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Weihnachtsbräuche

... in jedem Lande anders

Viele werden meinen, dass hier in Deutschland die Weihnachtsgans das älteste Weihnachtsfestessen auf den Tellern der Menschen ist. Dem ist allerdings nicht so.

Eine Gans auf den festlichen Schlemmertisch an Weihnachten zu bringen, ist in Deutschland erst nach 1600 populär geworden. Dieser Brauch kommt, man sollte es kaum glauben, aus England. Elisabeth I. erhielt gerade am Heiligen Abend die Nachricht vom Sieg über die spanische Armada just in dem Moment, als ihr die Gans serviert wurde. Daraufhin erklärte sie die Gans zum unbedingten Weihnachtsbraten und wollte diesen dann an jedem Heiligen Abend aufgetischt bekommen. Der Brauch kam schnell über den Kanal und auf dem Kontinent wurde er willig angenommen, war das Federvieh doch schon durch die Martinsgans hier gut eingeführt!


Wie wahr diese Legende auch immer sein mag, vielerorts löste die Weihnachtsgans das traditionelle "Mettenmahl", die "Mettensau", ab. Vorher war es üblich, sich mit Schweinebraten so richtig den Bauch voll zuschlagen, allerdings erst am 25. Dezember denn der 24. war im Mittelalter ein strenger Fastentag.
Warum das traditionelle Weihnachtsgericht unserer Vorfahren gerade das Schwein war, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die einen meinen ganz pragmatisch: um diese Zeit waren die Schweine eben schlachtreif und ein ordentliches Schwein gab genug her, um satt über die Weihnachtszeit zu kommen.
Die anderen führen es darauf zurück, dass Eber und Sau heilige Opfertiere waren. Egal, fest steht, dass der weihnachtliche Schweinebraten über Jahrhunderte der Inbegriff des festlichen Mahles und des Schmausens zur Weihnachtszeit war.
Nicht fehlen durften die Klöße, auch Fisch war üblich, Salate aus Pflanzen, denen man Heilkräfte zuschrieb, Salz und Brot halfen, den Tod abzuhalten, Äpfel symbolisierten Gesundheit, Bohnen und Linsen Wohlstand.

In den nordischen Ländern bezeichnet man Weihnachten als "Julfest". Es geht auf das heidnische Fest zu Ehren des Gottes "Thor" zurück.
In Norwegen heißt der einheimische Weihnachtsmann "Julenisse" und ist ein Kobold, der die Geschenke bringt, aber auch für das Glück in Haus und Hof sorgt. Um ihn bei Laune zu halten, bekommt er am Weihnachtstag Reisbrei und Bier vor die Tür gestellt.
Früher war es üblich, bis 60 Speisen zum Festmahl zu servieren und nicht fehlen durfte der Haferbrei, indem eine Mandel versteckt war. Wer diese fand würde im neuen Jahr heiraten, so hieß es. Heute isst man Reisbrei, meist Rentierfleisch, Kabeljau oder Lachs, Schweinerippen oder Lammrippen und ein Rotweinpunsch wird zubereitet.

In Russland feiert die orthodoxe Kirche das Weihnachtsfest erst am 6. Januar. Die Geschenke allerdings bringt Väterchen Frost (Dyed Maroz) zusammen mit seiner Enkelin "Snegurotschka" (Schneeflocke) und manchmal einem Jungen, der das Neue Jahr verkörpert.
Früher bekamen die Kinder ihre Gaben von Mütterchen Babuschka. Nach der Legende soll sie den Heiligen Drei Königen Quartier und Speise versagt haben und muss sich deshalb für immer auf die Suche nach dem Jesuskind machen.
Die Weihnachtszeit im Rahmen der orthodoxen Kirche ist eher eine Fastenzeit. Das bedeutet, dass fleischlose Kost angesagt ist. Zentrale Speise ist Kutya, ein porridge-ähnliches Gericht aus Weizen- und anderen Getreidekörnen (sie stehen für Hoffnung) sowie Honig und Mohn (Freude und Erfolg). Natürlich fehlt zu Weihnachten auch Borschtsch nicht auf dem Speiseplan.

