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strickliesl_66s Blog
Mein persönliches Abnehm-Tagebuch

Abnehmtag, der 15. - Erster Wiegetag

27.04.2010 / 07:26

Bevor es ernst wird, möchte ich noch mal kurz das Thema Flüssigkeitszufuhr ansprechen.   Ich wurde mehrmals gefragt, wie ich das schaffe, täglich 3 Liter Tee und 1 Liter Wasser zu trinken.

Der Anfang war nicht leicht, bis mir irgendwann bewußt wurde, daß etwas Warmes viel leichter zu trinken ist, als wenn ich überall nur Wassergläser verteile.  Also hab ich meinen Wasserkocher und meine Teekanne rausgezogen und mich an den echten chinesischen Grüntee erinnert, den mir eine liebe Bekannte aus China hat mitbringen lassen.  Seitdem schaffe ich diese Menge an Flüssigkeiten problemlos, allerdings nur an einem normalen Tag unter der Woche.  Am WE wirds dann schon schwieriger, da nehm ich halt immer mindestens 1 kl. Flasche Wasser überall mit hin.

 

Aber jetzt zur 1. Zwischenbilanz nach 14 Tagen - Ausgangsgewicht waren 96 kg.     Heute morgen zeigte meine Waage nun    93  kg  an - Ja!!!!!!!

Mit 3 Kilo hätte ich nicht gerechnet.  Das motiviert natürlich unheimlich.

 

Fitness:

Rudern I       2x  350 Züge   /    35 Zü/Min.

 

Getränke:

Grüntee     3 ltr.    /     Wasser    1 ltr.    /     Kaffee  -,5 ltr

 

 

Mein Speiseplan:

  6.00              1 Glas Wasser u. 1 Tasse Kaffee

  7.00              1 T. Kaffee u. 1 Sch. VK-Brot mit Frischkäse, 2 Sch. Salami

10.00              1 Natur-Joghurt 0,1% m. 1 EL Honig,  1 Apfel

13.00              3 Rühreier m. Champignon, Tomate u. Lauchzwiebel

16.30              1 Banane u. 1 Cookie ala Mäusle

19.45              3 Tomaten m. Harzer Roller u. 1 Sch. VK-Brot

 

 

Genascht:      1x  Rosinen-Haferflocken-Cookie

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Rezepte & Geplauder

JAMBALAYA

25.04.2010 / 13:38

JAMBALAYA

Betrachtungen zu einem Klassiker der Amerikanischen Küche

Wir sammeln Kochbücher, meine Frau und ich. Nichts Besonderes,
keine Erstausgaben, nichts Handsigniertes von Goethe, Schiller oder
Strauß. Kochbücher halt; interessant müssen sie sein, schön bunt mit
Fotos. Die gucken wir uns dann an, lassen uns inspirieren und freuen
uns. Die Dinger allerdings mit den grinsenden Fernseh-Köchen drauf,
die lassen wir liegen. Exakt Nachkochen tun wir die Sachen aber so
gut wie nie.

Wir kochen spontan-kreativ; wir wissen die Richtung, in die wir gehen
wollen und kochen drauflos. Ein bisschen Planung ist natürlich schon
nötig, damit alle Zutaten da sind. Aber wir probieren oft Varianten aus,
würzen unterschiedlich, immer auf der Suche nach einem neuen Ge-
schmackserlebnis, einer Verbesserung. Zwei oder drei Gerichte allerdings
werden stets exakt, pingelig nach Rezept gekocht. Jambalaya ist Eines
davon.

Ich denke es ist gut 20 Jahre her, weil die Kinder noch klein waren und die
Jambalaya, den Teelöffel Chili-Pulver darin , zu scharf fanden. Wir hatten
eine Zeitschrift gelesen, irgendwas Buntes, - und da war ein Artikel über
Louisiana und die Cajuns drin - und DAS Rezept. Wir haben uns angeguckt,
gesehen, daß wir beide drauf brannten, es auszuprobieren und haben losgelegt. Exakt wie angegeben. Später haben wir es immer wieder ge-kocht und manchmal fehlte uns eine Zutat. Das war dann wie ein Musik-Stück, bei dem der Tontechniker jede zehnte Note wegläßt. Man erkennt die Melodie, aber irgendwie mag man sie doch nicht mehr: es holpert. Da haben wir gemerkt, wie perfekt ausgewogen das Original-Rezept war und achten seither darauf, daß all Zutaten im Hause sind.

