Wenn Touristen befragt werden, wie die typisch deutsche Küche aussieht, dann beschreiben sie eher, was der durchschnittliche Deutsche wohl als typisch bayrisch bezeichnen würde: Fleischgerichte und Eintöpfe, Brotzeiten und Maße voller Bier. Die bayerische Küche hat tatsächlich etwas urdeutsches: Deftig muss es sein, traditionell und bodenständig.

Egal ob Weißwurst oder Schweinsbraten, Hendl, Pichelsteiner oder Ochsenschwanzragout - in den meisten bayrischen Rezepten zeigt sich der Wohlstand der ländlich geprägten Regionen. Besonders beliebt in der bayrischen Küche ist auch die Brotzeit - sie wird traditionell zwischen Frühstück und Mittagessen eingenommen und könnte fast als Brunch bezeichnet werden: Brötchen, Brezeln, viel Wurst und Käse, der bekannte Obazda und am Wochenende auch gerne ein Bier.
Damit kommen wir auch schon zum bekanntesten Getränk der bayerischen Küche: dem Weißbier oder auch Weizen. Besonders in Altbayern ist dieses obergärige Bier weit verbreitet und in diversen Sorten und Varianten erhältlich. Bereits 1520 soll Weizenbier in Bayern hergestellt worden sein. Übrigens wurde auch das erste Pils Deutschlands in Bayern zubereitet: schon 736 in Geisenfeld. Die Begeisterung der Bayern für ihr Bier ist also verständlich und die bayrische Küche wäre ohne ein kaltes Weizen oder Maß nur die Hälfte der bayerischen Lebensphilosophie!
Neben allem Deftigen gibt es in der bayerischen Küche natürlich auch fantastische Süßspeisen. Das bekannteste Dessert ist wohl die Bayerische Creme, die bereits 1385 am Hof des Herzogs von Bayern Ingolstadt kredenzt wurde. Man kann sie ebenso pur essen, wie auch mit Kirschen, Erdbeeren oder Nektarinen. Eine bekannte Torte der bayerischen Küche ist die Prinzregententorte: Sie besteht aus mindestens sechs dünnen Böden, Schokoladenbuttercreme und Schokoladenguss. Ein reichhaltiger Genuss, ohne den man Bayern allerdings nicht verlassen darf!
Auf der nächsten Seite erfahren Sie mehr über die bayrische Küche und den Ursprung der Weißwurst und auf der dritten Seite finden Sie unsere Rezeptstrecke mit traditionellen bayrischen Rezepten!
"Gut essen und trinken hält Leib und Seele zusammen"- dieser Spruch ist überall bekannt, aber nirgendwo wird er auch so gelebt wie in Bayern. Die Entwicklung der traditionellen bayerische Küche hatte einen großen Vorteil gegenüber den meisten anderen Regionen Deutschlands: Über 800 Jahre regierten ununterbrochen Herzöge, Könige und Kurfürsten aus dem ältesten Adelsgeschlecht Deutschlands - den Wittelsbachern. Das bedeutete Beständigkeit und festgeschriebene Gesetze, die Jahrhunderte immer gleich blieben. Eines der wichtigsten war das Erbgesetz. Dieses verhinderte die Zersplitterung des Familienbesitzes und hatte zur Folge, dass es viele reiche Erbhöfe im auf die Landwirtschaft ausgerichteten Bayern gab. Reichtum bedeutete natürlich mehr Vieh, mehr Fleisch, mehr Mehl etc. und der Schmalztopf war meist gut gefüllt. Das Ergebnis dieses Reichtums ist eine bäuerlich deftige Fleischküche und traditionelle, reichhaltige Mehlspeisen - nicht unähnlich der fränkischen Küche, die der bayrischen Küche nahe steht.
Die traditionelle Weißwurst gibt es übrigens erst seit 1857. Der Legende nach entstand die Weißwurstso an einem kalten Februarmorgen anno 1857. Der nach einer durchzechten Faschingsnacht noch nicht wieder ganz nüchterne Metzgergeselle Sepp Moser sollte Bratwürste herstellen. Da sein Blick noch etwas getrübt war, erwischte er die falschen Därme und presste sie voll Brät. Diese Würste waren viel zu dick und groß zum Braten. Außerdem hatte der Metzger Bedenken, die Würste könnten platzen. Also warf er sie einfach in heißes Wasser und lies sie gar ziehen - seine "Spezialität" fand großen Anklang, wurde nach und nach verfeinert und zu einem festen Bestandteil der bayrischen Traditionsküche.
Wer allerdings die bayerische Küche auf Weißwurst oder Schweinshaxen mit Sauerkraut und Knödeln reduziert, macht einen Fehler. Die Küche ist weitaus vielfältiger und abwechslungsreicher. Beeinflusst wurde sie ab dem ausgehenden 18. und vor allem im 19. Jahrhundert durch die in Mode kommende französische Küche, aber auch durch die Küchen Italiens, Österreichs und Ungarns.
Auf der nächsten Seite finden Sie weitere köstliche Gerichte der bayrischen Küche in unserer Rezeptstrecke!
Eine weitere Spezialität der bayerischen Küche ist die Schwammerlsuppe. Diese verschafft einem ein dreifaches Vergnügen: Als Erstes geht man an einem schönen Spätsommertag in den Wald und entdeckt mal hier mal da einen Pilz. Dann kommt das zweite Vergnügen: Die Suppe wird gekocht. Danach folgt auch schon der Höhepunkt - die köstliche Suppe kann gegessen werden. Auch eine Champignoncremesuppe schmeckt gut, aber nichts geht über eine Suppe aus frischen Waldpilzen! Viel Spaß mit Schwammerlsuppe und anderen bayerischen Rezepten!