In Großbritannien wir das Fest am 25. Dezember gefeiert. Am Vorabend hängen die Kinder ihre Strümpfe an den Kamin, denn in dieser Nacht kommt "Santa Claus" mit seinem Rentierschlitten über die Dächer gebraust und wirft die Geschenke durch den Kamin!
Der Truthahn gehört neben dem mit Gin und Rum übergossenen brennenden Plumpudding zum traditionellen Weihnachtsessen.
Gut 10 Millionen köstlich gefüllte Puter stehen am Weihnachtstag auf englischen Festtischen! Weihnachten ist in England ein fröhliches Fest, deshalb werden gern Pappkrönchen aufgesetzt und Knallbonbons platzen mit lautem Getöse. Der Mistelzweig ist ein wichtiges Weihnachtssymbol vor allem in England, Schottland und Irland. Damit werden die bösen Geister vertrieben - das taten schon die Druiden in vorchristlichen Zeiten und der Brauch hat sich erhalten - vielleicht auch deshalb, weil unter dem Mistelzweig jede/r geküsst werden darf!

In Frankreich kommt seit über 600 Jahren "Père Noel" und bringt die Gaben in der Nacht zum 25. Dezember wie sein englischer Kollege durch den Kamin. Aus den Weihnachtsfeiertagen machen die Franzosen gerne ein ausgelassenes Fest. Am 25. gibt es traditionsgemäß ein opulentes Mahl, bei dem "Foie Gras" (Gänsestopfleber) als Beginn und "Bûche de Noel" als Abschluss nicht fehlen dürfen. "Bûche de Noel" ist eine holzscheitförmige Buttercremetorte, deren Ursprung wohl aus dem germanischen "Julklotz" abzuleiten ist. Dieser traditionelle "Weihnachtsklotz" erwärmte früher das Festzimmer. Dabei müssen immer so viele Scheite im Kamin liegen, wie es Familienmitglieder gibt. In einigen Familien gibt es diesen Brauch noch heute.

Die Amerikaner schmücken ihre Häuser und Vorgärten, die Geschäfte und die Straßen üppig mit bunten Lichterketten und Figuren - je schriller, um so besser!
Am 24. Dezember werden große Socken an den Kamin gehängt! "Santa Claus" schlüpft in der Nacht durch den Schornstein und füllt diese mit seinen Gaben.
In den USA ist es üblich, den Weihnachtsbaum bei sogenannten "Tree-Partys" reihum bei Freunden und Bekannten gemeinsam schon Tage vor dem Fest zu schmücken.
Am 24. Dezember gibt es meist nach der Mitternachtsmette ein Mitternachtssüppchen und am 25. Dezember den obligatorischen Weihnachtstruthahn.

In Italien feiert man das Weihnachtsfest am 25. Dezember und wünscht sich "Buon Natale" was soviel wie "ein gutes Geburtsfest" heißt.
Wichtiger als der Tannenbaum ist hier die Krippe - in Erinnerung an Franz von Assisi der als erster die Weihnachtsgeschichte mit Figuren darstellte.
In Italien ist Weihnachten ein frommes Fest, ein Familienfest und viele Italiener fasten am 24. Dezember. Nach der Mitternachtsmesse dann gibt es ein Fest und dabei darf der Weihnachtskuchen "Panetone" nicht fehlen. Das traditionelle Weihnachtsgericht ist "pollo al riso" Huhn mit Reis.
Geschenke gibt es erst am 6. Januar - dann, als die Heiligen Drei Könige das Christuskind beschenkten.

Auch in Spanien feiert man am 25. Dezember den Weihnachtstag als fröhliches Fest "Feliz navidad". Gegen 21 Uhr beginnt in den meisten Familien das Festessen mit Krustentieren, Fisch, Lammbraten und "Mantecados", dem Schmalzgebäck. In Spanien wird wie in Italien die Krippe aufgestellt, weniger der Baum und fehlen darf auch nicht der "Turron" - eine Art türkischer Honig.
Geschenke gibt es auch hier erst am Dreikönigstag "Los Reyes".

Wir hoffen, Ihnen mit diesem kleinen weihnachtlichen Ausflug in andere Länder einen Einblick gegeben zu haben, wie man hier und anderswo Weihnachten feiert, was man auf den Tisch bringt und wie man die Festtage gestaltet! Vielleicht konnten wir Sie damit auch ein wenig auf die bevorstehenden Festtage einstimmen!