war der Weinkeller unseres Weinbauern-Nachbarn.

 Und dann kam die Weihnachtszeit, es war so spannend, was das Christkind uns wohl bringt. Einen Tag vor Weihnachten  hatte Mutti ein Zimmer geschlossen (wir hatten derer zwei __) und tat sehr geheimnisvoll .. Leider war mein Vater mal wieder nicht dabei, da er in der Zeit versuchte den Krieg zu gewinnen.

 Dann kam der Alarm

Die Leute unserer Strasse waren sehr überrascht und rannten so schnell wie möglich in den Weinkeller.

Wenn man die Stufen zu diesem Keller  runter ging kam einem ein moderiger säuerlicher Geruch entgegen, der mir fast den Atem raubte.

Dann saßen wir an den Fässern auf kleinen Bänken, Brettern und Stühlen und die Erwachsenen schwiegen sich ängstlich an. Ich  hatte auch immer noch wahnsinnige Angst bei Fliegeralarm, den ich ja von zu Hause kannte ... trotzdem ich mich niemals an ein Leben ohne Gefahr von oben erinnern konnte.

Eigentlich war es für uns Kinder ganz lustig da in dem Keller mit den großen Fässern, hinter denen wir uns verstecken konnten

Meine Freundin Wilma, die ja Hausrecht genoss, zerrte mich in eine Ecke hinter ein riesiges Fass und wollte mit den Puppen spielen. Da stand mir nun doch der Sinn nicht nach. sie wollte mich unbedingt aufmuntern und holte so ein schmutziges Gläschen, ging an ein kleines Fass und drehte an einem Kränchen.

Das Zeug musste ich trinke. Es schmeckte scheußlich sauer aber sie meinte, das wäre gut gegen meine Angst. Wie Recht sie hatte. Zwei Gläschen hatte ich geschafft, dann bin ich auf einem Brett eingeschlafen.

Als ich wieder wach wurde, lag ich in meinem Bett und meine Mutter hatte mich, nach der Entwarnung  schlafend hoch geschleppt.

Mir war so übel, dass ich mich übergebe musste. Sorgenvoll fühlte meine Mutter Stirn und Puls aber scheinbar war alles soweit in Ordnung, doch das Kind war krank.......

Dass das Kind betrunken war ist ihr viel später von meinem Bruder verraten worden.

 Von dem kleinen Weihnachtsbaum habe ich erst mal nichts gesehen und langsam wurde ich doch wieder wach.

Meine Mutter hatte die Kerzen ..naja es waren so 7 - 8.. angesteckt und es war soo schön.  Ich rührte mich und fühlte mich doch so wohl. Den Blick hatte ich auf unser kleines Fenster, das direkt zu dem Gestrüpp am Hang führte.

Plötzlich bewegte sich dort etwas !! Ich lag ganz still und starrte auf das Fenster. Es war etwas goldenes fast durchsichtiges und ich habe ein Gesichtchen erkannt.

Es musste das Christkind sein. Ich war so überzeugt, dass es das Christkind war, dass ich mich nicht gerührt habe aus Angst, es könnte wieder verschwinden.

Meine über alles geliebte  Oma war ja jetzt auch bei uns und ich hörte die leisen Stimmen von Oma und Mutti.

Ich glaube, dass ich nie mehr so ein Weihnachtsgefühl hatte wie in der Situation

Nach und nach löste sich diese wunderschöne Gestalt auf und es war nur noch eine Spiegelung des Weihnachtsbaums in den kleinen Scheiben.

 Ich bin dann wieder eingeschlafen. Am nächsten Morgen habe ich es natürlich sofort erzählt. Die Reaktion meines Bruders war natürlich.."die war besoffen...."

Meine Mutter hatte ein verständnisvolles Lächeln aber meine Oma hat mir geglaubt. Sie sagte mir, dass das Christkind nur lieben Kindern erscheint und ich wäre doch lieb.

Ja, ich glaube, ich war lieb. In der Zeit dieses furchtbaren Krieges mit ständiger Angst hatte man nichtmal als Kind den Gedanken etwas anzustellen...

außer meinem Bruder natürlich .....

 

 

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Besuch aus Italien.

Ganz plötzlich haben sich unsere italienischen Freunde aus Ischia entschlossen, ihre Tochter in Rotterdam zu besuchen.
Sie leben auf Ischia, sind Weinbauern, haben ein Minimarkt und einige Appartments.

Natürlich auch unser schönes "Casa in Giardino", das wir 18 Jahre von ihnen mieteten.
Reisen ist eine für sie eine große Seltenheit, sie kennen es fast gar nicht.
Jetzt haben sie sich ganz schnell entschlossen, uns zu besuchen und dachten, Rotterdam ist nah bei Duisburg.
Abends um 18 Uhr riefen sie an, wir kommen morgen um 9.06 Uhr.

 Mein Mann fuhr zum Bahnhof und dann kamen sie mit 3 Stunden Verspätung an. Sie hatten den Anschlusszug  in Utrecht nicht gefunden..

Da man nun nicht wusste, auf welchem Bahnsteig sie ankamen, blieb mein Mann unten stehen in der Nähe des Ausgangs.

Er war sehr unruhig, weil er ja nun nicht wusste, wann und wo und ob sie ankommen.

Plötzlich ein Geschrei.....da waren sie und fielen meinem Mann so um den Hals, dass er fast umgefallen wäre.