Einmal habe ich so einen Turbo-Fernseh-Koch gesehen - der hat eine DOSE
Serbischen Reistopf umgestrickt in etwas, was er "Jambalaya" genannt hat.
Wie kann ein erwachsener Mensch SOWAS machen? Dazu noch ein gelern-ter Profi-Koch? Keine Ahnung. Ich würde es wahrscheinlich für viel Geld und den Fernseh-Ruhm machen. Aber da würde ich eine Maske aufsetzen, wie Zorro:"The Masked Cook" oder eine saublöde Kopfbedeckung. Wenn ich die dann absetze, erkennt mich privat niemand mehr.

Wenn Euch Petit-Jean, dieser Zwei-Meter-Riese aus Louisina erzählt, daß seine "Maman" die Jambalaya ganz anders gekocht hat, als hier be-
schrieben, so könnt Ihr ihm das gerne glauben. Höchstwahrscheinlich
sogar, denn Jambalaya und Bratwurst haben eines gemeinsam: da steht
ein Name, ein Begriff für eine Fülle unterschiedlichster Varianten. Und jeder denkt, daß die Seine die einzig Wahre ist - und das ist ja auch gut so. Da hilft nur eines - sich die Zutatenliste anzusehen, zu versuchen, sich das
Resultat vorzustellen und dann loszulegen - oder auch nicht.

Appetit bekommen? Legen wir los... wir brauchen ungefähr 30 min Vorbereitung und eine knappe Stunde Garzeit.

300g    Amerikanischer Parboiled Langkorn-Reis ( keinesfalls was Anderes,  
            wir machen KEIN Risotto und Basmati geht auch NICHT)
300ml  Wasser
            Salz, Butterschmalz
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -150g    Chorizo, in Scheiben geschnitten
150g    Speck, mager, ohne Schwarte, gewürfelt
150g    Geflügel, z.B. Hühnerbrust oder besser weil saftiger: Pute
150g    Stangen-Sellerie, in Stücken
1          Zwiebel
2          Knoblauchzehen
2          Gemüsepaprika, Farbe nach Belieben, in Stücken
1 Eßl.   Tomatenmark
1          Lobeer-Blatt
1          Zweig Thymian
2-3       Salbei-Blätter, frisch ( aber lieber trocken, als garnicht )
1 Tl.      Cayenne-Pulver
            Oliven-Öl, Pfeffer, Muskatnuß

Wir bereiten die Jambalaya in zwei Töpfen zu, so geht es insgesamt etwas schneller und wir erhalten mehr Röst-Aromen, als wenn wir alles in einem Topf dünsten würden.

Zuerst rösten wir den gewaschenen und gut abgetropften Reis in Butter-schmalz an, die Körner brauchen keine Farbe annehmen, aber sie sollen ringsum mit Fett ummantelt werden. So fallen sie später nicht auseinander. Wenn Ihr am Ende Brei habt, ist irgend etwas falsch gelaufen. Dann kommt das Wasser und das Salz hinzu; den Deckel drauf tun und die Temperatur herunter schalten.

In einer Pfanne braten wir dann nacheinander die Chorizo, den Speck und dann das Geflügelfleisch an. Wenn eine Sorte fertig ist, kommt sie in den Reistopf. Dann wird die Zwiebel angedünstet und nach und nach werden die anderen Gemüse zugegeben. Während das Gemüse dünstet und ganz leicht bräunt, geben wir die Gewürze, Blätter und das Tomatenmark in den Reistopf. Wir können das jetzt vorsichtig unterheben. Endlich kommt das Gemüse hinzu, alles wird vorsichtig vermischt und zugedeckt bei sanfter Hitze gegart. Manchmal geben wir Crevetten auf die Jambalaya. Das war im
Original-Rezept als Option angegeben.  Die Jambalaya schmeckt auch aufgewärmt und läßt sich hervorragend einfrieren.

 

 

 

 

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Rezepte & Geplauder

BAMBERGER DREIERLEI

21.04.2010 / 23:03

BAMBERGER DREIERLEI

Rauchbier, Zwiebeln und Hörnla

Betrachtungen zu einem Gericht das vielleicht dereinst
einmal zum Klassiker der Fränkischen Küche werden könnte.

Ich koche am liebsten Mediterranes: Sachen mit Tomaten,
Paprika, Oliven und vielen Kräutern und Gewürzen. Und
weil die Großmutter meiner Frau ( der besten Ehefrau der
Welt ) als Tochter korsischer Eltern in Marrakesch zur Welt
kam und aufgewachsen ist, sind selbstverständlich arabische
Einflüsse in ihre Küche, in die Küche meiner Belle-Mère und
logischerweise auch in unsere geraten.

Im Winter aber, wenns draußen windet, friert und schneit und
man durchgefroren von der Wanderung nachhause kommt,
dann freue ich mich auf Deftiges, Geschmortes, langsam und
lange Gegartes - gerne auch mit Knochen. Diese leckeren
Sößchen mit Rotwein oder Bier... Teutonisches, halt...
         
Dieser Tage habe ich wunderschöne Kalbsschwänze gesehen
und gleich einpacken lassen und weil ich ( nicht oft ) aber gerne
Schlänkerla trinke und zufällig welches im Haus hatte, war ich
neugierig zu sehen, wie sich das Rauchbier im Bräter verhält.

Kurzes Intermezzo: Kochtechnik, Kalbsschwänze fachge-
recht in Stücke schneiden. Ihr könnt natürlich Euren Metzger
die Dreckarbeit machen lassen. Vielleicht macht er sich die Mühe,
die einzelnen Wirbel sauber zu trennen, dann ist es gut. Wenn er
aber die Knochen, egal wie, einfach nur durchhackt guckt Ihr
in die Röhre. Natürlich nur wenn Ihr, wie wir, gerne den Knorpel
abknabbert. Es gibt aber einen einfachen Trick: Ihr nehmt den
Kalbsschwanz, bewegt ihn hin und her, um zu sehen wo das
Gelenk sitzt, dann merkt Euch genau die Stelle wo Ihr glaubt
schneiden zu müssen, - versetzt das Messer um 4mm nach rechts
und zieht durch. Wenn Ihr es geschafft habt, den ersten Schwanz
zu zerteilen, laßt die Stücke als "Schnittmuster" auf dem Schneide-
brett liegen.

Wer kein kein Rauchbier mag, braucht keine Angst zu haben -
der Rauchgeschmack tritt zurück und die Soße wird harmonisch
und lecker. Weil ich auch noch einige, wenige Bamberger Zwiebeln
übrig hatte, die ich leider erst letztes Jahr kennengelernt habe und
sehr aromatisch finde, kam ich auf die Idee, das Rezept wie oben
zu nennen. Die Kartoffeln dürften außerhalb Frankens schwer zu
bekommen sein, vielleicht in der Delikatessen-Abteilung einer
großen Kaufhaus-Kette. Ihr könnt ja auch Drillinge nehmen oder
sonstige Salat-Kartoffeln. Dann wird's halt nur ein Bamberger
Zweierlei. Man kann natürlich auch ganz normale Salzkartoffeln
dazu machen, oder Knöpfle oder sonst irgendwelche Nudeln oder
Reis. Vielleicht gibt es ein ähnliches Rezept schon in irgendeinem
Kochbuch? Möglich, aber ich habe ja kein Patent angemeldet und
verlange auch keine Tantiemen.

Genug geplaudert, - jetzt wird gekocht!