 Sie sind aus dem Zug gestiegen...alles fremde Gesichter...gingen runter...alles fremde Gesichter. Sie versuchten zu fragen..keiner verstand sie. Sie sprechen kein Wort Deutsch.

Da war natürlich die Freude groß beim Anblick des vertrauten Menschen.


Und die haben ein Temperament... sie erzählten beide durcheinander den ganzen Tag und das in ihrem napolitanisch-ischitanischen Dialekt.
Wenn ich mit Ruhe in der Küche das Essen vorbereiten wollte, stand Maria dabei, versuchte mir zu helfen, wollte keine Mühe machen und erzählte und ich musste immer schön zuhören.
Da sie eben in diesem Dialekt sprach, war es für mich sehr anstrengend. Die Küche glich einem Schlachtfeld aber Maria wollte helfen.......
Dann fuhren wir zum Weihnachtsmarkt nach Duisburg. Wir sind ein paar Schritte gegangen, da waren die Beiden fast blau gefroren . Sie kennen diese Temperaturen nicht. Allerdings war es auch ausnahmsweise  sehr kalt.
Ab wieder nach Hause.....Abendessen gemacht, Maria wollte helfen.... in der Küche ein Chaos, und sie babbelte und babbelte......
Guiseppe nicht viel besser, babbelte in noch schlimmerem Dialekt mit meinem Mann, der aber sehr lieb zuhörte .
Dann habe ich für die beiden unser Schlafzimmer fertig gemacht, da es für sie bequemer gewesen wäre und wir wollten ins Gästezimmer.
Dann ging der Kampf los. Wir nehmen Euch nicht Eure Betten.....da konnte ich wieder alles umräumen. Sie wollten uns doch keine Mühe machen
Gott sei Dank sind sie früh ins Bett und ich habe mich noch kurz entspannt. Mein Mann ist auch sofort ins Bett. Erschöpft.
Morgens machte ich ein schönes Frühstück aber Maria war schon bereit zu helfen...... wieder in der Küche ein Chaos!!!
Dann rannte sie mit dem Bettzeug und den Handtüchern in den Keller und versuchte gleich die Waschmaschine anzustellen, da waren aber einige farbige Sachen drin und ich konnte im letzten Moment alles retten......sie wollte mir keine Mühe machen

 

 Dann kam der Abschied. Ich habe den Fahrplan ganz genau aufgeschrieben in italienisch und deutsch, da sie in Utrecht umsteigen mussten.
Wir fahren zusammen zum Bahnhof, ca 12 km. , kurz bevor der Zug abfuhr, suchte Giuseppe die Fahrkarten. Weg.....keine Fahrkarten... ab wieder nach Hause, da lagen sie auf der Bank in der Diele.

 Der nächste Zug fuhr 2 Stunden später, und so machte ich noch etwas zu essen. Maria wollte helfen, Salzpott flog durch die Gegend, Suppenkelle flog durch die Gegend.... sie wollten mir keine Mühe machen
Dann waren wir endlich wieder am Bahnhof und die Beiden unterdrückten verzweifelt die Tränen, ging aber nicht, da fing ich natürlich auch an zu heulen.  Der Abschied war jedenfalls schwer, da es fast ein halbes Jahr dauerte, bis wir uns auf Ischia wieder sahen.

Ich war total geschafft, aber sie sind soooo lieb. Es war so aufregend für sie, hier in Deutschland in "Casa di Uschi" zu sein. Uschi, damit sind immer wir beide gemeint, da der Name von meinem Mann zu schwierig für ischitanische Zungen ist.

 Wir freuten uns, als wir sie im Mai wiedergesehen haben und das ganze Dorf wusste, sie waren im Winter im „Casa di Uschi".

Gefeiert wurde mit der ganzen Familie sehr oft auf unserer Terrasse und ich musste alles so kochen, wie in Deutschland. Sie liebten das...vor allem "Dolce", meine Kuchen und Torten.

 Guiseppe, ein richtig uriger Weinbauer, war sehr krank und hatte schon 2 Nierentransplantationen hinter sich.

 Trotzdem machte er seine Arbeit so gut er konnte und war am liebsten oben in einem seiner Weinberge wo auch viele Obstbäume wuchsen. Ein wunderbares Fleckchen Erde  mit herrlicher Aussicht aufs Meer bis zum Vesuv. Wir waren oft und gerne dort.

Anfang Juli, wir waren gerade 2 Wochen zu Hause, ist er zum Obst pflücken auf den Berg gefahren.

Er hatte den Korb halbvoll und ist dann von der Leiter gefallen.

Er hatte sich eine Wunde an der Vene zugezogen, in der er vorher immer Dialyse bekam und ist in kürzester Zeit verblutet.

Guiseppe ist nicht mehr und für uns ist ein besonderer Teil Ischia verloren gegangen.

Die Familie muss weiter leben. Der Sohn hat geheiratet und jetzt vorige Woche sein 2. Kind bekommen.. klar, seine Frau, die Anna Maria war es. Sie haben einen gut gehenden Supermarkt und Weinstube.

 

Wir telefonieren viel aber nach Ischia fahren wir seit einiger Zeit nicht mehr.

Irgendwann muss man sich trennen, es ist nicht mehr unser Ischia, wie wir es viele Jahre liebten und das liegt nicht nur am Tod unseres Freundes Guiseppe.

Alles verändert sich mit der Zeit........

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