BAMBERGER DREIERLEI
( Kalbsschwanz mit Bamberger Rauchbier, Zwiebeln und Hörnla)
           

    1kg    Kalbsschwänze, geputzt und in Stücke geschnitten
500ml    Bamberger Rauchbier
  250g    Bamberger Zwiebeln ( oder Schalotten )
  250g    Karotten, in Scheiben geschnitten
        4    Knoblauchzehen, ganz oder halbiert
    2Tl     bunte Pfefferkörner
        3    Lorbeerblätter
        3    Gewürznelken ( Nägele )
              Salz
     1/2    Zimtstange
              Öl, Butterschmalz, Mehl
 
  500g    Bamberger Hörnla  

Die Fleisch-Stücke mehlieren und in einer großen Pfanne scharf
anbraten, die Temperatur reduzieren und die Stücke rundum gut
bräunen. Die Zwiebeln je nach Größe längs vierteln oder in mehr
Stücke schneiden und in einem Bräter mit etwas Butterschmalz
anrösten, Knoblauch und Karotten dazugeben und ebenfalls leicht
anrösten, dann mit dem Bier ablöschen. Nach ca. 15-20 Minuten
sollten die Fleischstücke fertig sein und können nun ebenfalls in
den Bräter. Das Fett ( Kälber-Talg ) sollte möglichst in der Pfanne
verbleiben, außer Euch gelüstet danach. Je nach Form und Größe
des Bräters kann es sein, daß der halbe Liter Bier nicht ausreicht,
dann muß Wohl oder Übel nachgegossen werden.
Die obersten Fleischstücke müssen nicht bedeckt sein, sollten aber
Kontakt mit der Soße haben. Die Gewürze hinzugeben, den Bräter
verschließen und für ca. 1 1/2 - 2 Stunden bei 160°C in der Röhre
garen. Das Fleisch soll gut durch sein, noch am Knochen haften,
aber sich leicht lösen lassen. Eventuell nochmals entfetten und die
Soße leicht binden.

Dazu passen Bamberger Hörnla. Die Kartoffeln gut waschen und
bürsten, vorkochen, dann entweder pellen oder mit Haut in mund-
gerechte Stücke schneiden und in Butterschmalz goldgelb braten.
Kleingehackten Knoblauch hinzutun, salzen, pfeffern und mit Peter-
silie bestreuen.


             
              

 

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STEINPILZ-SAHNE-SUPPE / VELOUTE DE BOLETS

21.04.2010 / 21:47

VELOUTE DE BOLETS

STEINPILZ-SAHNE-SUPPE

Betrachtungen zu einem Gericht, das vermutlich mein Liebstes ist.

Wir sammeln Kochbücher, meine Frau und ich. Nichts Besonderes,
keine Erstausgaben, nichts Handsigniertes von Goethe, Schiller oder
Strauß. Kochbücher halt; interessant müssen sie sein, schön bunt mit
Fotos. Die gucken wir uns dann an, lassen uns inspirieren und freuen
uns. Die Dinger allerdings mit den grinsenden Fernseh-Köchen drauf,
die lassen wir liegen. Exakt Nachkochen tun wir die Sachen aber so gut
wie nie.

Wir kochen spontan-kreativ; wir wissen die Richtung in die wir gehen
wollen und kochen drauflos. Ein bisschen Planung ist natürlich schon nötig,
damit alle Zutaten da sind. Aber wir probieren oft Varianten aus, würzen
unterschiedlich, immer auf der Suche nach einem neuen  Geschmackserlebnis, einer Verbesserung. Zwei oder drei Gerichte allerdings werden stets exakt, pingelig nach Rezept gekocht. Jambalaya ist eines davon und dieses hier ist das Zweite.

Wem die obigen Zeilen verdächtig bekannt vorkommen, liegt völlig richtig.
Mit exakt den gleichen Worten habe ich meinen Blog über die Jambalaya
begonnen. Aber wer den nicht gelesen hat soll ja auch wissen, worauf es mir ankommt, gell?

Manchmal frage ich mich: "was wäre wenn...?" "Was würdest Du (also ich)
kochen, wenn der Papst zu Besuch käme, oder ein König oder alle beide gleichzeitig?" Man will sich ja auch nicht blamieren...

Einem gewissen Herrn Politiker würde ich "Saure Zipfel" servieren, - das ist
eine fränkische Spezialität, in Wein und Essig gekochte Bratwurst  ( falls ich
ihn überhaupt erst in die Wohnung ließe, das wäre ja noch schöner...). Aber dem Papst, oder dem König oder allen beiden, womöglich gleichzeitig?

Dann fällt mir regelmäßig die "Velouté de Bolets" ein, also die Steinpilz-
Sahne-Suppe, die Königlich-Göttliche.

Ich habe das Rezept von meinem Schwiegervater bekommen, woher ER es hat weiß ich nicht. Ich vermute, daß er es irgendwo mal gegessen hat, die Zutaten erfragt hat oder aber daß er es in einem seiner Kochbücher gefunden hat, womöglich verändert und seinem Geschmack angepaßt hat. Ich habe es immer genauso gekannt - und wir, meine Frau und ich, kochen es immer genau so. Gewisse Variationen kommen natürlich durch die Zutaten, die ja niemals exakt gleich sein können.

Neugierig geworden? Fangen wir an...

50g Butter
30g Mehl z.B. Weizen 550 ( Du nimmst die Sorte, die Du am besten verträgst )

1l Leitungs-Wasser ( H2O, wer hat, kann auch BIO nehmen)
16g Meer-Salz ( die einfache, grobe Sorte; braucht kein "fleur-de-sel" zu sein)
etwas weißer Pfeffer
etwas Muskatnuß oder Macis
( wer meint, ohne Umami nicht auskommen zu können, darf eine Prise Bockshorn-Klee-Pulver zugeben, 0,3g, - aber Brühwürfel, auch Bio, sind strikt verboten).

1 Tasse = 20cl Steinpilze ( Boletus edulis oder auch - knirsch! - Boletus badius )
1 Tasse = 20cl Apfelschnitzen ( Boskop oder ähnlich, säuerlich aromatisch halt)
1 Tasse = 20cl Kartoffel-Schnitzen, vorwiegend festkochend ( fakultativ )
1 mittelgroße Schalotte, kleingewürfelt

20cl Schlagsahne
1 Eßl. Tomatenmark, leicht gehäuft
30g Rosinen ( große blonde, - keinesfalls Sultaninen )

Aus der Butter und dem Mehl machst Du einen Roux, also eine dunkle Anbrenne. Sie soll Rostfarben, aber nicht schwarz sein. Du mußt natürlich dabei bleiben und rühren.
Wenn die Farbe stimmt, gibst Du nach und nach das Wasser dazu und rührst, und rührst und - rührst, damit keine Klumpen entstehen. Der Papst würde das nicht mögen, und Du auch nicht. Dann gibst Du die Gewürze dazu und alles Andere, zuletzt die Sahne. Du darfst das nicht völlig ab-decken, sonst würde es überkochen, aber der Deckel sollte schon drauf sein. Wenn die Suppe anfängt zu bullern, drehe die Temperatur ganz herunter, kleinste Stufe. Das soll jetzt eine Stunde leicht köcheln, Betonung auf leicht. Du wirst sehen, wenn die Suppe fertig ist. Das kommt ganz plötzlich, wie wenn man einen Schalter umlegt.

Die Steinpilz-, Apfel- und Kartoffel-Schnitzen sollten ungefähr 15 bis 20mm lang und 3mm dick sein, Du brauchst aber kein Lineal nehmen, "ungefähr" reicht. Das Ganze wird NICHT püriert, wir wollen die "Bröckla". Wenn die Röhren der Steinpilze gut aussehen, lasse sie dran. Schneide eventuell die oberste Schicht hauchdünn ab. Die Röhren bringen noch mehr Geschmack und Sämigkeit in die Suppe. Die Kartoffeln sind nicht im Original-Rezept drin. Die tun wir rein, wenn die Suppe zur Hauptmahlzeit wird.

Was hat Voltaire dem Alten Fritz geantwortet, als der ihn mit einem Rebus, einer Art Rechen-Rätsel...

    p                   ci
 ------       à     -------     
venez              sans


( das liest man:  venez sous p à sans sous ci = vénez souper à Sans-Souci )


... zum Essen nach Sans-Soucis einlud?    "G, a",  G grand, a pétit...

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Rezepte & Geplauder

COQ AU VIN

20.04.2010 / 21:51

COQ AU VIN

"Betrachtungen zu einem Klassiker der Welschen Küche"        
                                   oder
" Von einem, der auszog, einen Hahn zu kaufen".

Ich bin ein toleranter Mensch. Vielleicht bilde ich mir aber auch bloß ein, tolerant zu sein und finde mich bloß leicht mit Dingen ab, die ich eh nicht ändern kann.

Zum Beispiel, wenn einer 4 Hähnchen-Schenkel in Rotwein-Soße zubereitet und dann behauptet, das sei "Coq au vin". Dann sage ich:" Wohlan, guter Mann, Rezepte gibt es viele. Deines ist so gut wie alle Anderen. Innerlich denke ich allerdings: " Hattu aba fein gemacht".

Oder falls einer auf die Idee kommen sollte, ein Bresse-Huhn mit zwei Flaschen Hospices de Beaune Batard-Montrachet zu übergießen und dann als Sättigungsbeilage noch ein, zwei Pfund Perigord-Trüffel dazuzutun und das dann als "Coq au vin" zu bezeichnen; Später bei Tisch sich bräsig zurücklehnt und dann sagt: " Eßt mit Bedacht Jungs, jede einzelne Portion hat mich locker 200 Euronen gekostet" und sich Beifall heischend umblickt. Dem kann ich auch nur sagen: Wohlan, guter Mann, Rezepte gibt's viele". Innerlich würde aber ich denken: " Hattu aba fein gemacht, - Du Protz".

Mit dem echten, wahren "Coq au vin" hat das meines Erachtens nichts zu tun. Das ist ja kein Rezept, das sich einmal ein Sternekoch ausgedacht hat, so nach dem Motto: " Mist, - das Filetstück, das ich heute braten wollte hat sich der Bello geklaut. Was koche ich heute bloß den verwöhnten Fratzen? Ich hab's - ich nehme den Hahn, den der Bello kriegen sollte und mache da was draus. Und wo ich eh schon dabei bin und damit die Fratzen das nicht gleich merken, tue ich Rotwein rein - das gibt bestimmt ein lecker' Sößchen". - So ist es ganz bestimmt nicht gewesen.

Ich glaube, Coq hat es schon immer gegeben. Und bevor zuerst die Griechen und dann die Römer denn Weinbau ins Rhonetal und dann nach ganz Gallien und später sogar nach Germanien brachten, hat man vielleicht "Coq à l'hydromel", also "Hahn in Met" gekocht und davor vielleicht "Coq à l'écorce de chène". Man weiß es nicht - und wird es auch niemals wissen.

Ich glaube aber, daß die Szene, die zur "Erfindung" des Coqs geführt hat, sich ungefähr so abgespielt haben muß:

Sagt der Paul zur Marie:" Du, Marie, der Isodor, der alte Hahn muß weg. Der junge Hahn macht seine Arbeit sehr gut und der Isidor steht dem bloß im Wege rum. Außerdem geht er mir mit seinem ständigen eifersüchtigen Gekrähe gewaltig auf den Geist". OK, der Paul hat sich vermutlich etwas derber ausgedrückt. Und die Marie hat geantwortet: "Soit", und ihre germanische Cousine: "Jo", aber vielleicht haben die beiden auch gar nichts gesagt und bloß zustimmend genickt.

Isidors Vertreibung aus dem Hühnerhof-Paradies war also beschlossene Sache, - aber wie vorgehen? Den Gockel einfach vom Hof scheuchen, hinaus in Feld und Flur, ging nicht, denn man war ja:
a) nicht bescheuert
b) sparsam
c) kam sowieso selten Fleisch auf den Tisch, - und
d) waren unsere Altvorderen nicht so verwöhnte Fratzen wie wir es heute sind
      
Kurzum, im Lauf der Jahrhunderte kam man drauf, den fiesen Hormongeschmack von Isidors Fleisch mit Rotwein zu mildern oder zu überdecken und seine Zähigkeit durch langes Schmoren zu bekämpfen. Nach und nach hat man Gewürze hinzugefügt, die Nelken, die Zimtstange und später den Löffel Kakaopulver. Und so entstand der Klassiker von dem man deswegen so viel Aufhebens macht, weil er doch relativ selten auf den Tisch kommt, kaum öfter als ein-, zweimal im Jahr. Außerdem freut sich der Papa, weil er ja den Wein erst probieren muß, ob der auch noch gut genug ist - und den Marc de Bourgogne, von dem ja auch ein Schuß in die Marinade soll . Erst neuerdings haben sich die Turbo-Köche des Themas angenommen und sich Turbo-Varianten ausgedacht, weil die meisten Zeitgenossen sich zwar stundenlang vorm Fernseher auf der Couch räkeln können, aber spätestens  nach 10 Minuten in der Küche kriegen diese Fratzen  klaustrophobische Anfälle und suchen schleunigst das Weite. Irgendwo habe ich gelesen, daß der Durchschnittsdeutsche nur 30 Minuten für Kochen und Essen braucht !! -?? 15 Minuten spricht er mit seiner Frau !! - ?? Was treibt der Lümmel in der restlichen Zeit?

Warum erzähle ich das Alles? Weil ich ein sehr neugieriger Mensch  bin und gar zu gerne einmal einen wirklich echten, original, hormonverseuchten Gummi-Isidor zubereiten oder kosten möchte,  - außerdem erzähle ich gern.

Das Problem besteht darin, so einen waschechten Isidor zu finden. Was der Handel so anbietet ähnelt eher einem ins Alter gekommenen Brathähnchen. In Deutschland habe ich noch keine gesehen, bloß von "Bauern-hähnen" gehört, was immer das sein mag. In Frankreich findet man Geflügel mit dem Etikett "Coq", - 3-4 kg schwer, kaum älter als 7, 8 Monate, wenn überhaupt. Ich habe schon einige davon gekauft und zubereitet - vom Hocker gerissen hat mich das nicht.

Wer weiß, vielleicht werde ich ja eines Tages fündig. Vielleicht hat ja einer der geneigten Leser dieser Zeilen zufällig so ein Tier übrig, eigentlich seinem Bello zugedacht, und überlässt es mir für nicht allzu teuer...

Aber vielleicht bin ich dann ja schwer enttäuscht von Isidors kulinarischen "Vorzügen" und bereue bitter meinen Übermut. Dann werde ich mich zutiefst schämen, Abbitte leisten, mich bei den Turbo-Köchen entschuldigen und reuevoll zu  den " Hühner-Pfötchen an Rotwein-Sauce" zurückkehren.

Bis dahin möchte ich aber Dir, lieber Leser, der Du es bis hierher ausgehalten hast, empfehlen einmal folgendes Rezept auszuprobieren. Weil ich auch ein humorvoller Mensch bin, könnte ich es "Coquette au vin" nennen, - oder "Coquine au vin"; Ich bleibe aber bescheiden und nenne es ganz einfach "Poule au Vin".

POULE AU VIN ( Huhn in Rotwein)

Man nehme das zäheste Stück Geflügel, das man in diesen Gefilden finden kann: ein Suppenhuhn. ( Keine Angst, zäh ist in diesem Zusammenhang ein relativer Begriff. Ich würde das Huhn durchaus mit dem Supermarkt-Coq vergleichen, schwer zu sagen ohne direkten Vergleich 1 zu 1; groß ist der Unterschied jedenfalls nicht). Diese Hühner findet man z.B. in dem Handelshaus das so heißt, wie die Pariser U-Bahn. Das halbe Huhn wiegt ca. 3 Pfund und sollte für 4 Portionen reichen. Ihr solltet es in 8 ungefähr gleich große Stücke zerteilen, - man rechnet zwei Teile pro Mitesser.

Die Stücke gibt man in einen möglichst engen aber hohen Topf, damit man das alles mit möglichst wenig Wein bedecken kann (ha! - zu früh gefreut, eineinhalb bis zwei Flaschen wirst Du schon brauchen...)
Darauf gibt man ungefähr 500g Zwiebeln oder Schalotten und 500g Karotten, zwei bis drei große Knoblauchzehen und diverse Gewürze, Pfefferkörner, Lorbeerblätter, Gewürznelken, ein Stück Zimtstange, eine Prise Muskat  und 16g Salz pro Kilo Fleisch. Du wirst später abschmecken und vielleicht nachwürzen.
 
Kurzes Intermezzo; Warenkunde: warum heißen Schalotten "Schalotten" und auf französisch "échalotes"?

Lösung: nach der Stadt Ascalon, auch Aschkelon ( römisch Ascalonia) im heutigen Isreal. Deren Exportschlager war Olivenöl und - die Aschkelon-Zwiebel. Heute findet man in dem oben genannten Laden zwei Sorten: die in 250g-Beuteln zu mindestens 6 Euro das Kilo, - und die in 5kg-Säcken zu umgerechnet 1,68 Euro das Kilo. Ich verwende die Letzteren, vorausge-setzt sie kommen aus Aschkelon oder dem Périgord und nicht aus China. Nichts gegen China, aber wollen wir wirk-lich ALLES dort kaufen?

Die Zutaten läßt man jetzt 24 Stunden marinieren oder auch länger; mehr als zwei Tage bringen definitiv nichts mehr. Man gießt das Ganze durch ein grobes Sieb. Das Fleisch wird man trocken tupfen, mehlieren und dann in Butterschmalz gut 20 Minuten bei mittlerer Hitze bräunen. Nervöses Herumstochern bringt wenig, lieber in Ruhe schmurgeln lassen und alle 5 Minuten weiter drehen.

Die groben Gewürze sortiert man aus. Die Marinade kocht man auf und läßt das eine kleine Weile bullern. Das soll den Alkohol entfernen, den Sud sterilisieren und die Eiweiß-Stoffe ausfäl-len. Den Sud gibt man in einen "Chinois" oder ein Sieb mit einem Küchentuch. Ihr werdet staunen, wie viel da hängen bleibt.

Das Fleisch legt man vorübergehend in eine Schüssel. Jetzt ist der Moment gekommen, die Pfanne, falls nötig oder ge-wünscht, zu entfetten - denn dann kommen die Gemüsestücke hinein um all die herrlichen Aromastoffe aus der Pfanne auf zu saugen. Nach 10 bis 15 Minuten gibt man das Gemüse in einen Bräter, bestreut es mit ein bis zwei Eßl Kakao-Pulver, legt das Fleisch darauf und gießt den geläuterten Sud auf.
Wer will kann frische Lorbeer-Blätter und Nelken hinzugeben. Das Huhn braucht nicht ganz bedeckt zu sein. Dann kommt der Deckel drauf und der Topf in die Röhre.

Was jetzt folgt ist eine Gewissensfrage: eher bei 160°C zwei Stunden garen oder lieber bei 140°C drei? Keine Ahnung. Ihr könnt auch Vorgaren, dann Freunde besuchen. Schaut zu, daß Ihr rechtzeitig von Eurer Winterwanderung zurückkommt und das Viech in Ruhe fertigschmort. Das Huhn soll gut durch sein, aber beim Servieren nicht vom Knochen fallen. Zu guter Letzt wird abgeschmeckt, eventuell gebunden und serviert. Zum Huhn passen Salzkartoffeln oder - besser - Nudeln: Penne, Spirali, Cortecce oder Spätzle.

Ich würde die Gäste erstmal im Unklaren lassen, was genau sie da so lecker finden, - Geflügel halt, - oder Coq.

Wer will kann sich ja bräsig zurücklehnen, in die Runde griensen und sagen: " Jungs, haut rein, genießt und stopft euch voll. Übrigens, falls es euch interessiert: für das Geld was mich da jede einzelne Portion gekostet hat, kriegt ihr in der Stadt nicht mal "3 im Weggla" ( wer nicht weiß, was das ist, liest bitte " Hot-Dog" oder "Kinder-Döner").

 

 

 


 

 

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